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Klugschnacker 21.03.2023 08:52

Zitat:

Zitat von Flow (Beitrag 1702506)
85% davon über 70 Jahre (gut 20% sogar über 90 Jahre).

Vielleicht möchtest du unterscheiden zwischen dem Effekt, wenn die Quote unter den Jungen höher gewesen wäre oder wenn die Quote unter den Verstorbenen höher gewesen wäre ...

Die Impfquote unter den älteren ("vulnerablen") Menschen war/ist besonders wichtig, darum wurden diese Menschen zuerst geimpft, als es endlich einen Impfstoff gab, wie Du ja auch weißt.

--

Wenn sich jemand nicht impfen lassen möchte, respektiere ich das. Ich mache mir Sorgen um seine Gesundheit, weil die Impfung mit hoher Wahrscheinlichkeit vor schweren Krankheitsverläufen schützt. Aber wenn jemand nicht will, dann ist das eben so. Es gibt sinnvolle Alternativen zur Impfung, zum Beispiel Kontaktbeschränkungen und Masken.

Im Vordergrund bei der Impfdebatte stand für mich etwas anderes: Nämlich die Erfahrung einer ersten, intensiven Fake-News Kampagne von einem Ausmaß, das für mich neu war.

Neu war für mich auch die Eigendynamik, die sich unter den Anhängern der Falschbehauptungen entwickelte, etwa, Corona sei eine Erfindung, die Grundrechte stünden vor ihrer Abschaffung, die Menschen gingen via Impfung in die genetische Umprogrammierung und so weiter. Die Bösartigkeit dieser Auseinandersetzung hat mich erschreckt.

Ich habe Freunde verloren, die sich auf einer Mission wähnten, in Notwehr gegen die fehlgeleitete Gesellschaft vorgehen zu müssen. Demokratie lebt von der Auseinandersetzung. Hier war aber keine Auseinandersetzung mehr möglich. Kaum wurde das Thema angeschnitten, wurde ich eine Stunde lang mit absolutem Bullshit überschüttet.

Zur Sorge um die Gesundheit und das Leben der Menschen gesellte sich daher die Sorge um unsere Demokratie und unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Flow 21.03.2023 09:01

Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1702529)
Wir beide wissen es nicht, aber es ist gewiss kein Geheimnis.

Ich halte es für reine Spekulation.

Zitat:

• Ungeimpft und alle Freiheiten im öffentlichen Raum

Denn um letzteres geht es doch.
Daraus schließe ich, daß es dir vornehmlich um "Fremdschutz" geht.

Relevanter würde ich hier die "Kontagiösenquote im öffentlichen Raum" sehen.

Aber wie gehabt, gestorben sind vor allem die Alten (85% Ü70). Unter der genannten Annahme, die Impfung schützt zuverlässig vor schweren Verläufen (auch die "mit" Corona Verstorbenen, die ja in den genannten 170 000 enthalten sind), hätte eine höherer Impfquote in dieser Gruppe womöglich tatsächlich das ein oder andere Leben um ein paar Jahre verlängert. Abhängig auch davon, wie hoch die Quote in dieser Gruppe war oder ist. Zusätzlich entscheidend sicherlich die Eigenschutzmaßnahmen in dieser Gruppe.

Die Impfquote unter den Jungen und wenig Vulnerablen sehe ich hier als eher sehr wenig ausschlaggebend.

Wie es aussieht und ja auch immer angekündigt wurde, hat und hätte eine Durchseuchung sowieso immer stattgefunden. sprich nahezu jeder wäre früher oder später mit dem Virus in Kontakt gekommen, also auch die 170 000 Verstorbenen (sofern sie vorher nicht "ohne" Corona verstorben wären).

Schwarzfahrer 21.03.2023 09:04

Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1702529)
Es fehlt das Szenario:

• Ungeimpft und alle Freiheiten im öffentlichen Raum

Denn um letzteres geht es doch.

Dieses Szenario hat keko kürzlich angesprochen:
Zitat:

Zitat von keko# (Beitrag 1702479)
Zum Glück hielt sich Corona in armen Ländern mit oftmals niedrieger Impfrate zurück und wütete vornehmlich in reichen westlichen Ländern. :Cheese:

Aber auch in Schweden starben die Menschen bei großen Freiheiten im öffentlichen Raum nicht mehr als anderswo, und z.B. Bulgarien mit der niedrigsten Impfquote in Europa und mäßigem Gesundheitwesen hat aktuell auch praktisch keine Übersterblichkeit, im Gegensatz zu den "gut durchgeimpften" Ländern...

Flow 21.03.2023 09:14

Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1702533)
Im Vordergrund bei der Impfdebatte stand für mich etwas anderes: [...]

Du scheinst interessante Freunde gehabt zu haben ... ;)

"Erschreckend" war und ist für mich in diesem Zusammenhang die extreme Polarisierung und Kurzsichtigkeit.

Offenbar scheint es, und dies gilt wohl ebenso für andere gesellschaftlich relevante Themen, nur zwei völlig entgegengesetzte Lager geben "zu dürfen", in eines von denen jeder Diskutant schnellstmöglich einzuordnen ist.
Kommunikation und Verständnis der individuellen Gesprächspartner wird durch pauschale Plakatierung und aggressive Diffamierung ersetzt.

Insofern teile ich die Sorge um die offene Gesellschaft, deren Zusammenhalt, sowie den dafür nötigen besonnenen Diskurs.

sabine-g 21.03.2023 09:33

Zitat:

Zitat von Flow (Beitrag 1702539)
Du scheinst interessante Freunde gehabt zu haben



Ich weiß nicht. Manch einen hat man nicht mehr wieder erkannt.

