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Klugschnacker 03.11.2020 13:28

Der Deutsche Olympische Sportbund DOSB hat einheitliche Hygienestandards für Sportveranstaltungen formuliert. Geprüft wurden diese durch die TÜV Rheinland Cert GmbH.

Darin heißt es für den Zugang zu Sportstätten:
Einlass nur mit Informationsabgabe
Beim Zugang müssen sich alle Teilnehmenden ausweisen; wenn nicht alle vorab angeforderten Informationen abgegeben wurden, ist der Zugang zu verweigern.

gaehnforscher 03.11.2020 13:50

Zitat:

Zitat von aequitas (Beitrag 1562753)
Da erkenne ich tatsächlich keinen Zusammenhang, bezogen auf meinen von dir zitieren Ausgangspost. Mit dem Verweis auf den Kommentar wollte ich nur bei aller Lockdown-Euphorie darauf hinweisen, dass es sich dabei keinesfalls um leichtfertige Maßnahmen handelt und tiefergreifende Maßnahmen damit nicht plötzlich weniger eingreifend sind. Wir haben es aktuell mit schweren Eingriffen in die Grundrechte zu tun. Dies geschieht vor dem Hintergrund der laufenden Pandemie und können damit ggf. legitimiert werden (das entscheiden letztlich die Gerichte). Allerdings sollte man das nicht aus den Augen verlieren und möglicherweise langfristige Folgen diskutieren. Deshalb sollte u.a. das Infektionsschutzgesetz überarbeitet werden, da es offensichtlich nicht für eine Pandemie wie Corona geeignet war. In NRW wurde bspw. beschlossen, dass die pandemische Lage jeweils für zwei Monate beschlossen werden kann und daraufhin wieder neu im Parlament beschlossen werden muss. Ein derzeit langanhaltender Zustand von Grundrechtseinschränkungen war nie vorgesehen.

Wenn wir jetzt darüber diskutieren, dass die BRD ähnlich wie China Daten erheben soll, um selektiv Zugänge zu bestimmten Orten zu ermöglichen, dann finde ich eine Diskussion darüber durchaus angebracht. Käme nämlich eine andere Partei in Regierungsverantwortung, dann würde mein Vertrauen in die Politik sehr anders aussehen.

Mir ging es darum, dass halt mit der Zeit leider nicht viele andere Optionen bleiben, als bestimmte Rechte/ Freiheiten einzuschränken, wenn das Thema mit der weitgehenden Eigenverantwortung nicht funktioniert.

Ich Teile durchaus deine Ansicht, dass man für die Zukunft deutlichere Regularien für die Einschränkung von Rechten schaffen sollte, um möglichem Missbrauch vorzubeugen. Eigentlich gab es da jetzt auch genug vorbereitungszeit.

Dazu hattest du das Thema Denuziantentum angesprochen. Deswegen die etwas philosophische Frage, wer der eigentliche Übeltäter ist. Derjenige, welcher seine eigenen Interessen im Namen der Freiheit zu sehr über die Interessen und Freiheit der Gemeinschaft stellt, oder derjenige, der darauf "hinweist". Wenn ich einen wesentlichen Teil meiner Freizeit dafür hergebe, um anderen das Sport treiben zu ermöglichen und jmd 2 Tage nach Belehrung zum Hygienekonzept bereits drauf pfeift, dann geb ich das halt im Verein entsprechend weiter und trainiere diese Person nicht weiter, zumal ich als Übungsleiter ja am Ende auch selbst Verantwortung fürs Einhalten des Hygienekonzept trage (unabhänigig von meiner eigenen Meinung zu einzelnen Punkten) und verischern muss, dass alle Teilnehmer ordnungsgemäß belehrt wurden. Da hab ich auch jmd verpfiffen/ denuziert (und da ging es nicht "nur" um nen MNS), aber man hätte sich ja auch im Sinne aller einfach mal daran halten können, statt zu riskieren, dass das Gesundheitsamt bei einer Kontrolle unter Umständen verständlicherweise die Bude für alle dicht macht, weil das Hygienekonzept nicht umgesetzt wird.

Deswegen die Frage, nimmt in erster Linie das Misstrauen und Anpfeifen zu, oder nicht in erster Linie der Egoismus. Sry, wenn das nicht direkt deutlich wurde oder der mein gedanklicher Bogen zu weit war.:Blumen:

gaehnforscher 03.11.2020 14:10

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1562754)
Ich glaube dir sofort, dass sich die Anekdote so zugetragen hat. Aber was lernt jetzt deine Seniorengruppe aus der vierwöchigen Schwimmbadschließung?

