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TriVet 12.10.2020 11:49

Zitat:

Zitat von dr_big (Beitrag 1557522)
An der Käsetheke oder in der Apotheke bin ich geschätzt max. 3 Minuten. Nach meinem Verständnis ging es immer um Kontakte >15 Minuten mit nicht ausreichendem Abstand (1.5m). Diese Kontakte sind im Alltag relativ selten.

Das ist mE eine der Alltagstauglichkeit geschuldete, insofern willkürliche Grenze.
Wenn dich ein hochgradig infektiöser Mensch einmal anhustet, kann das im -zum Glück eher hypothetischen- Einzelfall auch schon reichen.
Oder, etwas anders formuliert, nur, weil die meisten Schwangerschaften bei einem, nunja, mehr oder weniger längeren Kontakt ohne ausreichenden Abstand entstehen, heißt das nicht, dass ein einmaliger Kontakt nicht auch "gefährlich" sein kann.
Ok, die 1,50m machen es schwierig, aber ich denke, es wird klar, was ich meine.:cool:

Bockwuchst 12.10.2020 11:54

Zitat:

Zitat von BananeToWin (Beitrag 1557525)
Ich kann dir aber eine große Anzahl an Wissenschaftlern nennen, die deinen Kriterien genügen und dennoch anderer Auffassung sind als Drosten und Lauterbach (letzterer würde ja selbst deine Anforderungen nicht erfüllen).
Nur um ein Beispiel zu nennen: Hier sind eine Reihe verdienter Wissenschaftler, die 'The Great Barrington Declaration' unterschrieben haben und damit trotz ihrer wissenschaftlichen Expertise in ihrer Meinung deutlich vom aktuellen Kurs der westlichen Länder abweichen.

Einer der Co-Unterzeichner: Dr. Michael Levitt, Chemie-Nobelpreisträger aus 2013. Auch wenn er keine Virologe ist, ein kurzer Ausschnitt aus Wikipedia: "Er leistete wichtige Beiträge zur Computer-Simulation zum Beispiel von Bewegung von Proteinen in Lösungen und Proteinfaltung. Er befasste sich aber neben Proteinen auch mit Computer-Simulationen zur strukturellen Biologie von RNA und DNA und fortgeschrittenen Methoden der Genomsequenz-Analyse mit dem Computer zur Gewinnung von Informationen über die im Genom codierten Proteine."
Diese Leute wissenschaftlich nicht ernst zu nehmen finde ich seltsam.

Die Great Barrington Declaration ist ja auch nicht unumstritten.
https://www.volksverpetzer.de/corona...at-barrington/

LidlRacer 12.10.2020 11:55

Zitat:

Zitat von BananeToWin (Beitrag 1557525)
Ich kann dir aber eine große Anzahl an Wissenschaftlern nennen, die deinen Kriterien genügen und dennoch anderer Auffassung sind als Drosten und Lauterbach (letzterer würde ja selbst deine Anforderungen nicht erfüllen).
Nur um ein Beispiel zu nennen: Hier sind eine Reihe verdienter Wissenschaftler, die 'The Great Barrington Declaration' unterschrieben haben und damit trotz ihrer wissenschaftlichen Expertise in ihrer Meinung deutlich vom aktuellen Kurs der westlichen Länder abweichen.

Vielleicht wird Dich dies interessieren:
https://en.wikipedia.org/wiki/Great_...ation#Response

Und das:
Climate Science Denial Network Behind Great Barrington Declaration

Estebban 12.10.2020 11:55

Zitat:

Zitat von BananeToWin (Beitrag 1557525)
Ich kann dir aber eine große Anzahl an Wissenschaftlern nennen, die deinen Kriterien genügen und dennoch anderer Auffassung sind als Drosten und Lauterbach (letzterer würde ja selbst deine Anforderungen nicht erfüllen).
Nur um ein Beispiel zu nennen: Hier sind eine Reihe verdienter Wissenschaftler, die 'The Great Barrington Declaration' unterschrieben haben und damit trotz ihrer wissenschaftlichen Expertise in ihrer Meinung deutlich vom aktuellen Kurs der westlichen Länder abweichen.

Einer der Co-Unterzeichner: Dr. Michael Levitt, Chemie-Nobelpreisträger aus 2013. Auch wenn er keine Virologe ist, ein kurzer Ausschnitt aus Wikipedia: "Er leistete wichtige Beiträge zur Computer-Simulation zum Beispiel von Bewegung von Proteinen in Lösungen und Proteinfaltung. Er befasste sich aber neben Proteinen auch mit Computer-Simulationen zur strukturellen Biologie von RNA und DNA und fortgeschrittenen Methoden der Genomsequenz-Analyse mit dem Computer zur Gewinnung von Informationen über die im Genom codierten Proteine."
Diese Leute wissenschaftlich nicht ernst zu nehmen finde ich seltsam.



Ja die Great barrington Erklärung... zu schön um wahr zu sein eigentlich.

Dabei unterschreiben sie doch so namhafte Wissenschaftler wie „Dr Person Fakename“ und Dr IP Freely (letzterer Name ist natürlich pures Gold :Lachanfall: )
https://news.sky.com/story/coronvair...etter-12099947


Wenn man dann noch überlegt, wo der Name barrington herkommt - ( das ist der Name der US-amerikanischen Ortschaft, in welcher das American Institute for Economic Research (AIER) ansässig ist, und wo die Erklärung unterzeichnet wurde. Und hier offenbart sich, warum das alles rein gar nichts mit Epidemiologie oder überhaupt Wissenschaft zu tun hat: AIER erklärt auf seiner Website, dass ihre Ziele sind, gegen die “Ideologien des Sozialismus und Zentralismus” anzukämpfen und den Einfluss von Regierungen zu beschränken. Es ist ein libertärer Think Tank, das mit viel Geld versucht, die öffentliche Meinung zu Gunsten von Superreichen und Unternehmen zu manipulieren. Quelle: Volksverpetzer).

Aber klar, klingt erstmal alles super, passt zur eigenen vorgefertigten Meinung und dann auch noch unterschrieben von Dr Johnny Bananas...

Leute, ernsthaft? Bei der ard staatsfunk und merkeljunta brüllen, Mai-Lab unterstellen, dass sie unser Unterbewusstsein manipulieren möchte und dann so einem Bumms hinterherrennen?

Quellen hinterfragen ist gut und schön - dann aber bitte auch die? Bei denen es in meine fertige Meinung passt..

