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Weißer Hirsch 05.05.2021 15:00

Ich habe mir vorhin den gestrigen Kekule-Corona-Kompass angehört. Für mich die ausgewogenste aller verfügbaren Informationsquellen. Und er stellte darin auch die Frage, wo denn nun die ganzen Schwarzmaler seien. Als hier vor 14 Tage einige Protagonisten alles dicht machen wollten, weil sonst die Zahlen in Richtung Inzidenz 1.000 schießen, habe ich damals auch auf diesen Podcast verwiesen. Weil er schon damals eine, vom sonst nur stattfindeten schwarz-weiß oder gut-schlecht Meinungsbild, abweichende Stellung bezog. Er behielt nicht das erste Mal mit seiner Einschätzung recht.

Heute wissen wir, es kam anders als uns damals von den Schwarzsehern vorhergesagt wurde. Die Zahlen stiegen nicht weiter exponentiell, die Intensivstationen liefen nicht über. Beide Indikatoren sinken aktuell. Ob wir wirklich im Juni die Inzidenz 50 haben, wie auf einmal von Herrn Lauterbach kommuniziert (dessen Jünger so einen Meinungsschwenk ja scheinbar unbeeindruckt wegstecken), glaube ich persönlich auch nicht. Wir sollten weiter vorsichtig sein. Aber Radikalvorschläge im Zusammenhang mit der moralischen Keule bringen uns in dieser Pandemie irgendwann nicht mehr weiter.

iaux 05.05.2021 15:17

Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1600395)
Kann man das nicht erst nach einer gewissen Zeit bewerten? Mir scheint, das kann gut gehen oder auch nicht.

Die Inzidenz ist doch bereits nach unten gegangen noch bevor die Bundesnotbremse in Kraft getreten ist...

Mein Beitrag bezog sich aber tatsächlich darauf, dass die Politiker, kaum dass die Notbremse in Kraft getreten ist, sich schon mit Maßnahmen zur Lockerung überbieten.:Blumen:

LidlRacer 05.05.2021 15:42

Zitat:

Zitat von Adept (Beitrag 1600423)
Ich glaube, genau hier scheiden sich die Geister.

Die einen befürchten ein Katastrophe mit überfüllten Intensivstationen, die anderen sagen, es ist handlebar und zur Katastrophe kommt es nicht. Dazu hat jeder eine eigene Interpretation, was eine Katastrophe ist.

Da kommt man nicht auf einen Nenner, muss man aber auch nicht. Die Angstlevels der Menschen sind halt verschieden.

Herzlichen Glückwunsch zu deinem Mut und deiner Tapferkeit, möglichst viele Menschen sterben zu lassen, ohne das Gesundheitssystem zu überlasten!
Im Grunde ist das momentan die praktizierte Strategie, aber man kann das sicher noch um ein paar Prozent weiter maximieren ...
:Nee:

Michael Meyer-Hermann:
"[...] auf einer mittleren oder hohen Inzidenz sich zu stabilisieren, bedeutet, dass wir versuchen, die Zahl der Toten so zu maximieren, dass unser Gesundheitssystem nicht überlastet wird.
Und insofern finde ich es ziemlich zynisch, dass [...] so als Erfolg zu werten. Das ist eigentlich für mich der größte Misserfolg - vor allem wenn man sieht, dass man eine Alternative hat."

Im Zusammenhang im Video hier:
Online-Anhörung
„Strategien der Pandemiebekämpfung“


Am 4. Mai 2021 veranstalten sieben Landtagsfraktionen der Grünen eine gemeinsame Online-Anhörung mit sieben renommierten Expert*innen aus Wissenschaft und Medizin. Wir befinden uns inmitten der dritten Corona-Welle – gleichzeitig ist das Bedürfnis, Perspektiven für ein Leben mit dem Virus zu haben, in der Gesellschaft riesengroß. Das Impfen nimmt an Fahrt auf, umso entscheidender wird es sein, jetzt die Infektionszahlen zu senken und die Weichen für die letzten zähen Wochen und Monate im Kampf gegen das Virus richtig zu stellen, um die eigenen Erfolge nicht zu gefährden. Im Zentrum des Grünen Corona-Hearings stehen deshalb Strategien für die unmittelbare Bekämpfung der hohen Infektionsraten, aber genauso notwendige Strategien für ein Leben mit dem Virus.

Entscheidend für diese richtigen Weichenstellungen ist ein enger Austausch zwischen Wissenschaft und Politik. Diesen wollen wir mit dieser Anhörung fortsetzen und ausbauen. Dazu haben wir uns mit vielen Grünen Landtagsfraktionen zusammengeschlossen. Denn entscheidend ist gerade auch in der Corona-Pandemie, länderübergreifend miteinander zu diskutieren und zu handeln.

Veranstalterinnen:

Landtagsfraktionen von Bündnis 90/Die Grünen aus Bayern, Brandenburg, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Thüringen.

Expert*innen:
Prof. Dr. Melanie Brinkmann
Virologin, Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung Braunschweig
Prof. Dr. Elvira Rosert
Politikwissenschaftlerin, Universität Hamburg
Prof. Dr. Dirk Brockmann
Physiker und Mobilitätsforscher, Humboldt-Universität Berlin
Dr. Markus Beier
Allgemeinmediziner, Landesvorsitzender Bayerischer Hausärzteverband
Dr. Ute Teichert
Vorsitzende Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentl. Gesundheitsdienstes e.V.
Prof. Dr. Michael Meyer-Hermann
Immunologe, Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung Braunschweig
Prof. Dr. Menno Baumann
Pädagoge, Fliedner Fachhochschule Düsseldorf

Schwarzfahrer 05.05.2021 15:55

Zitat:

Zitat von Weißer Hirsch (Beitrag 1600471)
Heute wissen wir, es kam anders als uns damals von den Schwarzsehern vorhergesagt wurde.

Nicht nur wir, auch das Bundesministerium für Gesundheit weiß es:

Adept 05.05.2021 16:46

Zitat:

Zitat von LidlRacer (Beitrag 1600486)
Herzlichen Glückwunsch zu deinem Mut und deiner Tapferkeit, möglichst viele Menschen sterben zu lassen, ohne das Gesundheitssystem zu überlasten!
Im Grunde ist das momentan die praktizierte Strategie, aber man kann das sicher noch um ein paar Prozent weiter maximieren ...
:Nee:

...

Das ist doch nur Heuchelei.

Im Endeffekt geht es bei deinem Ruf nach mehr Massnahmen und schnellstmöglichen Impfung für alle nur um dich, dass du dich selbst nicht ansteckst. Und um es zu rechtfertigen, beschreibst du hier Horrorszenarien und schiebst es auf die anderen.

Es ist ok, an sich zu denken, aber da sollte man auch ehrlich sein.

LidlRacer 05.05.2021 16:52

Zitat:

Zitat von Adept (Beitrag 1600497)
Das ist doch nur Heuchelei.