Glaubst, du dass sie mit ihrem Unverständnis, dass ihnen ihr Schwimmbad befristet weggenommen wird, nach dem "Mini-Lockdown" die Abstände und AHA-Regeln besser einhalten?

Ich glaube, so wie sich die Zahlen aktuell entwickeln, dass wir die befürchtete Überlastung des Gesundheitswesens wieder sehr gut vermeiden können (auch wenn die Zahl der Intensivpatienten sich gegenüber dem heutigen Stand zweifellos nochmal verdoppeln wird, denn die Leute die heute stationär aufgenommen werden, wurden in der Regel ja vor einer Woche positiv getestet.
Im Dezember haben sich die Zahlen dann soweit beruhigt, dass die Gesundheitsämter wie erhofft wieder Zugriff auf die Infektketten haben. Die Politiker werden sich auf die Schulter klopfen. Dann normalisiert sich das öffentliche Leben wieder ein Stück weit, Weihnachten und Silvester kommen, endlich wieder soziale Kontakte , die Skilifte öffnen wieder, der Weihnachtsurlaub wird 2020 so wichtig wie noch nie, weil ja der Herbsturlaub ausfallen musste... man kann das Gedankenexperiment immer weiter denken.

Ob diejenigen, die die Politik mit dem aktuellen Mini-Lockdown mit einer 75%igen Reduzierung ihrer sozialen Kontakte bestrafen wollte, in 4 Wochen wirklich etwas dazu gelernt haben, bezweifle ich.

Ich schrub ja, dass ich in der Theorie die Schließungen nicht für notwendig halte.

Ich bin durchaus bei dir, dass genau diese Personen vermutlich nichts groß daraus lernen werden, was halt sehr schade ist, weil es am Ende allen gewisse Freiheiten kostet. Aber darum was zu lernen geht es ja aktuell nicht, sondern darum Kontakte zu reduzieren. Sie werden sich ja vorraussichtlich zumindest nicht mit der kompletten Gruppe in einer Wohnung treffen. Ob es vllt auch ohne "Lock-Down" gegangen wäre allein durch Einschränkungen bei Großveranstaltungen, wie kurz vorher beschlossen, wenn man denn noch ein wenig abgewartet hätte? Vielleicht.

Vielleicht hätte man aber auch die Veranstalter schützen können, wenn sich in den Alltagssituationen mehr Leute an die eigenen Nase gefasst hätten. ;) Einen Großteil hier mag das nicht betreffen. Ich fand den Kommentar zum Thema Individualismus trotzdem recht prägnant und es regt vllt auch ein wenig an, sich trotzdem auch selbst zu hinterfragen.

Helmut S 03.11.2020 14:14

Zitat:

Zitat von gaehnforscher (Beitrag 1562810)
Dazu hattest du das Thema Denuziantentum angesprochen. Deswegen die etwas philosophische Frage, wer der eigentliche Übeltäter ist. Derjenige, welcher seine eigenen Interessen im Namen der Freiheit zu sehr über die Interessen und Freiheit der Gemeinschaft stellt, oder derjenige, der darauf "hinweist".

https://www.youtube.com/watch?v=N11SOHHux5E ;)

Philosophisch gesehen ist es halt eine Frage der Wertepriorität wer der (moralische) Übeltäter ist. Auch wenn die meisten Menschen in unserem Land einen gemeinsamen Satz von Werten teilen, so ist die Reihenfolge der Wertigkeit subjektiv, durchaus unterschiedlich und situativ flexibel. Es hängt halt von der konkreten "moralischen Umgebung" (vom "Milieu") ab in der man sich befindet. :Blumen:

aequitas 03.11.2020 14:21

Zitat:

Zitat von gaehnforscher (Beitrag 1562810)
Mir ging es darum, dass halt mit der Zeit leider nicht viele andere Optionen bleiben, als bestimmte Rechte/ Freiheiten einzuschränken, wenn das Thema mit der weitgehenden Eigenverantwortung nicht funktioniert.

Ich Teile durchaus deine Ansicht, dass man für die Zukunft deutlichere Regularien für die Einschränkung von Rechten schaffen sollte, um möglichem Missbrauch vorzubeugen. Eigentlich gab es da jetzt auch genug vorbereitungszeit.

[...]

