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qbz 17.08.2021 12:41

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1617488)
.........
Das Thema Afghanistan hatte ja mindestens 10 Jahre lang keinerlei Priorität in der Öffentlichkeit, so dass auch die Ziele des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr und auch der US-Truppen sowie auch die Ziele der erheblichen Geldsummen die Jahr für Jahr dorthin geflossen sind, nie ernsthaft evaluiert worden sind.

Heute morgen habe ich einen sehr guten Podcast mit einem langjährigen Afghanistan-Kenner Emran Feroz (=Österreicher mit afghanischen Wurzeln, der mehrere Bücher über den Afghanistan-Krieg geschrieben hat) angehört, den ich sehr empfehlen kann

"Apokalypse und Filterkaffee: Sonderausgabe Afghanistan- Die Kapitulation"

Du wirfst ja gerne Linken Naivität vor. :) Man konnte die Informationen von Emran Feroz nicht erst seit seinem Buch 2017 bekommen und auch noch von zahlreichen anderen Autoren in den zurückliegenden 20 Jahren. Aber danke für den Link und Bericht!

Für mich ist es nichts Neues, dass in einem Krieg die daran beteiligten Parteien der Kriegspropaganda verpflichtet sind und man diese konsequent hinterfragen sollte. Ich kann mich noch sehr gut persönlich erinnern, wie die USA, NATO und die meisten Medien den Vietcong und die Menschen aus Nordvietnam als Menschenschlächter darstellten.

Nur allein schon gegen die Veröffentlichung der parlamentarischen Berichte des Verteidigungsministeriums und für eine Geheimhaltung klagte die Bundesregierung 7 Jahre in Gerichtsverfahren bis vor den Europäischen Gerichtshof, weil sie den Kriegseinsatz der Bundeswehr öffentlich ständig beschönigte.
Die Afghanistan Papiere.

Wer hauptsächlich am Afghanistan-Krieg profitiert hat - es muss ja mächtige Interessensgruppen geben, einen bekanntermassen sinnlosen Krieg 20 Jahre lang zu führen - beschreibt dieser kurze Artikel auf Telepolis.
Afghanistan-Hier-sind-die-Gewinner

Bis heute haben die USA übrigens Vietnam noch keine Kriegsentschädigungen bezahlt für die Kriegsverbrechen. Wahrscheinlich gehen auch alle zivilen afghanischen Opfer und der Staat in Afghanistan leer aus und ich bin gespannt, ob die Taliban Entschädigungen verlangen oder ihnen bei den Doha Verhandlungen eine in Geheimpapieren zugestanden wurde wie damals von Nixon an Nordvietnam (bei den Friedensverhandlungen) 73 Milliarden Reparation, welche aber die USA nie bezahlt haben.

Auch Deutschland verweigerte den zivilen Opfern, welche beim Luftangriff auf den Tanklaster, an dem die Menschen Benzin zapften, getötet wurden, bisher eine Entschädigung.
karlsruhe-weist-klage-von-kundus-opfern-ab

Thomas W. 17.08.2021 13:19

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1617488)
Da man sich aktuell in Windeseile vom Virologen, Wetter- und Klimaexperten zum Afghanistan-Experten umschulen bzw. weiterbilden muss, wenn man kompetent am öffentlichen Diskurs teilnehmen will, braucht es kurzgefasste Informationsquellen zu den Hintergründen der aktuellen Problematik.



"Apokalypse und Filterkaffee: Sonderausgabe Afghanistan- Die Kapitulation"

Vielen Dank!
Ich gehöre in der Tat auch zu den sich nun schnell Umschulenden.
Und diesen Blickwinkel hatte ich bisher noch als schwarzen Fleck.

( ich habe Taliban definitiv mit dem IS gleichgesetzt )

Ich denke, dass dieses Bild , da es den politischen Interessen eher entspricht als andere Blickwinkel, also siehe Podcast , aber sehr schnell zur Realität heranwachsen wird.
Zumindest in meiner Informationsblase läuft es massiv darauf hinaus.

"Freidenkende, die auf Ihren herannahenden, unabwendbaren Tot warten "

noam 17.08.2021 13:28

Zitat:

Zitat von Thomas W. (Beitrag 1617535)
"Freidenkende, die auf Ihren herannahenden, unabwendbaren Tot warten "

So muss man sich natürlich gegenüber den westlichen Medien darstellen, damit man Gehör findet.


Der Podcast bestärkt mich wieder einmal darin, dass man sich aus Konflikten heraushalten sollte, von denen man eigentlich keine Ahnung hat und man nicht bereit ist Informationen zuzulassen, die nicht der eigenen Ideologie mit entsprechendem Ziel entsprechen.

