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aequitas 22.12.2020 14:19

Zitat:

Zitat von Estebban (Beitrag 1574720)
Da muss man aber zwei Dinge unterscheiden - aktuell scheint egal wo egal wie versucht wird bei laufendem Betrieb ohne lockdown der Schutz von Risikogruppen (oder deren vollständige Isolation) nicht zu funktionieren. Wenn der Schutz dieser Gruppen durch eine Impfung gegeben ist sprechen wir über eine komplett andere Situation und dann muss man auch inzidenz Werte neu beurteilt werden. Wenn dann bei einer inzidenz von 500 keine schweren Fälle mehr auftreten rechtfertigt dass sicher keinen Lockdown mehr :Blumen:

Nein, das ist keine großartig andere Situation. Es ging vorher auch nie darum einfach nichts zu tun, sondern Maßnahmen konkreter zu treffen bzw. ggf. auch Lockdown. Aber auch wenn die Alten und Lehrer geimpft sind gibt es noch Risikogruppe. Das war vorher immer der Vorwurf. Natürlich verändert die Impfung viel. Vor allem eben auch die Risikoeinschätzung für eine Gesellschaft. Deshalb ist aber auch schon vorher eine differenzierte Diskussion notwendig und keine einseitige Fokussierung und Delegitimierung bestimmter Positionen, denn das führt zu später problematischen Pfadabhängigkeiten.

LidlRacer 22.12.2020 15:15

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1574701)
Da bin ich tendenziell optimistischer.
Mit hohen Covid-19-Inzidenzzahlen (durchaus der aktuellen Größenorndung vergleichbar) kann man leben, wenn der Schutz der Risikogruppen gewährleistet ist. und das Gesundheitssystem in einem Ausmaß in Anspruch genommen wird, der seiner Kapazität entspricht.

Mag sein, dass man damit leben könnte (abgesehen von denen, die dann immer noch sterben), aber ich sehe keinen Grund, warum man damit leben wollen sollte.

Ich verweise nochmals auf Viola Priesemann et 740 alia:
https://www.containcovid-pan.eu

"Calling for Pan-European commitment for rapid and sustained reduction in SARS-CoV-2 infections

Across Europe, the SARS-CoV-2 pandemic is causing excess deaths, placing a burden on societies and health systems, and harming the economy. Yet, European governments still have to develop a common vision to guide the management of the pandemic. Overwhelming evidence shows that not only public health, but also society and the economy benefit greatly from low COVID-19 case numbers. Vaccines will help control the virus, but not until late 2021. If we do not act now, further waves of infection are to be expected, with consequential further damage to health, society, jobs and businesses. Given open borders within Europe, a single country alone cannot keep the number of COVID-19 cases low; thus joint action and common goals among countries are essential. We, therefore, call for a strong, coordinated European response and clearly defined medium- and long-term goals."

Das wird da natürlich noch detaillierter ausgeführt.
Zu den Unterzeichnern gehört u.a. auch Streeck!

qbz 22.12.2020 15:16

Zitat:

Zitat von aequitas (Beitrag 1574694)
Wahrscheinlich sind deine Annahmen gar nicht so weit weg von der Realität. Bei der Bewertung des Lockdowns würde ich jedoch den Effekt der Saisonalität etwas stärker betonen. Im Frühjahr führte nicht der vermeintlich striktere Lockdown zur stärkeren Absinkung der Fallzahlen, sondern der eintreffende Sommer und das wärmere Klima.
-----

Dass der Sommer, weil die Menschen da sich vorwiegend draussen getroffen haben - mehr lüften, die Aerosole wegen der Temperatur weniger lang in der Luft sind - einen grossen Anteil an der sommerlichen niedrigen Inzidenz hatte, wurde von der Wissenschaft regelmässig betont und scheint mir unstrittig. Wo findet man allerdings wissenschaftliche Artikel, die sagen, der dem Sommer vorhergehende Lockdown, die Kontaktreduzierung, im Frühling hätte die Infektionszahlen nur "vermeintlich" abgesenkt oder ist es Deine persönliche Einschätzung? Andere südliche Länder wie Spanien, Italien ergriffen noch viel drastischere Lockdown-Massnahmen wie DE trotz warmer Temperaturen im Frühling. Denkst Du, die sehr strikte Kontaktreduzierung in all diesen Ländern hätte keinen Einfluss gehabt? Es ging doch um das Konzept: "The hammer (Lockdown) and the dance", wobei "the dance" im Sommer die Augen zu lange blendete vor dem Herbst / Winter.

Es gibt meines Erachtens noch einen entscheidenden Unterschied zwischen der ersten und der zweiten Welle. Aktuell ist das Virus viel gleichmässiger ausgebreitet (diffundiert) als im Frühling, wo die Ämter noch mit Kontakttracing erfolgreich waren, heute meistens zu spät wegen Überlastung oder gar keines mehr möglich ist.

Die entscheidende Wende im Spiel bei der Pandemiebekämpfung bringt für die westlichen Ländern die Impfung, für China, Australien, Neuseeland, Vietnam u.a. die konsequente Abriegelung von Hotspots und konsequente Quarantänemassnahmen vor oder während der ersten Welle, um eine Diffusion in der Bevölkerung zu verhindern, und jetzt, bevor es dort eine zweite Welle gibt, die Impfung. Die genannten Länder haben alle keine 2. Welle! Dank Lockdown, Abriegelung, Quarantäne etc. (und nicht wegen des Wetters). Wirtschaftlich und gesundheitspolitisch gesehen stellen sich China, Australien, Neuseeland, Vietnam, Taiwanetc, als Gewinner im Umgang mit der Pandemie dar.

Schwarzfahrer 22.12.2020 15:26

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1574718)
Bei positiven Test schaut der Befund zumindest bei unserem Labor mittlerweile so aus (im März und April, war das noch bei weitem nicht so detailliert):...

