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Adept 07.04.2021 12:59

Zitat:

Zitat von deirflu (Beitrag 1594680)
Was ist dein Gegenvorschlag? Keine Maßnahmen und alles einfach laufen lassen wäre wohl auch nicht besser, oder?


Ich hab für Leute die ständig jammern wie schlimm das alles ist und die sich in Ihren persönlichen Freiheiten eingeschränkt fühlen echt kein Verständnis. Wir leben nun mal in einer Weltweiten Krise die nicht so mir nichts dir nichts verschwinden wird.
Bis wir Lösungen finden werden wir uns an den Rhythmus den das Virus vorgibt anpassen müssen, ob uns das Gefällt oder nicht.

Die Kriegsgenerationen hätten sich wohl auch gewünscht das es anders gelaufen wäre, das Leben ist aber kein Wunschkonzert.

Um mich nicht 1000x zu wiederholen: Ich denke, AHA-Regeln plus Eigenverantwortung würden gut genug wirken. Das Verhalten der Bürger pendelt sich mit der Situation ein.

Vor einem Jahr hatten wir eine weltweite Krise, da wussten wir überhaupt nicht, was das für ein Virus ist. Ich sehe hier jetzt keine grössere Krise als weltweite Hungersnot, Umweltverschmutzung und Verfettung der westlichen Gesellschaft. Aber da läuft alles weiter wie bisher...

Ich lese gerade hier viel mehr Jammern, dass die Massnahmen nicht genug sind.

Adept 07.04.2021 13:01

Zitat:

Zitat von tandem65 (Beitrag 1594682)
Du erkennst den Widerspruch?

Nein. Wenn ich was freiwillig mache, erachte ich das nicht als persönliche Einschränkung.

iaux 07.04.2021 13:09

Zitat:

Zitat von deirflu (Beitrag 1594680)
Bis wir Lösungen finden werden wir uns an den Rhythmus den das Virus vorgibt anpassen müssen, ob uns das Gefällt oder nicht.

Die Kriegsgenerationen hätten sich wohl auch gewünscht das es anders gelaufen wäre, das Leben ist aber kein Wunschkonzert.

Klaus Brinkbäumer hat es mMn bei 'OK, America?' ziemlich treffend formuliert, er meinte das 'die Inkompetenz der Politik [in D in Bezug auf Corona] durch überbordende Bürokratie verdeckt' wird.

deirflu 07.04.2021 13:11

Zitat:

Zitat von Adept (Beitrag 1594683)
Um mich nicht 1000x zu wiederholen: Ich denke, AHA-Regeln plus Eigenverantwortung würden gut genug wirken. Das Verhalten der Bürger pendelt sich mit der Situation ein.



Zitat:

Zitat von Adept (Beitrag 1594685)
Nein. Wenn ich was freiwillig mache, erachte ich das nicht als persönliche Einschränkung.

Für dich selbst möge das stimmen. Dass eine breite Bevölkerung aber klare Regeln benötigt um die Pandemie unter Kontrolle zu behalten sollte sich aber mittlerweile herumgesprochen haben.

Gab ja auch ein paar Länder die einen solchen Ansatz der Pandemiebekämpfung verfolgt haben, wie das im großen und ganzen ausgegangen ist wissen wir auch.

Nepumuk 07.04.2021 13:18

Zitat:

Zitat von Adept (Beitrag 1594683)
Vor einem Jahr hatten wir eine weltweite Krise, da wussten wir überhaupt nicht, was das für ein Virus ist. Ich sehe hier jetzt keine grössere Krise als weltweite Hungersnot, Umweltverschmutzung und Verfettung der westlichen Gesellschaft. Aber da läuft alles weiter wie bisher...

Ich lese gerade hier viel mehr Jammern, dass die Massnahmen nicht genug sind.

Die politischen Maßnahmen gehen bei den genannten Krisen auch nicht weit genug, daher läuft das alles so weiter wie bisher - also schlecht. Und du meinst nun, wenn wir bei der zusätzlichen Krise dann auch weiterhin zuwenig zu tun, wird es insgesamt besser? Das kann nicht dein Ernst sein.
Richtig wäre bei allen diesen Krisen mehr zu tun.

deirflu 07.04.2021 13:20

Zitat:

Zitat von iaux (Beitrag 1594688)
Klaus Brinkbäumer hat es mMn bei 'OK, America?' ziemlich treffend formuliert, er meinte das 'die Inkompetenz der Politik [in D in Bezug auf Corona] durch überbordende Bürokratie verdeckt' wird.