Im Endeffekt geht es bei deinem Ruf nach mehr Massnahmen und schnellstmöglichen Impfung für alle nur um dich, dass du dich selbst nicht ansteckst. Und um es zu rechtfertigen, beschreibst du hier Horrorszenarien und schiebst es auf die anderen.

Es ist ok, an sich zu denken, aber da sollte man auch ehrlich sein.

Das ist grober Unfug.

Adept 05.05.2021 16:53

Zitat:

Zitat von deralexxx (Beitrag 1600456)
Ja man könnte auch sagen die Skrupel der Menschen ist halt verschieden. Immer wieder zusagen die Menschen hätten Angst, wenn man weltweit mehrere Beispiele hat wie es ausgeht wenn man garnix macht oder die Stellschrauben zu locker macht ist einfach blanker Hohn.

Welche Schrauben man wie dreht darüber kann man vortrefflich diskutieren und argumentieren. Einfach lockern weil es ist ja aktuell alles gut und dabei zu ignorieren, welche Anstrengungen gemacht werden damit die Zahlen so sind wie sie sind :confused:

Angst haben ist keine Schande und kein Problem, Geheuchel und moralische Bigotterie schon.

captain hook 05.05.2021 16:54

Zitat:

Zitat von Adept (Beitrag 1600497)
Das ist doch nur Heuchelei.

Im Endeffekt geht es bei deinem Ruf nach mehr Massnahmen und schnellstmöglichen Impfung für alle nur um dich, dass du dich selbst nicht ansteckst. Und um es zu rechtfertigen, beschreibst du hier Horrorszenarien und schiebst es auf die anderen.

Es ist ok, an sich zu denken, aber da sollte man auch ehrlich sein.

Im Endeffekt wird sich die Situation im Land um so schneller "normalisieren" je schneller die Kennzahlen die zur Bewertung herangezogen werden in den festgelegten Korridor kommen. Und vermutlich funktioniert das mit Impfen und Maßnahmen schneller als mit "laufen lassen". Und da ganz viele Maßnahmen doof finden, sollten wir doch zusehen, dass wir sie möglichst schnell wieder loswerden. Und Du bist der erste der jammert wenn es wieder neue Maßnahmen gibt weils sich nicht entwickelt wie man sich das so vorstellt da wo es entschieden wird.

Matthias75 05.05.2021 16:57

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1600491)
Nicht nur wir, auch das Bundesministerium für Gesundheit weiß es:

Die Zahlen bzw. den Bericht kann man natürlich interpretieren, wie man will. Die Aussage ist schlussendlich nur, dass unser Gesundheitssystem 2020 (zum Glück) nicht an seine Grenzen gekommen ist.

Offen bleibt allerdings, wie es bei anderen Szenarien ausgesehen hätte.

M.

deralexxx 05.05.2021 17:03

Zitat:

Zitat von Adept (Beitrag 1600497)
Das ist doch nur Heuchelei.

Im Endeffekt geht es bei deinem Ruf nach mehr Massnahmen und schnellstmöglichen Impfung für alle nur um dich, dass du dich selbst nicht ansteckst. Und um es zu rechtfertigen, beschreibst du hier Horrorszenarien und schiebst es auf die anderen.

Es ist ok, an sich zu denken, aber da sollte man auch ehrlich sein.

Was du als Horrorszenarien und Angst bezeichnest klingt als würde man davon sprechen morgen fällt ein Asteroid auf die Erde. Das ist aber leider nicht der Fall.

Wo ist deine Grenze, wieviele Corona Toten und Langzeiterkrankte (LongCovid) für dich okay sind pro Jahr. Daraus ableitend kann man diskutieren wie man möglichst schonend für den Rest nicht über diese Zahl drüber schießt.

Die aktuelle Richtung ist, wir akzeptieren ca. 250-300 Tote pro Tag. Darauf sind die Maßnahmen ausgelegt mit leichter Tendenz die Zahlen nach unten zu drücken.

Bin ich glücklich mit den anhaltenden Maßnahmen und 250 Toten pro Tag? Nein.

Im Grunde ist die Pandemie eine Funktion aus f(Einschränkungen,Kapazität Gesundheitssystem,Staatliche Unterstützung,Zeit) --> Tote, Kranke, Wirtschaftliche Schäden.

Die Kapazität des Gesundheitssystems nehme ich mal halbwegs konstant an, man kann zwar mehr Betten kaufen, aber der Flaschenhals ist hier eher Die Pflege etc.

Ein paar Extrembeispiele:

a) Einschränkungen maximal, Staatliche Unterstützung hoch, Dauer kurz --> minimal Tote, minimal Kranke, Wirtschaftliche Schäden überschaubar

b) Einschränkungen nicht existent, Staatliche Hilfe null, Dauer lang --> maximal Tote, maximal Kranke, wirtschaftliche Schäden hoch wegen weg brechender Arbeitskraft

c) Einschränkungen halb, Staatliche Hilfe hoch, Dauer lang --> Flugzeug pro Tag Tote, Drei Flugzeuge Langzeiterkrankte pro Tag, Wirtschaftliche Schäden in die Länge gezogen

Für mich ist c) ein Horrorszenario, b) nicht wirklich toll und a) das was wir hätten im November tun sollen.

Zweifelst du daran, dass c) eintreten würde?

Adept 05.05.2021 17:10

Zitat:

Zitat von captain hook (Beitrag 1600501)
Im Endeffekt wird sich die Situation im Land um so schneller "normalisieren" je schneller die Kennzahlen die zur Bewertung herangezogen werden in den festgelegten Korridor kommen. Und vermutlich funktioniert das mit Impfen und Maßnahmen schneller als mit "laufen lassen". Und da ganz viele Maßnahmen doof finden, sollten wir doch zusehen, dass wir sie möglichst schnell wieder loswerden. Und Du bist der erste der jammert wenn es wieder neue Maßnahmen gibt weils sich nicht entwickelt wie man sich das so vorstellt da wo es entschieden wird.

Da haben wir halt unterschiedliche Ansichten. Ich denke, die Bewertungskriterien (Inzidenz) und Massnahmen sind nicht klar genug. Und ich glaube, dass die Basisregeln ausreichen, um die Pandemie unter Kontrolle zu halten, du nicht. Das ist auch völlig ok.

Du schreibst wenigstens offen, dass du dich nicht anstecken möchtest. Und das ist völlig ok und nachvollziehbar. Aber dieses Gerede, ja, ...die anderen sterben und daher ist es wichtig...usw.

Wenn es den Leuten wirklich wichtig wäre, dass ein Minimum stibt, sollte man nur seine Grundbedürfnisse decken und den Rest an eine Kinder-Hunger-Hilfe spenden. Frag mal die hier in die Runde der "Guten", wer von denen das macht.