Weiterer Unterzeichner: Dr Harald Shipman https://de.wikipedia.org/wiki/Harold_Shipman

merz 12.10.2020 11:55

Zitat:

Zitat von BananeToWin (Beitrag 1557525)
Nur um ein Beispiel zu nennen: Hier sind eine Reihe verdienter Wissenschaftler, die 'The Great Barrington Declaration' unterschrieben haben und damit trotz ihrer wissenschaftlichen Expertise in ihrer Meinung deutlich vom aktuellen Kurs der westlichen Länder abweichen.
.

Zu der GB Deklaration kann man sogar als Laie etwas frage, ich bin mal so frei:

Die Autoren plädieren für die Stratgie der Herdenimmunität die sie begrifflich etwas anders fassen, als ich erwartet hätte:

„As immunity builds in the population, the risk of infection to all – including the vulnerable – falls. We know that all populations will eventually reach herd immunity – i.e. the point at which the rate of new infections is stable – and that this can be assisted by (but is not dependent upon) a vaccine. Our goal should therefore be to minimize mortality and social harm until we reach herd immunity.“

- Wollen sie damit alle Massnahmen wegfallen lassen? (Es wirkt so ....)
- Es wird quantitativ nicht gesagt, wann Herdenimmunität erreicht ist. Wo wollen sie also hin, 60%, 50%?
- Diese Strategie ist international komplett vom Tisch, warum wohl?

m.

LidlRacer 12.10.2020 12:06

Zitat:

Zitat von dr_big (Beitrag 1557522)
An der Käsetheke oder in der Apotheke bin ich geschätzt max. 3 Minuten. Nach meinem Verständnis ging es immer um Kontakte >15 Minuten mit nicht ausreichendem Abstand (1.5m). Diese Kontakte sind im Alltag relativ selten.

Die App berücksichtigt nur Begegnungen, die mindestens 10 Minuten dauern und 8 m unterschreiten. Detaillierter hier:
So berechnet die Corona-Warn-App Ihr Ansteckungsrisiko

Lucy89 12.10.2020 12:29

Zur App: Meine App zeigte neulich aus dem Nichts heraus 7 Begegnungen an (aber nur grün). Wir wohnen hier in einer Kleinstadt, wo zu dem Zeitpunkt nur 7 Infizierte insgesamt waren. Klar bin ich auch mal unter Menschen, aber eigentlich eher selten, da Homeoffice. Fand ich schon überraschend.

keko# 12.10.2020 13:02

Zitat:

Zitat von TriVet (Beitrag 1557529)
Das ist mE eine der Alltagstauglichkeit geschuldete, insofern willkürliche Grenze.
Wenn dich ein hochgradig infektiöser Mensch einmal anhustet, kann das im -zum Glück eher hypothetischen- Einzelfall auch schon reichen.
Oder, etwas anders formuliert, nur, weil die meisten Schwangerschaften bei einem, nunja, mehr oder weniger längeren Kontakt ohne ausreichenden Abstand entstehen, heißt das nicht, dass ein einmaliger Kontakt nicht auch "gefährlich" sein kann.
Ok, die 1,50m machen es schwierig, aber ich denke, es wird klar, was ich meine.:cool:

Ja, aber das halte ich für sehr unwahrscheinlich. In geschlossenen Räumen mit geringem Abstand, wo man länger zusammen ist, mag das möglich sein, aber da machen aus meiner Sicht auch Masken Sinn.

keko# 12.10.2020 13:07

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1557509)
....

Und dann geht auch mal was schief, hoffentlch nur selten:
Erst vier Wochen nach dem Kontakt meldet sich das Gesundheitsamt

Ich glaube schon, daß die Nachverfolgung sinnvoll ist - aber nur wenn es sehr zeitnah funktioniert. Die Idee mit dem Kontakttagebuch z.B. mögen nicht viele umsetzen, aber es könnte m.M.n. eine Form der Eigenverantwortung sein, besonders bei Menschen mit intensiven wechselnden Sozialkontakten.

Aktuell mitbekommen:
Vergangenen Montag meldet sich Schülerin mit Corona. Ab Dienstag gesamte Klassenstufe daheim. Ab Mittwoch Tests für alle Mitschüler. Stand heute haben noch längst nicht alle die Ergebnisse. Infektion der Schülerin war gestern vor einer Woche.

Schwarzfahrer 12.10.2020 13:30

Zitat:

Zitat von Seyan (Beitrag 1557516)
Die Frage zielt darauf hinaus, ob man die ganzen Ressourcen (d.h. Personen, Infrastruktur, etc.) bei hohen Zahlen nicht lieber an anderer Stelle einsetzen sollte (natürlich immer noch zur Corona-Bekämpfung).

Welcher konkrete Einsatz schwebt Dir vor? (vorausgesezt, daß dies von den gleichen Leuten zu stemmen ist? Ich sähe z.B. einen erhöhten Personalensatz in Altersheimen, um durch regelmäßiges Testen zeitweise ausgefallene Kräfte zu ersetzen, und um mehr Differenzierung und individuellen Schutz zu ermöglichen - allein in diesem Sektor haben wir leider jetzt schon zu wenig Personal.

Hafu 12.10.2020 13:31

Zitat:

Zitat von keko# (Beitrag 1557542)
Aktuell mitbekommen:
Vergangenen Montag meldet sich Schülerin mit Corona. Ab Dienstag gesamte Klassenstufe daheim. Ab Mittwoch Tests für alle Mitschüler. Stand heute haben noch längst nicht alle die Ergebnisse. Infektion der Schülerin war gestern vor einer Woche.

Ist doch ein üblicher Vorgang bei breit angelegter Verdachtstestung: ein paar Schüler werden wohl am letzten Mittwoch bereits getestet worden sein, andere erst ab Donnerstag.
Manche Hausärzte testen gar nicht wegen des Aufwandes, sondern stellen nur eine Überweisung für eine öffentliche Teststation aus.
Am wochenende haben die Praxen geschlossen und können keine Testergebnisse empfangen und an den PAtienten weiterleiten
Die Proben müssen nach dem Abstrich ins Labor gebracht werden, von dort muss nach 'nem halben Tag Analyse das Testergebnis noch rückübermittelt werden...

Mit den in Kürze verfügbaren Schnelltests wird es in Zukunft deutlich einfacher, weil da die doppelte Logistik wegfällt und man wenige Minuten nach dem Abstrich ein Ergebnis hat.

LidlRacer 12.10.2020 13:34

Zitat:

Zitat von Lucy89 (Beitrag 1557538)
Zur App: Meine App zeigte neulich aus dem Nichts heraus 7 Begegnungen an (aber nur grün). Wir wohnen hier in einer Kleinstadt, wo zu dem Zeitpunkt nur 7 Infizierte insgesamt waren. Klar bin ich auch mal unter Menschen, aber eigentlich eher selten, da Homeoffice. Fand ich schon überraschend.

