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Schwarzfahrer 06.12.2021 15:38

Zitat:

Zitat von KevJames (Beitrag 1637178)
Es gab, finde ich, nichts schlimmeres als meinem Chef ständig basale Dinge meines Jobs erklären zu müssen, weil er so gar keine Ahnung vom Fach hat - das kostet Zeit und Nerven.
Manchmal führen Experte auch gerade durch ihre Expertise gut, einfach weil sie solche "Nerds" sind, dass jeder weiss, dass sie einfach mehr Ahnung als andere um ihn oder sie herum haben.

Das dürfte sich vielleicht je nach Fachgebiet auch unterscheiden. ich habe in meinen über 35 Berufsjahren in Forschung/Entwicklung, aber auch Produktion nur mit solchen Chefs gute Erfahrungen gemacht, die ihre Führungsrolle vom fachlichen getrennt hatten, und sich im fachlichen auf ihre Mitarbeiter verließen (hat viel mit Vertrauen zu tun). Solchen mußte ich, auch wenn sie keine Ahnung vom Fach hatten, nie Details erklären, weil sie mein Urteil oder Empfehlung wollten, nicht Erklärungen. Chefs, die sich in fachlich-inhaltliche Detaildiskussionen begeben, verpassen meist ihre eigentliche Aufgabe, die Gruppe nach außen zu vertreten und strategische Entscheidungen zu treffen unabhängig vom Detailinhalt, und erzeugen jede Menge Reibungsverluste und Frust bei Mitarbeitern, die es als Mißtrauen auffassen.

Darum bin ich nicht überzeugt, daß ein Gesundheitsminister primär spezialisierter Fachmann sein muß (dafür gibt es zu viele Felder, ein gutes Grundverständnis mit vernünftiger Selbsteinschätzung sollte reichen) - er muß viel mehr sich gut beraten lassen (von Leuten denen er vertraut), statt alles selber besser zu wissen, und muß den Input der Berater in den richtigen größeren Kontext setzen und vertrauenserweckend kommunizieren können. Ich kann Lauterbachs medizinische Kompetenz jenseits der Corona-Maßnahmen nur schwer einordnen, aber was das Thema "auf seine Mitarbeiter hören" und "vertrauenserweckend Kommunizieren" angeht, habe ich schon Bauchschmerzen. Und seine Bemühungen vergangener Jahre um Kosteneffizienz im Gesundheitswesen könnten ihm noch bei der aktuellen Personalproblematik schwer auf die Füße fallen. Für mich wäre er im fachlichen Beraterstab eines Ministers besser platziert.

Ich fürchte aber, daß er den Job u.a. bekommen hat, weil sich kaum jemand sonst die Finger an Corona verbrennen wollte. Hätten sich die SPD-Kandidaten um die Stelle geprügelt, wären wohl noch ein paar Namen zumindest in der Presse aufgetaucht. Ist eigentlich ein trauriges Bild einer großen Partei, wenn sich für eine so wirkmächtige und verantwortungsvolle Position kaum Kandidaten gibt.

LidlRacer 06.12.2021 16:21

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1637203)
ich habe in meinen über 35 Berufsjahren in Forschung/Entwicklung, aber auch Produktion nur mit solchen Chefs gute Erfahrungen gemacht, die ihre Führungsrolle vom fachlichen getrennt hatten, und sich im fachlichen auf ihre Mitarbeiter verließen (hat viel mit Vertrauen zu tun). Solchen mußte ich, auch wenn sie keine Ahnung vom Fach hatten, nie Details erklären, weil sie mein Urteil oder Empfehlung wollten, nicht Erklärungen. Chefs, die sich in fachlich-inhaltliche Detaildiskussionen begeben, verpassen meist ihre eigentliche Aufgabe, die Gruppe nach außen zu vertreten und strategische Entscheidungen zu treffen unabhängig vom Detailinhalt, und erzeugen jede Menge Reibungsverluste und Frust bei Mitarbeitern, die es als Mißtrauen auffassen.

Ich habe den leisen Verdacht, dass es im Bundesgesundheitsministerium keine / kaum Experten für Pandemien, Coronaviren, riesige Impfaktionen etc. gibt.

Zumindest lieferte meine Suche nach entsprechenden Stichworten im Organigramm keine Treffer.

Schwarzfahrer 06.12.2021 16:43

Zitat:

Zitat von LidlRacer (Beitrag 1637207)
Ich habe den leisen Verdacht, dass es im Bundesgesundheitsministerium keine / kaum Experten für Pandemien, Coronaviren, riesige Impfaktionen etc. gibt.

Zumindest lieferte meine Suche nach entsprechenden Stichworten im Organigramm keine Treffer.

Im Organigramm meiner Firma findest Du auch nur wenig zu den eigentlichen Expertisen der Mitarbeiter außer sehr "high-level" Begriffe, die man möglichst selten anpassen muß; dafür sind Organigramme auch nicht da.

Und wenn nur der Chef von etwas eine Ahnung hat, bringt das für die eigentliche Arbeit auch nichts, die Fachleute müssen (auch) im Fußvolk sitzen, damit es auch erfolgreich ist.

Sollte aber das Ministerium nach bald zwei Jahren Pandemie tatsächlich noch keine Mitarbeiter haben, die auf diesem Gebiet kompetent sind, dann sollten sie sich hüten, irgendetwas zum Thema zu erlassen; das hieße, im ganzen Ministerium ist keiner, der eine fachliche Empfehlung von außen bewerten kann, oder keiner, der etwas an Logistik organisieren bzw. organisieren lassen kann. Wenn das so wäre, wäre es schlimmer, als es die Reaktion des Innenministeriums auf das Positionspapier des Herrn Kohn im Frühling 2020 vermuten ließ. Andererseits stützt die Berufung des Herrn Breuer genau das Bild solcher Hilflosigkeit. Ich würde zu gern mal so ein Ministerium von innen erleben, um eine Meinung bilden zu können, ohne spekulieren zu müssen.