Danke, so sehen hoffentlich alle positiven Befunde aus, so ist es aussagekräftig. Ideal wäre jetzt eine standardisierte Skala, die verschiedene Tests und Labore vergleichbar macht, um Grenzwerte/Graubereiche zwischen infektiös und nicht infektiös möglichst eindeutig zu machen. Aber Standardisierung in medizinischen Labortests ist meistens
nur ein hehres Ideal, das habe ich bei Borreliose-Tests auch gelernt. :(
Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1574718)
Bei positivem Ergebnis im Rahmen einer Ersttestung weiß man aber nicht, ob die Viruslastkurve gerade ansteigt (der PCR-Test ist positiv bevor das Virus seine maximale Replikationsrate erreichjt hat) und der cT-Wert ein bis zwei Tage später niedriger ist (niedrig bedeutet höhere Infektiosität), oder ob die Infektiositäts-Kurve gerade fällt

Das ist klar, jeder Test kann nur eine Momentaufnahme sein. Ich schätze aber, bei solchen Fällen kann z.B. eine Empfehlung zum Test wiederholen in xx Tagen drauf stehen, für den Fall daß man den Trend erkennen will. Auf jeden Fall sollte sowas helfen, unnötige Quarantäne bei dringend benötigtem medizinischen Personal oder sonstigen Berufen mit hoher Relevanz zu vermeiden.

spanky2.0 22.12.2020 15:28

Zitat:

Zitat von LidlRacer (Beitrag 1574743)
Mag sein, dass man damit leben könnte (abgesehen von denen, die dann immer noch sterben), aber ich sehe keinen Grund, warum man damit leben wollen sollte.

Vielleicht weil es in Deutschland doch einige Menschen gibt, die irgendwann wieder arbeiten gehen müssen (oder wollen)?
Und weil der Staat die verursachten Mehrkosten (durch Lockdown*) auch nicht auf ungebrenzte Zeit zahlen kann? :Gruebeln:


(*und die damit verbundenen drastisch reduzierten/verminderten Steuereinnahmen)

Stefan 22.12.2020 15:31

Zitat:

Zitat von spanky2.0 (Beitrag 1574748)
Vielleicht weil es in Deutschland doch einige Menschen gibt, die irgendwann wieder arbeiten gehen müssen (oder wollen)?
Und weil der Staat die verursachten Mehrkosten (durch Lockdown*) auch nicht auf ungebrenzte Zeit zahlen kann? :Gruebeln:

(*und die damit verbundenen drastisch reduzierten/verminderten Steuereinnahmen)

Und wenn man die Pandemie ungebremst eine Schneise schlagen lässt, dann ist das gut für die Steuereinnahmen, das Gesundheitssystem, die Arbeitgeber...... ?

Die Fallzahlen müssen zuerst deutlich runter.

Schwarzfahrer 22.12.2020 15:35

Zitat:

Zitat von qbz (Beitrag 1574744)
Wo findet man allerdings wissenschaftliche Artikel, die sagen, der Lockdown, die Kontaktreduzierung, im Frühling hätte die Infektionszahlen nur "vermeintlich" abgesenkt oder ist es Deine persönliche Einschätzung?

Das gibt es wohl ebensowenig, wie den wissenschaftlichen Nachweis, daß die Fallzahlen wegen der Maßnahmen (oder gar wegen ganz bestimmter Maßnahmen) zurückgingen. Beides sind Korrelationen, die mit einiger logischen Plausibilität gewisse Kausalität nahelegen. Mein persönlicher Eindruck ist, daß die Korrelationen zum Wetter etwas deutlicher erscheinen, als die Korrelationen zu den Maßnahmen, wenn man quer über verschiedene Länder und Kontinente schaut (weniger kalt reduziert die Zahlen fast immer, strenge Maßnahmen wirken mal nach zwei Wochen, mal nach vier Monaten ). Es dürfte zu multikausal sein, um einfache Nachweise zu führen - das wird dann noch viele Dissertationen der nächsten Jahre füllen.
Zitat:

Zitat von qbz (Beitrag 1574744)
...als im Frühling, wo die Ämter noch mit Kontakttracing erfolgreich waren, heute meistens zu spät wegen Überlastung oder gar keines mehr möglich.

Daß die Kontaktverfolgung jemals "erfolgreich" waren im Sinne von "fast alle" Kontakte erfasst, halte ich für Selbsttäuschung. Schon im Frühling sprach man von nennenswerten Dunkelziffern, gestützt durch Stichproben-Testreihen, oder? Erfolgreiches Kontakttracing müsste die Dunkelziffer auf geringe Prozentzahlen drücken können. Aber dafür ist die Methode mit Auswertung von handgeschriebenen Listen vom Friseur und hinterhertelefonieren viel zu langsam.

Hafu 22.12.2020 15:44

Zitat:

Zitat von LidlRacer (Beitrag 1574743)
Mag sein, dass man damit leben könnte (abgesehen von denen, die dann immer noch sterben), aber ich sehe keinen Grund, warum man damit leben wollen sollte.

Ich verweise nochmals auf Viola Priesemann et 740 alia:
https://www.containcovid-pan.eu

"Calling for Pan-European commitment for rapid and sustained reduction in SARS-CoV-2 infections

Across Europe, the SARS-CoV-2 pandemic is causing excess deaths, placing a burden on societies and health systems, and harming the economy. Yet, European governments still have to develop a common vision to guide the management of the pandemic. Overwhelming evidence shows that not only public health, but also society and the economy benefit greatly from low COVID-19 case numbers. ...

Ich finde gut, was in dem Papier drin steht, aber der "overwhelming evidence" stammt höchstwahrwscheinlich aus dem Vergleich stärker von covid-19 betroffenen Staaten mit den Musterländern Neuseeland, Australien, Taiwan oder China.
Dort funktioniert öffentliches Leben und Wirtschaft nahezu perfekt wieder, aber deren extrem niedrige Fallzahlen werden wir auf absehbare Zeit nicht erreichen. Da muss man realistisch bleiben. Dieser Zug ist abgefahren und um die Situation von Taiwan oder Neuseeland zu erreichen, hätten die Grenzen schon Anfang März geschlossen werden müssen.

Natürlich ist die Pandemiebekämpfung eine weltweite, mindestens aber paneuropäische Aufgabe und hier läuft (z.B. bei der Impfstoffverteilung und bei der gegenseitigen medizinischen Hilfe) zum Glück vieles aktuell deutlich besser als in der ersten Welle.
Aber es ist unrealistisch zu hoffen dass Lockdown-Maßnahmen von z.b. Österreich, Belgien, Ungarn, Polen oder uns demnächst synchronisiert werden, selbst wenn das epidemiologisch bei offenen Grenzen sinn machen würde.
Die Abstimmung der Infekteindämmung klappt meist ja nichtmal innerhalb Deutschlands zwischen allen Bundesländern. Zu hoffen oder zu fordern, dass ein Orban in Ungarn dieselbe Covid-19-Strategie fährt wie Deutschland ist eine Illusion.