Flow 05.05.2021 17:11

Zitat:

Zitat von Adept (Beitrag 1600500)
Angst haben ist keine Schande und kein Problem, Geheuchel und moralische Bigotterie schon.

Hab dich nicht so ... ;)

Schon Molière wußte :
Il n’y a plus de honte maintenant à cela : l’hypocrisie est un vice à la mode, et tous les vices à la mode passent pour vertus.
:)

Die vollständige Lektüre lohnt natürlich auch.
Oder zumindest die Rede bzgl der Hypocrisie, zu finden hier ...

deralexxx 05.05.2021 17:13

Mal was aus der Schweiz:

Zitat:

Muss man sich im Wohn- oder Arbeitskanton impfen lassen?
«Es ist grundsätzlich vorgesehen, dass man sich in einem anderen Kanton impfen lassen kann, zum Beispiel am Arbeitsort», sagt Nartey. Das werde so bereits praktiziert. «Die Zuteilung des Impfstoffes an die Kantone ist nach Bevölkerung. Wenn jetzt alle Zürcher nach Bern kommen, wird es schwierig. Vor allem wenn dann alle Zürcher noch schneller wählen, als die Berner. Allerdings haben wir heute gesehen, wie schnell die Berner sein können.» Impftourismus mache keinen Sinn, so Nartey.

...

Fallzahlen
Urs Karrer sagt, das Testverhalten sei relativ stabil. «Die Fallzahlen müssten deutlich tiefer sein, als sie jetzt sind», sagt er. «Wenn wir jetzt hohe Fallzahlen haben, beziehen sich diese auf die kleiner werdende Zahl der Ungeimpften.»

Hab schon von einigen gehört, die sich in Bern angemeldet haben weil dort die Impfseite wohl offen ist.

https://www.20min.ch/story/2-wochen-...t-654220179949

Flow 05.05.2021 17:16

Zitat:

Zitat von Adept (Beitrag 1600504)
Wenn es den Leuten wirklich wichtig wäre, dass ein Minimum stibt, sollte man nur seine Grundbedürfnisse decken und den Rest an eine Kinder-Hunger-Hilfe spenden. Frag mal die hier in die Runde der "Guten", wer von denen das macht.

Geh bloß weg mit der Wahrheit ... :Lachen2:

Adept 05.05.2021 17:18

Zitat:

Zitat von Flow (Beitrag 1600506)
Hab dich nicht so ... ;)

Schon Molière wußte :
Il n’y a plus de honte maintenant à cela : l’hypocrisie est un vice à la mode, et tous les vices à la mode passent pour vertus.
:)

Die vollständige Lektüre lohnt natürlich auch.
Oder zumindest die Rede bzgl der Hypocrisie, zufinden hier ...

Haha :Lachen2:

Musste es übersetzen, kann kein Französisch, aber da ist was Wahres dran. ;)

Schwarzfahrer 05.05.2021 17:30

Zitat:

Zitat von deralexxx (Beitrag 1600503)
Wo ist deine Grenze, wieviele Corona Toten und Langzeiterkrankte (LongCovid) für dich okay sind pro Jahr.
...
Die aktuelle Richtung ist, wir akzeptieren ca. 250-300 Tote pro Tag. Darauf sind die Maßnahmen ausgelegt mit leichter Tendenz die Zahlen nach unten zu drücken.

Gegenfrage: wie viele Tote durch virale ausgelöste Lungenentzündung bzw. deren Folgen haben wir bisher jährlich akzeptiert? Und hat sich diese Gesamtsumme geändert, oder verschiebt sie sich hauptsächlich von einem Virus zum anderen? M.W. sind deutlich mehr als 10 % der täglichen Toten auf Grund von schweren viralen Erkrankungen weitgehend im Rahmen der bisher auch als natürlich geltenden Todesursachen. (Ich las noch letztes Jahr Zahlen dazu, finde es aber nicht mehr, darum nichts konkreteres).
Zitat:

Zitat von deralexxx (Beitrag 1600503)
Im Grunde ist die Pandemie eine Funktion aus f(Einschränkungen,Kapazität Gesundheitssystem,Staatliche Unterstützung,Zeit) --> Tote, Kranke, Wirtschaftliche Schäden.

ergänzend: gesellschaftliche Schäden, die ich für noch nachhaltiger und problematischer finde, als die wirtschaftlichen.
Zitat:

Zitat von deralexxx (Beitrag 1600503)
Ein paar Extrembeispiele:

a) Einschränkungen maximal, Staatliche Unterstützung hoch, Dauer kurz --> minimal Tote, minimal Kranke, Wirtschaftliche Schäden überschaubar

b) Einschränkungen nicht existent, Staatliche Hilfe null, Dauer lang --> maximal Tote, maximal Kranke, wirtschaftliche Schäden hoch wegen weg brechender Arbeitskraft

c) Einschränkungen halb, Staatliche Hilfe hoch, Dauer lang --> Flugzeug pro Tag Tote, Drei Flugzeuge Langzeiterkrankte pro Tag, Wirtschaftliche Schäden in die Länge gezogen

Für mich ist c) ein Horrorszenario, b) nicht wirklich toll und a) das was wir hätten im November tun sollen.

Und woher weißt Du, daß bei a die Dauer nicht ebenso lang wäre, oder daß bei c die Dauer länger ist? (b ist die sicher unsinnigste Option). Es gibt viel mehr Szenarien, als Du annimmst, und welche real ist, weiß man im nachhinein. Aber auf jeden Fall kann sich keine Gesellschaft auf Dauer (länger als ein paar Wochen/Monate) allein and der Zahl der Toten durch eine ausgewählte Krankheit messen (die für knapp 10 % aller Toten verantwortlich ist) oder gar sein Gemeinwesen komplett danach ausrichten, ohne großen Schaden zu erleiden.

deralexxx 05.05.2021 17:46

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1600514)
ergänzend: gesellschaftliche Schäden, die ich für noch nachhaltiger und problematischer finde, als die wirtschaftlichen.

Stimmt, das hab ich in der Tag vergessen.

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1600514)
...

Deshalb habe ich Extremfälle gewählt. Ich denke die Basis dieser kann man in schön in verschiedenen Ländern beobachten, bzw welche Dinge zu welchen Tendenzen führen. Wissen ob es so ist kann man immer hinterher. Wenn du den Zusammenhang zwischen Anzahl und Härte der Maßnahmen und benötigter Dauer um die Zahlen klein zu bekommen zweifelst, brauch ich mir nicht die Mühe machen dir zu antworten. Also, adept, Schwarzfahrer, was ist für euch Zumutbar?

Auzuweichen und zu sagen "wer die Frage stellt muss ab jetzt wie ein Einsiedler leben" oder "ja aber wir tun doch auch nix gegen Krankheit y" weicht einfach nur aus, Butter bei die Fische.