Hm vielleicht in der Nachbarwohnung oder über/unter Dir?

"Erkennt die App auch, wenn zwischen mir und einem Infizierten z. B. ein Fenster oder eine Mauer war?
Die App kann nicht erkennen, ob zwischen zwei Handys eine Wand, ein Fenster oder etwas anderes ist. Sie misst nur die Signalstärke. Das Bluetooth-Signal wird aber durch Mauern abgeschwächt. Eine Wand kann also durchaus verhindern, dass zwei Personen als Kontakte registriert werden."
https://www1.wdr.de/nachrichten/them...rheit-100.html

Schwarzfahrer 12.10.2020 13:37

Zitat:

Zitat von Estebban (Beitrag 1557520)
Die Kapitulation sehe ich eher darin, wenn man jemandem wie Bakhdi hinterherläuft, weil seine Meinung mir gerade passt - aber eben (S. Artikel) die überwältigende Mehrheit ihn für einen Scharlatan hält.

Kapitulation ist, wenn man Bakhdis Thesen in Bausch und Bogen verwirft, statt sich mit ihnen argumentativ und differenziert ausenanderzusetzen, wobei es kein Argument für oder wider wissenschaftliche Thesen ist, daß ihn eine "Mehrheit für einen Scharlatan hält", oder gar seine Aussagen mit "Glühbirnen am Himmel" gleichsetzt.
Zitat:

Zitat von Estebban (Beitrag 1557520)
Wenn es aber um Wissenschaft geht, im aktuellen Fall um eine Pandemie empfinde ich die Meinung eines Wissenschaftlers, der regelmäßig veröffentlicht und damit sich einer Öffentlichkeit stellt als wesentlicher als bspw deiner oder die des Schwarzfahrers..

Das Thema Wert und Bedeutung von vielen oder wenigen Veröffentlichungen hatten wir schon ausführlich. Und mein Anliegen ist nicht, daß Du meine Meinung übernimmst, sondern daß Du auch nicht kritiklos die Meinung von egal wem übernimmst. Stattdesseen solltest Du Deine eigene Meinung bilden, auf Grund von nachvollzogenen Argumenten statt Ehrfurcht vor Autoritäten oder blindem Glauben.

Schwarzfahrer 12.10.2020 13:46

Zitat:

Zitat von qbz (Beitrag 1557495)
Zur Erinnrerung: Es handelte sich um die Sterblichkeitsrate von Sars-Cov-2 (wieviel Menschen sterben, liesse man die Pandemie ohne Schutz in DE durchlaufen?) für eine Gesellschaft mit der Altersstruktur wie in DE (nicht in Afrika, wo die Menschen sehr viel jünger sind im Schnitt.). Das scheint mir eine empirisch zu lösende Frage zu sein, deren Beantwortung ich den Spezialisten überlasse, während der Umgang mit dem Ergebnis durchaus je nach Interessenlage und Weltbild natürlich divergiert.

Ich kenne die Ausführungen. Es sind Szenarien, Modelle, Hypothesen, die auf Grund von gewissen Beobachtungen und Annahmen erstellt wurden. Da die Annahmen diskutabel sind, sind es die Ergebnisse der Modell auch. Es ist nur "emprisch zu lösen", indem man nachher schaut, was geschah - und da versteht man immer noch nicht zwingend, was warum geschah. Aber das Ergebnis der Überlegungen ist auf keinen Fall nur ein mögliches Szenario, sondern eines von mehreren möglichen.
Zitat:

Zitat von qbz (Beitrag 1557526)
Der Ausgangspunkt war aber eine Spezialistenfrage (aktueller Zusammenhang von Sterblichkeit und Altersgruppe), die Schwarzfahrer inhaltlich nicht teilt, worauf er auf eine Metadiskussion auswich.

Nein, es war kein Ausweichen, ich bin nur Euren Zweifeln über meine "Kompetenz, eine eigene Meinung zu haben" gefolgt. Wie oben auseinandergesetzt, eine gewisse Korrelation ist noch kein Zusammenhang, und schon gar kein allein ausreichender Grund zur alleinigen Ursachen-Erklärung. Darum ist die Aussage, daß kein Unterschied in der Gefährdung zu erkennen ist, nur weil die Infizierten jetzt jünger sind, in dieser Einfachheit irreführend und verhindert weiteres Nachdenken und besseres Verständnis, wenn man damit die Diskussion für beendet erklärt.

Estebban 12.10.2020 13:47

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1557550)
Kapitulation ist, wenn man Bakhdis Thesen in Bausch und Bogen verwirft, statt sich mit ihnen argumentativ und differenziert ausenanderzusetzen, wobei es kein Argument für oder wider wissenschaftliche Thesen ist, daß ihn eine "Mehrheit für einen Scharlatan hält", oder gar seine Aussagen mit "Glühbirnen am Himmel" gleichsetzt.

Das Thema Wert und Bedeutung von vielen oder wenigen Veröffentlichungen hatten wir schon ausführlich. Und mein Anliegen ist nicht, daß Du meine Meinung übernimmst, sondern daß Du auch nicht kritiklos die Meinung von egal wem übernimmst. Stattdesseen solltest Du Deine eigene Meinung bilden, auf Grund von nachvollzogenen Argumenten statt Ehrfurcht vor Autoritäten oder blindem Glauben.

Spannend, dass du mir Ehrfurcht vor Autoritäten und blindem Glauben unterstellst.
Zu einer gesunden Quellen Kompetenz gehört mE auch zu sortieren mit welchen Quellen ich mich auseinandersetze und mit welchen nicht. Und wenn ich - genauso wie du - keinerlei Ahnung von Virologie habe, wie gehe ich dann vor? Ich schaue mir an, wer offensichtlich kompetent ist und wer offensichtlich nicht. Und wie kann ich da sortieren? Natürlich schaue ich mir an, wer welches Ansehen in der Wissenschaftscommunity hat und wer von den meisten als Scharlatan abgetan wird. Und nur weil dieser eine gerade erzählt was in mein persönliches Narrativ passt, ist er nicht automatisch eine gleichwertige Alternative zu jemandem, der weltweit großes Ansehen hat (unter denen, die sich mit der Materie auseinandersetzen).

