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LidlRacer 20.10.2020 15:46

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1559328)
Dazu las ich kürzlich ein Beispiel aus Vor-Corona-Zeit: angeblich könnte man mit ca. 5 Wochen "Einzelhaft für alle" die meisten Rhinoviren (vulgo Erkältung) theoretisch eliminieren, d.h. wenn alle so isoliert werden, dann sterben die Viren in der Population aus. (soll bei Inselbewohnern früherer Zeiten, wo nur einmal im Jahr ein Schiff vorbeikam, auch so beobachtbar gewesen sein). Das Problem sei aber, daß das nur funktioniert, wenn alle entweder ein gutes Immunsystem haben, oder daran sterben. In Menschen mit schwachem Immunsystem (Organtransplantierte, chronisch Kranke, sehr Alte) können Viren sehr viel länger überleben, mit dem Menschen zusammen. Dazu kommt unsere globale Mobilität, die alles über den Haufen werfen kann.

Daraus schließe ich, daß eine dauerhafte Lösung des Problems bereits an "lang genug" scheitern muß. Eine zeitliche Streckung der Verbreitung ist allerdings wohl hinzubekommen. Deshalb stellt sich die Frage: für welchen "Zeitgewinn" ist "wie strikt wie zumutbar", oder verhältnismäßig. Darauf gibt es wohl keine absolute Antwort, nur Meinungen.

Es geht doch gar nicht darum, dass wir ernsthaft versuchen wollen, das Virus per Lockdown auszurotten. Es geht darum, das Infektionslevel auf ein Maß runterzudrücken, mit dem wir gut leben können.

Fandest Du unseren Zustand im Sommer, als das Virus sehr weit zurückgedrängt war, nicht auch sehr viel besser als die immer weiter eskalierende Lage im Frühling und jetzt?

Und nein - es lag nicht nur am Sommer selbst.

noam 20.10.2020 15:52

Zitat:

Zitat von LidlRacer (Beitrag 1559327)
Das Virus ist keine Flutwelle, die einfach über uns hinweg schwappt.
Es verbreitet sich nur dann, wenn wir ihm die Gelegenheit dazu geben.

Es ist so einfach.

Stimmt, da Viren ja statisch bleiben, sich nie verändern und man eine grundsätzliche Immunität durch eine einfache Impfung erwirbt. Klappt bei Grippe ja auch hervorragend. So einfach ist das dann wohl doch nicht.


Die Frage ist viel mehr: Wie lange können wir uns unseren derzeitigen Umgang mit dem Virus leisten?

Man darf nicht aus den Augen verlieren, dass wir nur in der luxuriösen Situation sind, in der wir sind, da es uns die medizinische Versorgung leisten können. Wie lange wir uns das noch leisten können, steht auf einem ganz anderen Blatt. Die deutsche Wirtschaft war schon vor Corona auf dem Weg in die Rezession und diese wurde durch Corona noch beschleunigt. Das wahre Ausmaß werden wir aufgrund der pandemiebedingten Gesetzesänderung zB zum Insolvenzverfahren erst in ein paar Jahren merken. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass wir in den letzten Jahren Jahr um Jahr Rekordsteuereinnahmen hatten, die uns die ganzen Subventionen derzeit recht leicht von der Hand gehen lassen. Mich bedrückt, dass wir eine gewaltige Bauchlandung insbesondere im strukturschwachen Raum erleiden werden.


Mal ganz davon abgesehen, dass ganze Wirtschaftszweige durch Corona zum Erliegen kommen wie die Tourismusbranche, Gastronomie und die Event- bzw. Veranstaltungsbrache. Einher geht das mit Kunst und Kultur und alle dem, was größerer Menschenansammlungen bedarf. Unsere Kernindustrie mit der Automobilindustrie hat einen Rekordumsatzeinbruch, der entsprechend die Zulieferfirmen, die ja nun eh selten auf Rosen gebettet sind, trifft.


Eine Lösung weiß ich allerdings auch nicht. In einem Lockdown bis der Virus weg ist wird diese aber wohl nicht liegen

noam 20.10.2020 15:55

Zitat:

Zitat von LidlRacer (Beitrag 1559332)
Es geht doch gar nicht darum, dass wir ernsthaft versuchen wollen, das Virus per Lockdown auszurotten. Es geht darum, das Infektionslevel auf ein Maß runterzudrücken, mit dem wir gut leben können.

