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Schwarzfahrer 17.08.2021 21:29

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1617608)
Ich bezweifle, dass die Taliban ein Schreckensregime etablieren wollen. Das sind auch keine absoluten Hinterwäldler.

Natürlich werden sie die Scharia wieder einführen, aber die gilt auch in Saudi Arabien, ohne dass bisher jemand vom Westen auf die Idee gekommen wäre, das demokratisch genauso wenig wie die Taliban legitimierte Königshaus in Saudi Arabien abzusetzen und durch eine Demokratie zu ersetzen.

Absetzen einer Regierung eines anderen Landes steht ja eigentlich keinem von außerhalb des Landes zu. Aber was eine fundamentalistisch-religiös ausgerichtete Herrschaft bedeutet, kann nach dem was man aus solchen Ländern (Iran, Saud-Arabien, ...) kennt sehr wohl als Schreckensherrschaft bezeichnen - zumindest für alle, die die nicht den fundamentalistischen Glauben teilen.
Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1617608)
Auch die Taliban benötigen eine halbwegs funktionierende Wirtschaft, wenn sie sich an der Macht halten wollen.

Das halte ich für einen Irrtum. Gewalt-basierte Diktaturen brauchen eben das nicht, sie funktionieren anders. Albanien unter Enver Hodscha, Rumänien unter Ceausescu, Libyen unter Gaddafi, Irak unter Saddam haben Jahrzehnte existieren können, auch bei miserablen wirtschaftlichen Bedingungen. Und die Taliban haben gute Einkünfte u.a. aus Opium.
Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1617608)
der Westen hat sich nunmal vieles in Afghanistan in den vergangenen 20 Jahren schön geredet.

Ja, vor allem den Glauben, daß in wenigen Jahren westliche Werte und Kulturvorstellungen in einer archaischen Stammeskultur nennenswert Fuß fassen konnten.
Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1617608)
Wenn das Land funktioniert und von den westlichen Milliarden wirklich profitiert hätte, dann hätten die Militärs und die afghanische Regierung höchstwahrscheinlich ihre etablierten und bewährten Strukturen auch ernsthaft gegen den Zugriff der Taliban verteidigt.

Der minimale Widerstand gegen die Taliban, sobald die USA raus war ist für mich ein Beleg, daß eine große Mehrheit den islamisch-fundamentalistischen Werten viel näher steht, als allem was man als "moderne Zivilgesellschaft" meinte aufgebaut zu haben.
Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1617608)
Ich bin absolut dafür die afghanischen Ortskräfte und ihre Familien, die ja klar westlich orientiert sind und die sich höchstwahrscheinlich bei uns gut integrieren lassen, wegen der unklaren Zukunftsaussichten nach Deutschland zu holen, wenn dies irgendwie noch möglich ist.

Das gebietet der Anstand, keine Frage; andererseits sehe ich keine Probleme, dafür straffällige Afghanen von hier auch zu den Taliban abzuschieben. Die Taliban freuen sich vielleicht richtig über Leute, die hier versucht haben im Namen des Islam Unfug anzurichten.
Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1617608)
...ich glaube (hoffe?) auch nicht, dass die Taliban, zurückgebliebende Ortskräfte als Ex-Collaborateure massakrieren, weil ihnen dies mehr neue Probleme im Ansehen bei der verunsicherten Bevölkerung bescheren würde, als dass sie damit Probleme lösen würden.

Da wäre ich mir nicht so sicher, daß klare gewaltsame Machtdemonstrationen in der dortigen Kultur nicht eher für ein steigendes Ansehen sorgen (daß sie offenbar sehr wohl Gewalt als Zeichensetzen nutzen, zeigen z.B. die Zitate von Jens).
Zitat:

Zitat von dr_big (Beitrag 1617685)
Wer kann das besser beurteilen als die Afghanen selbst? Wenn die zu Tausenden den Flughafen stürmen und sich verzweifelt an Flugzeugen festklammern, dann hat das sicher einen Grund.