Anderes Beispiel: Trainingslehre; seit Jahrzehnten ist weit verbreitet die Idee, dass 80-90 Prozent der Trainingseinheiten im relativ lockeren Bereich zu erledigen sind (mit ein paar Abweichungen nach oben und unten, mit ein bischen anderem Fokus, anderer Kommunikation aber basically wird das von 99 Prozent aller Sportwissenschaftler so unterschrieben).
Wenn jetzt aber der eine typ um die Ecke kommt und sagt Moment mal, einmal alle 2 Wochen richtig hart trainieren und ansonsten Couch führt zum gleichen Ergebnis (alle seriösen Sportwissenschaftler schlagen die Hände über dem Kopf zusammen. Ja dann kann ich sagen „das muss man anerkennen, das kann man nicht in bausch und bogen verwerfen, Man muss sich differenziert auseinandersetzen“ oder ich kann eben halt Quellen vorsortieren mit denen ich mich intensiver beschäftigen mag.

LidlRacer 12.10.2020 13:49

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1557550)
Kapitulation ist, wenn man Bakhdis Thesen in Bausch und Bogen verwirft, statt sich mit ihnen argumentativ und differenziert ausenanderzusetzen, wobei es kein Argument für oder wider wissenschaftliche Thesen ist, daß ihn eine "Mehrheit für einen Scharlatan hält", oder gar seine Aussagen mit "Glühbirnen am Himmel" gleichsetzt.

Dann stelle eine konkrete These von ihm zur Diskussion, die Dir wertvoll erscheint!

Ich sage voraus:
Es wird wahrscheinlich Zeitverschwendung sein, sich damit zu beschäftigen ...

Ich präzisiere: Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit

BananeToWin 12.10.2020 13:59

Zitat:

Zitat von merz (Beitrag 1557535)
- Wollen sie damit alle Massnahmen wegfallen lassen? (Es wirkt so ....)
- Es wird quantitativ nicht gesagt, wann Herdenimmunität erreicht ist. Wo wollen sie also hin, 60%, 50%?
- Diese Strategie ist international komplett vom Tisch, warum wohl?

m.


Nein, die Maßnahmen sollen erstmal nur für die Nicht-Risikogruppen wegfallen. Die Risikogruppen (bzw. diejenigen aus den Risikogruppen, die das möchten) sollen zunächst sogar eher verstärkt geschützt werden.

Herdenimmunität ist ein abstrakter Begriff. Ich muss ja vorher nicht genau wissen, ab wann der hemmende Einfluss erhöhter Immunität deutlich spürbar wird und ab wann tatsächlich die Immunität so hoch ist, dass das Infektionsgeschehen sich selbst terminiert. Die "kritische Schwelle" der Herdenimmunität hängt vom R-Wert ab und kann daher auch von Land zu Land verschieden sein.
Dass evtl. schon 20% Immunität in der richtigen Bevölkerungsgruppe ausreichen (Superspreader), um das Infektionsgeschehen massiv zu beinflussen, wurde ja schon diskutiert.

Dass die Strategie international komplett vom Tisch ist hat sicherlich viele Gründe. Ein wichtiger dürfte sein, dass sich politische Entscheider, die den Lockdown verfügt haben, jetzt natürlich schwer tun würden, den eingeschlagene Weg ohne Gesichtsverlust einfach so zu verlassen.

Dass die Declaration auf wissenschaftlichen Widerspruch stößt war zu erwarten und ist auch gut so. So sollte es ja eigentlich sein im wissenschaftlichen Diskurs.

Aber hier scheinen weniger die Argumente der Wissenschaftler diskutiert zu werden und vielmehr irgendwelche Fake-Unterzeichner, die natürlich kommen wenn jeder diese Declaration online unterschreiben kann und die nicht schön sind, aber inhaltlich an der Stellungnahme erstmal nichts ändern.

Schwarzfahrer 12.10.2020 14:01

Zitat:

Zitat von Estebban (Beitrag 1557556)
Zu einer gesunden Quellen Kompetenz gehört mE auch zu sortieren mit welchen Quellen ich mich auseinandersetze und mit welchen nicht. Und wenn ich - genauso wie du - keinerlei Ahnung von Virologie habe, wie gehe ich dann vor? Ich schaue mir an, wer offensichtlich kompetent ist und wer offensichtlich nicht. Und wie kann ich da sortieren? Natürlich schaue ich mir an, wer welches Ansehen in der Wissenschaftscommunity hat und wer von den meisten als Scharlatan abgetan wird. Und nur weil dieser eine gerade erzählt was in mein persönliches Narrativ passt, ist er nicht automatisch eine gleichwertige Alternative zu jemandem, der weltweit großes Ansehen hat (unter denen, die sich mit der Materie auseinandersetzen).

Du beschreibst genau das, was ich unter blindem Autoritätsglauben verstehe.
Mein Ansatz ist, nach einer groben Vorselektion der Quellen, mir auf Grund von Inhalten eine Meinung zu bilden, vor allem Argumente zu suchen, um die Thesen zu stützen oder abzulehnen; in dem Prozess lerne ich stetig dazu. Wo ich allerdings gar keine Ahnung habe, werde ich auch bei noch so tollen Autoritäten keine eigene Meinung bilden, und mich weise zurückhalten, etwas zu sagen, was über ein "glaube ich" hinausgeht (z.b. auf dem Gebiet der Psychologie, Wirtschaft, Philosophie würde ich mich sehr zurückhalten; im medizinischen glaube ich sehr wohl ausreichend Verständnis zu haben, um mitdiskutieren zu können). Wenn mich der Inhalt nicht überzeugt, oder nicht plausibel erscheint, dann nützt auch die tollte Publikationsstatistik nichts. Da ticken wir halt sehr unterschiedlich.
Zitat:

Zitat von LidlRacer (Beitrag 1557557)
Dann stelle eine konkrete These von ihm zur Diskussion, die Dir wertvoll erscheint!

Ich sage voraus:
Es wird wahrscheinlich Zeitverschwendung sein, sich damit zu beschäftigen ...

Deine Vorhersage dürfte in dieser Runde sicher stimmen (Stichwort selbsterfüllende Prophezeiung...). Ich setze mich selbst mit Ideen verschiedene Leute auseinander, und tausche mich hier über meine Gedanken, die dabei entstehen, mit anderen aus. Wenn ich nur die Gedanken von Experten wiedergeben könnte, würde ich mir das meiste sparen; und Bakhdi kann seine Gedanken sowieso selbst vertreten.

Estebban 12.10.2020 14:08

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1557560)
Du beschreibst genau das, was ich unter blindem Autoritätsglauben verstehe.
Mein Ansatz ist, nach einer groben Vorselektion der Quellen, mir auf Grund von Inhalten eine Meinung zu bilden, vor allem Argumente zu suchen, um die Thesen zu stützen oder abzulehnen; in dem Prozess lerne ich stetig dazu. Wo ich allerdings gar keine Ahnung habe, werde ich auch bei noch so tollen Autoritäten keine eigene Meinung bilden, und mich weise zurückhalten, etwas zu sagen, was über ein "glaube ich" hinausgeht (z.b. auf dem Gebiet der Psychologie, Wirtschaft, Philosophie würde ich mich sehr zurückhalten; im medizinischen glaube ich sehr wohl ausreichend Verständnis zu haben, um mitdiskutieren zu können). Wenn mich der Inhalt nicht überzeugt, oder nicht plausibel erscheint, dann nützt auch die tollte Publikationsstatistik nichts. Da ticken wir halt sehr unterschiedlich. .