Hafu 06.12.2021 16:49

Zitat:

Zitat von deralexxx (Beitrag 1637196)
Wir könnten auch einfach 100 Tage warten und sehen, wie sich die Regierung und die Minister schlagen und dann entscheiden.

:Blumen:

Die Position würde ich auch unterstützen und evt. sogar die traditionellen 100 Tage etwas ausdehnen. Die Messlatte für den neuen Bundesgesundheitsminister hat Spahn in den letzten Monaten denkbar niedrig angesetzt.

Im Prinzip wäre ich schon froh, wenn auf diesem Posten jemand mit politischer Erfahrung und Kenntnis des ausßerordentlich komplexen Gesundehitswesen sitzt, der nicht korrupt ist, nicht abhängig von "Parteifreunden" ist, die ihm e-mails zur Prüfung von Provisionsdeals schicken, der gelernt hat, mit laut und aggressiv fordernd auftretenden Lobbyisten und Interessengruppen umzugehen und der auch keine Angst hat Querdenkern und Schwurblern mal auf die Füße zu treten, obwohl dass ja 0,5% Stimmen bei der nächsten Wahl kosten könnte.
Und es wäre auch gut jemanden auf dieser Position zu haben, der bei komplexen Problemen auf den Rat von Experten hört.

All das traue ich Lauterbach im Prinzip zu, aber warten wir am besten erstmal ab, bevor wir ein Urteil abgeben.

MattF 06.12.2021 16:52

Zitat:

Zitat von LidlRacer (Beitrag 1637207)
Ich habe den leisen Verdacht, dass es im Bundesgesundheitsministerium keine / kaum Experten für Pandemien, Coronaviren, riesige Impfaktionen etc. gibt.


Dafür gibt es aber auch RKI, Charite mit Drosten usw. usw..

qbz 06.12.2021 17:04

Zitat:

Zitat von LidlRacer (Beitrag 1637207)
Ich habe den leisen Verdacht, dass es im Bundesgesundheitsministerium keine / kaum Experten für Pandemien, Coronaviren, riesige Impfaktionen etc. gibt.

Zumindest lieferte meine Suche nach entsprechenden Stichworten im Organigramm keine Treffer.

Das RKI ist eine selbständige Bundesoberbehörde und gehört zum Gesundheitsministerium, das die Behörde in weiten Teilen auch finanziert. Die Behörde nimmt die Aufgaben wahr, die von Gesetzen z.B. im Infektionsschutzgesetz vorgegeben sind. Karl Lauterbach wird jetzt quasi oberste Aufsichtsinstanz des RKI, auch wenn das RKI selbständig ist, und die Stelle des Präsidenten (Wieler) z.B. wird von ihm besetzt.

Das ist ja genau auch die Kritik am RKI von seiten der Querdenker, nämlich Erfüllungsgehilfe der Regierung und Pharmaindustrie zu sein.

Hafu 06.12.2021 17:13

Zitat:

Zitat von MattF (Beitrag 1637214)
Dafür gibt es aber auch RKI, Charite mit Drosten usw. usw..

Drosten hat sich seit längerem aus der Politikberatung weitgehend zurückgezogen, weil seine Expertise dort nicht mehr aktiv gefragt war. Hatte er irgendwann im Sommer mal im NDR-Podcast erwähnt.

Das RKI mit Wieler wird sich mutmáßlich über den neuen Bundesgesundheitsminister sehr freuen, denn Wieler war im Spätsommer und Herbst regelrecht verzweifelt, dass das Bundesgesundheitsministerium unter der alten Führung seine beständigen Mahnungen und Warnungen kein bisschen mehr ernst genommen hat und komplett widersprüchliche Signale an die Bevölkerung gesendet hatte (man denke nur an die Kampagne "Holen wir uns das Leben zurück" mit Bildern von privaten Parties, übervollen Popkonzerten und vollen Fußballstadien, Schulen ohne Masken usw.).

Es gibt auf Twitter einen vielgeteilten Ausschnitt aus der Bundespressekonferenz, wo Spahn und Wieler gefragt wurden, ob sie in der Zukunft einander vermissen werden.
Wieler: "Weiß ich nicht, werden wir dann sehen..." nebst vielsagendem Blick. Für solche Aussagen muss man den RKI-Chef einfach feiern.

(Zu Beginn der Pandemie habe ich Wieler auch mal kritisiert, weil er sichtbar unbeholfen im Umgang mit Medien war, was ja bis dahin auch nicht das Metiers eines Chefs auf diesem Posten war. Man muss aber feststellen, dass es wenig Leute gibt, die in den letzten eineinhalb Jahren derart an Profil gewonnen haben wie Wieler und wenn man nach verlässlichen Informationen und Daten sucht gibt es keine zuverlässigere Quelle als das RKI und seine detailliert aufbereiteten täglichen und wöchentlichen Situationsberichte.)

Helios 06.12.2021 17:41

Welche Figur grad auf welchem Sessel sitzt ist dem Virus aber sowas von wurscht
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Ostfriesland: Zeitweise alle Intensivstationen abgemeldet
Stand: 06.12.2021 12:59 Uhr

In Ostfriesland melden immer wieder Krankenhäuser ihre Notaufnahmen und Intensivstationen ab - weil sie voll sind. Rettungsdienste müssen dann weite Strecken bis zur nächsten freien Klinik fahren.
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https://www.ndr.de/nachrichten/niede...tionen116.html


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