Fandest Du unseren Zustand im Sommer, als das Virus sehr weit zurückgedrängt war, nicht auch sehr viel besser als die immer weiter eskalierende Lage im Frühling und jetzt?

Und nein - es lag nicht nur am Sommer selbst.

Aber der Virus ist doch nun "zurück", weil wir uns im Sommer so verhalten haben wie wir uns verhalten haben; und das obwohl wir auf Großveranstaltungen verzichtet haben.

Das ist doch das klassische Jojo. Ich mache Lockdown, bis das Infektionslevel auf ein Maß runtergedrückt worden ist, mit dem wir gut leben können. Dann wird wie im Sommer gelockert, bis das Virus uns dazu zwingt wieder zurückzuschrauben, bis das Infektionslevel auf ein Maß runtergedrückt worden ist, mit dem wir gut leben können. Das ist doch keine ernsthafte Alternative.

merz 20.10.2020 16:04

Währendessen in China, irgendwas habe die doch besser gemacht:

FAZ (leider hinter der Paywall):

China ist fast zum normalen Leben zurück:

https://www.faz.net/aktuell/gesellsc...-17009630.html

Wirtschaft brummt da auch (man kann die Zahlen hin und her wenden , dennoch):
(keine paywall)

https://www.faz.net/aktuell/wirtscha...-17008920.html

https://www.spiegel.de/wirtschaft/so...0-0682cfa35d1a


m.

LidlRacer 20.10.2020 16:04

Zitat:

Zitat von noam (Beitrag 1559335)
Aber der Virus ist doch nun "zurück", weil wir uns im Sommer so verhalten haben wie wir uns verhalten haben; und das obwohl wir auf Großveranstaltungen verzichtet haben.

Das ist doch das klassische Jojo. Ich mache Lockdown, bis das Infektionslevel auf ein Maß runtergedrückt worden ist, mit dem wir gut leben können. Dann wird wie im Sommer gelockert, bis das Virus uns dazu zwingt wieder zurückzuschrauben, bis das Infektionslevel auf ein Maß runtergedrückt worden ist, mit dem wir gut leben können. Das ist doch keine ernsthafte Alternative.

Doch. Wir müssen beim Lockern nur etwas schlauer werden, so dass es nicht immer wieder neu eskaliert. Ja, einfach ist das nicht, weil ja ständig nach immer mehr Lockerungen geschrien wird und alle nachlässiger werden, wenn das akute Risiko nur noch unbedeutend erscheint.

Aber ich habe noch etwas Hoffnung, dass wir lernfähig sind ...

keko# 20.10.2020 16:05

Zitat:

Zitat von noam (Beitrag 1559335)
..
Das ist doch das klassische Jojo. Ich mache Lockdown, bis das Infektionslevel auf ein Maß runtergedrückt worden ist, mit dem wir gut leben können. Dann wird wie im Sommer gelockert, bis das Virus uns dazu zwingt wieder zurückzuschrauben, bis das Infektionslevel auf ein Maß runtergedrückt worden ist, mit dem wir gut leben können. Das ist doch keine ernsthafte Alternative.

Das geht vielleicht ein- bis zweimal, dann ist die Karte verspielt. Meines Wissen hat man sonst auch keine Karte in der Hand.

keko# 20.10.2020 16:11

Zitat:

Zitat von LidlRacer (Beitrag 1559337)
Doch. Wir müssen beim Lockern nur etwas schlauer werden, so dass es nicht immer wieder neu eskaliert. Ja, einfach ist das nicht, weil ja ständig nach immer mehr Lockerungen geschrien wird und alle nachlässiger werden, wenn das akute Risiko nur noch unbedeutend erscheint....

Ich beobachte das Ganze bequem aus meinem Schreibtischsessel im HomeOffice. Nicht jeder ist zum Spaß irgendwo draußen unterwegs und hat dabei menschliche Kontakte. Nicht jeder will Lockerungen wegen seiner Freizeit. Da gehen gerade Existenzen den Bach runter.

aequitas 20.10.2020 16:13

Zitat:

Zitat von merz (Beitrag 1559336)
Währendessen in China, irgendwas habe die doch besser gemacht:

China ist halt keine Demokratie, sondern ein autoritär geführter Staat. Dort wurden ganze Regionen abgesperrt und der Lockdown war nicht vergleichbar mit dem unseren.

Da würde eher ein Blick nach Südkorea lohnen, um einen anderen Umgang mit Corona zu lernen. Allerdings ist auch die dortige Strategie nicht eins zu eins auf Deutschland übertragbar.


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