In Österreich haben wir ja ähnliche Probleme, ich sehe es aber als etwas einfach alles der Politik zuzuschieben.

Als Politiker muss man immer unterschiedlichste Interessen unter einem Hut bringen, in Zeiten wie diesen sicher einer sehr fehleranfällige Angelegenheit.

Aber es ist halt einfacher auf die Obrigkeit zu schimpfen als wie sich selbst (das Volk) bei der Nase zu nehmen.

gaehnforscher 07.04.2021 13:22

Zitat:

Zitat von Adept (Beitrag 1594683)
Um mich nicht 1000x zu wiederholen: Ich denke, AHA-Regeln plus Eigenverantwortung würden gut genug wirken. Das Verhalten der Bürger pendelt sich mit der Situation ein.

Vor einem Jahr hatten wir eine weltweite Krise, da wussten wir überhaupt nicht, was das für ein Virus ist. Ich sehe hier jetzt keine grössere Krise als weltweite Hungersnot, Umweltverschmutzung und Verfettung der westlichen Gesellschaft. Aber da läuft alles weiter wie bisher...

Ich lese gerade hier viel mehr Jammern, dass die Massnahmen nicht genug sind.

Das "Jammern" beschreibt das gleiche Problem, welches du auch siehst: Es gibt kein wirkliches lösungsorientiertes langfristiges Konzept. So gut wie niemand will einfach nur nen krasseren Lockdown. Es geht darum, auf ein Niveau zu kommen, wo man die neuauftretenden Infektionen und deren Wege gut nachvollziehen und unter Kontrolle halten kann. Wenn es keine unkontrollierte Ausbreitung gibt, können nämlich auch viele Bereiche wieder geöffnet werden.

Was nutzt es einem Gastwirt, wenn er zwar aufhaben darf, aber so gut wie niemand kommt, weil alle (freiwillig) aufgrund der hohen Infektionszahlen lieber darauf verzichten? Was nutzt es einem Künstler ein Konzert spielen zu dürfen, wenn das (zahlende) Publikum (freiweillig) nicht erscheint, weil mit hunderten anderen singend in einer Halle zu stehen bei hohen Infektionszahlen wenig sinnvoll erscheint?

Aber genau das ist m.M.n. das Ziel der "jammernden". Lieber mit einem konkreten Ziel ein paar Wochen zusammenreißen, als dieser ewige Eiertanz, der am Ende auch kaum einen Fortschritt bringt. Machen wir uns nichts vor, bis alle die wollen eine Impfmöglichkeit bekommen, wird sich das noch lange hinziehen.

Adept 07.04.2021 13:23

Zitat:

Zitat von Nepumuk (Beitrag 1594691)
Die politischen Maßnahmen gehen bei den genannten Krisen auch nicht weit genug, daher läuft das alles so weiter wie bisher - also schlecht. Und du meinst nun, wenn wir bei der zusätzlichen Krise dann auch weiterhin zuwenig zu tun, wird es insgesamt besser? Das kann nicht dein Ernst sein.
Richtig wäre bei allen diesen Krisen mehr zu tun.

Man sollte eher richtig priorisieren bzgl. der weltweiten Krisen. Das wird offensichtlich nicht gemacht. Das ist aber ein anderes Thema.

Adept 07.04.2021 13:25

Zitat:

Zitat von gaehnforscher (Beitrag 1594693)
Das "Jammern" beschreibt das gleiche Problem, welches du auch siehst: Es gibt kein wirkliches lösungsorientiertes langfristiges Konzept. So gut wie niemand will einfach nur nen krasseren Lockdown. Es geht darum, auf ein Niveau zu kommen, wo man die neuauftretenden Infektionen und deren Wege gut nachvollziehen und unter Kontrolle halten kann. Wenn es keine unkontrollierte Ausbreitung gibt, können nämlich auch viele Bereiche wieder geöffnet werden.

Was nutzt es einem Gastwirt, wenn er zwar aufhaben darf, aber so gut wie niemand kommt, weil alle (freiwillig) aufgrund der hohen Infektionszahlen lieber darauf verzichten? Was nutzt es einem Künstler ein Konzert spielen zu dürfen, wenn das (zahlende) Publikum (freiweillig) nicht erscheint, weil mit hunderten anderen singend in einer Halle zu stehen bei hohen Infektionszahlen wenig sinnvoll erscheint?

