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Jörn 17.03.2020 01:50

Zitat:

Zitat von Marsupilami (Beitrag 1517199)
Hafu und andere haben es mehrfach betont: man muss den Maßnahmen Zeit zur Wirkung geben und kann nicht alle 10 Minuten einen draufsetzen...

Das verstehe ich nicht ganz, und ich würde tendenziell eher widersprechen.

Es ist nach meiner Meinung durchaus statthaft, die Maßnahmen zu verschärfen, OHNE erst 14 Tage auf deren Wirkung zu warten. Die Politik braucht erstens etwas Zeit, um die Dinge zu verstehen und in Gang zu bringen. Die Gesellschaft (auch die Wissenschaft) braucht Zeit, um die getroffenen Maßnahmen zu bewerten und zu kommentieren. Es geht dann Zug-um-Zug. Das ist so in einer Demokratie.

Wenn sich am Ende dieses Prozesses herausstellt, dass man besser noch 'ne Schippe drauflegt, dann soll man es nach meiner Meinung so machen.

Während dieser Prozess der Meinungsfindung im Gang ist, kommen durchaus neue Informationen herein, die man vorher nicht hatte oder anders gewichtet hatte: Informationen von anderen Ländern und ihren Erfahrungen, Informationen aus Laboren, Stellungnahmen von Fachverbänden (etwa von Krankenhäusern) und ggfs. neue virologische Erkenntnisse. Das alles muss Politik berücksichtigen und tut es auch.

Man sollte dabei beachten, dass sich die wissenschaftliche Beratung der Bundesregierung nicht völlig einig ist. Zunächst wird die Regierung beraten vom Robert-Koch-Institut und von Herrn Dorsten. Deren Einschätzungen und Empfehlungen werden (teilweise sehr scharf) kritisiert von Herrn Kekulé, dessen Kompetenz ebenfalls unstrittig ist. Andersherum hat der Vizepräsident des RKI die Äußerungen von Hern Kekulé als "völlig unrealistisch" bezeichnet. Also was tun? Es trifft nicht zu, dass die Lage immer völlig eindeutig war.

Politik muss auch die Bereitschaft der Leute abschätzen. Vor ein paar Tagen schien es kaum durchsetzbar, den Leuten erstens den Fußball und zweitens (vermutlich) die Ferien zu streichen. Auch ganze Branchen lahmzulegen (Diskotheken, Theater, Messen, Hotels) ist keine Kleinigkeit, die man mal eben auf Anraten eines Arztes durchführt. Das hat riesige Auswirkungen, die man mal einen Tag lang bedenken muss. Heute, nach ein paar Tagen, lässt es sich durchsetzen. Aber niemand kann sagen: "Das habe ich doch gleich gewusst".

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Ein Bekannter von mir ist Taxifahrer, der mit seinem Verdienst gerade so über die Runden kommt. Seit ein paar Tagen ist der Umsatz nahe Null. Die Kosten des Taxis sind höher als die Einnahmen. Das wird mindestens 5 oder 6 Wochen so weitergehen, und danach wird der Zustand nicht beendet, sondern höchstens milder. Ersparnisse hat er nicht, weil die Profite aus diesem Gewerbe neuerdings bei Uber & Co landen. Was soll er also machen?

Dass diese prekären Entscheidungen in der Politik ein paar Tage Zeit brauchen, und dass zwischendurch neu entschieden wird, halte ich für gerechtfertigt.

Jörn 17.03.2020 02:23

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1517203)
Letztlich ist das doch nur eine Bankrott-Erklärung der Regierung, dass sie im Kampf um eine Begrenzung einer Epidemie versagt hat.

Das Problem Italiens war vom Beginn der Epidemie an, dass sie dort eine gigantische Dunkelziffer an unerkannt Infizierten haben, die da unerkannt und nicht in Quarantäne das Virus in der Bevölkerung weitergegeben haben.
Selbst als es in Italien erst offiziell 200 positiv getestete Fälle gab, also Anfang März, waren dort schon 16 Todesfälle mit Covid-19-Nachweis belegt, d.h. schon damals gab es in Italien über 1000 unerkannte Fälle.

Was folgt Deiner Meinung nach daraus?

Und weil Du ja dauernd gegen die unfähige deutsche Regierung schreibst: Was folgt für die deutsche Regierung? Die beiden Fälle sind ja gerade in diesem Punkt völlig unterschiedlich?

Dass Italien eine merkwürdig hohe Sterberate hatte, und dass eine mögliche Erklärung darin bestehen könnte, dass es viele unerkannte Fälle gab, sehe ich auch so. Dieser Verdacht wurde von Fachleuten bereits früh geäußert.

Aber was folgt daraus? Italien ist ja kein kleines Dorf. Was schlägst Du vor? Hätte man alle Italiener testen sollen? Dazu fehlen die Test-Kits. Kein Land könnte das stemmen, außer vielleicht Monaco oder der Vatikanstaat. Also was tun?

