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El Stupido 01.09.2020 07:35

Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1550442)
Kriegt Ihr Euch jetzt wirklich in die Haare wegen einigen hundert Personen, die meinen, die Bundesrepublik existiert nicht? Für mich haben solche Menschen die politische Relevanz von Flacherdlern.

Unsere Gesellschaft, insbesondere die Justiz und die Polizei, haben wirklich besseres zu tun, als sich mit diesen Politclowns herumzuschlagen.

Es waren eben nicht nur Verschwörungstheoretiker*innen in Berlin, die sich von 5G oder Bill Gates bedroht fühlen. Es waren auch Teile der AfD, der NPD, rechtsradikale Hooligans und Neonazis mit der Nähe am Rechtsterorrismus zugegen. Das alles summiert finde ich dann mit "einige Hundert" stark verharmlost. Und Politclowns sind das eben auch nicht alles.

Unser Bundespräsident sagte gestern:

Zitat:

Wer auf den Straßen den Schulterschluss mit Rechtsextremisten sucht, aber auch wer nur gleichgültig neben Neonazis, Fremdenfeinden und Antisemiten herläuft, wer sich nicht eindeutig und aktiv abgrenzt, macht sich mit ihnen gemein.

Matthias75 01.09.2020 08:17

Zitat:

Zitat von Körbel (Beitrag 1550384)
Du bezeichenst es als abstrus und du bist dir ganz sicher das sie Unrecht haben?
Wer garantiert dir, das du die richtige Seite vertrittst???

Tja das kommt daher, das du mit Sicherheit NUR die videos vom mainstream gesehen hast.
Ich habe da ganz andere Sachen mir angeschaut und festgestellt, das man da sehr wohl einen Unterschied erkennen konnte.
Diese Sachen wurden aber nicht gesendet.

Warum frag ich dich???

Warum sendet man keine videos von friedlich demonstrierenden Menschen???
Warum sendet man nicht das video, als deutsche Polizisten vor der russischen Botschaft ihre Helme abnahmen und nichts mehr taten und sie die Demonstranten gewähren liessen???

Ich sage:
Da wird massiv Zensur betrieben, da wird unterschlagen und einseitig Stimmung gegen unzufriedene Menschen gemacht.

Damals haben wir geklatscht als die Menschen jeden Montagabend in der ehemaligen DDR auf die Strassen gingen und friedlich demonstrierten.
Heute verurteilt man in Gesamtdeutschland den friedlichen Willen des Volkes und das Recht auf Versammlung und Protest.

Gut, dass du weißt, wie ich mich informiere. :Huhu:

Aber bleib doch mal beim Thema. Es ging darum, ob es gerechtfertigt ist, manche der Demonstranten als Spinner zu bezeichnen. Und obwohl das nicht meine Wortwahl in einem öffentlichen Forum wäre, kann ich es durchaus verstehen.

Les dir doch mal die Verschwörungstheorien durch. Die sind so verworren, dass selbst Hollywood das als Drehbuch ablehnen würde. Da werden irgendwelche angeblichen Beweise für wilde Theorien gesammelt und zusammengeworfen, die keiner näheren Prüfung standhalten und von denen im Endeffekt auch keiner weiß, woher sie kommen. Irgendwann kommst du immer an einen Punkt, an dem du dich fragst, woher die Information kommt bzw. an dem du feststellst, dass hier massive Lücken in der Beweis-/Logik-Kette sind.

Vor ein paar Wochen hatte ich z.B. einen Artikel über Attila Hildmann gelesen, den ich leider gerade nicht mehr finde. In dem Artikel wurde er gezielt gefragt, woher er das Wissen über seine Verschwörungstheorie hat. Nach drei, vier Nachfragen war das irgendein Symbol auf irgendeinem Denkmal in den USA. Noch nicht mal ein Text, sondern lediglich ein Symbol. Das heißt, er rennt nur irgendeiner Verschwörungstheorie nach, von der er keine Ahnung hat, woher sie eigentlich kommt.

