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Klugschnacker 17.08.2021 21:25

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1617608)
Ich bezweifle, dass die Taliban ein Schreckensregime etablieren wollen. Das sind auch keine absoluten Hinterwäldler.

Das hoffe ich für die Menschen dort. Allerdings entspricht das, was ich von den Taliban im Fernsehen mitbekomme, ziemlich genau meiner persönlichen Definition eines Hinterwäldlers. Ich denke da an Dinge wie Menschenrechte, Demokratie, Gleichstellung der Geschlechter, sexuelle Selbstbestimmung, Religionsfreiheit, Todesstrafe, ein humaner und fairer Strafvollzug ...

Wenn jemand mit einem heiligen Buch in der Hand über die Todesstrafe für Homosexuelle labert – das ist doch geradezu eine Definition eines Hinterwäldlers. Da sind wir doch einer Meinung.
:Blumen:

qbz 17.08.2021 21:36

Zitat:

Zitat von JENS-KLEVE (Beitrag 1617666)
Ich kam drauf, wegen der Ablehnung der USA, der Nähe zu China und den Palästinensern. Warten wir mal ab.

Heute titelte die Junge Welt ihren Bericht aus Afghanistan: "Islamisten fressen Kreide". Darin drückt sich recht klar aus, wie die Talibans eingeschätzt werden.

noam 17.08.2021 21:40

Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1617676)
..., ziemlich genau meiner persönlichen Definition eines Hinterwäldlers. Ich denke da an Dinge wie Menschenrechte, Demokratie, Gleichstellung der Geschlechter, sexuelle Selbstbestimmung, Religionsfreiheit, Todesstrafe, ein humaner und fairer Strafvollzug ...

Wenn jemand mit einem heiligen Buch in der Hand über die Todesstrafe für Homosexuelle labert – das ist doch geradezu eine Definition eines Hinterwäldlers. Da sind wir doch einer Meinung.
:Blumen:

Ist jetzt in weiten Teilen der arabischen Welt nichts ungewöhnliches. Alles Hinterwäldler?

In dem von HaFu verlinkten Podcast berichtet der "Experte" dass die Taliban bei weitem keine homogene Menge sind, sondern dezentral föderalistisch orientiert sind und vieles von der Einstellung der eingesetzten Statthalter abhängen würde.

Vielleicht wird uns ja auch nur "das Extrem" präsentiert, um das Feindbild aufrecht zu halten.

dr_big 17.08.2021 21:44

Wer kann das besser beurteilen als die Afghanen selbst? Wenn die zu Tausenden den Flughafen stürmen und sich verzweifelt an Flugzeugen festklammern, dann hat das sicher einen Grund.

JENS-KLEVE 17.08.2021 21:45

Vor ein paar Tagen klang es noch so:

Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/...ina-interessen

Vor einigen Tagen erschossen sie öffentlich Polizisten, um zu demonstrieren, was sie von der jetzigen Regierung unter Präsident Aschraf Ghani und ihren Institutionen hielten, nämlich nichts. Nach einem Gefecht mit Soldaten richteten sie ihre Gefangenen öffentlich hin. Diese Woche wurde Nazar Mohammad, ein in Afghanistan unter dem Namen Khasha Zwan bekannter Komiker aus Kandahar, von den Taliban aus seiner Wohnung entführt und später ermordet – den Moment seiner Entführung filmten sie und verbreiteten das Video im Netz. In der Region Malistan, schreibt ein Freund, ermordeten die Taliban zwei Brüder und tauchten am Tag darauf bei der trauernden Familie auf, um sich bei der Trauerfeier satt zu essen. Aus mehreren Orten berichten mir Kontakte, die Taliban zögen durch die Straßen und maßregelten Männer, deren Bärte nicht lang genug seien. Auch würden Frauen geschlagen, die ohne männliche Begleitung unterwegs oder nach Ansicht der Sittenwächter nicht passend gekleidet seien – ein Kopftuch reiche nicht, sie müssten sich komplett verhüllen, sprich: eine Burka tragen.
Ein afghanischer Diplomat listet auf, was die Taliban in den von ihnen beherrschten Gebieten in diesen Tagen täten: "Willkürliche Hinrichtungen, die Leichen werden öffentlich ausgestellt. Hände und Füße abhacken von Jugendlichen, die nachts unterwegs sind. Frauen werden ausgepeitscht und gesteinigt, einfach so. Vertreibung von mehr als 270.000 Zivilisten aus ihren Häusern. Zerstörung von Schulen und Krankenhäusern, von Strom- und Funkmasten, von Straßen und Brücken." Dass dieses Vorgehen dem Land schade, interessiere sie nicht – ihnen gehe es ausschließlich darum, Macht zu demonstrieren, Angst zu verbreiten und die Menschen einzuschüchtern. "Niemand soll wagen zu behaupten, er sei gegen die Taliban."