Und ich sehe auch keinen Weg, wie man selbst mit paneuropäischem Vorgehen den in jedem Land existierenden Prozentsatz an Impf- und Corona-Skeptikern, Verschwörungsgläubigen etc. erreichen kann, die in ihrem privaten Bereich bewusst auf AHA-Regeln pfeifen, weil es nicht in ihr Weltbild passt.
Alleine dieser Teil der Bevölkerung der bei uns um die 15% ausmacht und den es ja genauso auch in anderen Ländern gibt, wird dafür sorgen, dass die Fallzahlen bis zum Sommer kaum in einen wünschenswert optimalen Bereich fallen werden.

LidlRacer 22.12.2020 15:52

Zitat:

Zitat von spanky2.0 (Beitrag 1574748)
Vielleicht weil es in Deutschland doch einige Menschen gibt, die irgendwann wieder arbeiten gehen müssen (oder wollen)?
Und weil der Staat die verursachten Mehrkosten (durch Lockdown*) auch nicht auf ungebrenzte Zeit zahlen kann? :Gruebeln:


(*und die damit verbundenen drastisch reduzierten/verminderten Steuereinnahmen)

Lies Dir alle Infos auf der verlinkten Seite durch!

Wenig Virus ist in absolut jeder Beziehung erstrebenswert - nicht zuletzt in wirtschaftlicher.

dr_big 22.12.2020 15:57

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1574747)
Danke, so sehen hoffentlich alle positiven Befunde aus, so ist es aussagekräftig. Ideal wäre jetzt eine standardisierte Skala, die verschiedene Tests und Labore vergleichbar macht, um Grenzwerte/Graubereiche zwischen infektiös und nicht infektiös möglichst eindeutig zu machen...

Auf dem Bericht steht doch ganz klar, dass auch die Präanalytik einen Einfluss hat, daher kann der im Labor ermittelte Ct nicht für Entscheidungen und Grenzwerte genutzt werden.
Soweit ich weiss kann die Viruslast in der Nase ganz anders sein als im Rachen oder der Lunge. Was versprichst du dir von einem punktuell ermittelten Wert?

qbz 22.12.2020 16:05

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1574751)
.....
Daß die Kontaktverfolgung jemals "erfolgreich" waren im Sinne von "fast alle" Kontakte erfasst, halte ich für Selbsttäuschung. Schon im Frühling sprach man von nennenswerten Dunkelziffern, gestützt durch Stichproben-Testreihen, oder? Erfolgreiches Kontakttracing müsste die Dunkelziffer auf geringe Prozentzahlen drücken können. Aber dafür ist die Methode mit Auswertung von handgeschriebenen Listen vom Friseur und hinterhertelefonieren viel zu langsam.

Im Frühling wurden noch ganze Wohnblocks und Viertel unter Quarantäne gestellt, bis alle durchgetestet waren, sehr erfolgreiche Strategie. Man schreibt leider Geschichte immer wieder neu, unter dem subjektiven Gesichtspunkt, schon nach einem1/2 Jahr. Die Gesundheitsämter hielten das im Frühling für eine erfolgreiche Strategie bei der Pandemiebekömfpung die meisten Epidemiologen und der reale Erfolg gab ihnen recht. Aber wer allein an den Faktor Temperatureinfluss glaubt, beurteilt es anders. Beste Gegenbeispiele wären: Spanien / Italien, Griechenland, Portugal trotz warmer Temperaturen unkontrollierte Ausbreitung, hohe Inzidenzen vor dem strikten Lockdown, der die Zahlen deutlich senkte. Da braucht man wirklich keine allgemeine metatheoretische Diskussion über Statistik und Korrelationen usf.
Mein Schluss: das Kontaktverhalten und die sozialen Interaktionen sind der entscheidendere Faktor für Ausbreitung oder Verhinderung des Virus bei einer nicht vorhandenen Immunität der Bevölkerung, eigentlich sehr banal, simpel und verständlich.

spanky2.0 22.12.2020 16:07

Zitat:

Zitat von Stefan (Beitrag 1574750)
Und wenn man die Pandemie ungebremst eine Schneise schlagen lässt, dann ist das gut für die Steuereinnahmen, das Gesundheitssystem, die Arbeitgeber...... ?

Die Fallzahlen müssen zuerst deutlich runter.

...das habe ich ja mit keiner Silbe behauptet. ;)

Zitat:

Zitat von LidlRacer (Beitrag 1574754)
Lies Dir alle Infos auf der verlinkten Seite durch!

Wenig Virus ist in absolut jeder Beziehung erstrebenswert - nicht zuletzt in wirtschaftlicher.

Bin gespannt. Wir werden es sehen. :Blumen:

Schwarzfahrer 22.12.2020 16:16

Zitat:

Zitat von dr_big (Beitrag 1574755)
Was versprichst du dir von einem punktuell ermittelten Wert?

Habe ich doch geschrieben, wonach ich streben würde:
Zitat:

...sollte sowas helfen, unnötige Quarantäne bei dringend benötigtem medizinischen Personal oder sonstigen Berufen mit hoher Relevanz zu vermeiden.
Ob dafür ein punktueller Wert, oder mehrere oder differenziertere nötig sind, mag offen sein. Das Ziel wäre aber ein lohnendes, finde ich, da vermeidbare gesellschaftliche und finanzielle Schäden deutlich reduziert werden könnten.

Schwarzfahrer 22.12.2020 16:21

Zitat:

Zitat von qbz (Beitrag 1574758)
...Aber wer allein an den Faktor Temperatureinfluss glaubt, beurteilt es anders.

Schrieb ich sowas? Meine Position war doch:
Zitat:

Es dürfte zu multikausal sein, um einfache Nachweise zu führen - das wird dann noch viele Dissertationen der nächsten Jahre füllen.
Also gibt es verschiedene Einflußfaktoren, deren Gewicht wir schwer beurteilen können. Daß ich ein Faktor als relevanter einschätze, und Du einen anderen, ist natürlich. Ich halte das Wetter für einen stärkeren Faktor, Du Kontaktverhalten und die sozialen Interaktionen für entscheidend. Für mich ist es komplex, für Dich eigentlich sehr banal, simpel und verständlich.
Zitat:

Zitat von qbz (Beitrag 1574758)
Beste Gegenbeispiele wären: Spanien / Italien, trotz warmer Temperaturen unkontrollierte Ausbreitung, hohe Inzidenzen vor dem strikten Lockdown, der die Zahlen deutlich senkte

Ob eine Senkung, die teilweise Wochen und Monate gebraucht hat, zu den Maßnahmen korreliert, bleibt sehr stark Glaubenssache...

qbz 22.12.2020 16:58

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1574761)
...
Ob eine Senkung, die teilweise Wochen und Monate gebraucht hat, zu den Maßnahmen korreliert, bleibt sehr stark Glaubenssache...