Und bei diesen Leuten fehlt mir überhaupt ein Ansatz, mit diesen sinnvoll zu diskutieren, wenn diese lieber irgendwelchen verworrenen, nicht bewiesenen/beweisbaren Theorien nachrennen als einer logisch auf der Hand liegenden Erklärung. Wie will man so jemand beikommen.

Dass auch friedlich demonstriert wird und diese Menschen durchaus ein Anliegen haben, das ich auch als wichtiger empfinde als diese Ansichten der Extremisten, die dort mitgelaufen sind, habe ich nie bezweifelt und habe ich auch oben schon geschrieben.

Allerdings habe ich auch das Gefühl, und hatte dies auch schon nach der ersten Demo in Berlin, das die vielen Menschen, die mitlaufen, weil sie mit der Situation unzufrieden sind, von den radikaleren Teilen für deren Zwecke vereinnahmt werden. Ich glaube z.B. nicht, dass alle 38.000 Teilnehmer alle Ansichten der Organisatoren teilen, z.B. dass die Regierung umgehend abdanken muss. Die wollen nur auf ihr Schicksal aufmerksam machen. Der Organisator kann sich aber nachher hinstellen und behaupten, dass seinem Aufruf 38.000 Menschen gefolgt sind.

M.

Klugschnacker 01.09.2020 09:03

Zitat:

Zitat von El Stupido (Beitrag 1550454)
Es waren eben nicht nur Verschwörungstheoretiker*innen in Berlin, die sich von 5G oder Bill Gates bedroht fühlen. Es waren auch Teile der AfD, der NPD, rechtsradikale Hooligans und Neonazis mit der Nähe am Rechtsterorrismus zugegen. Das alles summiert finde ich dann mit "einige Hundert" stark verharmlost. Und Politclowns sind das eben auch nicht alles.

Werfe die nicht alle in einen Topf. Ein AfD-Wähler ist etwas anderes als ein Reichsbürger. Man bläht die Bedeutung von Reichsbürgern sonst unnötig auf. Es handelt sich bei den Reichsbürgern um eine winzige Minderheit. Die Dämlichkeit ihres Anliegens ist so groß, dass es auch stets eine winzige Minderheit bleiben wird. Es reicht, wenn die einschlägigen staatlichen Organe dafür sorgen, dass sie sich nicht bewaffnen. Davon abgesehen haben wir wirklich andere Sorgen.
:Blumen:

Cogi Tatum 01.09.2020 09:46

Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1550461)
...es handelt sich bei den Reichsbürgern um eine winzige Minderheit. Die Dämlichkeit ihres Anliegens ist so groß, dass es auch stets eine winzige Minderheit bleiben wird. ...

Ja. Zustimmung.
Aber qbz zeigt in seinem Beitrag #10393 die Schnittmenge der uneingeschränkt dämlichen Reichsbürger mit anderen Gruppierungen auf (in denen sich nach Meinung einiger auch "normale" Menschen befinden).

keko# 01.09.2020 10:00

Zitat:

Zitat von noam (Beitrag 1550377)
Aber das ist ja in unserer Demostrationskultur unserem Umgang mit "Andersdenkenden" immer so.


Die tatsächlich berechtigten kritischen Stimmen gehen in dem bildgewaltigen Auftreten der Extremen unter:

Das war 2015 bei der Zuwanderung so. Hier wurde die Kritiker sehr zügig in die Naziecke gestellt. Persönliche Erfahrungen wurden schlicht ignoriert.

Weiter gings beim G20. Da haben die Antifakrawallos nahezu die gesamte mediale Aufmerksamtkeit auf sich gezogen bzw. sind im Kopf geblieben. Die unglaublich vielen friedlichen unauffälligen Demonstrationen mit durchaus berechtigter Kritik wurden kaum mehr wahrgenommen oder schnell vergessen.