Du sprichst selber von „vorselektion der Quellen“. Wie passiert die dann bei dir?
Bei mir - das hatte ich ja beschrieben - verlasse ich mich auf überwältigende Mehrheiten der Wissenschaftskollegen auf dem Gebiet (in deinen Worten: auf meinen blinden Autoritätsglauben). Was ist ist deine „vorselektion“? Du argumentierst aktuell eben doch damit, dass man sich mit allem - sei es noch so abwegig, oder sagen alle anderen, die sich mit der Materie auseinandersetzen es sei noch so abwegig - inhaltlich auseinandersetzen muss? Auf welcher Basis sortierst du bspw mich aus, wenn ich behaupte es gibt keine Sterne, das sind Glühbirnen?

BananeToWin 12.10.2020 14:10

Zitat:

Zitat von LidlRacer (Beitrag 1557557)
Dann stelle eine konkrete These von ihm zur Diskussion, die Dir wertvoll erscheint!

Ich sage voraus:
Es wird wahrscheinlich Zeitverschwendung sein, sich damit zu beschäftigen ...

Ich präzisiere: Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit

Du bist erstaunlich offen für den wissenschaftlichen Diskurs.

Für jemanden, der dazu aufruft, sich hinter der Wissenschaft zu vereinen, erscheint mir das ganz schön unwissenschaftlich.

Hafu 12.10.2020 14:10

Zitat:

Zitat von BananeToWin (Beitrag 1557559)
Nein, die Maßnahmen sollen erstmal nur für die Nicht-Risikogruppen wegfallen. Die Risikogruppen (bzw. diejenigen aus den Risikogruppen, die das möchten) sollen zunächst sogar eher verstärkt geschützt werden.

...

Wie funktioniert das praktisch?

Relativ einfach ist es die Risikogruppen in Krankenhäuser und Pflegeheimen zu schützen (wo Schweden in der Frühphase der Pandemie versagt hat), wo ausgebildetes Personal arbeitet, denen es zuzumuten ist Masken zu tragen. Außerdem funktioniert dort auch die Logistik mit offensiver Verdachtstestung (von Mitarbeitern und Patienten) relatig gut.

Seit Monaten gibt es in Deutschland meines Wissens keinen Ausbruch mehr in solchen stationären Einrichtungen.

Daneben gibt es aber eben auch Risikogruppen außerhalb von solchen Einrichtungen: Pflegebedürftige die in Mehrgenerarationenhaushalte leben, Eltern (von Schulkindern) mit entsprechenden Vorerkrankungen, Krebserkrankte, Autoimmunkranke oder Organtransplantierte mit laufender Immunsuppression, die ansonsten aber normal im gesellschaftlichen Leben integriert sind, ältere Lehrer usw.
Wie schützt man diese Risikogruppen? Das funktioniert eigentlich nur, indem man bestrebt ist, deren jeweilige unmittelbare Kontaktpersonen infektfrei zu halten, selbst wenn die Kontaktpersonen selbst wenig Komplikationsrisiko im Zusammenhang mit Covid-19 haben.

qbz 12.10.2020 14:11

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1557555)
Ich kenne die Ausführungen. Es sind Szenarien, Modelle, Hypothesen, die auf Grund von gewissen Beobachtungen und Annahmen erstellt wurden. Da die Annahmen diskutabel sind, sind es die Ergebnisse der Modell auch. Es ist nur "emprisch zu lösen", indem man nachher schaut, was geschah - und da versteht man immer noch nicht zwingend, was warum geschah. Aber das Ergebnis der Überlegungen ist auf keinen Fall nur ein mögliches Szenario, sondern eines von mehreren möglichen.

Nein, es war kein Ausweichen, ich bin nur Euren Zweifeln über meine "Kompetenz, eine eigene Meinung zu haben" gefolgt. Wie oben auseinandergesetzt, eine gewisse Korrelation ist noch kein Zusammenhang, und schon gar kein allein ausreichender Grund zur alleinigen Ursachen-Erklärung. Darum ist die Aussage, daß kein Unterschied in der Gefährdung zu erkennen ist, nur weil die Infizierten jetzt jünger sind, in dieser Einfachheit irreführend und verhindert weiteres Nachdenken und besseres Verständnis, wenn man damit die Diskussion für beendet erklärt.

Sowohl im ersten Absatz wie auch im zweiten weichst Du auf eine allgemeine Meta-Methoden-Diskussion aus (Korrelation ist noch kein Zusammenhang etc.,) um Deine von Drosten abweichende Meinung zu begründen.

Man kennt die Anzal der Verstorbenen der einzelnen Altersgruppen im Verhältnis zu den infizierten Gruppen und weiss, dass sich das Virus nicht wesentlich verändert hat.

Estebban 12.10.2020 14:12

Zitat:

Zitat von LidlRacer (Beitrag 1557557)
Dann stelle eine konkrete These von ihm zur Diskussion, die Dir wertvoll erscheint!

Ich sage voraus:
Es wird wahrscheinlich Zeitverschwendung sein, sich damit zu beschäftigen ...

Ich präzisiere: Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit

Das ist jetzt wirklich maximal überraschend, dass darauf keine ernsthafte Antwort kommt - weiß man doch eigentlich selber, dass es einem sofort um die Ohren gehauen wird.
Dann lieber darüber beschweren, dass man nicht ernst genommen wird und andere Nebenkriegsschauplätze aufmachen...
Aber schöner Versuch Lidl ;)

BananeToWin 12.10.2020 14:14

Zitat:

Zitat von qbz (Beitrag 1557528)
Die offene Frage ist halt, wie ex- und intensiv haben er und die anderen Unterzeichner sich mit den zahlreichen Studien zu Sars-Cov-2 beschäftigt. Nennen sie Quellen im Text?

Also um bei Dr. Levitt zu bleiben: er hat sich intensivst mit den Sterblichkeitsraten dutzender Länder beschäftigt und dürfte sich was die Epidemiologie der Pandemie angeht sehr sehr viele Gedanken gemacht haben. Das hat er übrigens schon, als Sars-CoV-2 im Januar und Februar noch ein reiner Wuhan-Virus war. Es gibt bei Youtube ingesamt mehrstündiges Interview-Material mit ihm, in dem er ganz ohne persönlich zu werden und besonnen seine Einschätzungen zum Thema abgibt. Diese Einschätzungen können selbstverständlich falsch sein, aber wer am Thema Interesse hat, kann da durchaus mal reinhören.

qbz 12.10.2020 14:17

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1557564)

Seit Monaten gibt es in Deutschland meines Wissens keinen Ausbruch mehr in solchen stationären Einrichtungen.

