triathlon-szene.de |  Europas aktivstes Triathlon  Forum

triathlon-szene.de | Europas aktivstes Triathlon Forum (https://www.triathlon-szene.de/forum/index.php)
-   Politik, Religion & Gesellschaft (https://www.triathlon-szene.de/forum/forumdisplay.php?f=30)
-   -   Corona Virus (https://www.triathlon-szene.de/forum/showthread.php?t=47641)

Matthias75 01.07.2021 09:55

Zitat:

Zitat von keko# (Beitrag 1609053)
Möglicherweise ist der eine oder andere mit all zu viel Freiheit überfordert und fühlt sich mit klaren Vorgaben sicherer. Ist ja auch bequemer und bringt ein gutes Gefühl.

Ich würde "Freiheit" durch "Verantwortung" ersetzen. Ein Problem während der Pandemie war meiner Meinung nach, das die Verantwortung immer weiter nach unten delegiert wurde.

Beispiel: Kindergarten & Schulen:
- Die Ministerien haben die Verantwortung über Massnahmen an die Kommunen delegiert, weil Schulen und Kindergärten verschieden sind, dass mann keine allgemeinen Richtlinien erlassen kann
- Die Kommunen haben die Verantwortung mit der gleichen Begründung an die Einrichtungen weitergegeben.
- Die Einrichtungen haben in vielen Fällen dann den Eltern die Entscheidung überlassen, ob sie ihre Kinder zu Hause lassen oder nicht.

Mit einem Mal müsste jeder in kürzester zeit zum Virenexperte werden, um für sich selbst, seine Familie und sein Umfeld die richtigen Entscheidungen zu treffen, immer mit den Gedanken im Kopf, dass jede Entscheidung vom Umfeld genau beobachtet und beurteilt wird und dass eine falsche Entscheidung weitreichende Folgen haben könnte. Und das nicht nur einmal, sondern ständig.

Damit ich nicht falsch verstanden werde: Natürlich muss jeder schlussendlich die Verantwortung für sich selbst übernehmen.

Eine solche Pandemie ist aber für fast alle etwas vollkommen Unbekanntes. Da kann man aus meiner Sicht nicht verlangen, dass sich alle zu gut auskennen, dass sie ihre Entscheidungen vollständig selbst treffen können. Auch nach über einem Jahr werden viele, wenn sie ehrlich sind, sagen ,dass sie sich nicht gut genug auskennen, um alle Zusammenhänge zu erfassen.

Klare Richtlinien und Regeln würden vielleicht die Freiheit einschränken, können aber auch eine große Hilfe bei der Entscheidungsfindung sein. Und hier fühlten sich aus meiner Sicht viele allein gelassen.

M.

Trimichi 01.07.2021 10:05

Zitat:

Zitat von keko# (Beitrag 1609057)
Das ist nichts typisch Deutsches: (...)

Kann man auch aufs Schachspielen anwenden: eine Strategie ist es Komplexität zu reduzieren. Auf dem Schachbrett in Anwendung tauscht ein Spieler so viele Steine (Figuren und Bauern) ab wie nur möglich.

Vllt hast du Recht und das Prinzip "Simplify your Life" oder "keep it simple" ist nichts typisch Deutsches? Auf Deutschland angewendet sähe ich dann eine Vereinheitlichung durch klare und einfache Botschaften, wie sie zum Beispiel die BILD-Zeitung bringt? Oder um das an einer politischen Partei zu kondensieren (AfD) und zu formulieren als Beispiel und Header in einer Kolumne: die Corona-Lüge (Verharmloser)? Genauso kann man aber auch die Corona-Befürwortung (Panikmacher) als schwarz-weiß Denken bezeichnen.

Irgendwo zwischen Verharmlosung und Panikmache liegt die Wahrheit. Ich finde, dass das unsere Regierung ganz gut hinbekommt.

Historischer Hintergrund ist allerdings wichtig, denn die Geschichte wiederholt sich? Kein Volk hatte einen derartigen, kollektiven Hype (unter Hitler) und Absturz (Niederlage im WWII, Besatzung) in jüngerer Vergangenheit erlebt, so dass auch die Söhne und Töchter der Generation "Trümmerfrauen" sich mit diesem Erbe herumschlagen müssen. Deswegen glaube ich, dass die Deutschen etwas hypersensibel sind, zumal im internationalen Vergleich in Deutschland die beste medizinische Versorgung gewährleistet wird.

Ich erinnere auch an die Verschwörungstheorie und die diesbezügliche Literatur, insofern, dass eine Entmachtung des Volkes per Gesetz in den USA in dieser Literatur so beschrieben, als eine Aushebelung oder Aufhebung des Gesetzes durch einen Katastrophenfall - Literatur, die auch hierzulande große Verbreitung erfuhr - erklärt wird (angeblich wurde der Ausbruch des Virus bereits auf einer Sitzung des "Club of Rome" oder so bereits 1981 besprochen als Option oder so).

Solche Typen wie Lauterbach arbeiten imho mit diesen, kollektiv-psychsichen Eigenschaften der Deutschen. Und damit mit der "Nazi-Past"?

Kommt Herr Lauterbach und auch LidlRacer 'runter? That's here the question.

Flow 01.07.2021 10:40

Zitat:

Zitat von keko# (Beitrag 1609053)
Politiker? Im Privaten stelle ich regelmäßig fest, dass viele Mitmenschen im Panikmodus laufen. Ein Politiker sagte dazu kürzlich sinngemäß mal etwas Amüsantes: Was soll ich denn tun, wenn ich täglich zig mal gefragt werde, ob dies oder das erlaubt sei und welche Regeln denn hier und dort gelten? Ich stelle Regeln für alles möglich hier und dort auf und die Menschen sind zufrieden. Möglicherweise ist der eine oder andere mit all zu viel Freiheit überfordert und fühlt sich mit klaren Vorgaben sicherer. Ist ja auch bequemer und bringt ein gutes Gefühl.