Das stimmt - aus der Sicht derer, die flüchten. Allerdings hat es auch einen Grund, daß Tausende Afghanen (möglicherweise eine große Mehrheit) offenbar kein Problem mit der Rückkehr der Taliban haben, und sie widerstandslos durchmarschieren ließen.

keko# 17.08.2021 21:33

Zitat:

Zitat von noam (Beitrag 1617698)
Ich teile deine Einstellung.

Um die Brücke wieder zur Bundestagswahl zu schlagen. Vielleicht sollte man in seine Wahlentscheidung mit einfließen lassen, wer dafür verantwortlich zeichnet, dass wir Unmengen an Rüstungsgüter an diese Hinterwäldler verkaufen.

Es geht um mehr und die Geschichte ist länger:

Die Anstalt: Der Kampf gegen den Terrorismus 23.09.2014 IRAK | IRAN | ISIS - Bananenrepublik

Schlafschaf 17.08.2021 22:08

Afghanistan wäre wohl einen eigenen Thread wert. Schlimm was da für Zustände herrschen.
Ein wenig habe ich auch Angst, dass das so ist wie beim arabischen Frühling in Ägypten. Da hat man ja plötzlich auch mit erschrecken feststellen müssen, dass die gar nicht so Bock haben auf was neues und unserer Sicht besseres.

dr_big 18.08.2021 05:42

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1617702)
Und die Taliban haben gute Einkünfte u.a. aus Opium.

Da liegst du wahrscheinlich falsch. Wie die Taliban vor 20 Jahren an der Macht waren hatten sie die Opium Produktion verboten und das Verbot auch durchgesetzt.
Ich glaube eher, dass China an Bodenschätzen interessiert ist und da eine wirtschaftliche Kooperation aufbauen möchte. Das könnte den Taliban natürlich helfen.

keko# 18.08.2021 06:48

Zitat:

Zitat von Schlafschaf (Beitrag 1617708)
Afghanistan wäre wohl einen eigenen Thread wert. Schlimm was da für Zustände herrschen.
....

Wollten wir für jedes Drama einen Thread aufmachen, wären es kein Sportforum mehr. Im Heimatland einer mir sehr nahestehenden Person sind gerade mal eben knapp 2000 Menschen wegen einem Erdbeben gestorben. Hunger, Kriege, Naturkatastrophen... glücklicherweise beschäftigen wir uns in DE seit 1,5 Jahren hauptsächlich mit Corona und ob die Krankenhäuser voll sind oder nicht ;-)

MattF 18.08.2021 08:40

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1617702)
Das stimmt - aus der Sicht derer, die flüchten. Allerdings hat es auch einen Grund, daß Tausende Afghanen (möglicherweise eine große Mehrheit) offenbar kein Problem mit der Rückkehr der Taliban haben, und sie widerstandslos durchmarschieren ließen.

Vielleicht sind die Afghanen auch mittlerweile nach 50 Jahren Krieg weiter als wir und haben eingesehen, dass Gewalt nichts bringt.

Klugschnacker 18.08.2021 09:30

Es handelt sich offenbar um ein Terror-Regime. Der Terror ist der Grund, warum keiner aufmuckt. Es gelten keine zivilisierten Regeln mehr. Wer aufmuckt, riskiert sein Leben.

Klugschnacker 18.08.2021 09:34

Zitat:

Zitat von MattF (Beitrag 1617781)
Vielleicht sind die Afghanen auch mittlerweile nach 50 Jahren Krieg weiter als wir und haben eingesehen, dass Gewalt nichts bringt.

Mit Ausnahme der Taliban selbst, die ausschließlich mit Gewalt an die Macht kamen und kommen. Es ist ein Terror-Regime, welches hemmungslos Gewalt einsetzt. Von öffentlichen Enthauptungen und Verbrennungen bis hin zu Steinigungen junger Frauen.


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