Flow 21.03.2023 09:37

Zitat:

Zitat von sabine-g (Beitrag 1702541)
Ich weiß nicht. Manch einen hat man nicht mehr wieder erkannt.

Geht mir seit einiger Zeit z.B. mit dir so ... ;)

Schwarzfahrer 21.03.2023 09:42

Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1702533)
Wenn sich jemand nicht impfen lassen möchte, respektiere ich das. Ich mache mir Sorgen um seine Gesundheit, weil die Impfung mit hoher Wahrscheinlichkeit vor schweren Krankheitsverläufen schützt. Aber wenn jemand nicht will, dann ist das eben so. Es gibt sinnvolle Alternativen zur Impfung, zum Beispiel Kontaktbeschränkungen und Masken.

Diese Sichtweise kann ich gut verstehen, aber es war nicht die Bestimmende in der öffentlichen Debatte der letzten Jahre, sondern eher eine Minderheitenposition - zumindest medial und politisch gesehen. Ich vermute, in der Bevölkerung ist Deine (für mich sehr positiv zu sehende) Gelassenheit viel mehr verbreitet, als es je artikuliert wurde.

Deutlich lauter waren leider die extrem intoleranten, aggressiven Stimmen gegen jeden, der sich gegen eine Impfung entschied, bis hin zum Opfergehabe eines Montgomery ("Tyrannei der Ungeimpften").
Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1702533)
Im Vordergrund bei der Impfdebatte stand für mich etwas anderes: Nämlich die Erfahrung einer ersten, intensiven Fake-News Kampagne von einem Ausmaß, das für mich neu war.

Neu war für mich auch die Eigendynamik, die sich unter den Anhängern der Falschbehauptungen entwickelte, etwa, Corona sei eine Erfindung, die Grundrechte stünden vor ihrer Abschaffung, die Menschen gingen via Impfung in die genetische Umprogrammierung und so weiter. Die Bösartigkeit dieser Auseinandersetzung hat mich erschreckt.

Da war tatsächlich viel Unfug dabei, sicherlich auch befeuert durch die hetzerischen Stimmen à la Montgomery. Was aber die Tatsache des hohen moralischen und sozialen Drucks gegen das Recht auf individuelle Entscheidung über medizinische Eingriffe nicht ändert und auch nicht rechtfertigt.
Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1702533)
Ich habe Freunde verloren, die sich auf einer Mission wähnten, in Notwehr gegen die fehlgeleitete Gesellschaft vorgehen zu müssen.

Es sind ähnlich viele Freundschaften an missionarischem Impfdruck kaputt gegangen. Da haben sich beide Seiten nichts geschenkt, leider.

Ich fand es persönlich allerdings sehr angenehm, daß in meinem Bekanntenkreis praktisch keiner sich über den Impfstatus des anderen groß Gedanken gemacht hat (obwohl die meisten die Impfung für viel wichtiger hielten, als ich). Besonders geschätzt habe ich die Ärzte an der Uniklinik Heidelberg, die im Umfeld meiner Herz-OP kein Wort über Corona-Impfung verloren, sondern es offensichtlich als meine Privatangelegenheit ansahen. Ganz anders als Erfahrungen anderer, denen z.T. eine OP ohne Corona-Impfung verweigert wurde.
Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1702533)
Demokratie lebt von der Auseinandersetzung. Hier war aber keine Auseinandersetzung mehr möglich. Kaum wurde das Thema angeschnitten, wurde ich eine Stunde lang mit absolutem Bullshit überschüttet.

Und Zweifel wurde häufig ohne Prüfung einer möglichen Berechtigung von anderen wiederum diffamiert und niedergeschrien. lebendige Auseinandersetzung geht nur, wenn nichts als alternativlos postuliert wird - das war in dieser Zeit aber leider nur allzuoft der Fall.
Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1702533)
Zur Sorge um die Gesundheit und das Leben der Menschen gesellte sich daher die Sorge um unsere Demokratie und unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Dies teile ich wiederum mit Dir, auch wenn ich die Hauptrisiko-Faktoren vermutlich anderswo lokalisiere.

keko# 21.03.2023 09:59

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1702537)
Dieses Szenario hat keko kürzlich angesprochen: Aber auch in Schweden starben die Menschen bei großen Freiheiten im öffentlichen Raum nicht mehr als anderswo, und z.B. Bulgarien mit der niedrigsten Impfquote in Europa und mäßigem Gesundheitwesen hat aktuell auch praktisch keine Übersterblichkeit, im Gegensatz zu den "gut durchgeimpften" Ländern...

Ich hatte ja regelmäßig eine mir gut bekannte Banenenrepublik in der westlichen Karibik erwähnt, wo man schon früh jegliche Maßnahmen aufgegeben hatte, mit der Begründung, falls jemand an Corona erkrankt, könnte man ihm sowieso nicht helfen. Lustig und nachahmenswert fand ich das nicht, aber nachdem ein großes Sterben ausblieb (Tote fallen selbst dort auf), war das für mich ein Hinweis, dass unsere Maßnahmen überzogen sind. Auch mein lieber berufstätiger Schwager in Florida, der bis heute nicht einmal eine Maske trug (finde ich auch nicht nachahmensert) und dessen Familie komplett ungeimpft ist (dito!), bestärken mich dahingehend: man hätte auch in DE deutlich früher auf Eigenverantwortlichkeit setzen können.
Aber immerhin sind wir jetzt auch da angekommen - manchmal braucht DE halt ein wenig länger ;-) - von daher: alles gut! :Blumen:


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