Klugschnacker 17.08.2021 22:03

Zitat:

Zitat von noam (Beitrag 1617682)
Ist jetzt in weiten Teilen der arabischen Welt nichts ungewöhnliches. Alles Hinterwäldler?

Aus meiner westlich aufgeklärten Sicht: ja.

Für mich sind die Gleichstellung der Geschlechter und der Umgang mit sexuellen Minderheiten ein Gradmesser für den Zivilisationsgrad einer Gesellschaft. Außerdem Meinungs- und Religionsfreiheit.

Mein Urteil bezieht sich nicht auf den einzelnen Menschen einer Gesellschaft. Jeder ist von seiner Umwelt und ihren Sitten geprägt. Auch ich würde vieles anders sehen, wenn ich in Afghanistan inmitten von religiösen Fundamentalisten aufgewachsen wäre. Mein Urteil bezieht sich auf die Gruppe oder die Gesellschaft.

Aber das sind schon wieder wohlfeile Worte. Als Frau wäre Afghanistan wohl der letzte Ort der Welt, in den ich jetzt freiwillig auswandern würde, um mein Glück zu machen.

noam 17.08.2021 22:23

Ich teile deine Einstellung.

Um die Brücke wieder zur Bundestagswahl zu schlagen. Vielleicht sollte man in seine Wahlentscheidung mit einfließen lassen, wer dafür verantwortlich zeichnet, dass wir Unmengen an Rüstungsgüter an diese Hinterwäldler verkaufen.

dr_big 17.08.2021 22:27

Zitat:

Zitat von noam (Beitrag 1617698)
Ich teile deine Einstellung.

Um die Brücke wieder zur Bundestagswahl zu schlagen. Vielleicht sollte man in seine Wahlentscheidung mit einfließen lassen, wer dafür verantwortlich zeichnet, dass wir Unmengen an Rüstungsgüter an diese Hinterwäldler verkaufen.

Das ist absolut richtig. Ein schlauer Kopf sagte schon vor Jahren "wer Waffen sät wird Flüchtlinge ernten". Auf die Waffenverkäufe will keiner verzichten, aber wenn die Flüchtlinge anklopfen will keiner die Tür aufmachen.

Schwarzfahrer 17.08.2021 22:29

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1617608)
Ich bezweifle, dass die Taliban ein Schreckensregime etablieren wollen. Das sind auch keine absoluten Hinterwäldler.

Natürlich werden sie die Scharia wieder einführen, aber die gilt auch in Saudi Arabien, ohne dass bisher jemand vom Westen auf die Idee gekommen wäre, das demokratisch genauso wenig wie die Taliban legitimierte Königshaus in Saudi Arabien abzusetzen und durch eine Demokratie zu ersetzen.

Absetzen einer Regierung eines anderen Landes steht ja eigentlich keinem von außerhalb des Landes zu. Aber was eine fundamentalistisch-religiös ausgerichtete Herrschaft bedeutet, kann nach dem was man aus solchen Ländern (Iran, Saud-Arabien, ...) kennt sehr wohl als Schreckensherrschaft bezeichnen - zumindest für alle, die die nicht den fundamentalistischen Glauben teilen.
Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1617608)
Auch die Taliban benötigen eine halbwegs funktionierende Wirtschaft, wenn sie sich an der Macht halten wollen.

Das halte ich für einen Irrtum. Gewalt-basierte Diktaturen brauchen eben das nicht, sie funktionieren anders. Albanien unter Enver Hodscha, Rumänien unter Ceausescu, Libyen unter Gaddafi, Irak unter Saddam haben Jahrzehnte existieren können, auch bei miserablen wirtschaftlichen Bedingungen. Und die Taliban haben gute Einkünfte u.a. aus Opium.
Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1617608)
der Westen hat sich nunmal vieles in Afghanistan in den vergangenen 20 Jahren schön geredet.

Ja, vor allem den Glauben, daß in wenigen Jahren westliche Werte und Kulturvorstellungen in einer archaischen Stammeskultur nennenswert Fuß fassen konnten.
Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1617608)
Wenn das Land funktioniert und von den westlichen Milliarden wirklich profitiert hätte, dann hätten die Militärs und die afghanische Regierung höchstwahrscheinlich ihre etablierten und bewährten Strukturen auch ernsthaft gegen den Zugriff der Taliban verteidigt.