Im Panikmodus besteht dringender Handlungsbedarf.
Die einen fürchten den Kontrollverlust und suchen nach enger Kontrolle von außen.
Die anderen wollen die/ihre Lage selbst unter Kontrolle haben/bringen und fürchten dabei Einschränkungen ihrer Handlungsfreiheit/Selbstbestimmung von außen.
Logischerweise sehen die einen in den jeweils anderen eine mehr oder weniger große Bedrohung.

Flow 01.07.2021 10:46

Zitat:

Zitat von Matthias75 (Beitrag 1609062)
Mit einem Mal müsste jeder in kürzester zeit zum Virenexperte werden, um für sich selbst, seine Familie und sein Umfeld die richtigen Entscheidungen zu treffen, immer mit den Gedanken im Kopf, dass jede Entscheidung vom Umfeld genau beobachtet und beurteilt wird und dass eine falsche Entscheidung weitreichende Folgen haben könnte. Und das nicht nur einmal, sondern ständig.

Man muß kein großer Experte sein, um etwas Abstand von anderen Leuten zu halten und Ansammlungen in überfüllten, schlecht belüfteten Räumen zu vermeiden.

dasgehtschneller 01.07.2021 10:50

Ich habe mich nicht so mit der EM beschäftigt, aber musste man da nicht zu den 3G gehören um in die Stadien rein zukommen?

Dass mal ein paar Einzelne durch die Tests durchrutschen oder trotz Impfung noch infiziert sind, kann dann ja sein, solche Superspreading Events wie es da scheinbar gab, dachte ich aber seien dadurch zu vermeiden

Matthias75 01.07.2021 11:01

Zitat:

Zitat von Flow (Beitrag 1609077)
Man muß kein großer Experte sein, um etwas Abstand von anderen Leuten zu halten und Ansammlungen in überfüllten, schlecht belüfteten Räumen zu vermeiden.

Machst du es dir da nicht etwas einfach?

Für mich allein kann ich das ohne Probleme entscheiden. Wie sieht es mit Kindern aus? Schule/Kindergarten oder nicht? Alle anderen gehen aus den verschiedensten Gründen in die Schule/den Kindergarten. Lässt du dein Kind als einziges zu Hause? Darf sich das Kind mit anderen treffen oder nicht. Wenn ja, mit wem und wie vielen verschiedenen Kindern? etc.

Die Grundregeln sind klar. Die Details nicht und hier wurde und wird viel Verantwortung bei den einzelnen abgeladen. Ist zum Teil auch in Ordnung, in vielen Bereichen aber unnötig, weil sich so jeder seine eigene Regeln zurecht legt. Schule/Kindergarten ist nur ein Beispiel, das trifft auf sehr viele Bereiche zu.

M.

El Stupido 01.07.2021 11:02

Zitat:

Zitat von dasgehtschneller (Beitrag 1609078)
Ich habe mich nicht so mit der EM beschäftigt, aber musste man da nicht zu den 3G gehören um in die Stadien rein zukommen?

Dass mal ein paar Einzelne durch die Tests durchrutschen oder trotz Impfung noch infiziert sind, kann dann ja sein, solche Superspreading Events wie es da scheinbar gab, dachte ich aber seien dadurch zu vermeiden

Überall sonst ist eigentlich selbstverständlich, dass "3G" (Genesen, Getestet, Geimpft) kein Freibrief ist für Kuscheln, Umarmen, Abklatschen, Abknutschen von haushaltsfremden Personen.

keko# 01.07.2021 11:13

Zitat:

Zitat von Trimichi (Beitrag 1609067)
...

Historischer Hintergrund ist allerdings wichtig, denn die Geschichte wiederholt sich? Kein Volk hatte einen derartigen, kollektiven Hype (unter Hitler) und Absturz (Niederlage im WWII, Besatzung) in jüngerer Vergangenheit erlebt, so dass auch die Söhne und Töchter der Generation "Trümmerfrauen" sich mit diesem Erbe herumschlagen müssen. Deswegen glaube ich, dass die Deutschen etwas hypersensibel sind, zumal im internationalen Vergleich in Deutschland die beste medizinische Versorgung gewährleistet wird....

Ich beobachte wegen Verwandschaftsverhältnissen die verschiedenen Entwicklungen auch in den USA, Frankreich und in einer Bananenrepublik. In letzterer läuft alles anders, aber in DE, F und USA gibt es überwiegend Gemeinsamkeiten. "Typisch deutsch" fand ich z.B. die Diskussion, was Geimpfte, Genessene und Getestete dürfen und andere nicht und wie man das kontrolliert. Glücklichweiese ist diese Diskussion bald wieder verstummt. Gelegentlich konnte ich auch von der "German Angst" bzgl. Datenschutz lesen. Das bewerte ich aber positiv und als dicken Pluspunkt für DE, obwohl es als übertrieben und hypersensibel dargestellt wird.
Bei mir ist es so, dass meine Eltern leidvoll WW2 miterlebten und meine Großeltern ebenso WW1 und mir so (unbewußt) eine große Skepsis gegenüber der Obrigkeit mitgegeben wurde. Ich beobachte im Privaten aber auch oft das genaue Gegenteil, dass einfach fast wörtlich wiedergegeben wird, was Politiker gerade sagen. Das macht mich ein wenig neidisch, denn leichter lebt es sich damit auf jeden Fall ;-)


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 17:10 Uhr.

Powered by vBulletin Version 3.6.1 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2024, Jelsoft Enterprises Ltd.