Ist es nicht eher so, dass es reiner Zufall war (und nicht das Versagen der italienischen Regierung), dass aus noch unbekannten Gründen das Virus eingeschleppt wurde und sich schnell verbreitete, bevor es entdeckt werden konnte? Wenn man mit zwei oder zehn Fällen startet und sie sofort entdeckt, dann kann man die Flamme austreten und alle möglichen Betroffenen in Quarantäne stecken. Aber vielleicht startete es mit ein paar hundert, und dann tausend? Wer weiß? Vielleicht bei Veranstaltungen oder durch den Tourismus in Norditalien?

Mir leuchtet der Vergleich mit Deutschland nicht ein. In Deutschland lief es genau andersherum. Es gab kleine Nester, die man schnell erkannte (also anders als in Italien) und mit erheblichem Aufwand bekämpfte. Etwa die Schließung einer Schule, weil in der Straße jemand das Virus hatte. Oder die Ausgangssperre für eine ganze Ortschaft, nachdem dort eine Karnevalssitzung zur Verbreitung sorgte. Ich sehe nicht, dass hier fahrlässig gehandelt wurde. Aber das Virus ist uns dennoch entschlüpft, und niemand kann seriöserweise behaupten, er hätte eine sichere Methode gehabt, das zu verhindern. Oder doch?

Ich verstehe viele Deiner Argumente, aber diesen Punkt verstehe ich nicht, und vielleicht hast Du demnächst etwas Zeit, darauf einzugehen.

trithos 17.03.2020 02:42

Zitat:

Zitat von Jörn (Beitrag 1517234)
Und weil Du ja dauernd gegen die unfähige deutsche Regierung schreibst: Was folgt für die deutsche Regierung? Die beiden Fälle sind ja gerade in diesem Punkt völlig unterschiedlich?

Dass Italien eine merkwürdig hohe Sterberate hatte, und dass eine mögliche Erklärung darin bestehen könnte, dass es viele unerkannte Fälle gab, sehe ich auch so. Dieser Verdacht wurde von Fachleuten bereits früh geäußert.

Aber was folgt daraus? Italien ist ja kein kleines Dorf. Was schlägst Du vor? Hätte man alle Italiener testen sollen? Dazu fehlen die Test-Kits. Kein Land könnte das stemmen, außer vielleicht Monaco oder der Vatikanstaat. Also was tun?

Ist es nicht eher so, dass es reiner Zufall war (und nicht das Versagen der italienischen Regierung), dass aus noch unbekannten Gründen das Virus eingeschleppt wurde und sich schnell verbreitete, bevor es entdeckt werden konnte? Wenn man mit zwei oder zehn Fällen startet und sie sofort entdeckt, dann kann man die Flamme austreten und alle möglichen Betroffenen in Quarantäne stecken. Aber vielleicht startete es mit ein paar hundert, und dann tausend? Wer weiß? Vielleicht bei Veranstaltungen oder durch den Tourismus in Norditalien?

Mir leuchtet der Vergleich mit Deutschland nicht ein. In Deutschland lief es genau andersherum. Es gab kleine Nester, die man schnell erkannte (also anders als in Italien) und mit erheblichem Aufwand bekämpfte. Etwa die Schließung einer Schule, weil in der Straße jemand das Virus hatte. Oder die Ausgangssperre für eine ganze Ortschaft, nachdem dort eine Karnevalssitzung zur Verbreitung sorgte. Ich sehe nicht, dass hier fahrlässig gehandelt wurde. Aber das Virus ist uns dennoch entschlüpft, und niemand kann seriöserweise behaupten, er hätte eine sichere Methode gehabt, das zu verhindern. Oder doch?

Ich verstehe viele Deiner Argumente, aber diesen Punkt verstehe ich nicht, und vielleicht hast Du demnächst etwas Zeit, darauf einzugehen.

Ich möchte Hafu nicht vorgreifen, aber weil ich gerade wach bin ;) :

Ich habe Hafu so verstanden, dass er an der deutschen Vorgangsweise (nicht nur aber vor allem) kritisiert, dass noch Massenveranstaltungen wie Fußballspiele in ausverkauften Stadien und diverse Karnevalsveranstaltungen erlaubt wurden, als sich alle Experten schon einig waren, dass das gelinde gesagt keine gute Idee ist. Man könnte es auch grob fahrlässig nennen.

Fahrlässig war also nicht die von Dir erwähnte Ausgangssperre nach der Karnevalssitzung, sondern die Karnevalssitzung vorher. Man hat schon mit erheblichem Aufwand gekämpft, aber gegen Geister, die man selbst gerufen hatte.

Ähnlich deppert waren ja (wie hier auch schon erwähnt) die Tiroler mit ihrer Vorgangsweise in Ischgl. Zuerst (aus welchen Gründen immer) möglichst lange nichts tun, und erst als die Katastrophe schon angerichtet ist, mit allem was zur Verfügung steht dreinschlagen, ist halt (sehr zurückhaltend formuliert) eine ziemlich fragwürdige Strategie.