Der minimale Widerstand gegen die Taliban, sobald die USA raus war ist für mich ein Beleg, daß eine große Mehrheit den islamisch-fundamentalistischen Werten viel näher steht, als allem was man als "moderne Zivilgesellschaft" meinte aufgebaut zu haben.
Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1617608)
Ich bin absolut dafür die afghanischen Ortskräfte und ihre Familien, die ja klar westlich orientiert sind und die sich höchstwahrscheinlich bei uns gut integrieren lassen, wegen der unklaren Zukunftsaussichten nach Deutschland zu holen, wenn dies irgendwie noch möglich ist.

Das gebietet der Anstand, keine Frage; andererseits sehe ich keine Probleme, dafür straffällige Afghanen von hier auch zu den Taliban abzuschieben. Die Taliban freuen sich vielleicht richtig über Leute, die hier versucht haben im Namen des Islam Unfug anzurichten.
Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1617608)
...ich glaube (hoffe?) auch nicht, dass die Taliban, zurückgebliebende Ortskräfte als Ex-Collaborateure massakrieren, weil ihnen dies mehr neue Probleme im Ansehen bei der verunsicherten Bevölkerung bescheren würde, als dass sie damit Probleme lösen würden.

Da wäre ich mir nicht so sicher, daß klare gewaltsame Machtdemonstrationen in der dortigen Kultur nicht eher für ein steigendes Ansehen sorgen (daß sie offenbar sehr wohl Gewalt als Zeichensetzen nutzen, zeigen z.B. die Zitate von Jens).
Zitat:

Zitat von dr_big (Beitrag 1617685)
Wer kann das besser beurteilen als die Afghanen selbst? Wenn die zu Tausenden den Flughafen stürmen und sich verzweifelt an Flugzeugen festklammern, dann hat das sicher einen Grund.

Das stimmt - aus der Sicht derer, die flüchten. Allerdings hat es auch einen Grund, daß Tausende Afghanen (möglicherweise eine große Mehrheit) offenbar kein Problem mit der Rückkehr der Taliban haben, und sie widerstandslos durchmarschieren ließen.

keko# 17.08.2021 22:33

Zitat:

Zitat von noam (Beitrag 1617698)
Ich teile deine Einstellung.

Um die Brücke wieder zur Bundestagswahl zu schlagen. Vielleicht sollte man in seine Wahlentscheidung mit einfließen lassen, wer dafür verantwortlich zeichnet, dass wir Unmengen an Rüstungsgüter an diese Hinterwäldler verkaufen.

Es geht um mehr und die Geschichte ist länger:

Die Anstalt: Der Kampf gegen den Terrorismus 23.09.2014 IRAK | IRAN | ISIS - Bananenrepublik

Schlafschaf 17.08.2021 23:08

Afghanistan wäre wohl einen eigenen Thread wert. Schlimm was da für Zustände herrschen.
Ein wenig habe ich auch Angst, dass das so ist wie beim arabischen Frühling in Ägypten. Da hat man ja plötzlich auch mit erschrecken feststellen müssen, dass die gar nicht so Bock haben auf was neues und unserer Sicht besseres.

dr_big 18.08.2021 06:42

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1617702)
Und die Taliban haben gute Einkünfte u.a. aus Opium.

Da liegst du wahrscheinlich falsch. Wie die Taliban vor 20 Jahren an der Macht waren hatten sie die Opium Produktion verboten und das Verbot auch durchgesetzt.
Ich glaube eher, dass China an Bodenschätzen interessiert ist und da eine wirtschaftliche Kooperation aufbauen möchte. Das könnte den Taliban natürlich helfen.

keko# 18.08.2021 07:48

Zitat:

Zitat von Schlafschaf (Beitrag 1617708)
Afghanistan wäre wohl einen eigenen Thread wert. Schlimm was da für Zustände herrschen.
....

Wollten wir für jedes Drama einen Thread aufmachen, wären es kein Sportforum mehr. Im Heimatland einer mir sehr nahestehenden Person sind gerade mal eben knapp 2000 Menschen wegen einem Erdbeben gestorben. Hunger, Kriege, Naturkatastrophen... glücklicherweise beschäftigen wir uns in DE seit 1,5 Jahren hauptsächlich mit Corona und ob die Krankenhäuser voll sind oder nicht ;-)

MattF 18.08.2021 09:40

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1617702)
Das stimmt - aus der Sicht derer, die flüchten. Allerdings hat es auch einen Grund, daß Tausende Afghanen (möglicherweise eine große Mehrheit) offenbar kein Problem mit der Rückkehr der Taliban haben, und sie widerstandslos durchmarschieren ließen.