Stefan 05.05.2021 17:56

Zitat:

Zitat von deralexxx (Beitrag 1600507)
Mal was aus der Schweiz:



Hab schon von einigen gehört, die sich in Bern angemeldet haben weil dort die Impfseite wohl offen ist.

https://www.20min.ch/story/2-wochen-...t-654220179949

Ich habe mich am Morgen auf der kantonalen Seite registriert (ich wohne und arbeite im Kanton Bern). Im ganzen Kanton gab es nur noch einen freien Slot (wäre sogar schon diesen Samstag gewesen). Da ich im HomeOffice arbeite und es viele Menschen gibt, die einer Impfung entgegenfiebern, habe ich mich nicht angemeldet.

Pascal 05.05.2021 17:58

Zitat:

Zitat von Adept (Beitrag 1600430)
Ich kenne auch einen Intensivpfleger, den ich jede Woche sehe. Seit langer Zeit hat sich die Lage normalisiert, am Anfang der Pandemie war es kritisch. Also, ich habe genauso viel über den Tellerrand geschaut wie du, komme aber zum anderen Ergebnis. Manchmal ist die Realität nicht so einfach.

So kann nur jemand schreiben, der mit Sicherheit nicht die beeindruckende und auch hier schon mehrfach erwähnte Serie Charité intensiv gesehen hat. Aber vielleicht waren das dort auch alles Schauspieler...:Huhu:

NBer 05.05.2021 18:21

Ich zitiere aus einem Interview vom 24.4.21 mit dem Klinikchef der größten Krankenhaus hier bei uns in der Gegend: „Bei uns sind zurzeit 11 von 12 Betten für Corona-Intensivpatienten belegt, in der allgemeinen Intensiv-Station 20 von 20 Betten."
Er war trotzdem noch recht entspannt, weil sie, wie er sagt, noch Notfallkonzepte haben. Aber voll war es definitiv. Ein größerer Unfall und die Lage wäre gekippt.
Undenkbar, wenn man sich die Belegungszahlen ohne Maßnahmen ausmalen würde.

qbz 05.05.2021 19:02

Also manchmal habe ich beim Reinschauen in diesen Thread ein Déjà-vu-Gefühl und glaube, die Zeit wäre stehen geblieben. :)

Aus dem März 2020:
Zitat:

Zitat von jörn;
Dass die zunehmende Isolation (social Distancing) einen Effekt haben wird, da sind sich alle sicher. Die Frage ist jedoch, ob die Kapazität der Krankenhäuser exakt getroffen wird, oder ob wir stark darüber oder stark darunter liegen werden (beide Fälle wären nicht gut). In dem einen Fall bezahlen wir unseren Irrtum mit Menschenleben; in dem anderen Fall bezahlen wir unseren Irrtum mit Geld. Was wäre uns lieber?

https://www.triathlon-szene.de/forum...postcount=2718

Zitat:

Zitat von qbz;
Die Krankenhäuser sind jetzt auf die zeitnahe optimale Versorgung mit Skiunfällen z.B. in den Alpenländern eingerichtet mit ihren Kapazitäten oder auf Autounfälle etc.

Bei der Epidemie könnte es hingegen wie in Wuhan zu einer Überlastung der Krankenhäuser und Intensivstationen kommen, d.h. sowohl die Corona-Patienten wie die anderen Patienten können dann eventuell nicht mehr optimal versorgt werden.

Unsere auf Effizienz und Kostenersparnis getrimmten Krankenhäuser (bei Personal, Betten und Material) haben keine "Puffer" für eine solche Epidemie.

https://www.triathlon-szene.de/forum...postcount=1285

Matthias75 05.05.2021 19:28

Zitat:

Zitat von Stefan (Beitrag 1600517)
Ich habe mich am Morgen auf der kantonalen Seite registriert (ich wohne und arbeite im Kanton Bern). Im ganzen Kanton gab es nur noch einen freien Slot (wäre sogar schon diesen Samstag gewesen). Da ich im HomeOffice arbeite und es viele Menschen gibt, die einer Impfung entgegenfiebern, habe ich mich nicht angemeldet.

Respekt vor deiner Entscheidung!

M.

Schwarzfahrer 05.05.2021 19:55

Zitat:

Zitat von deralexxx (Beitrag 1600515)
Ich denke die Basis dieser kann man in schön in verschiedenen Ländern beobachten, bzw welche Dinge zu welchen Tendenzen führen.

Ich beobachte, daß die gleichen Dinge zu (je nach Land) sehr unterschiedlichen Tendenzen führen können.
Zitat:

Zitat von deralexxx (Beitrag 1600515)
Also, adept, Schwarzfahrer, was ist für euch Zumutbar?

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, erste Gedanken:
Für mich ist zumutbar, daß Personen mit höherem Risiko mehr selbst für ihren Schutz beitragen, bzw. selbst entscheiden dürfen, wie viel Risiko sie eingehen mögen (letzetres ist für alle zumutbar).
Es ist zumutbar, daß ich mit einem gewissen Lebensrisiko auch bzgl. dieser Krankheit lebe, und selber entscheiden darf, ob ich zu gewissen Veranstaltungen hingehe, oder ob ich mich mit Maske oder Impfung schütze, auch wenn ich nicht weiß, was der "Corona-Status" der anderen ist.
Es ist zumutbar, im Umfeld von Pflegeheimen u.ä. Risikobereichen dem Personal gewisse Impfungen und Verhaltensweisen auferlegt werden.
Es ist zumutbar, regelmäßig statistisch relevante Stichproben der Bevölkerung zu testen, Abwässer zu untersuchen, bekannte Infektionen zu melden, etc., um die Prävalenz und stärker betroffene Gebiete/Bereiche/Bevölkerugsgruppen zu erkennen und im Auge zu behalten.
Es ist zumutbar, Büros, Schulen und alle Einrichtungen, wo viele Menschen stundenlang zusammen sind, mit guten Lüftungsanlagen zu versehen und z.B. Neubauten mit nicht öffenbaren Fenstern zu verbieten (wäre sinnvoller als viele anderen aktuell gängigen Sicherheitsvorschriften).
Es ist zumutbar, daß ein Teil der natürlichen Todesfälle auf das Konto von Corona geht, solange sich daraus keine monatelange Übersterblichkeit ergibt und die Verstorbenen das Durchschnittsalter der sonstigen natürlichen Todesfälle nicht absenken. [/quote]

LidlRacer 05.05.2021 20:03

Verfassungsgericht hat Eilanträge gegen Ausgangssperren abgewiesen - gut so!
Schon mal gut, aber in der Sache wird später noch mal entschieden ...

NBer 05.05.2021 20:05

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1600536)
......
Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, erste Gedanken:
Für mich ist zumutbar, daß Personen mit höherem Risiko mehr selbst für ihren Schutz beitragen, bzw. selbst entscheiden dürfen, wie viel Risiko sie eingehen mögen (letzetres ist für alle zumutbar).
Es ist zumutbar, daß ich mit einem gewissen Lebensrisiko auch bzgl. dieser Krankheit lebe, und selber entscheiden darf, ob ich zu gewissen Veranstaltungen hingehe, oder ob ich mich mit Maske oder Impfung schütze, auch wenn ich nicht weiß, was der "Corona-Status" der anderen ist......