Nein, es gibt darüber X-Studien, die ich in den vergangenen Monaten jeweils auch zitiert habe, darüber gibt es bei den wissenschaftlichen Epidemiologen Einigkeit. Und ja, man muss bei epidemiologischen Studien statistische Signifikanz zu interpretieren wissen, wie auch bei Impfstudien. Dass es sich dabei nicht um deterministische Gesetze der Mechanik handelt, ist ebenfalls eine Binsenweisheit und macht solche Studien noch lange nicht zur Glaubenssache. Man braucht gebenenfalls andere Untersuchungen mit ähnlicher Signifikanz, um etwas infrage zu stellen. Nach solchen habe ich gefragt, offenbar Fehlanzeige, stattdessen .......

spanky2.0 22.12.2020 17:06

Zitat:

Zitat von aequitas (Beitrag 1574679)
In Bayern ist das anlasslose Testen nach wie vor problemlos. Gestern Drive-Through-Test machen lassen, heute negatives PCR-Ergebnis.

Ich vermute diese Möglichkeit besteht "nur" für Menschen mit festem Wohnsitz in Bayern, oder? Weiss das jemand?
...über Google Suche habe ich noch nichts Eindeutiges gefunden.

Zumal Bayern ja ab Mittwoch eine Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten (im Ausland) verhängt.

Helios 22.12.2020 17:25

Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1574690)
................
Nicht eingerechnet ist der mögliche Einfluss der neuen Virus-Variante in den nächsten Monaten.

Grüße,
Arne

elliot wave und sachsens MP kennt die 3. Welle - der Move kommt vom Weihnachts- und Silvesterkuscheln - Mitte Januar kommt der Spike bei den Neuinfektionen und dann so 4 Wochen später die dazugehörigen Toten - 2,5% von den Neuinfektionen - leider.

repoman 22.12.2020 17:40

Zitat:

Zitat von aequitas (Beitrag 1574727)
........Deshalb ist aber auch schon vorher eine differenzierte Diskussion notwendig und keine einseitige Fokussierung und Delegitimierung bestimmter Positionen, denn das führt zu später problematischen Pfadabhängigkeiten.

Ich denke es findet durchaus eine differenzierte Diskussion in der Politik, Gesellschaft, in der Wissenschaft wie auch hier im Forum statt.
Wieso sollten auch bestimmte Positionen ausgeschlossen werden und wie kommst du darauf?:confused:

hanse987 22.12.2020 18:21

Zitat:

Zitat von spanky2.0 (Beitrag 1574768)
Ich vermute diese Möglichkeit besteht "nur" für Menschen mit festem Wohnsitz in Bayern, oder? Weiss das jemand?
...über Google Suche habe ich noch nichts Eindeutiges gefunden.

Zumal Bayern ja ab Mittwoch eine Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten (im Ausland) verhängt.

Dies sind die Regeln bei uns im Landkreis:

Wer kann sich testen lassen?
- Landkreisbürger mit einer Warnung durch die Corona Warn-App
- Reiserückkehrer mit Wohnsitz im Landkreis
- Jeder Bayerische Bürger mit Wohnsitz im Landkreis, der einen Testwunsch hat, auch ohne Symptome
- Beschäftigte in besonderen Einrichtungen über Reihentestungen (z.B. Pflege, betreutes Wohnen, Kliniken, Schulen, KiTas, usw.) auf Veranlassung durch das Gesundheitsamt

aequitas 22.12.2020 19:11

Zitat:

Zitat von qbz (Beitrag 1574767)
Nein, es gibt darüber X-Studien, die ich in den vergangenen Monaten jeweils auch zitiert habe, darüber gibt es bei den wissenschaftlichen Epidemiologen Einigkeit. Und ja, man muss bei epidemiologischen Studien statistische Signifikanz zu interpretieren wissen, wie auch bei Impfstudien. Dass es sich dabei nicht um deterministische Gesetze der Mechanik handelt, ist ebenfalls eine Binsenweisheit und macht solche Studien noch lange nicht zur Glaubenssache. Man braucht gebenenfalls andere Untersuchungen mit ähnlicher Signifikanz, um etwas infrage zu stellen. Nach solchen habe ich gefragt, offenbar Fehlanzeige, stattdessen .......

Na, da habe ich dann doch so meine Zweifel.

Da gibt es bisher einfach keine Studie, die sinnvolle Schlüsse erlaubt, da viel zu oft mehrere Maßnahmen zur gleichen Zeit erlassen wurden und die Effekte sich nicht trennen lassen. In diesem Thread gab es zumindest bisher nichts dergleichen und auch auf Twitter gibt es dazu nichts.

Pascal 22.12.2020 20:06

Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1574690)

Start: 30.000
Nach 2 Wochen: 15.000
Nach 4 Wochen: 7.500
Nach 6 Wochen: 3.750
Nach 8 Wochen: 2.000

2.000 war der 7-Tage-Durchschnittswert Anfang Oktober, der dazu führte, dass die Ausbreitung außer Kontrolle geriet. Wir sollten also eher auf einen Wert von 1.000 zusteuern, den wir überschlägig 10 Wochen nach Erreichen des Hochpunktes erzielen können.

Falls ein erstes Abflachen der Kurve noch in diesem Jahr erfolgt und der Hochpunkt bei 30.000 liegt, wären wir 11 Wochen später, also Mitte/Ende März bei 1.000 täglichen Neuinfektionen als 7-Tage-Durchschnitt.

Grüße,
Arne

Die Ziele 1000/2000 entsprechen so niedrigen Inzidenzen, dass ich vermute, dies ist der Bevölkerung nicht vermittelbar. Die Inzidenz von 50 die das definierte Ziel ist entspricht grob einer Fallzahl von 5000. Das wäre Deiner Rechnung nach nach 5 Wochen erreicht. Das wiederum würde sich mit einem Zeitpunkt ca. 10 Februar decken, der nach nochmaliger 30-tägiger Verlängerung der Maßnahmen ab 11. Januar erreicht werden kann.

Was noch unkalkulierbar da ohne Vergleichsmöglichkeit ist, sind die Auswirkungen der letzten beiden verkaufsoffenen Tage vergangene Woche, die drei Weihnachtstage und Silvester. Aber positive Effekte im Sinne von schneller sinkenden Fallzahlen sind davon nicht zu erwarten.

qbz 22.12.2020 20:18

Zitat:

Zitat von aequitas (Beitrag 1574774)
Na, da habe ich dann doch so meine Zweifel.

Da gibt es bisher einfach keine Studie, die sinnvolle Schlüsse erlaubt, da viel zu oft mehrere Maßnahmen zur gleichen Zeit erlassen wurden und die Effekte sich nicht trennen lassen. In diesem Thread gab es zumindest bisher nichts dergleichen und auch auf Twitter gibt es dazu nichts.