Hafu 17.08.2021 13:42

Bemerkenswerter Tweet von Paul Ronzheimer (stv. Chefredakteur Bild):

Zitat:

Zitat von Ronzheimer
...Die Grünen waren die einzige Partei, die schon frühzeitig eine Evakuierung der Ortskräfte aus Afghanistan gefordert hat, die sowohl von SPD und Union abgelehnt wurde. Hier lag @ABaerbock
komplett richtig.

Ergänzenderweise muss man sagen, dass die Grünen nicht die "einzige Partei" waren, die dies gefordert und dafür abgestimmt hat, sondern auch die Linken mit dabei waren, aber dass Ronzheimer das skandalöse Abstimmungsverhalten der Union und der SPD in dieser wichtigen Angelegenheit thematisiert bleibt trotzdem erstaunlich.

ronzheimer war allerdings bis vor kurzem als Reporter in Afghanistan und hat dort vor Ort mit Menschen (und auch Taliban-Führern) gesprochen, so dass er in der Thematik weitaus besser drin ist, als so ziemlich jeder aus unserer aktuellen Regierung, die derzeit trotzdem schlau daherreden.

Bin gespannt, ob solche Ansichten es auch in die Springer-Druckausgaben schaffen, wo natürlich noch die Anteilseigner von Springer sowie der Bild-Chefredakteur Julian Reichelt entscheidendes Mitspracherecht haben.

El Stupido 17.08.2021 14:42

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1617543)

Gut in den Kontext passend:

Zitat:

(...) Mit Roderich Kiesewetter hat ein erster Bundestagsabgeordneter diese Abstimmung nun als Fehler bezeichnet. Auf Twitter schrieb der CDU-Abgeordnete: "Es war ein großer und gravierender Fehler, den Antrag der Grünen – aus Prinzip – abzulehnen. Punkt." (...)


"aus Prinzip".....*kopfschüttel*

TRIPI 17.08.2021 16:04

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1617488)

Durch den Abzug der westlichen Truppen muss nicht alles in Afghanistan schlechter werden als zuvor. Möglicherweise wird sich vieles sogar bessern.

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1617519)
Die Taliban sind nicht der IS und im Jahre 2021 in der Mehrheit nicht mit den Taliban des Jahres 2001 zu vergleichen, wie man schon an ihrem Umgang mit Social Media unschwer erkennt.

Viele Taliban-Führer schicken ihre eigenen Töchter weiterhin in die Schule (nur eben jetzt verschleiert), was alleine schon ein deutliches Zeichen ist, dass sich die Welt in den letzten 20 Jahren verändert hat.

Ich kann nur hoffen dass das übergeordnet stimmt. Das die Regierung um Ghani korrupt bis ins letzte Loch war ist sicher wahr, nur sind die Taliban vielleicht nicht ganz so nett wie das klingt. Wer sich offen gegen sie gestellt hat, hat nun richtig Probleme. Die Bilder auf denen Menschen von startenden Militärflugzeugen fallen an die sich sich außen geklammert haben kommen nicht von ungefähr.
Dass die Taliban, wie offiziell angekündigt, bisherigen Regierungsmitarbeitern Amnestie gewähren glaubt aktuell niemand. Man darf nicht vergessen dass auch die Taliban Propaganda gelernt haben

qbz 17.08.2021 16:22

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1617543)
Bemerkenswerter Tweet von Paul Ronzheimer (stv. Chefredakteur Bild):

Ergänzenderweise muss man sagen, dass die Grünen nicht die "einzige Partei" waren, die dies gefordert und dafür abgestimmt hat, sondern auch die Linken mit dabei waren, aber dass Ronzheimer das skandalöse Abstimmungsverhalten der Union und der SPD in dieser wichtigen Angelegenheit thematisiert bleibt trotzdem erstaunlich.
.....

Hier eine umfangreiche Schilderung der Situation der Ortskräfte vom Mai 2021 von Pro Asyl. Pro Asyl hat sich auch im Laufe des Krieges immer für die afghanischen Beschäftigten und Helfer der Bundeswehr engagiert und berichtet, wenn sie durch eine veränderte Kriegslage in Gefahr gerieten, und DE gefordert war oder gewesen wäre, ihnen Asyl zu gewähren.

Stefan 17.08.2021 16:31

Zitat:

Zitat von TRIPI (Beitrag 1617579)
Ich kann nur hoffen dass das übergeordnet stimmt. Das die Regierung um Ghani korrupt bis ins letzte Loch war ist sicher wahr, nur sind die Taliban vielleicht nicht ganz so nett wie das klingt. .........

Ein Artikel zum Thema:
Es gibt keine guten Taliban
Könnten die Taliban für Stabilität sorgen? Unser Autor war als Reporter in Afghanistan und sagt: Zu Frieden sind die Taliban nicht fähig. Man kann sie nur bekämpfen.


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