Vielleicht sind die Afghanen auch mittlerweile nach 50 Jahren Krieg weiter als wir und haben eingesehen, dass Gewalt nichts bringt.

Klugschnacker 18.08.2021 10:30

Es handelt sich offenbar um ein Terror-Regime. Der Terror ist der Grund, warum keiner aufmuckt. Es gelten keine zivilisierten Regeln mehr. Wer aufmuckt, riskiert sein Leben.

Klugschnacker 18.08.2021 10:34

Zitat:

Zitat von MattF (Beitrag 1617781)
Vielleicht sind die Afghanen auch mittlerweile nach 50 Jahren Krieg weiter als wir und haben eingesehen, dass Gewalt nichts bringt.

Mit Ausnahme der Taliban selbst, die ausschließlich mit Gewalt an die Macht kamen und kommen. Es ist ein Terror-Regime, welches hemmungslos Gewalt einsetzt. Von öffentlichen Enthauptungen und Verbrennungen bis hin zu Steinigungen junger Frauen.

Hafu 18.08.2021 10:43

Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1617798)
Es handelt sich offenbar um ein Terror-Regime. Der Terror ist der Grund, warum keiner aufmuckt. Es gelten keine zivilisierten Regeln mehr. Wer aufmuckt, riskiert sein Leben.

Das ist noch nicht so ganz klar. Was du widergibst ist die Lesart der westlichen Geheimdienste sowie vieler Exil-Afghanen, die Afghanistan vor 20 Jahren den Rücken gekehrt und damals ihre (angesichts der damaligen Ereignisse nachvollziehbare) Meinung gebildet haben. Die westlichen Geheimdienste sind einer katastrophalen Fehleinschätzung unterlegen, hinsichtlich der Frage, wie sich die üver 20 Jahre aufgebauten Regierungsstrukturen in Afghanistan gegen einen Versuch der Machtübernahme durch die Taliban wehren würden und wie lange insbesondere Kabul einer Eroberung durch die Taliban standhalten würde.
Angesichts dieser beispiellosen Fehlleistung würde ich in den Raum stellen, dass man der augenblicklichen Einschätzung der Taliban als Terror-Organisation durch genau dieselben Experten ein deutliches Mistrauen entgegenbringen sollte.

UN-Organisationen wie z.B. die Unicef arbeiten seit längerem gut mit den Taliban zusammen. Die UN plant derzeit im Gegensatz zu den USA oder Deutschland auch keine Evakuierung ihres Personals vor Ort.


Zitat:

Zitat von UN
..."We have ongoing discussions, we are quite optimistic based on those discussions," UNICEF's chief of field operations in Afghanistan, Mustapha Ben Messaoud, told a U.N. briefing, adding that 11 out of 13 field offices were currently operational.

"We have not a single issue with the Taliban in those field offices."...Rupert Colville, spokesman for Michelle Bachelet, the U.N. High Commissioner for Human Rights, said the worries of many Afghans about the Taliban were "thoroughly understandable".

"We call on the Taliban to demonstrate through their actions, not just their words, that the fears for the safety of so many people from so many different walks of life are addressed," he said.

Unlike many countries which are scrambling to evacuate their diplomats from the country, the United Nations does not plan staff evacuations and is appealing for additional aid for its operations amid warnings of growing humanitarian needs.


Klugschnacker 18.08.2021 10:56

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1617803)
Angesichts dieser beispiellosen Fehlleistung würde ich in den Raum stellen, dass man der augenblicklichen Einschätzung der Taliban als Terror-Organisation durch genau dieselben Experten ein deutliches Mistrauen entgegenbringen sollte.

Wenn das kein Terror-Regime ist, wozu dann die Maschinengewehre?

Die Taliban repräsentieren nicht das afghanische Volk, sondern eine Gruppierung unter vielen anderen einheimischen Gruppen. Allerdings eine bewaffnete und besonders gewaltbereite Gruppierung.

aequitas 18.08.2021 10:57

Geil, mal schön die Taliban verharmlosen und damit die unmenschliche Gewalt und Verfolgung von Menschen, die nicht in das extremistische Weltbild passen. Genau mein Humor.