In dieser Klinik wurden vor einigen Tagen 17 Mitarbeiter positiv getest, allerdings bisher keine Patienten

qbz 12.10.2020 14:18

Zitat:

Zitat von BananeToWin (Beitrag 1557568)
Also um bei Dr. Levitt zu bleiben: er hat sich intensivst mit den Sterblichkeitsraten dutzender Länder beschäftigt und dürfte sich was die Epidemiologie der Pandemie angeht sehr sehr viele Gedanken gemacht haben. Das hat er übrigens schon, als Sars-CoV-2 im Januar und Februar noch ein reiner Wuhan-Virus war. Es gibt bei Youtube ingesamt mehrstündiges Interview-Material mit ihm, in dem er ganz ohne persönlich zu werden und besonnen seine Einschätzungen zum Thema abgibt. Diese Einschätzungen können selbstverständlich falsch sein, aber wer am Thema Interesse hat, kann da durchaus mal reinhören.

danke. Werde ich bei Gelegenheit tun.

keko# 12.10.2020 14:19

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1557546)
Ist doch ein üblicher Vorgang bei breit angelegter Verdachtstestung: ein paar Schüler werden wohl am letzten Mittwoch bereits getestet worden sein, andere erst ab Donnerstag. ....

Ja, so war das auch. Irgendwie dachte ich halt, dass das schneller geht. Aber wenn man mal dabei ist und sieht, wieviele Personen dabei unterwegs und involviert sind, merkt man, dass das auf diese Art gar nicht schneller geht. Die "Kette" hat auf jeden Fall funktioniert.

aequitas 12.10.2020 14:22

Auch Gerard Krause vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung hat vergangene Woche dem DLF ein Interview gegeben und dabei noch einmal betont, dass unbedingt weitere Faktoren außer der reinen Positivfälle hinzugezogen werden sollten, um die Lage ernsthaft beurteilen zu können.

Außerdem verdeutlicht er noch einmal den Zusammenhang von Alter und Schwere des Krankheitsverlauf und kommt zu dem Schluss, dass deshalb der Fokus auf den "ernsthaft erkrankten" und Risikogruppen liegen sollte.

„Erkrankungszahlen sollten der Kernfokus sein, nicht die Infektionszahlen“

Seyan 12.10.2020 14:24

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1557564)
Wie schützt man diese Risikogruppen? Das funktioniert eigentlich nur, indem man bestrebt ist, deren jeweilige unmittelbare Kontaktpersonen infektfrei zu halten, selbst wenn die Kontaktpersonen selbst wenig Komplikationsrisiko im Zusammenhang mit Covid-19 haben.

Ich verlasse jetzt mal den Pfad der Menschlichkeit und trete für die Natur ein:

"Risikogruppen sind für den Fortbestand einer Spezies genau das: ein Risiko. In der Natur hat eine Herde das Bedürfnis, genau diese Risiken zu reduzieren, um den Fortbestand der Herde zu gewährleisten."

Ich will damit weder sagen "Unterlasst es, die Risikogruppe zu schützen!" noch "Die Risikogruppe muss um jeden Preis geschützt werden!". Wir können es uns glücklicherweise erlauben, hier den Joker auszuspielen und die Risikogruppe schützen zu wollen. Die Leute im Mittelalter während der Pest (oder auch zu anderen Zeiten) hatten diesen Luxus (ja, das IST Luxus) nicht. Da lief es wie von der Natur "vorgesehen".

BananeToWin 12.10.2020 14:24

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1557564)
Wie funktioniert das praktisch?

Relativ einfach ist es die Risikogruppen in Krankenhäuser und Pflegeheimen zu schützen (wo Schweden in der Frühphase der Pandemie versagt hat), wo ausgebildetes Personal arbeitet, denen es zuzumuten ist Masken zu tragen. Außerdem funktioniert dort auch die Logistik mit offensiver Verdachtstestung (von Mitarbeitern und Patienten) relatig gut.

Seit Monaten gibt es in Deutschland meines Wissens keinen Ausbruch mehr in solchen stationären Einrichtungen.

Daneben gibt es aber eben auch Risikogruppen außerhalb von solchen Einrichtungen: Pflegebedürftige die in Mehrgenerarationenhaushalte leben, Eltern (von Schulkindern) mit entsprechenden Vorerkrankungen, Krebserkrankte, Autoimmunkranke oder Organtransplantierte mit laufender Immunsuppression, die ansonsten aber normal im gesellschaftlichen Leben integriert sind, ältere Lehrer usw.
Wie schützt man diese Risikogruppen? Das funktioniert eigentlich nur, indem man bestrebt ist, deren jeweilige unmittelbare Kontaktpersonen infektfrei zu halten, selbst wenn die Kontaktpersonen selbst wenig Komplikationsrisiko im Zusammenhang mit Covid-19 haben.


Das ist sicherlich der Knackpunkt an diesem Vorschlag. Die Antwort der drei Professoren lautet in etwa wie folgt:

Riskogruppen schützen muss ich so oder so. Würde man eine schnelle Durchseuchung in der Nicht-Risikogruppe zulassen, dann wäre nach deren Schätzung in ca. 3 Monaten eine Immunität erreicht, welche das Infektionsgeschehen soweit eindämmt oder gar "terminiert", sodass der Schutz der Risikogruppen aufgehoben oder zumindest massiv gelockert werden kann. Folglich würde sich auch für die Risikogruppen die Zeit bis zu einer Normaliserung des Lebens deutlich verkürzen und auch diese würden letztendlich profitieren.
Wenn es also gelänge, in relativ kurzer Zeit eine hohe Immunität zu erreichen, könnte man die Pandemie deutlich schneller beenden und würde die Letalität stark nach unten drücken, wovon dann auch die Risikogruppen profitieren würden.

In wie weit das so einfach möglich wäre weiß ich natürlich nicht. Aber Schweden hat schon auch gezeigt, dass es grundsätzlich möglich ist (mal die von die genannten Versäumnisse aus der Anfangsphase der Pandemie weggerechnet. Im übrigen ist von Januar bis September die Sterberate in Schweden (Tote pro 100.000 Einwohner) von 2020 verglichen mit den letzten 10 Jahren auf einem mittleren Niveau).