Du merkst aber schon bei all diesen Punkten, dass es dort immer nur um die Abschätzung des eigenen Risikos geht, nie um den Schutz oder das Risiko anderer durch das eigene Verhalten? Es ist praktisch für dich nicht zumutbar auf andere Rücksicht zu nehmen.
Ich habe dazu letztens einen schönen Spruch gehört "Momentan läuft die Spaltung der Gesellschaft zwischen Solidarität und Egoismus". Ich denke, dass trifft es ganz gut.

trithos 05.05.2021 20:13

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1600536)
... Es ist zumutbar, daß ein Teil der natürlichen Todesfälle auf das Konto von Corona geht, solange sich daraus keine monatelange Übersterblichkeit ergibt und die Verstorbenen das Durchschnittsalter der sonstigen natürlichen Todesfälle nicht absenken.

Ich vermute, dass Du mit der von mir fett markierten Formulierung meinst, dass die durchschnittliche Lebenserwartung nicht sinken darf. Nun, in diesem Sinne ist die Situation nach Deinem eigenen Anspruch eigentlich unzumutbar, zumindest in Österreich. Ich zitiere die folgende Statistik zur Lebenserwartung in Österreich:

https://de.statista.com/statistik/da...n-oesterreich/

"Im Jahr 2020 betrug die durchschnittliche Lebenserwartung von neugeborenen Männern in Österreich geschätzt 78,9 Jahre; bei den Frauen waren es 83,7 Jahre. Damit sank sie jeweils gegenüber dem Vorjahr, was auf die Corona-Pandemie hinweist."

Schwarzfahrer 05.05.2021 20:26

Zitat:

Zitat von NBer (Beitrag 1600539)
Du merkst aber schon bei all diesen Punkten, dass es dort immer nur um die Abschätzung des eigenen Risikos geht, nie um den Schutz oder das Risiko anderer durch das eigene Verhalten?
Ich habe dazu letztens einen schönen Spruch gehört "Momentan läuft die Spaltung der Gesellschaft zwischen Solidarität und Egoismus". Ich denke, dass trifft es ganz gut.

Selektives Zitieren. Die nicht zitierten Absätze enthalten m.M.n. Maßnahmen, die eben dem Schutz der Menschen dienen; welche "egoistischen Antriebe" siehst Du in Auflagen für Pflegheim-Personal, Gebäudeplanung oder Überwachung der Ausbreitung?

Den Begriff "zumutbar" beziehe ich auf durch die Regierung/Obrigkeit verordnete Maßnahmen bzw. Einschränkungen. Daß ich mein Verhalten so gestalte, daß ich andere schütze (umso mehr, je wahrscheinlicher es ist, daß ich andere anstecken könnte) ist für mich eine Selbstverständlichkeit meiner Eigenverantwortung. Da ich aber mich eh nicht darauf verlassen kann, daß sich alle zu 100 % so verhalten (egal was vorgeschrieben ist, und unabhängig davon, ob es zumutbar ist), ist es auch meine Eigenverantwortung, mich nicht darauf zu verlassen, wenn ich mir sorgen mache. Auf jeden Fall halte ich es nicht für zumutbar, Menschen mit << 0,5 % Risiko, andere zu infizieren, generell Verhaltenseinschränkungen als Pflicht aufzuerlegen. Aufklärung und Empfehlungen sind selbstverständlich, und fallen nicht in die Kategorie zumutbar.

Die Spaltung verläuft m.M.n. zunehmend zwischen der kollektivistischen oder kommunitaristischen Sicht, daß sich alle einem (irgendwie extern formuliertem) Ziel unterzuordnen haben und dem Liberalismus oder Individualismus, nach der auch unterschiedliche, eigenverantwortliche Sichtweisen nebeneinander akzeptiert werden können.

Schwarzfahrer 05.05.2021 20:29

Zitat:

Zitat von trithos (Beitrag 1600540)
Ich vermute, dass Du mit der von mir fett markierten Formulierung meinst, dass die durchschnittliche Lebenserwartung nicht sinken darf.

Nein, das habe ich nicht wirklich im Kopf gehabt, da dies ein theoretischer Wert ist, in den verschiedene Annahmen eingehen. Mir schwebte eher sowas vor, daß z.B. 90 % der Verstorbenen weiterhin aus der gleichen Alterskohorte zwischen x und y Jahren kommen, mit einer Streuung von 1 - 2 Jahren.

deralexxx 05.05.2021 20:38

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1600536)
Ich beobachte, daß die gleichen Dinge zu (je nach Land) sehr unterschiedlichen Tendenzen führen können.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, erste Gedanken:
...
Es ist zumutbar, daß ein Teil der natürlichen Todesfälle auf das Konto von Corona geht, solange sich daraus keine monatelange Übersterblichkeit ergibt und die Verstorbenen das Durchschnittsalter der sonstigen natürlichen Todesfälle nicht absenken.

[/quote]

Ok wieviele? 10 000 -20 000 in einem Monat wären okay für dich? Das sind so die Größenordnungen die ich gefunden habe was passieren würde wenn man in Deutschland einfach laufen lassen würde.

Die "jeder übernimmt für sich Verantwortung" Argumente wurden ja schon mehrfach bis ins kleinste Detail mit pro und kontra hier diskutiert und einiges davon wird ja aktuell auch schon gemacht.

Paar Quellen zu der Größenordnung wobei ich bewusst deutlich unter den dort genannten Zahlen geblieben bin, da wir mittlerweile viele Geimpfte haben und mehr über das Virus wissen.:
https://www.kardiologie.org/covid-19...erben/17977876
https://www.riffreporter.de/de/wisse...mie-der-jungen

P.s. auch wenn ich 100 % anderer Meinung als du bin, bin ich dennoch an der Argumentation etc interessiert und bin dankbar, dass du es immer wieder lang ausformulierst, auch wenn ich mir gleichzeitig denke "jetzt versteh es doch endlich" :blumen:

NBer 05.05.2021 20:43

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1600541)
Selektives Zitieren. Die nicht zitierten Absätze enthalten m.M.n. Maßnahmen, die eben dem Schutz der Menschen dienen; welche "egoistischen Antriebe" siehst Du in Auflagen für Pflegheim-Personal, Gebäudeplanung oder Überwachung der Ausbreitung?......

Keine. Aber auch dort geht es nie um eigene zumutbare Einschränkungen.

trithos 05.05.2021 20:45

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1600542)
Nein, das habe ich nicht wirklich im Kopf gehabt, da dies ein theoretischer Wert ist, in den verschiedene Annahmen eingehen. Mir schwebte eher sowas vor, daß z.B. 90 % der Verstorbenen weiterhin aus der gleichen Alterskohorte zwischen x und y Jahren kommen, mit einer Streuung von 1 - 2 Jahren.