Klugschnacker 18.08.2021 11:26

Zitat:

Zitat von aequitas (Beitrag 1617807)
Geil, mal schön die Taliban verharmlosen und damit die unmenschliche Gewalt und Verfolgung von Menschen, die nicht in das extremistische Weltbild passen. Genau mein Humor.

Das verstehe ich anders. Die Gewalt wird aus meiner Sicht von niemandem hier verharmlost. Es geht eher darum, die Taliban realistisch als das einzuschätzen, was sie sind. Dazu gibt es verschiedene Standpunkte.

keko# 18.08.2021 11:42

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1617803)
...
Angesichts dieser beispiellosen Fehlleistung würde ich in den Raum stellen, dass man der augenblicklichen Einschätzung der Taliban als Terror-Organisation durch genau dieselben Experten ein deutliches Mistrauen entgegenbringen sollte.
...

Suhail Shaheen, der Sprecher der Taliban in Afghanistan, schreibt auf Twitter ja z.T. nette Sachen und vielversprechende Statements. So schrieb er mal, dass es einfach falsch sei, dass man Mädchen zwangsverheiraten wolle und jeder willkommen sei, der an der Nation mitarbeiten will. Das möchte man ja fast mit einem Herzchen liken und in der Community teilen.
Wenn ich mir diese durchweg männlichen Gestalten mit ihren strengen Blicken und großen Gewehren anschaue, bin ich da aber zumindest mal abwartend.

Hafu 18.08.2021 11:42

Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1617806)
Wenn das kein Terror-Regime ist, wozu dann die Maschinengewehre?

Die Taliban repräsentieren nicht das afghanische Volk, sondern eine Gruppierung unter vielen anderen einheimischen Gruppen. Allerdings eine bewaffnete und besonders gewaltbereite Gruppierung.

Die Taliban sind nicht gewählt worden, sondern haben die Macht ergriffen. Da gibt es keine zwei Meinungen.

Es gibt aber ein weites Spektrum, wie man mit totalitären Regimes, die nicht nach unserem westlichen Wertesystem demokratisch legitimiert sind, umzugehen hat. Da kann man aktuell an Weißrussland denken, an China, den Iran, den Irak, Syrien, Russland.

Die NATO hat viele Jahre lang versucht, Polizei und Militär in Afghanistan personell und von der Ausrüstung her in die Lage zu versetzen, sich gegen einen erneute gewaltsame Machtergreifung durch die Taliban effektiv zur Wehr zu setzen und ist damit aber gescheitert, was ganz sicher nicht daran lag, dass die Taliban miltärisch den regulären afghanischen Truppen überlegen gewesen wären. Talibanfremde afghanische Gruppierungen konnten sich nie untereinander einigen und erachteten das Ziel, eine Gesellschaft mit liberalen und demokratischen Tendenzen gegen eine erneute Machtergreifung durch die Taliban zu verteidigen als offensichtlich nicht lohnenswert.

Mit Mullah Baradar, dem politischen Kopf der Taliban, der jahrelang im Exil in Qatar sich aufgehalten hat, wo die Taliban seit zig Jahren ein offizielles Büro mit zahlreichen Angestellten betrieben haben und der gestern nach Afghanistan zurückgekehrt ist, haben die US-Amerikaner die Details des Truppenabzuges über Monate hinweg ausgehandelt. Meines Wissens nach haben die US-Amerikaner mit keinen weiteren gesellschaftlichen Gruppierungen außerhalb der abgesetzten islamischen Regierung über die geplante und letztlich vollzogene Beendigung ihres Afghanistan-Einsatzes verhandelt.

Über die erste Pressekonferenz der Taliban nach der Machtergreifung hat die SZ berichtet und ich konnte dort keine Maschinengewehre erkennen.


Hier ist noch ein Videobeitrag von SPON über dieselbe Pressekonferenz mit kurzem Statement auch der US-Regierungssprecherin, die sich zu Recht skeptisch ob der Ankündigungen der Taliban zeigt, gleichzeitig aber auch ankündigt, die Taliban beim Wort zu nehmen und auf den schon lange bestehenden Austausch mit der Taliban-Führungsspitze verweist, der auch weiterhin fortgeführt werden soll.

Bleierpel 18.08.2021 13:03

Das Verstehen anderer Kulturen ist seit jeher ein ganz ganz großes Thema. Mitunter scheitern Nidersachsen daran, Thüringer oder Bajuwaren zu verstehen. Amerikaner glänzen seit Jahrzehnten durch Fehleinschätzungen bezüglich dem nahen Osten. Europäer / Deutsche verstehen seit Jahrzehnten Chinesen und wundern sich nun darüber, das die Exportweltmeister im Maschinenbau sind...