Du mahnst doch zu Recht wissenschaftliche Studien an. Jetzt sollen sie plötzlich nicht mehr viel wert sein, wo ich ernsthaft interessiert nachfrage, weshalb der Temperaturfaktor so zentral sein soll (und weniger das jahreszeitlich unterschiedlich bedingte Kontaktverhalten und ein Lockdown) und wo man das wissenschaftlich nachlesen kann. Dass Schwarzfahrer alle sozialwissenschaftlich-empirischen Studien pauschal gleich mit allgemeinen Methodenargumenten in Zweifel zieht, wenn die Ergebnisse nicht in sein Bild passen, ist nichts Neues.

Was die Wirkungen von Lockdown´s und Hygieneschutzmassnahmen betrifft, eine kleine Auswahl einer Suchabfrage: Lockdown Wirkung Studie.

Schon auf der ersten Seite erhält man Hinweise auf einzelne Studien zu diesem Thema, die bei Nature und Science publiziert wurden!
Zitat:

Science (englisch für Natur-, Sozial- und Formalwissenschaft) ist die Fachzeitschrift der American Association for the Advancement of Science (AAAS, englisch für Amerikanische Gesellschaft zur Förderung der Naturwissenschaften) und gilt neben Nature als die weltweit wichtigste ihrer Art. Die wöchentlich veröffentlichte Zeitschrift arbeitet nach dem Prinzip des Peer-Review und hat ungefähr 130.000 Abonnenten. Da zum einen unter diesen viele Institutionen wie Universitäten sind und die Zeitschrift andererseits über eine Online-Ausgabe verfügt, wird die tatsächliche Zahl der Leser auf etwa 1 Million geschätzt.
Und auf Englisch: lockdown effects success study

Es wäre jetzt einfache Studienanfängerarbeit, die Literaturliste der wichtigsten Forschunsbeiträge aus diesen beiden Suchabfragen zusammenzustellen.

Es ist doch klar, dass zu so einem die ganze Welt beeinflussenden Jahrhundertereignis wissenschaftliche Studien über die Wirkung einzelner Massnahmen zur Pandemiebekämpfung in hoher Anzahl mit bestmöglichen empirischen Methoden erstellt werden, vom Masken tragen bis halt zum Lockdown in einzelnen Ländern. Und die Ergebnisse bilden, weil empirisch ermittelt, die Realitäten objektiver ab als subjektive Meinung und Glaube.

Hier eine Studie von Schweizer Forschern über die Wirksamkeit einzelner Massnahmen im Frühjahr und mit wissenschaftlicher Literaturliste zu dem Thema

Estimating the effects of non-pharmaceutical interventions on COVID-19 in Europe

Ich glaube wir können uns einigen: Man sollte sich mit der breit vorliegenden Forschung beschäftigen und nicht darauf verweisen, es gäbe keine Richtigen. Die Epidemiologen empfehlen die Massnahmen wie Lockdown schliesslich nicht nach ihrem Bauchgefühl.

keko# 22.12.2020 20:30

Zitat:

Zitat von qbz (Beitrag 1574758)
Aber wer allein an den Faktor Temperatureinfluss glaubt, beurteilt es anders. Beste Gegenbeispiele wären: Spanien / Italien, Griechenland, Portugal trotz warmer Temperaturen unkontrollierte Ausbreitung, hohe Inzidenzen vor dem strikten Lockdown, der die Zahlen deutlich senkte.

Ist vielleicht eine Frage des Horizonts? Ich hatte heute mal wieder eine WhatsApp-Schalte auf eine Karibikinsel, also etwas weiter südlich als die von dir erwähnten Länder, mit ca. 20 Personen und konnte sehen, dass dort Corona kein Thema ist. Natürlich: Insellage, wenig Touristen, wenig Tests usw. Aber sie kümmern sich dort um gar nichts. Ich halte die Jahreszeit ebenso entscheidend wie bei normalen Virusinfektionen und die Entwicklung bei uns im Sommer hauptsächlich dem Sommer geschuldet (was natürlich keineswegs heißt, dass wir nichts dagegen tun müssen)

Lucy89 22.12.2020 20:57

Zitat:

Zitat von Trimichi (Beitrag 1574674)
Apropos: wie geht es Lucy, hoffe alles ist gut gegangen.
...

Bleiben noch liebe Grüße an Lucy89! Sicherlich hast du, falls du mitliest, anderes zu tun.

Danke :) tatsächlich lese ich alle paar tage mal hier quer und sehe auch oft interessante Beiträge (insb. die kurze Diskussion zu den 95% bei Biontech...) Habe aber keine Energie und Zeit mehr, mich selbst aktiv zu beteiligen oder gar zu rechnen (zu Biontech hatte ich vor einigen Wochen mal den Artikel von Stephen Senn gepostet: https://errorstatistics.com/2020/11/...pt-guest-post/)
Beobachte die Berichte zu den Mutationen mit Sorge und denke, auf kurz oder lang wird sich eh jeder infizieren (oder aber geimpft sein) und das ganze nimmt jetzt vermutlich noch Geschwindigkeit auf.

Baby ist leider und unerwarteter Weise noch im Bauch- weswegen ich überhaupt noch ab und zu hier lese (wäre sie endlich da, würde ich nicht mal mehr alle paar Tage dazu kommen ;)). Heißt für mich jetzt täglich Arzt/Klinik im Wechsel zur Kontrolle, wofür ich mir nun auch mal einen Vorrat an FFP2-Masken zugelegt habe, die überraschend angenehm zu tragen sind, hätte ich schon eher machen sollen.

Sobald man das Pfeilsystem in der Klinik mal verstanden hat, ist es auch gar nicht mehr so kompliziert und ich muss sagen, ich fühl mich da sehr sicher und vor allem sind meine Horrorszenarien, die medizinische Versorgung könnte zusammenbrechen, dort absolut nicht erkennbar (klar, gynäkologische Stationen haben eh wenig mit Corona zu tun...). Also wie sagte man mir da vor ein paar Tagen so schön "Der Lockdown ist da draußen, hier ist alles wie immer"- beruhigend.

So steht uns nun also ein doppelt besonderes Weihnachten bevor und unsere Tochter scheint darauf zu bestehen, an Weihnachten Geburtstag zu haben, sie wird es spätestens in ein paar Jahren bereuen ;) Bis bald und euch allen schöne und natürlich gesunde Weihnachten! :Blumen:

noam 22.12.2020 21:00

Zitat:

Zitat von qbz (Beitrag 1574780)
... weshalb der Temperaturfaktor so zentral sein soll (und weniger das jahreszeitlich unterschiedlich bedingte Kontaktverhalten und ein Lockdown) ...