Okay. Kannst Du dann hier die entsprechende Statistik posten? Dann könnten wir die Frage der Zumutbarkeit faktenbasiert diskutieren.

LidlRacer 05.05.2021 21:03

Zitat:

Zitat von LidlRacer (Beitrag 1600538)
Verfassungsgericht hat Eilanträge gegen Ausgangssperren abgewiesen - gut so!
Schon mal gut, aber in der Sache wird später noch mal entschieden ...

Ich denke, diese Ausführungen lassen doch schon eine gewisse Tendenz erkennen:

"2. Die Ausgangsbeschränkung nach § 28b Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 IfSG ist auch nicht offensichtlich materiell verfassungswidrig. Es liegt nicht eindeutig und unzweifelhaft auf der Hand, dass sie zur Bekämpfung der Pandemie unter Berücksichtigung des Einschätzungsspielraums des demokratischen Gesetzgebers offensichtlich nicht geeignet, nicht erforderlich oder unangemessen wäre.

a) Die Ausgangsbeschränkung dient einem grundsätzlich legitimen Zweck. Der Gesetzgeber verfolgt in Erfüllung seiner verfassungsrechtlichen Schutzpflicht das Ziel, Leben und Gesundheit zu schützen, sowie die Funktionsfähigkeit des Gesundheitssystems als überragend gewichtigem Gemeingut und damit zugleich die bestmögliche Krankheitsversorgung sicherzustellen. Dieses Ziel soll durch effektive Maßnahmen zur Reduzierung von zwischenmenschlichen Kontakten erreicht werden.

b) Der Gesetzgeber betrachtet die Beschränkung des Aufenthalts im öffentlichen Raum als ein Mittel, um bisher in den Abendstunden stattfindende private Zusammenkünfte auch im privaten Raum zu begrenzen. Der vom Gesetzgeber erwartete Effekt, dass die Ausdehnung privater Zusammenkünfte durch die Ausgangsbeschränkung reduziert wird, ist jedenfalls nicht offensichtlich unplausibel. Es kommt hinzu, dass sich die Einhaltung der flankierenden Ausgangsbeschränkung grundrechtsschonender kontrollieren lässt als die Beschränkung privater Zusammenkünfte in privaten Räumen an sich. Ob die nächtliche Ausgangsbeschränkung geeignet ist, um ihr Ziel zu erreichen, ist fachwissenschaftlich umstritten. Ihre fehlende Eignung ist nicht evident. Der Gesetzgeber verfügt in der Beurteilung, ob die gesetzliche Regelung geeignet ist, um ihr Ziel zu erreichen, über eine Einschätzungsprärogative, die sich sowohl auf die Einschätzung und Bewertung der tatsächlichen Verhältnisse erstreckt als auch auf die etwa erforderliche Prognose und die Wahl der Mittel, um seine Ziele zu erreichen. Auch in der Beurteilung der Erforderlichkeit der Regelung kommt ihm ein Spielraum zu. Andere Mittel, die eine effektive Kontrolle vorhandener Kontaktbeschränkungen und darüber eine Reduktion der Ansteckungsrate ebenso wirksam gewährleisteten, aber weniger intensiv in Grundrechte eingriffen, liegen nicht offensichtlich auf der Hand.

c) Eine offensichtliche Unangemessenheit solcher Ausgangsbeschränkungen kann ebenfalls nicht erkannt werden. In den Hauptsacheverfahren über die Verfassungsbeschwerden wird die Verhältnismäßigkeit der hier angegriffenen gesetzlichen Regelung über die Ausgangsbeschränkung eingehender Prüfung bedürfen.

d) Die Ausgangsbeschränkung ist auch nicht deshalb offensichtlich ungeeignet, weil ihre Geltung an eine auf Landkreise und kreisfreie Städte bezogene Sieben-Tage-Inzidenz gebunden ist. Der Gesetzgeber sieht die Sieben-Tage-Inzidenz ohne klar ersichtliches Überschreiten seiner Einschätzungsprärogative als geeigneten Indikator für das Infektionsgeschehen an. Er geht davon aus, dass bei einer solchen Inzidenz eine Überlastung des Gesundheitswesens droht und die Eindämmung des Infektionsgeschehens durch Kontaktnachverfolgung endgültig nicht mehr möglich ist. Wegen der entsprechenden Erfahrungen in früheren Phasen der Pandemie hat das eine nachvollziehbare Grundlage."
https://www.bundesverfassungsgericht...bvg21-033.html
(Habe hier nur ca. 1/4 des Textes zitiert - und das möglicherweise etwas einseitig. :))

Hafu 06.05.2021 06:48

Zitat:

Zitat von Weißer Hirsch (Beitrag 1600471)
...
Heute wissen wir, es kam anders als uns damals von den Schwarzsehern vorhergesagt wurde. Die Zahlen stiegen nicht weiter exponentiell, die Intensivstationen liefen nicht über. Beide Indikatoren sinken aktuell. Ob wir wirklich im Juni die Inzidenz 50 haben, wie auf einmal von Herrn Lauterbach kommuniziert (dessen Jünger so einen Meinungsschwenk ja scheinbar unbeeindruckt wegstecken), ...

Du bist ein wenig in deiner Informationsblase gefangen:

Tweet von Karl Lauterbach am 12.1.2021:

Zitat:

Zitat von Karl Lauterbach

Es war jedem Experten Anfang des Jahres klar, dass die Impfungen (sobald sie mal in der Breite verfügbar sein würden) ein GameChanger in der Pandemie werden, sofern keine Mutanten, gegen die die aktuellen Impfungen nicht mehr wirken, auftreten würden.
Dass wir uns aber auf dem Weg in den Sommer und beim Umgang mit der dritten Welle im Gegensatz zur ersten Welle nicht mit Ruhm bekleckert haben, viele vermeidbare schwere Verläufe und Covid-19-Toten in Kauf genommen haben und insbesondere unser Bildungssystem auch jetzt noch -im Mai- einen hohen Preis für die gewählte Hochinzidenzstrategie zahlen müssen, sollte aber auch noch klar sein.

Meine Frau führt eine Kombiklasse (3/4) und die Drittklässler hatten seit Dezember gerade mal 5 Wochen Wechselunterricht, das heißt sie haben in viereinhalb Monaten an gerade mal 12 Tagen ihre Lehrerin und Mitschüler live gesehen. Auch in der nächsten Woche bleibt es beim Distanzunterricht, weil unser Landkreis nach wie vor über der Inzidenz von 165 liegt.

Es ist also eine Sache optimistisch für die Zukunft zu sein (und das ist sicher, wie von Lauterbach schon im Januar vorhergesagt zu einem gewissen Grad berechtigt), aber man sollte sich auch bewusst sein, welchen Preis wir für den von uns eingeschlagenen Weg bezahlt haben (und immer noch bezahlen).