Warum in aller Welt sollten wir nun die Taliban verstehen? Warum sie uns?

20 Jahre westlicher Input und 'Verständnis füreinander' schaffen sind in Stunden verraucht...



Auch wenn das bitter ist: last Afghanistan den Afghanen und jedem anderen Volk sein Land. Einmischen bringt nichts!

MattF 18.08.2021 13:28

Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1617806)
Wenn das kein Terror-Regime ist, wozu dann die Maschinengewehre?

Die Taliban repräsentieren nicht das afghanische Volk, sondern eine Gruppierung unter vielen anderen einheimischen Gruppen. Allerdings eine bewaffnete und besonders gewaltbereite Gruppierung.

Bewaffnung ist kein Zeichen von Terror und Gewaltbereitschaft auch nicht.

S. USA

JENS-KLEVE 18.08.2021 13:58

Ich wundere mich über über die differenzierte Betrachtung der extremistischen Taliban. Bei der AFD schreibt doch auch keiner, dass sind nicht alles Teufel… Wer dort Mitglied ist, oder sie wählt oder nur hier verteidigt, ist ja bereits in diesem Forum rechtsextrem oder einfach Nazi. Bei den Taliban unterscheiden wir jetzt plötzlich neben nett formulierten Twitter Posts und und der Kriegspropaganda mit exekutierten Gegnern. Eine interessante Entwicklung in diesem Forum.
Bei allem Verständnis für lokale und kulturelle Unterschiede: Menschenrechte haben auf der ganzen Welt zu gelten. Auch afghanische Frauen haben Menschenrechte, auch Afghanen haben ein Recht auf politische Opposition, Glaubensfreiheit usw. - ich wundere mich über die großzügige Auslegungen in diesem sonst sehr strengen Forum. Bei unseren deutschen Wahlthemen ist man ja schon als Dieselfahrer oder Gendersternchenverweigerer im politischen Abseits, auch wenn man gegen Todesstrafe und für Gleichberechtigung eintritt:cool:

keko# 18.08.2021 14:14

Zitat:

Zitat von MattF (Beitrag 1617834)
Bewaffnung ist kein Zeichen von Terror und Gewaltbereitschaft auch nicht.

S. USA

Wenn man damit einen Vergleich zu den USA konstruiert (falls das so gemeint war), der ersten modernen Demokratie, dann Gute Nacht!

Hafu 18.08.2021 15:03

Zitat:

Zitat von JENS-KLEVE (Beitrag 1617842)
...

Was schlägst du vor?

Wieder einmarschieren? Wirtschaftssanktionen? Un-Resolutionen? Hilfsgelder einfrieren?

(und dabei insbesondere auch die anderen Staaten weltweit im Auge behalten, in denen jetzt gerade die unveräußerlichen Menschenrechte mit Füßen getreten werden)

captain hook 18.08.2021 15:42

https://de.wikipedia.org/wiki/Taliban

Zitat:

"Im Selbstverständnis, das ein Sprecher der Taliban 2019 in Doha vermittelte, sind die Taliban Afghanistan, sie sehen sich also nicht als einen Teil des Staates, sondern als den Staat selbst.[89]"

Grob überschlägig denke ich, den Taliban ist völlig egal was wir hier bei uns denken oder machen.

Die machen ihr Ding und das so, wie sie es für richtig halten.

NBer 18.08.2021 16:10

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1617867)
....Hilfsgelder einfrieren?....

Wurde das nicht gerade schon gemacht? Ich glaube die Taliban sitzen eher früher als später auf dem Trockenen: https://www.spiegel.de/wirtschaft/so...7-f7010229fc84
Die Frage ist natürlich ob die Weltgemeinschaft zusieht oder nicht doch wieder hilft, wenn sie die Leute verhungern und erfrieren lassen.....

Körbel 18.08.2021 16:16

Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1617806)
Wenn das kein Terror-Regime ist, wozu dann die Maschinengewehre?

Nur so zur Info:
Jede Armee, sogar die Bundeswehr, hat Maschinengewehre.:Huhu:

captain hook 18.08.2021 16:20

Zitat:

Zitat von NBer (Beitrag 1617882)
Wurde das nicht gerade schon gemacht? Ich glaube die Taliban sitzen eher früher als später auf dem Trockenen: https://www.spiegel.de/wirtschaft/so...7-f7010229fc84
Die Frage ist natürlich ob die Weltgemeinschaft zusieht oder nicht doch wieder hilft, wenn sie die Leute verhungern und erfrieren lassen.....