Und nun ist es bei den Coronademos ähnlich. Die, die aufgrund purer Existenzangst oder berechtigten Zweifeln der richtigen politischen Gewichtung bei der Güterabwägung demonstrieren, gehen in den Demos unter, weil Attila, Reichsbüger, Echsenmenschenkritiker die ganze mediale und politische Aufmerksamkeit auf sich vereinen.



Das finde ich schade, da ich es sehr wichtig finde, dass Politik sich um die Sorgen und Nöte und Ängste aller Bürger kümmert und diese wahrnimmt und diese eben nicht als Meinung von Corvidioten oder Nazis oder sonstigen nicht ernstzunehmenden Gruppen empfindet. Denn ich finde das Anliegen von zB kekos Koch nachvollziehbar. Der mir unbekannte hat sich anscheinend von ganz unten hochgearbeitet und fürchtet jetzt eben wieder nach unten zu fallen, da die Maßnahmen ihm seinen Lebensunterhalt nehmen.


Wenn man sich auf die extremen Ränder konzentriert, hat das meiner laienhaften Meinung nach folgende Vorteile:

- Man hat einen breiten Konsens in der Bevölerkerung hinter sich. Denn wer will schon ausländerfeindlich, chaotisch oder gewaltbereit sein oder als solches gelten? Fast niemand.

- Man kann von möglichereise unangenehmen Fragen, die die eigene Politik betreffen, ablenken: Fragen über Aussenpolitik, Wirtschaftspolitik oder Innenpolitik.

- Vorteil für die Medien: Klicks = Einnahmen.
Ohne es zu wissen vermute ich, dass fahnenschwenkende, gröllende Reichstagseroberer mehr Klicks bringen als mein Koch ohne Schulabschluß, der sich wahrscheinlich wenig redegwand um sein bescheidenen Wohlstand sorgt.

(wie immer ist das nur meine persönliche Meinung - ich mag mich irren!)

Helmut S 01.09.2020 10:04

Zitat:

Zitat von LidlRacer (Beitrag 1550367)
Ich fürchte, man kann hier nicht sehr scharf zwischen Demokraten und Verwirrten bzw. Antidemokraten & Rechtsradikalen unterscheiden.

Nehmen wir als Beispiel einen Hauptorganisator Michael Ballweg. [...]

Zitat:

Zitat von qbz (Beitrag 1550378)
Eine Minderheitsmeinungs zu vertreten und Minderheitsforderungen zu erheben, ist in meinen Augen essentieller Bestandteil einer Demokratie.

Hingegen keinerlei demokratische Legitimation haben [...] seine Aufrufe, eine "verfasssungsgebende Versammlung" durchzuführen. [...]


Ich stimme Euch freilich zu. Wer sich über Querdenken 711 informiert, der geht zu keiner Veranstaltung die von denen organisiert wird. Allerdings darf man m.E. nicht vergessen, dass Wut gepaart mit Ohnmacht selten zu sauber durchdachten Schlüssen und Handlungen führt. Ich kann mir sehr wohl Menschen vorstellen, die im Grunde aufrechte Demokraten sind, alles andere als Extreme oder Verwirrte, allerdings eben die grade genannte Emotionslage haben und deshalb dort hingehen um ihrem Anliegen Gehör zu verschaffen.

Das ist aber gar nicht mein Punkt. Mir geht es um die sprachliche Abgrenzung von Leitmedien und Politik. Wenn zum Beispiel Frank-Walter Steinmeier sagt:


... dann finde ich das unglücklich, dass er als Demonstranten diejenigen bezeichnet, die sich passiv und aktiv nicht distanzieren. Demonstrant ist für mich ein demokratisch belegter Begriff. Mir wäre lieber er würde das sprachlich anders und deutlicher abgrenzen.

Wie gesagt: Ich finde es ebenfalls nicht richtig, zu einer Querdenken711 Veranstaltung zu gehen.