(Gelegentlich höre ich übrigens auch bei Kekule rein und es ist richtig, dass er in der Regel durchaus vernünftige und auch wissenschaftsbasierte Einschätzungen der aktuellen Situation bringt. Insofern unterscheidet er sich nicht groß von anderen Experten und schließlich gibt es auch einen wissenschaftlichen Konsens. Kekule hat auch ein unbestreitbares Talent, komplexe Zusammenhänge in einfachen Worten verständlich zu erklären. Daher ist sein Podcast deutlich einfacher nebenbei zu hören als zum Beispiel Drostens Podcast, bei dem man sich oft sehr konzentrieren muss, um nicht den Faden zu verlieren. Was mich aber immer wieder bei Kekule stört, ist sein ausgeprägter Hang zum Narzissmus: fast in jeder Folge kommt eine Phrase wie " das habe ich schon vor Monaten vorhergesagt" "Hätte man damals auf mich gehört" usw. Das macht das Zuhören dann wieder anstrengend. Drosten macht im Gegensatz dazu stets deutlich, wo sein Expertentum anfängt und wo es aufhört und wenn er z.B. über Modellierungen, Gesundheitspolitik, Impfstoffforschung spricht, macht Drosten stets unmissverständlich klar, dass dies nicht sein Fachgebiet ist und er hier auch nur über begründetes Halbwissen verfügt, während Kekule dagegen stets versucht den Eindruck zu erwecken, dass er quasi für alles, was im Zusammenhang mit der Pandemie bedeutsam ist, absoluter Experte ist. )

keko# 06.05.2021 08:15

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1600566)
....

Es ist also eine Sache optimistisch für die Zukunft zu sein (und das ist sicher, wie von Lauterbach schon im Januar vorhergesagt zu einem gewissen Grad berechtigt), aber man sollte sich auch bewusst sein, welchen Preis wir für den von uns eingeschlagenen Weg bezahlt haben (und immer noch bezahlen)....

Heute höre ich in den Hauptnachrichten von über 20.000 Neuinfektionen und von über 300 Toten in Verbindung mit Corona. Gleich danach wird von Öffnungen geredet und von möglichen Urlaubszielen im Sommer. Im Winter waren das noch Horrorzahlen, die allerhand Einschränkungen zur Folge hatten. Irgendwie hat sich gerade komplett der Wind gedreht. Nicht mal 10% der Bevölkerung ist komplett durchgeimpft.
Ich hoffe, dass dies gut geht und es im Herbst kein böses Erwachen gibt, wenn alle aus ihren Urlaubsorten zurück sind. Andere Länder haben schlechte Erfahrungen mit Öffnungen für Urlaubsreisen gemacht. Ich ändere bis Herbst erst mal an meinem Verhalten nichts. Erst wenn im Herbst und Winter die Zahlen stabil unten bleiben, bin ich überzeugt.
:Blumen:

El Stupido 06.05.2021 08:27

Zitat:

Zitat von keko# (Beitrag 1600574)
(...)Ich ändere bis Herbst erst mal an meinem Verhalten nichts. Erst wenn im Herbst und Winter die Zahlen stabil unten bleiben, bin ich überzeugt.
:Blumen:

Sehr lobenswert :Blumen:
Hat auch IMHO nichts mit Schwarzmalerei zu tun.
Ich denke bloß, dass die Zahl derer die es ebenso tun mehr als überschaubar sein wird und es einen unglaublichen Run geben wird auf offene Biergärten, Fußballstadien in denen teilweise Zuschauer*innen zugelassen sind, Konzerte, usw.

iaux 06.05.2021 09:10

Zitat:

Zitat von Pascal (Beitrag 1600518)
So kann nur jemand schreiben, der mit Sicherheit nicht die beeindruckende und auch hier schon mehrfach erwähnte Serie Charité intensiv gesehen hat. Aber vielleicht waren das dort auch alles Schauspieler...:Huhu:

Die haben wenigstens nen Job und soziale Kontakte!:Huhu:

Vielfach von unterschiedlichsten Medien aufgearbeitetes Zögern bei Impfstoff- und Schnelltestbeschaffung hat die Pandemiebekämpfung im Spätherbst und Winter ebenso massiv blockiert wie politisch-eigennützig motivierte Profilierungswettbewerbe zwischen Ländern untereinander und mit den Bund – und dies obwohl die Empfehlungen führender Wissenschaftler:innen seit Mitte letzten Jahres für den Fall des Beginns einer dritten Welle klar waren. Um dem Erinnern auf die Sprünge zu helfen: Dieses nicht erst im Nachhinein schwer zu rechtfertigende Hin und Her hat viele Tote gekostet

Ist es uns egal, dass sich Inzidenzzahlen in ein und derselben Stadt je nach Wohnlage – schickes Villenviertel oder Hochhausblock – um den Faktor 10 unterscheiden?

»Wir werden uns zu verzeihen haben!« Deshalb ist es erforderlich zu fragen: Können, wollen oder sollen »wir« überhaupt verzeihen? Muss man nicht, um Verzeihen zu erlangen, tätige Reue üben, ohne deshalb allerdings die Gewähr zu erhalten, dass einem verziehen wird?


Alters- und Pflegeheime die man erst durch Impfungen sichern konnte. Schüler die seit 5 Monaten isoliert sind...



Ich sehe nicht wie ich populistischen und/oder erstarrten Politikern, die außer Lockdown und Lockerungsmaßnahmen, keine Konzepte ausarbeiten und testen verzeihen kann.:Blumen:

Klugschnacker 06.05.2021 09:56

Zitat:

Zitat von keko# (Beitrag 1600574)
Heute höre ich in den Hauptnachrichten von über 20.000 Neuinfektionen und von über 300 Toten in Verbindung mit Corona. Gleich danach wird von Öffnungen geredet und von möglichen Urlaubszielen im Sommer. Im Winter waren das noch Horrorzahlen, die allerhand Einschränkungen zur Folge hatten. Irgendwie hat sich gerade komplett der Wind gedreht.

Es ist ein Unterschied, ob man 20.000 tägliche Neuinfektionen mit stark steigender oder deutlich fallender Tendenz hat.

Bei stabil fallender Tendenz wird man sich überlegen müssen, wann und wie man bestimmte Maßnahmen und Beschränkungen zurücknehmen kann. Andernfalls setzt sich die Politik der Kritik aus, man würde nicht vorausplanen sondern nur "auf Sicht fahren" – ein von Dir häufig geäußerter Vorwurf.

LidlRacer 06.05.2021 10:22

Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1600599)
Es ist ein Unterschied, ob man 20.000 tägliche Neuinfektionen mit stark steigender oder deutlich fallender Tendenz hat.