Jörn 17.03.2020 03:40

Gut, diese Argumente verstehe ich natürlich.

Jörn 17.03.2020 05:12

Interessant sind die Äußerungen von Peter Hahne (früher Nachrichtensprecher beim ZDF, heute Buchautor) zu den vielen Schließungen und Verboten:
Frage: "Was sagen Sie in dem Zusammenhang mit Kirchenschließungen in Zeiten wie diesen?"

Peter Hahne: "(...) Das Gegenteil wäre richtig: Die Kirchen öffnen, dass Menschen Trost und Hoffnung, Geborgenheit und Gemeinschaft finden. Statt politische Patentrezepte von unberufenen Kirchenfunktionären erwarte ich jetzt einen Aufruf zu weltweitem Gebet.

Warum gibt es nicht längst in allen Gemeinden „Rund-um-die-Uhr-Gebete“, die den allmächtigen Gott in all unserer Ohnmacht für Heilung und Rettung anflehen?! Oder trauen wir Gott nichts mehr zu auf dem synodalen Weg in die Bedeutungslosigkeit?"

(Quelle)
Dies führe ich nur als Indiz dafür an, dass die Maßnahmen unserer Regierung zumindest nicht das allerdümmste sind, was man zu dem Thema beitragen kann.

Kurioserweise trägt sein neues Buch den Titel: "Seid Ihr noch bei Trost!"

Triphil 17.03.2020 06:21

Also das keiner sagen kann man habe gewusst das es so kommt finde ich nicht richtig... Wenn du den Coronathread von Anfang an durchliest (was keiner will)siehst du, wie früh ich mich schon über das Verhalten unserer Regierung zum Thema Corona aufgeregt habe. Ich bin kein Geheimagent oder Hellseher,noch besonders intelligent. Aber wer spätestens Ende Januar oder allerspätestens Mitte Februar noch nicht kapiert hatte was auf uns zu kommt, der konnte sich dies einfach nicht vorstellen,weil es nicht zu unserer heilen Welt passte,zu unserer unbegrenzten Freiheit.
Mich überrascht voll all dem nix. Zum ersten Mal muss ich sagen das ich Bayern cooler finde als Baden-Württemberg. Dieses Rumgeeier hier furchtbar... heute machen wir aber noch Fussball,dass Bad macht zu das nicht,die Schule,die andere nicht...das verunsichert Menschen.In Bayern,zeigt man Linie und ist konsequent. Das fehlte in Deutschland lange, Konsequenz und die braucht es.
Okay,ich habe ein hongfu Bike gekauft und war daher mit China im Austausch,okay ich arbeite in einer Virologie (allerdings habe ich mit Pandemien nix zu tun).. aber das sind keine besondere Zugänge zu geheimen Quellen.

Bestes Beispiel wie ihr alle noch unbedingt in TL's wolltet... Sogar da habt ihr noch nicht verstanden wie ernst die Lage ist. Ich mein das nicht bös, sowieso kommt das einfach daher weil wir keine solche Einschränkungen gewohnt sind,sondern unendliche Freiheit. Für die Chinesin war das keine große Sache,die war jetzt halt Mal 2,5 Monate komplett daheim,in einem Raum!!!

Warum konnte keiner sehen was kommt, nachdem man schön aus dem Weltall sehen konnte,dass China komplett runtergefahren hat,nahezu keine Schadstoffausstöße?? Warum sollte ein Land wie China das machen,wenn nur ein paar ältere Menschen sterben. Spätestens als klar war ,dass es in Europa angekommen ist war es keine Raketenwissenschaft mehr zu sehen was los ist.

Ich drücke uns nur die Daumen,dass wir nicht auch alle komplett daheim bleiben müssen... Wenn's blöd läuft 2 Monate... Das fände ich schrecklich,weil ich sie auch liebe die Natur und die Freiheit.

merz 17.03.2020 07:18

Ich verstehe die niedrigen Todesfallzahlen in Deutschland im Vergleich zu Frankreich, Spanien, Niederlande oder Schweiz nicht, das ist schon sehr stark im Unterschied.Ist es eine Kombination aus vielen realen Faktoren oder unterscheiden sich Kriterien, Zählweise oder Meldewesen?

m.

Übersicht, tlw. älter: https://interaktiv.tagesspiegel.de/l...s-in-echtzeit/

Der Tracker: https://coronavirus.jhu.edu/map.html

RKI: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/...allzahlen.html

ThomasG 17.03.2020 07:34

Es liegt glaube ich in erster Linie daran, dass die anderen Länder nicht so häufig und so früh getestet haben.
In anderen Ländern würde vermutlich mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit Leute getestet, bei denen der Krankheitsverlauf später schwerer verlief bzw. das deutet sich bereits an, als ein Test veranlasst wurde.


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