Der jahreszeitbedingte Unterscheid im Kontaktverhalten ist doch eine Folge aus der unterschiedlichen Temperatur. Ist es warm, sind mehr Menschen draußen. Es wird mehr gelüftet. Man trifft sich eher im Garten als im Wohnzimmer...


Und ich glaube, dass man hier tatsächlich kaum Vergleiche zwischen verschiedenen Ländern mit verschiedenen Kontaktverhaltensweisen ziehen kann, um sinnvolle Aussagen über die Wirksamkeit von Maßnahmen treffen zu können. Platt formuliert: Die Südländer interagieren sehr viel körpernäher miteinander und haben deutlich mehr enge Sozialkontakte als wir Ostfriesen, wo man gerne eine etwas größere Individualdistanz wahrt. Ergo hat AHA beim Südländer eine sehr viel effektivere Wirksamkeit als bei den Ostfriesen, da bei der einen Gruppe eine tatsächliche Verhaltensänderung bewirkt wird und bei der anderen nicht.

Dass Kontakte das A und O für die Übertragung von Viren sind, ist denke ich jedem klar.

Pascal 22.12.2020 21:13

Zitat:

Zitat von keko# (Beitrag 1574781)
. Ich halte die Jahreszeit ebenso entscheidend wie bei normalen Virusinfektionen und die Entwicklung bei uns im Sommer hauptsächlich dem Sommer geschuldet (was natürlich keineswegs heißt, dass wir nichts dagegen tun müssen)

In diesem Kontext frage ich mich wie die Fallzahlen von Brasilien erklärt werden können. Dort sind doch Heizdecken und Heizpilze eher selten in Gebrauch oder? Und Sommer ist doch jetzt dort?

noam 22.12.2020 21:19

Zitat:

Zitat von Pascal (Beitrag 1574787)
In diesem Kontext frage ich mich wie die Fallzahlen von Brasilien erklärt werden können. Dort sind doch Heizdecken und Heizpilze eher selten in Gebrauch oder? Und Sommer ist doch jetzt dort?

Ich glaube das hängt zu einem großen Teil mit dem allgemeinen Kontaktverhalten zusammen. Während die meisten Deutschen sich schon fragen, ob das Händeschütteln sein muss, knutscht man sich in anderen Ländern zur Begrüßung ab.



Ich halte es da mit Schwarzfahrer. Es gibt einfach zu viele Faktoren, die die Pandemie nicht unerheblich beeinflussen und es ist nur logisch, dass bei anderen allgemeinen Verhaltensweisen andere Faktoren für die Verbreitung des Virus in der Prioritätenliste weiter vorn stehen.


Wäre der Virus bzw. dessen Verbreitung so einfach und durchschaubar, frage ich mich schon warum wir ihn nicht längst überwunden haben.

qbz 22.12.2020 21:24

Zitat:

Zitat von keko# (Beitrag 1574781)
Ist vielleicht eine Frage des Horizonts? Ich hatte heute mal wieder eine WhatsApp-Schalte auf eine Karibikinsel, also etwas weiter südlich als die von dir erwähnten Länder, mit ca. 20 Personen und konnte sehen, dass dort Corona kein Thema ist. Natürlich: Insellage, wenig Touristen, wenig Tests usw. Aber sie kümmern sich dort um gar nichts. Ich halte die Jahreszeit ebenso entscheidend wie bei normalen Virusinfektionen und die Entwicklung bei uns im Sommer hauptsächlich dem Sommer geschuldet (was natürlich keineswegs heißt, dass wir nichts dagegen tun müssen)

Es ging in meiner Kritik darum, dass Aequitas meinte, der Lockdown im Frühling hätte keinen besonderen Effekte gezeigt, sondern die Senkung der Infektionszahlen wäre dem Sommer geschuldet. Deswegen fragte ich nach Studien, die das belegen. Es gibt X-Studien, welche die Wirkung des Lockdowns zeigen, egal welche Temperaturen (Spanien, Italien, Finnland, Norwegen um 2 Gegensätze in Europa zu nennen, Mit Haiti kenne ich mich nicht aus.) gerade herrschen, weil vorwiegend das Kontaktverhalten die Infektionszahlen beeinflusst.

qbz 22.12.2020 21:30

Zitat:

Zitat von noam (Beitrag 1574784)
Der jahreszeitbedingte Unterscheid im Kontaktverhalten ist doch eine Folge aus der unterschiedlichen Temperatur. Ist es warm, sind mehr Menschen draußen. Es wird mehr gelüftet. Man trifft sich eher im Garten als im Wohnzimmer...

Genau, das schrieb ich ja. Deswegen wirken Lockdown und Hygieniemassnahmen sowie Massnahmen zur Kontaktreduzierung auch im Sommer primär., der Weg zum Erfolg führt über die Schutzmassnahmen. Aeqitas bezweifelt aber die Wirksamkeit der Massnahmen des Lockdowns im Frühling ohne Hinweis auf wissenschaftliche Studien. Wenn das andere sommerliche Kontaktverhalten der Menschen Infektionszahlen reduziert, dann tut es das auch bei einer durch einen Lockdown herbeigeführten Kontaktreduzierung, z.B. bei Schulschliessungen oder bei Home Office im Frühling oder Winter.

LidlRacer 22.12.2020 21:36

Zitat:

Zitat von qbz (Beitrag 1574789)
Es ging in meiner Kritik darum, dass Aequitas meinte, der Lockdown im Frühling hätte keinen besonderen Effekte gezeigt, sondern die Senkung der Infektionszahlen wäre dem Sommer geschuldet.

Ich unterstütze Deine Kritik.
Z.B. ist die Sommer-Theorie unplausibel, weil in sehr vielen Ländern zu jeder Jahreszeit (in China war's ja noch Winter, als sie ihren Ausbruch besiegt haben) Lockdowns erfolgreich waren. Und bei harten Lockdowns sieht man i.d.R. auch eine plötzliche Wende in der Kurve der Neuinfektionen. Der Sommer kommt dagegen selten plötzlich und noch seltener im Winter.

Und das hatten wir alles auch schon.

Schwarzfahrer 22.12.2020 21:39

Zitat:

Zitat von qbz (Beitrag 1574780)
...wo ich ernsthaft interessiert nachfrage, weshalb der Temperaturfaktor so zentral sein soll (und weniger das jahreszeitlich unterschiedlich bedingte Kontaktverhalten und ein Lockdown) und wo man das wissenschaftlich nachlesen kann.