Sicher, die machen jetzt ein Handelsembargo gegen Menschen- und Drogenhandel. Da erzielen die im internationalen Welthandel dann keine Gewinne mehr, die Auswirkungen auf das Bruttosozialprodukt hätten oder so.

Das Volk wird verarmen und die Terroristen werden wie in den letzten 20 Jahren von dem Blut- und Drogengeld leben.

HerrMan 18.08.2021 16:51

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1617867)
Was schlägst du vor?

Wieder einmarschieren? Wirtschaftssanktionen? Un-Resolutionen? Hilfsgelder einfrieren?

Keine Ahnung, auf jeden Fall nix beschönigen und schon gar nicht den "Taliban-Versteher" machen, weil ja alle immer so böse zu ihnen waren....

Das erinnert mich ein wenig an die Rammos, Abou Chakers und Zeins in Berlin. Jahrzehntelanges "ClanFamilien-Verstehen" von Politik, Justiz und linker Öffentlichkeit (nein qbz - hier kannst du dich nicht rausreden! ;) ) ist im nachhinein einfach nur unendlich peinlich für einen zivilisierten Rechtsstaat, wie wir es sein möchten.

Wer nicht weiß wovon ich schreibe, dem empfehle ich mal ein Fahrt mit der U8 von Alexanderplatz zum Hermannplatz. Am besten so gegen 18:00, wenn in der U-Bahn die müden Malocher auf die pubertierenden Clan-Kinder treffen. Ein so trauriges Bild für all diejenigen, denen der Rechtsstaat heilig und die Demokratie wichtig ist. Da kann man durchaus erstmals den Wunsch nach einem sehr starken Staat verspüren...

keko# 18.08.2021 17:09

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1617867)
Was schlägst du vor?

Wieder einmarschieren? Wirtschaftssanktionen? Un-Resolutionen? Hilfsgelder einfrieren?

(und dabei insbesondere auch die anderen Staaten weltweit im Auge behalten, in denen jetzt gerade die unveräußerlichen Menschenrechte mit Füßen getreten werden)

Meines Wissens werden sie finanziell von z.B. Qatar, Saudi Arabien und Kuwait unterstützt. Zudem gewinnen sie Einnahmen durch Drogenhandel.

petra_g 18.08.2021 19:30

Muss gerade lachen: 70% Baerbock. Das sagt viel aus über die Foren Teilnehmer und erklärt auch deren Verhalten. Naja egal.....

Ich wähle FDP !

JENS-KLEVE 18.08.2021 20:11

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1617867)
Was schlägst du vor?

Wieder einmarschieren? Wirtschaftssanktionen? Un-Resolutionen? Hilfsgelder einfrieren?

(und dabei insbesondere auch die anderen Staaten weltweit im Auge behalten, in denen jetzt gerade die unveräußerlichen Menschenrechte mit Füßen getreten werden)

Ich schlage für uns vor alles knallhart so benennen wie es ist.

Darüberhinaus fände ich es gut, wenn man Afghanistan mit dieser Regierung wirtschaftlich und politisch isolieren würde. Ähnlich wie wir es von Nordkorea kennen. Hilfsgelder würde ich in andere Länder umleiten, denen es auch schlecht geht, wo aber das Geld besser aufgehoben ist. Experten werden solche Länder benennen können.

Klugschnacker 18.08.2021 20:31

Zitat:

Zitat von Körbel (Beitrag 1617885)
Nur so zur Info:
Jede Armee, sogar die Bundeswehr, hat Maschinengewehre.:Huhu:

Ja, aber unsere Soldaten jagen damit nicht den Bürgermeister aus dem Haus. Vielleicht hätte ich das dazuschreiben sollen, damit es verständlicher wird, warum bei den Taliban der Waffengebrauch ein Problem ist.

sabine-g 18.08.2021 20:41

Zitat:

Zitat von petra_g (Beitrag 1617924)
Muss gerade lachen: 70% Baerbock. Das sagt viel aus über die Foren Teilnehmer und erklärt auch deren Verhalten. Naja egal.....

Ich wähle FDP !

Ich weiß, habe es deiner Vita auf xing entnommen.

noam 18.08.2021 20:57

Zitat:

Zitat von JENS-KLEVE (Beitrag 1617939)
Ich schlage für uns vor alles knallhart so benennen wie es ist.