Bei stabil fallender Tendenz wird man sich überlegen müssen, wann und wie man bestimmte Maßnahmen und Beschränkungen zurücknehmen kann. Andernfalls setzt sich die Politik der Kritik aus, man würde nicht vorausplanen sondern nur "auf Sicht fahren" – ein von Dir häufig geäußerter Vorwurf.

Ich fürchte, wir werden nicht das Problem haben, dass es zu wenig / zu späte Lockerungen geben wird.
Einige kommen ja automatisch bei Unterschreiten gewisser Grenzwerte (165/100).
Daneben gibt es schon die Lockerungen für Geimpfte/Genesene.
Dann wird bald jeder wieder mit "Modellprojekten" anfangen usw.

So dürfte es schwierig werden, die sinkende Tendenz unter 100 aufrecht zu erhalten ...

keko# 06.05.2021 12:10

Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1600599)
Es ist ein Unterschied, ob man 20.000 tägliche Neuinfektionen mit stark steigender oder deutlich fallender Tendenz hat.

Bei stabil fallender Tendenz wird man sich überlegen müssen, wann und wie man bestimmte Maßnahmen und Beschränkungen zurücknehmen kann. Andernfalls setzt sich die Politik der Kritik aus, man würde nicht vorausplanen sondern nur "auf Sicht fahren" – ein von Dir häufig geäußerter Vorwurf.

Also mein Vorwurf bzgl. dem "auf Sicht fahren" hat sich mittlerweile erledigt, da dies in eine größere Strategie eingebettet ist. Man hat jetzt bundesweite Gesetze, die automatisch greifen und vermutlich bald mehr Impfstoffe, als man verimpfen kann. Den Vorwurf brachte ich nur an, weil ich dachte, dies sei die einzige Strategie.

Skeptisch bin ich eher, ob die Sache in den folgenden Sommerwochen mit Lockerungen, Öffnungen und Reisetätigkeiten nicht aus dem Ruder läuft und wir im Herbst eine 4. Welle haben. Der Biontech-Chef sprach kürzlich auch von einer baldigen 3. Impfung als nötige Auffrischung für bereits Durchgeimpfte. Ganz davon abgesehen wird man vermutlich möglichst große Teile der Weltbevölkerung impfen müssen. Deshalb habe ich für mich beschlossen, einfach weiterhin vorsichtig zu sein.

Weißer Hirsch 06.05.2021 14:50

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1600566)
Du bist ein wenig in deiner Informationsblase gefangen:

Tweet von Karl Lauterbach am 12.1.2021:



Es war jedem Experten Anfang des Jahres klar, dass die Impfungen (sobald sie mal in der Breite verfügbar sein würden) ein GameChanger in der Pandemie werden, sofern keine Mutanten, gegen die die aktuellen Impfungen nicht mehr wirken, auftreten würden.
Dass wir uns aber auf dem Weg in den Sommer und beim Umgang mit der dritten Welle im Gegensatz zur ersten Welle nicht mit Ruhm bekleckert haben, viele vermeidbare schwere Verläufe und Covid-19-Toten in Kauf genommen haben und insbesondere unser Bildungssystem auch jetzt noch -im Mai- einen hohen Preis für die gewählte Hochinzidenzstrategie zahlen müssen, sollte aber auch noch klar sein.

Meine Frau führt eine Kombiklasse (3/4) und die Drittklässler hatten seit Dezember gerade mal 5 Wochen Wechselunterricht, das heißt sie haben in viereinhalb Monaten an gerade mal 12 Tagen ihre Lehrerin und Mitschüler live gesehen. Auch in der nächsten Woche bleibt es beim Distanzunterricht, weil unser Landkreis nach wie vor über der Inzidenz von 165 liegt.

Es ist also eine Sache optimistisch für die Zukunft zu sein (und das ist sicher, wie von Lauterbach schon im Januar vorhergesagt zu einem gewissen Grad berechtigt), aber man sollte sich auch bewusst sein, welchen Preis wir für den von uns eingeschlagenen Weg bezahlt haben (und immer noch bezahlen).

(Gelegentlich höre ich übrigens auch bei Kekule rein und es ist richtig, dass er in der Regel durchaus vernünftige und auch wissenschaftsbasierte Einschätzungen der aktuellen Situation bringt. Insofern unterscheidet er sich nicht groß von anderen Experten und schließlich gibt es auch einen wissenschaftlichen Konsens. Kekule hat auch ein unbestreitbares Talent, komplexe Zusammenhänge in einfachen Worten verständlich zu erklären. Daher ist sein Podcast deutlich einfacher nebenbei zu hören als zum Beispiel Drostens Podcast, bei dem man sich oft sehr konzentrieren muss, um nicht den Faden zu verlieren. Was mich aber immer wieder bei Kekule stört, ist sein ausgeprägter Hang zum Narzissmus: fast in jeder Folge kommt eine Phrase wie " das habe ich schon vor Monaten vorhergesagt" "Hätte man damals auf mich gehört" usw. Das macht das Zuhören dann wieder anstrengend. Drosten macht im Gegensatz dazu stets deutlich, wo sein Expertentum anfängt und wo es aufhört und wenn er z.B. über Modellierungen, Gesundheitspolitik, Impfstoffforschung spricht, macht Drosten stets unmissverständlich klar, dass dies nicht sein Fachgebiet ist und er hier auch nur über begründetes Halbwissen verfügt, während Kekule dagegen stets versucht den Eindruck zu erwecken, dass er quasi für alles, was im Zusammenhang mit der Pandemie bedeutsam ist, absoluter Experte ist. )

Mir ging es in meinem Post eher um die jüngere Vergangenheit.

Hier die Nachricht vom 13.4.:

"Die jetzige Regelung wird nicht ausreichen, um die großen Ausbrüche in den Griff zu bekommen, die wir angesichts der Corona-Mutationen zu erwarten haben.“ Eine Testpflicht stehe in den Unternehmen ohnehin viel zu lange aus. „Da stand der Lobbyismus sicherlich im Vordergrund.“

https://www.fr.de/politik/corona-deu...-90316371.html

Da ging es um die beschlossene Notbremse. Nur 3 Wochen später, und unter komplett gleichen Maßgaben, auf einmal eine komplett andere Bewertung der Situation (50er Inzidenz im Juni). Und auch hier bin ich skeptisch, durch das aktuelle Öffnen werden wir auf die Dauer sicher über 100 bleiben.

Bzgl. Kekule und seiner Selbsteinschätzung gebe ich Dir recht. Aber meist hat er halt rückblickend in der Vergangenheit wirklich Dinge so bewertet und eingeordnet, wie sie dann eingetreten sind. Ich stelle mir das als Wissenschaftler auch deprimiert vor, wenn man nicht erhört wird. Warum ich den Podcadt gut finde liegt vor allem daran, dass er nicht nur virologisch (am besten alle Kontakte verbieten) sondern auch epidemielogisch (was ist den Menschen vermittelbar und wo steigen diese aus) einordnet.


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