Nochmal zum Buchstabieren: Die Temperatur ist nicht allein zentral, aber ein wesentlicher Faktor; ob das durch bei kälte anfällige Schleimhäute oder durch anderes Verhalten bei Kälte passiert, ist erst mal egal, es ist ein altbekannter Effekt für alle Viruserkrankungen; wissenschaftliche Arbeiten dazu kannst Du sicher selber finden.
Zitat:

Zitat von qbz (Beitrag 1574780)
Dass Schwarzfahrer alle sozialwissenschaftlich-empirischen Studien pauschal gleich mit allgemeinen Methodenargumenten in Zweifel zieht, wenn die Ergebnisse nicht in sein Bild passen, ist nichts Neues.

Mein Bild ergib sich einfach aus der kritischen Analyse jeder Publikation, die ich lese. Und ich habe gerade zu den Untersuchungen zu der Wirksamkeit der Maßnahmen viel gelesen, weil es mich interessiert, und ich es wichtig finde, herauszufinden, was eine höhere Erfolgschance hat, und was, eher mäßig wirksam sein könnte. Meine Beobachtung: wenn man nur genügend Studien liest, bekommt man für alles einen Beleg, was man belegen will: für den einen sind der Verbot von Massenversammlungen am wirksamsten, und Schulschließungen oder Masken nur marginalen Effekt haben, der andere findet daß Masken und Schulschließungen sehr viel bringen, mancher sieht eine klare Korrelation zum Lockdown, obwohl die Effekte landesweit um bis zu 5 Wochen versetzt auftreten, u.s.w.. Für jede Abweichung kann man Erklärungen suchen, und evtl. finden - aber auch jede Datenbasis ergibt andere Ergebnisse. Mein Fazit: nur wenige Maßnahmen haben eine generalisierbare Wirksamkeit, und die meisten Effekte dürften aus einer komplexen, nie ganz verstandenen Überlagerung kommen. Der Beweis eindeutiger Zusammenhänge ist extrem schwierig und gelingt selten.
Zitat:

Zitat von qbz (Beitrag 1574780)
Es wäre jetzt einfache Studienanfängerarbeit, die Literaturliste der wichtigsten Forschunsbeiträge aus diesen beiden Suchabfragen zusammenzustellen.

Schreibe das als Studienarbeit aus. Ich bin kein Studienanfänger, und habe in den Weihnachtsferien anderes zu tun, als Meta-Studien zu schreiben.
Zitat:

Zitat von qbz (Beitrag 1574780)
Es ist doch klar, dass ...wissenschaftliche Studien über die Wirkung einzelner Massnahmen zur Pandemiebekämpfung in hoher Anzahl ...erstellt werden. Und die Ergebnisse bilden, weil empirisch ermittelt, die Realitäten objektiver ab als subjektive Meinung und Glaube.

Die meisten Studien sind eben nicht nur Empirie, sondern sehr wohl Meinung und Glaube, was die Daten bedeuten mögen - und die Interpretation solcher komplexer Daten ist alles andere als alternativlos.
Zitat:

Zitat von qbz (Beitrag 1574780)
Ich glaube wir können uns einigen: Man sollte sich mit der breit vorliegenden Forschung beschäftigen und nicht darauf verweisen, es gäbe keine Richtigen.

Einverstanden, damit beschäftigen und verschiedene, auch widersprüchliche Interpretationen sich anschauen.
Zitat:

Zitat von qbz (Beitrag 1574780)
Die Epidemiologen empfehlen die Massnahmen wie Lockdown schliesslich nicht nach ihrem Bauchgefühl.

Nennen wir es dann neudeutsch "educated guess". :Cheese: Oder wohlwollend: natürlich empfiehlt jeder das, was ihm am plausibelsten erscheint aus seiner Erfahrung bzw. Wissensbasis heraus. Interessanterweise gibt es auch unter Virologen und Epidemiologen eine breite Spanne an Meinungen, was sinnvoll ist, was mir zeigt, daß es mehr als eine Lösung geben dürfte.

Seyan 22.12.2020 21:39

Was beeinflusst eigentlich so alles die Dauer eines PCR-Tests? Also von Abstrich bis Ergebnisanzeige in der App?

LidlRacer 22.12.2020 21:43

Jetzt auf den Sommer zu warten, scheint also nicht sehr aussichtsreich.

Aussichtsreicher wäre eindeutig Priesemanns (und sehr vieler anderer schlauer Köpfe) Strategie, die in diesem Artikel vielleicht besonders deutlich wird:

Max-Planck-Gesellschaft (da arbeitet Priesemann):
Mit einem europaweiten Ziel gegen Covid-19
Mehr als 300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus ganz Europa unterzeichnen einen Aufruf, die Zahl der Corona-Infektionen schnell zu senken


Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1574793)
Interessanterweise gibt es auch unter Virologen und Epidemiologen eine breite Spanne an Meinungen, was sinnvoll ist, was mir zeigt, daß es mehr als eine Lösung geben dürfte.

Wie gesagt:
Sogar Streeck unterstützt dieses Papier. In der ursprünglich veröffentlichten Liste stand er noch nicht, da es Schwierigkeiten bei der Kontaktaufnahme gab, aber jetzt ist er dabei.

aequitas 22.12.2020 21:44

Zitat:

Zitat von qbz (Beitrag 1574789)
Es ging in meiner Kritik darum, dass Aequitas meinte, der Lockdown im Frühling hätte keinen besonderen Effekte gezeigt, sondern die Senkung der Infektionszahlen wäre dem Sommer geschuldet. Deswegen fragte ich nach Studien, die das belegen. Es gibt X-Studien, welche die Wirkung des Lockdowns zeigen, egal welche Temperaturen (Spanien, Italien, Finnland, Norwegen um 2 Gegensätze in Europa zu nennen, Mit Haiti kenne ich mich nicht aus.) gerade herrschen, weil vorwiegend das Kontaktverhalten die Infektionszahlen beeinflusst.

Ich sagte nicht, dass der LD keine Wirkung gehabt hätte, sondern der Sommer wahrscheinlich einen erheblichen Anteil an der Reduzierung der Fallzahlen hatte. Der letzte und aktuelle LD ist soweit nicht weg vom Frühjahr, allerdings fallen die Zahlen, wenn überhaupt nur langsamer. Der jahreszeitliche Effekt ist eben durchaus stark, wenn man nicht zu derart autoritären Maßnahmen wie China greift oder auf einer Insel lebt (s. Die positiven Beispiele aus dem Priesemann Paper, das ich damit nur in einem Ausschnitt kritisiere).