Teile der geforderten Antworten könnten die Bevölkerung verunsichern *hust*


Wichtig wäre es einmal zu versuchen zu ermitteln, wo denn Verantwortlichkeiten zu suchen sind. Das Interview mit Heiko Maas gestern im ZDF (großes Lob an Frau Slomka für ihre Fragen und Nachfragen) war ja an Erbärmlichkeit nicht zu überbieten.

Immer dieses Wischiwaschi "Wir haben die Lage falsch eingeschätzt. Wir konnten ja nicht damit rechnen, dass die Taliban so schnell das ganze Land übernehmen. ..."

Verschiedene Journalisten haben genau dies seit Trumps Ankündigung des Truppenabzugs vorhergesagt. Journalisten. Also Leute die sich ihre Informationen selbst beschaffen müssen, sind in der Lage eine Entwicklung zu erkennen, zu bewerten und daraus Schlüsse zu ziehen. Und die Geheimdienste und militärische Aufklärung aller kriegsbeteiligten Staaten tappen im Dunkeln? Wen versucht man denn da für dumm zu verkaufen?

Für mich liegen da die Verantwortlichkeiten recht klar im Außenministerium, im Verteidigungsministerium und auch im Kanzleramt und wenn ich dann das herumgeseiere von Maas höre, der jedwede Verantwortung ganz weit von sich zu schieben scheint, wird mit einfach schlecht. Mit Rücktritten rettet man leider auch keine Menschenleben mehr, aber es wäre zumindest ein Zeichen von Verantwortung.

Das muss man sich mal vorstellen. Da schlagen die Grünen im Mai oder Juni vor aufgrund des Truppenabzugs den Ortskräften schnellstmöglich eine Einreise nach D zu ermöglichen und nun sagt ein CDU Bundestagsabgeordneter, dass es wohl ein Fehler war AUS PRINZIP diesen Antrag abzulehnen. AUS PRINZIP.... Hier spielt man aus Wahlkampfgründen und oder parteipolitischen Befindlichkeiten mit Menschenleben und macht es zukünftigen Auslandseinsätzen unglaublich schwer Hilfe durch verlässliche Ortskräfte zu bekommen, da diese sich ja der Rettung in der Not nicht sicher sein können. Erbärmlich.


Traurig:
https://www.zdf.de/nachrichten/heute...ommen-100.html

tandem65 18.08.2021 21:05

Zitat:

Zitat von petra_g (Beitrag 1617924)
Ich wähle FDP !

Ja, das wissen wir aus einem Deiner letzten Leben hier im Forum.
Vielleicht schaffst Du es sie wieder unter die 5% Hürde zu promoten.

petra_g 19.08.2021 09:24

Nennt mir mal bitte eine Partei in Deutschland die sich wirklich für Steuerzahler, Sozialbeitragszahler einsetzt ? Ist nur die FDP.
  • Steuersenkungen im EST Bereich wird es nur mit der FDP geben
  • Abschaffung Soli wird es nur mit der FDP geben
  • Aufbau einer zweiten personenbezogenen kapitalgedeckte Säule in den Sozialversicherungen wird es nur mit FDP geben
  • Eine Föderale Republik Europa (EU Verfassung, Staatsgründung und Gründung einer parlamentarischen Demokratie) wird es nur mit FDP geben

Justierbedarf bei FDP gibt es nach meiner Meinung in Folgenden Bereichen, aber das ist bei CDU/CSU genauso
  • Sie wollen die Unternehmenssteuern senken. Bin ich dagegen. Ich bin für einheitliche Unternehmenssteuern in der EU. Die vielen "Steueroasen" schaden den große Flächenstaaten
  • Dann Sozialversicherungen. Der Aufbau der zweiten kapitalgedeckten Säule können aufgrund der hohen Beiträge bei GKV/GRV die meisten Arbeitnehmer nicht leisten. Deswegen wäre ich dafür die derzeitigen umlagefinanzierten Systeme komplett in die Hand der Unternehmen und des Staates zu legen, sprich Arbeitgeberanteil hoch auf 100% sowie Zuschüsse vom Staat aus Steuern (Vereinheitlichte EU Unternehmenssteuern würden viel Geld in die Kassen spülen) um die Sozialversicherungen zu finanzieren.
  • Dann hätten die Arbeitnehmer finanzielle Mittel frei und könnten sich kapitalgedeckte personenbezogene Sozialversicherungen aufbauen. Ich wäre auch dafür dass das für alle gilt: Beamte, Freiberufler, Selbständige, Politiker...Alle eben.


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