Seyan 12.10.2020 14:25

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1557564)
Seit Monaten gibt es in Deutschland meines Wissens keinen Ausbruch mehr in solchen stationären Einrichtungen.

Wir hatten gerade erst einen Ausbruch in einem Nürnberger Pflegeheim, oder ist es nicht das, wovon du sprichst?

https://www.nordbayern.de/region/nue...ert-1.10502003

Estebban 12.10.2020 14:29

Zitat:

Zitat von Seyan (Beitrag 1557573)
Ich verlasse jetzt mal den Pfad der Menschlichkeit und trete für die Natur ein:

"Risikogruppen sind für den Fortbestand einer Spezies genau das: ein Risiko. In der Natur hat eine Herde das Bedürfnis, genau diese Risiken zu reduzieren, um den Fortbestand der Herde zu gewährleisten."

Ich will damit weder sagen "Unterlasst es, die Risikogruppe zu schützen!" noch "Die Risikogruppe muss um jeden Preis geschützt werden!". Wir können es uns glücklicherweise erlauben, hier den Joker auszuspielen und die Risikogruppe schützen zu wollen. Die Leute im Mittelalter während der Pest (oder auch zu anderen Zeiten) hatten diesen Luxus (ja, das IST Luxus) nicht. Da lief es wie von der Natur "vorgesehen".

Du bist dir aber schon bewusst, auf welchen rhetorischen Pfad du dich damit begibst? Ich möchte dir in keiner Weise auch nur im Ansatz irgendwas unterstellen aber du bist damit argumentativ nicht mehr allzu weit von lebenswertem Leben entfernt...

keko# 12.10.2020 14:37

Zitat:

Zitat von Seyan (Beitrag 1557573)
Ich verlasse jetzt mal den Pfad der Menschlichkeit und trete für die Natur ein:

"Risikogruppen sind für den Fortbestand einer Spezies genau das: ein Risiko. In der Natur hat eine Herde das Bedürfnis, genau diese Risiken zu reduzieren, um den Fortbestand der Herde zu gewährleisten."

Ich will damit weder sagen "Unterlasst es, die Risikogruppe zu schützen!" noch "Die Risikogruppe muss um jeden Preis geschützt werden!". Wir können es uns glücklicherweise erlauben, hier den Joker auszuspielen und die Risikogruppe schützen zu wollen. Die Leute im Mittelalter während der Pest (oder auch zu anderen Zeiten) hatten diesen Luxus (ja, das IST Luxus) nicht. Da lief es wie von der Natur "vorgesehen".

Oje, dünnes Eis... :dresche

Bockwuchst 12.10.2020 14:37

Zitat:

Zitat von Seyan (Beitrag 1557573)
Ich verlasse jetzt mal den Pfad der Menschlichkeit und trete für die Natur ein:

"Risikogruppen sind für den Fortbestand einer Spezies genau das: ein Risiko. In der Natur hat eine Herde das Bedürfnis, genau diese Risiken zu reduzieren, um den Fortbestand der Herde zu gewährleisten."

Ich will damit weder sagen "Unterlasst es, die Risikogruppe zu schützen!" noch "Die Risikogruppe muss um jeden Preis geschützt werden!". Wir können es uns glücklicherweise erlauben, hier den Joker auszuspielen und die Risikogruppe schützen zu wollen. Die Leute im Mittelalter während der Pest (oder auch zu anderen Zeiten) hatten diesen Luxus (ja, das IST Luxus) nicht. Da lief es wie von der Natur "vorgesehen".

Vergleiche mit Mittelalter und Pest sind noch seltener zielführend als mit der Grippe. Bei Ausbruch der "Schwarzen Pest" war das Konzept der Ansteckung noch wietgehend unbekannt. Bis man verstanden hat wie die Pest von einem Menschen zum anderen springt, war bs zu einem Drittel der Bevölkerung tot. Als sich die Erkenntnis langsam durchgesetzt hat, haben die Leute dann sehr ähnliche Maßnahmen ergriffen wie wir heutztutage, die Leute sind so weit wie möglich zuhause geblieben. Und zwar aus ANgst sich anzustecken, nicht notwendigerweise weil es ihnen verordnet wurde.

BananeToWin 12.10.2020 14:38

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1557564)
Wie funktioniert das praktisch?
.....

Ich möchte hier noch was ergänzen, weil ich es nicht konkret gemacht habe:

Wenn ich als Mutter eine schwerkranke Tochter zu betreuen habe, die zur Risikogruppe gehört, nützt es selbstverständlich nichts, dass ich Party machen gehe und das Virus mit nach Hause bringe. Foglich kann sich ja die Mutter auch verhalten, als gehörte sie zur Risikogruppe. Ähnliches gilt, wenn ich mit meiner 88-jährigen Oma zusammen leben und eine räumliche Trennung nicht möglich ist. Ich kann natürlich auch ohne solchen Grund mich so verhalten, als gehörte ich zur Risikogruppe, wenn ich eine Infektion nicht riskieren möchte.

Alle anderen, auf die oben genannte Beispiele nicht zutreffen, und die ihr Leben dann soweit normal fortsetzen möchten, können einige Wochen auf den physichen Kontakt zu Risikogruppen verzichten (oder auch nicht, wenn die Oma trotzdem möchte dass ich sie besuchen komme).

Das ist natürlich erstmal recht schwarz-weiß, aber es kann in der Praxis ja auch etwas pragmatisch so aussehen: Ich feiere meinen 30er ganz normal mit meinen Freunden und mit Familie und die Oma besuche ich nur mit Maske und Abstand im Freien.

wutzel 12.10.2020 14:44

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1557564)
Wie funktioniert das praktisch?

Relativ einfach ist es die Risikogruppen in Krankenhäuser und Pflegeheimen zu schützen (wo Schweden in der Frühphase der Pandemie versagt hat), wo ausgebildetes Personal arbeitet, denen es zuzumuten ist Masken zu tragen. Außerdem funktioniert dort auch die Logistik mit offensiver Verdachtstestung (von Mitarbeitern und Patienten) relatig gut.

Seit Monaten gibt es in Deutschland meines Wissens keinen Ausbruch mehr in solchen stationären Einrichtungen.

Doch nicht so selten, noch ein Fall.

"Vechta: Zwei mit Corona infizierte Heimbewohner gestorben
Stand: 05.10.2020 06:36 Uhr
Insgesamt sind mindestens 50 Corona-Fälle aus dem kirchlichen Alten- und Pflegeheim in der Stadt gemeldet worden. Dort hatten sich 31 Bewohner und 19 Mitarbeitende infiziert. Insgesamt wohnen rund 250 Personen in der Einrichtung des Landescaritas-Verbands an."


https://www.ndr.de/nachrichten/niede...vechta772.html

Seyan 12.10.2020 14:55

Zitat:

Zitat von Estebban (Beitrag 1557576)
Du bist dir aber schon bewusst, auf welchen rhetorischen Pfad du dich damit begibst? Ich möchte dir in keiner Weise auch nur im Ansatz irgendwas unterstellen aber du bist damit argumentativ nicht mehr allzu weit von lebenswertem Leben entfernt...