Die Studien können die Wirkung eben nicht trennscharf zeigen, da Lockdown mit unterschiedlichen Maßnahmen einhergeht. Einen Effekt gibt es, aber die Kausalitäten bzw. Effektstärken lassen sich nicht einfach und vor allen Dingen nicht trennscharf interpretieren.

noam 22.12.2020 21:56

Zitat:

Zitat von aequitas (Beitrag 1574796)
Lockdown

Vor allem muss man um die Wirksamkeit eines Lockdowns beurteilen zu können auch seine Qualität berücksichtigen. Ich lehme mich mal kurz aus dem Fenster und behaupte, dass Lockdown in China auch wirklich Lockdown bedeutet. Das heißt es wird kontrolliert und auch durchgesetzt.

Wer mit ein wenig offenen Augen durchs Leben geht, sieht dass wir von dieser Art Lockdown gaaaaaaaaanz weit entfernt sind. Unsere Maßnahmen sind bei Nichteinhalten zwar bußgeldbewährt, aber werden sie kontrolliert und durchgesetzt? Ist das überhaupt mit unserem Rechtssystem machbar?


Aktueller Fall aus dem ersten Lockdown: Eine Gruppe Menschen verstößt gegen die vorgeschriebenen Abstandsregeln. Der pflichtbewusste Polizeibeamte weist auf die Regeln hin und leitet ein entsprechendes Ordnungswidrigkeitenverfahren ein. Die Menschen widersprechen dem ihnen zugesandten Bußgeldbescheid und man sieht sich vor Gericht wieder. In der Anhörung des einschreitenden Polizeibeamten wird gezielt nach der Art der Abstandsmessung gefragt und ob er beschwören könne, dass die hier Angeklagten alle die Abstandsregeln nicht eingehalten hätten. Messmethode war das grobe Augenmaß und somit lag keine nachweisbare Sicherheit zum Verstoß gegen die Abstandsregeln vor. So wurden die Ordnungswidrigkeitenverfahren eingestellt.


Ich glaube, ich China wäre das anders gelaufen.



Was ich damit sagen will: Lockdown ist nicht gleich Lockdown. Es sind die Menschen, die es zu erreichen gilt. Ohne die Menschen ist der Lockdown nicht zielführend, da sich eh nur die daran halten, die sich auch ansonsten so verhalten, dass eine Infektionsverbreitung sehr unwahrscheinlich wäre.

Schwarzfahrer 22.12.2020 22:17

Nachtrag zum Thema Studien zu Maßnahmen und deren Wirkung:
Konkretes Beispiel aus einem der ausführlichsten Studien, die ich kenne (Ranking the effectiveness of worldwide COVID-19 government interventions):
Super statistische Auswertung von durchschnittlichen Wirkungen, Effekten, statistischer Streuung, mit einem wesentlichen Fazit:
Zitat:

Our main takeaway here is that the same NPI can have a drastically different impact if taken early or later, or in a different country
D.h., daß zwar einige wesentliche Aspekte (vor allem Kontaktreduzierung über Vermeidung von Ansammlungen und viel Reisen, leider auch Schulschließungen statistisch gesehen große Effekte haben, aber im Einzelfall offenbar eine große Streuung aufweisen, wohl wegen der starken Interaktion verschiedener Faktoren - also das, worauf ich hinauswollte.

Und die zweite wesentliche Erkenntnis:
Zitat:

Taken together, the social distancing and movement-restriction measures discussed above can therefore be seen as the ‘nuclear option’ of NPIs: highly effective but causing substantial collateral damages to society, the economy, trade and human rights
ist ein klares Plädoyer, nicht alles dem Infektionsschutz unterzuordnen, sondern Ausgewogenheit und Verhältnismäßigkeit anzustreben.

qbz 22.12.2020 22:27

Das Beispiel Spanien zeigt für mich sehr eindeutig, wie Massnahmen wirksam sind. Dort erfolgte der Anstieg der zweiten Welle schon August / September / Oktober bei sommerlichen Temperaturen. Die Abriegelung der Städte mit hohen Inzidenzen ab Anfang Oktober sowie nächtliche Ausgangssperren (bei immer noch frühlingshaften, aber kühleren Temperaturen) zeigte deutliche Wirkung, Spanien weist jetzt mitten im Winter eine kleinere Inzidenz wie Deutschland auf!



Dazu ein Artikel bei NTV:
Spanien feiert Rückgang der CoronaZahlen.

Aber vielleicht lag es ja auch an den Störchen oder Kranichen, die aus der Uckermark nach Spanien umzogen? ;) Wer weiss das schon, ist ja alles so komplex.... ;)

Klugschnacker 22.12.2020 22:35

Zitat:

Zitat von Pascal (Beitrag 1574779)
Die Ziele 1000/2000 entsprechen so niedrigen Inzidenzen, dass ich vermute, dies ist der Bevölkerung nicht vermittelbar. Die Inzidenz von 50 die das definierte Ziel ist entspricht grob einer Fallzahl von 5000. Das wäre Deiner Rechnung nach nach 5 Wochen erreicht. Das wiederum würde sich mit einem Zeitpunkt ca. 10 Februar decken, der nach nochmaliger 30-tägiger Verlängerung der Maßnahmen ab 11. Januar erreicht werden kann.

Was noch unkalkulierbar da ohne Vergleichsmöglichkeit ist, sind die Auswirkungen der letzten beiden verkaufsoffenen Tage vergangene Woche, die drei Weihnachtstage und Silvester. Aber positive Effekte im Sinne von schneller sinkenden Fallzahlen sind davon nicht zu erwarten.

Danke für die Einschätzung, Pascal! :Blumen:

Klugschnacker 22.12.2020 22:39

Zitat:

Zitat von Lucy89 (Beitrag 1574783)
So steht uns nun also ein doppelt besonderes Weihnachten bevor und unsere Tochter scheint darauf zu bestehen, an Weihnachten Geburtstag zu haben, sie wird es spätestens in ein paar Jahren bereuen ;) Bis bald und euch allen schöne und natürlich gesunde Weihnachten! :Blumen:

Dir auch und alles Gute! :Blumen:

qbz 22.12.2020 22:46

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1574804)
Nachtrag zum Thema Studien zu Maßnahmen und deren Wirkung:
....

Danke. Die Studie, über die wir glaube ich hier schon mal gesprochen, weist im Ergebnis nach: highly effective . Die Auswirkungen auf andere Bereiche wären wieder ein anderes Kapitel als die gerade diskutierte Effektivität eines Lockdowns.


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