Die Leitmedien müssten deshalb m.E. Ihre Verantwortung zur Meinungsbildung im Vorfeld wahrnehmen. Was hat man denn in den übliche Medien über Querdenken711 gelesen seit Anfang Mai? Es gab den einen oder anderen Artikel, ja. Hier hätte man deutlich häufiger aufklären können. Es bringt nichts mehr für die Entscheidungsfindung eines potentiellen Demonstranten vom 29.08., jetzt im nachhinein zu berichten.

Ja, jeder hat die Verantwortung sich zu informieren. Keine Frage. Ich möchte an der Stelle an die Bemerkung von Andreas Voßkuhle erinnern, der anmerkte, dass liberale Eliten auch dafür verantwortlich sind, dass der Populismus erstarkt. Selbstverständlich war der Ausdruck "liberale Eliten" nicht optimal von Voßkuhle, dass sieht auch der Politologe und Populismusforscher Yascha Mounk so. In der Sache hat er aber recht.

Ich sehe die Leitmedien hier ebenfalls als "liberale Eliten" und in der Verantwortung, ja in der Schuld. Es ist enorm wichtig in einer Demokratie vor allem auch die Mitte der Gesellschaft mitzunehmen - in dem Falle im Vorfeld massiv zu informieren. Anstatt echt auf allen Kanälen Berichte zu bringen, die auf einem Tweet(!) von Kira Jarmysch (Nawalny Sprecherin) beruht, die tiwitterte, dass Nawalny vermutlich(!) vergiftet wurde, hätte man auch etwas mehr über die Bewegung der Corona Gegner schreiben können und wie ihr Verhältnis zu Demokratiefeinden ist.

Ich sehe bzgl. letzten Samstag auch die Politik in der Verpflichtung in erster Linie den Veranstalter Ballweg anzusprechen und zu kritisieren. Abgesehen von seinen eigenen Positionen, ist er zunächst dafür verantwortlich dass eben keine Demokratiefeinde auf seine Veranstaltung kommen. Immerhin hat der Rechtsstaat in Form von VG und OVG ihm überhaupt erst ermöglicht seine Veranstaltung durchzuführen. Der Rechtsstaat hat ihm eine demokratische Veranstaltung genehmigt.

Für mich machen es sich sowohl die Leitmedien als auch die Politik viel zu einfach im Moment.

:Blumen:

Cogi Tatum 01.09.2020 10:30

Zitat:

Zitat von Helmut S (Beitrag 1550474)

Für mich machen es sich sowohl die Leitmedien als auch die Politik viel zu einfach im Moment.

:Blumen:

Eine aus "die Leitmedien" am 01.08, auf der ersten Demo:
https://www.youtube.com/watch?v=qTCmMsWrcJg

Einer aus "die Politik" am 30.08. in Bergisch Gladbach:
https://www.youtube.com/watch?v=SiN9IQXD77E
und am 24.08. in Wuppertal
https://youtu.be/qk7ybhc6K84?t=117

TriAdrenalin 01.09.2020 10:38

Zitat:

Zitat von Matthias75 (Beitrag 1550459)
...

Allerdings habe ich auch das Gefühl, und hatte dies auch schon nach der ersten Demo in Berlin, das die vielen Menschen, die mitlaufen, weil sie mit der Situation unzufrieden sind, von den radikaleren Teilen für deren Zwecke vereinnahmt werden. Ich glaube z.B. nicht, dass alle 38.000 Teilnehmer alle Ansichten der Organisatoren teilen, z.B. dass die Regierung umgehend abdanken muss. Die wollen nur, auf ihr Schicksal aufmerksam machen. Der Organisator kann sich aber nachher hinstellen und behaupten, dass seinem Aufruf 38.000 Menschen gefolgt sind.

M.

Guter Aspekt. Ein Problem sind die Organisatoren/Veranstalter der Demos / Kundgebungen, die den Ausuferungen keinen Einhalt gebieten.


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