Deswegen die Frage, nimmt in erster Linie das Misstrauen und Anpfeifen zu, oder nicht in erster Linie der Egoismus. Sry, wenn das nicht direkt deutlich wurde oder der mein gedanklicher Bogen zu weit war.:Blumen:

Deshalb muss man klare Regeln/Gesetze dazu schaffen. Es geht dabei um grundlegende Freiheitsrechte, wie bspw. der Bewegungs- und Berufsfreiheit. Dazu gab es gestern ein Beispiel im ARD Extra eines Berufsmusikers, den ein "Quasi"-Berufsverbot für den November betrifft und dessen Einnahmen im November 2019 nicht vorhanden waren, da er die Zeit für die Investition in ein neues Album nutzt. Klar, alle Einzelfälle sind nie abzudecken und können in der Kürze der Zeit nicht abgewogen werden. Es geht aber um den Gewöhnungs-/Normalisierungseffekt in der Gesellschaft. Die aktuellen Maßnahmen werden als richtig und notwendig erachtet und damit normalisiert. In der Zukunft mögen sie uns gar harmlos erscheinen (s. Euphemismus lockdown light). Wozu werden dann diese Maßnahmen ggf. eingesetzt? Lockdown von Stadtteilen zur "Reduzierung von Straftaten"? Wir kennen ja die beeinflussenden Variablen: Soziale Schicht, Quartier, Alter, Geschlecht, Bildung, Uhrzeit, Jahreszeit. Also mach Lockdown entsprechender Stadtteile mit hoher Kriminalität Sinn. Das ist ein weithergeholtes Beispiel, aber das wurde u.a. in dem Kommentar aufgegriffen.

Es geht auch nicht darum, ob der Egoismus zunimmt oder das Anpfeifen. Siehe auch dazu die Ausführungen im oberen Absatz. Allerdings wird ein bestimmtes Verhalten normalisiert: Anpfeifen bei Regelverstoß oder Missachtung von Konvetionen. Das mag banal klingen, aber ich halte das für keine schöne Gesellschaft, in der Anpfeifen zum guten Ton gehört.

Lese das Buch zwar gerade selbst erst, aber durchaus spannend im Zusammenhang mit dieser Diskussion und Corona ist Corpus Deliciti von Juli Zeh:

Corpus Delicti behandelt die Problematik einer Gesundheitsdiktatur in naher Zukunft am Beispiel einer Herrschaftsform, die einen Unfehlbarkeitsanspruch erhebt. Juli Zeh greift Entwicklungen der heutigen Zeit auf, führt sie weiter und nimmt sie als Grundlage eines Staates, den sie METHODE nennt. Der Roman warnt den Leser vor kritischen Entwicklungen der heutigen Gesellschaft und appelliert an seine Mündigkeit und Eigenverantwortung.

Bockwuchst 03.11.2020 14:30

https://www.spiegel.de/wissenschaft/...c-99bb69f8fc3c

Die akkreditierten Labore können die Testflut nicht mehr lange bewältigen. Der Rückstau wird größer. Am Montag waren noch beinahe 100.000 Tests aus der Vorwoche ohne Befund. Der Verband der Labore appeliert, die Zahl der Tests die verdachtsunabhänig und ohne Symptome durchgefphrt werden, müsse dringend reduziert werden. Andernfalls verliert man den Überblick über das tatsächliche Infektionsgeschehen. Ähnlich wie bei den Kliniken müssen auch alle anderen Untersuchungen, die nicht mit Corona zu tun haben, bewältigt werden.

qbz 03.11.2020 14:31

Zitat:

Zitat von aequitas (Beitrag 1562835)
Deshalb muss man klare Regeln/Gesetze dazu schaffen. Es geht dabei um grundlegende Freiheitsrechte, wie bspw. der Bewegungs- und Berufsfreiheit. Dazu gab es gestern ein Beispiel im ARD Extra eines Berufsmusikers, den ein "Quasi"-Berufsverbot für den November betrifft und dessen Einnahmen im November 2019 nicht vorhanden waren, da er die Zeit für die Investition in ein neues Album nutzt. Klar, alle Einzelfälle sind nie abzudecken und können in der Kürze der Zeit nicht abgewogen werden. ......

Da irrte sich der Berufsmusiker:

Soloselbstständige können wählen: Ihre Hilfszahlungen bemessen sich entweder am November 2019 oder am durchschnittlichen Monatsumsatz des Vorjahres. Wer bereits staatliche Leistungen wie Kurzarbeitergeld oder Überbrückungshilfe bezieht, muss diese mit der November-Hilfe verrechnen.

aequitas 03.11.2020 14:34

Dann hatte er wohl nicht ganz recht. Allerdings ändert es nichts an der generellen Aussage.

Er sprach übrigens von Studioaufnahmen im Herbst 2019. Über welchen Zeitraum sich ein solches Prozess erstreckt, weiß ich nicht. Solo-Selbstständige haben es in diesen Zeiten jedoch sicherlich nicht einfacher.


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