Ich entscheide gar nicht, welches Leben lebenswert ist.
Ich sage nur, dass in der Natur viele Spezies nach dem Grundsatz entscheiden "Der Stärkste überlebt." Wird die Herde von einem Löwen angegriffen, laufen halt alle davon und der langsamste wird gefressen.

Was ich sage ist, dass wir uns den Luxus erlauben können, die Risikogruppen zu schützen. Weil wir Wissenschaft haben, weil wir mitdenken (naja, die meisten zumindest), weil wir keinen puren Überlebenskampf führen müssen.

Wobei das nicht ganz stimmt, die Mediziner warnen ja immer davor, dass wir nicht in die Situation kommen sollten, in der entschieden werden muss, wer behandelt werden muss. Wenn ich nur ein Beamtungsgerät habe, aber zwei Personen, die bei fehlender Behandlung sterben werden, dann muss eine Entscheidung getroffen werden. Die Verweigerung einer Entscheidung würde dann nämlich zu zwei Toden führen.

Ziel ist, nicht zu einer Entscheidung gezwungen zu sein. Aber man darf nicht davor scheuen, eine Entscheidung zu fällen, wenn es "notwendig" ist.

Okay, um zurückzukommen zum ursprünglichen Punkt: wenn ich entscheiden müsste, wer beatmet wird, ein Familienmitglied von mir oder ein Fremder, dann würde ich natürlich eine Wertung abgeben. Würdest du es mir also vorhalten, wenn ich in diesem Fall für mein Familienmitglied bin? Ergo: okay, du hast recht, ich würde Leben eine Wertigkeit geben. Wenn der Fall der Fälle eintritt.

Schwarzfahrer 12.10.2020 14:58

Zitat:

Zitat von Estebban (Beitrag 1557561)
Du sprichst selber von „vorselektion der Quellen“. Wie passiert die dann bei dir?
.... Was ist ist deine „vorselektion“? Du argumentierst aktuell eben doch damit, dass man sich mit allem - sei es noch so abwegig, oder sagen alle anderen, die sich mit der Materie auseinandersetzen es sei noch so abwegig - inhaltlich auseinandersetzen muss? Auf welcher Basis sortierst du bspw mich aus, wenn ich behaupte es gibt keine Sterne, das sind Glühbirnen?

Gerne: Da, wo ich noch keine Vorkenntnisse habe, bewerte ich Quellen sehr stark nach dem "Eindruck", den sie machen. Stil, Art der Darbietung, Argumente oder "Totschlagargumente" oder gar Polemik, Überspitzungen oder Sachlichkeit, Allwissenheitsanspruch oder Offenheit für Diskussionen, u.ä.m. Wo ich Vorkenntnisse habe, kann ich auch noch Glaubwürdigkeit anhand mir bekannter Fakten bzw. den Aussagen dazu prüfen. Und unabhängig auch von teilweise sehr unsympathischer Darbietung - wenn ein Gedanken darin mich interessiert, gehe ich diesem ggf. weiter nach, auch wenn der Rest als "Schotter" eingeordnet wird.
Auch wegen der "Glühbirnen" würde ich Dich nicht als Quelle aussortieren, nur diese Aussage ignorieren - und die anderen, nicht so offensichtlich hahnebüchenen, ggf. genauer unter die Lupe nehmen als bei anderen.

Seyan 12.10.2020 14:58

Zitat:

Zitat von Bockwuchst (Beitrag 1557579)
Vergleiche mit Mittelalter und Pest sind noch seltener zielführend als mit der Grippe. Bei Ausbruch der "Schwarzen Pest" war das Konzept der Ansteckung noch wietgehend unbekannt. Bis man verstanden hat wie die Pest von einem Menschen zum anderen springt, war bs zu einem Drittel der Bevölkerung tot. Als sich die Erkenntnis langsam durchgesetzt hat, haben die Leute dann sehr ähnliche Maßnahmen ergriffen wie wir heutztutage, die Leute sind so weit wie möglich zuhause geblieben. Und zwar aus ANgst sich anzustecken, nicht notwendigerweise weil es ihnen verordnet wurde.

Die Leute sind dann aber aus Angst um ihr eigenes Leben zuhause geblieben und nicht, weil sie damit eine Risikogruppe geschützt haben.

Wäre Corona so heftig, dass auch fitte 18jährige mit einer Chance von 1/3 sterben, dann würde vermutlich jeder mit dem kleinsten Funken Selbererhaltungstrieb, egal wie alt, daheim bleiben.

qbz 12.10.2020 14:58

Zitat:

Zitat von BananeToWin (Beitrag 1557580)
.....
Wenn ich als Mutter eine schwerkranke Tochter zu betreuen habe, die zur Risikogruppe gehört, nützt es selbstverständlich nichts, dass ich Party machen gehe und das Virus mit nach Hause bringe. Foglich kann sich ja die Mutter auch verhalten, als gehörte sie zur Risikogruppe. Ähnliches gilt, wenn ich mit meiner 88-jährigen Oma zusammen leben und eine räumliche Trennung nicht möglich ist. Ich kann natürlich auch ohne solchen Grund mich so verhalten, als gehörte ich zur Risikogruppe, wenn ich eine Infektion nicht riskieren möchte.
......

Ich würde dazu folgende Fragen stellen wollen:

Wie hoch ist dann der Prozentsatz in DE, der vor einer Ansteckung zu schützen wäre? Risikogruppe: Senioren ab 65; alle mit Vorererkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Atemwegserkrankungen, Übergewicht, Immunerkrankung, ?; im Haushalt mitlebende Personen. 30 % sollen allein die Risikogruppen betragen ohne im Haushalt mitlebende Personen. Gelänge unter diesen Voraussetzungen das Erreichen einer Herdenimmunität überhaupt, wenn man annimmt, dass auch unter den Nicht-Risikogruppen Personen versuchen, ene Ansteckung aktiv zu vermeiden (Verreisen, Abstand halten, Masken, Kontaktreduktion usf.). Da scheinen mir die 3 Monate bis zur Herdenimmunität eventuell eine unrealistische Schätzung zu sein.

Inwiefern heben Reisende oder Zugereiste eine Herdenimmunität wieder auf und gefährden die Risikogruppen?

Wie lange besteht Immunität nach einer Sars-Cov-2-Infektion?


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