Aber genau das ist m.M.n. das Ziel der "jammernden". Lieber mit einem konkreten Ziel ein paar Wochen zusammenreißen, als dieser ewige Eiertanz, der am Ende auch kaum einen Fortschritt bringt. Machen wir uns nichts vor, bis alle die wollen eine Impfmöglichkeit bekommen, wird sich das noch lange hinziehen.

Ich wollte auf was anderes hinaus: Jede Seite denkt, die anderen Seite jammert (zu unrecht)!

Es ist also reine Ansichtssache.

Helmut S 07.04.2021 13:27

Zitat:

Zitat von deirflu (Beitrag 1594680)
Ich hab für Leute die ständig jammern wie schlimm das alles ist und die sich in Ihren persönlichen Freiheiten eingeschränkt fühlen echt kein Verständnis.

Ich in vielen Einzelfällen schon ehrlich gesagt, weil manche tatsächlich eingeschränkt sind und unter den Einschränkungen stark leiden. Einzelfälle (auch wenn es viele sind) sind im einzelnen ;) halt immer was anderes.

Es gibt aber auch die anderen, die meinst du wahrscheinlich, wo man sich tatsächlich fragt: Warum jammert der den jetzt? Hält der gar nix aus? Was macht denn der, wenn es ihn mal dick trifft?

Evtl. hat das ja mit Folgendem zu tun?

Es gab mal nen Verfassungsrichter und Rechtsphilosophen, der hieß Böckenförde. Der hat gesagt, dass der freiheitliche Staat auf etwas angewiesen ist, was er nicht selbst garantieren kann, denn es liegt nicht in seiner Macht: Die Menschen müssen sich halt vernünftig aufführen ("...innere Haltung haben ... moralisch verfasst sein ..."). Tun sie das nicht, muss er mit staatlicher Autorität eingreifen, was aber dem Freiheitlichen in ihm zuwider läuft. Da hat er schon recht finde ich.

Moralisch verfasst sein bzw. innere Haltung gegenüber der Gesellschaft, den Mitmenschen zu haben verpflichtet den Einzelnen aber halt auch - unter anderem zur Solidarität.

Früher, Ende 17., Anfang 18. aber jedenfalls noch vor Ende des 18. JH, waren die Staaten reine "Rechtestaaten" - der Staat garantierte dir deine Bürgerrechte z.B. - aber auch nicht mehr. Mittlerweile kümmert er sich der Staat um die Bürger im Sinne eines Wertesystems. Es gibt Fürsorge und Vorsorge wie Kinderbetreuung, Sozialversicherungen und Gesundheitssystem. Der Staat kümmert sich um Impfungen und um die allgemeine Hygiene zum Wohle seiner Bürger.

In dem Maße, in dem der Staat sich in positivem Sinne um die Menschen gekümmert hat, in dem Maße in dem moralische Verpflichtung gegenüber anderen durch Gesetze und den Staat geregelt wurden, in dem Maße hat bei den Menschen m.E. auch das Bewusstsein für die gegenseitige Pflicht abgenommen. Man nimmt diese Verpflichtung ("das Recht der anderen auf" uns hat Nietzsche gesagt) selbst kaum noch wahr. Es gibt ja nicht mal mehr Erstazdienst oder ähnlich verpflichtende "Sozialerfahrungen". Der Begriff der Ellbogengesellschaft oder der Ich-Gesellschaft kommt nicht von irgendwo her. Jeder ist sich selbst der Nächste heißt es.

Jetzt kommt plötzlich eine Krise, der Staat greift im Rahmen seiner "modernen" Fürsorgerolle ein und fordert quasi die Pflicht zur Solidarität - deutlich und klar. Gewohnt ist das irgendwie kaum einer . Sehr viele spüren aber, dass es richtig ist und machen mit. Die wissenschaftlichen Erklärungen für Maßnahmen überzeugen zusätzlich. Es gibt aber die Gruppe derjenigen, die sich "nichts vorschreiben lassen" wollen (wie z.B. der völlig untragbare Horst Seehofer) und schon gar nicht vom Staat, dem sie eh misstrauen. Das, also diese Jammerer sind m.E. diejenigen, die sich aus dieser Pflicht stehlen wollen, dass sind diejenigen, die über das objektiv Zumutbare klagen. Sie versuchen mit irgendwelchen - zum Teil abenteuerlichen Interpretationen zur Staatsverfasstheit, zu Grundrechten uvm. Argumente zu finden, warum das so nicht geht und ihre Freiheit sei eingeschränkt. Ja sogar die Abschaffung der FDG oder wenigstens der Demokratie drohe - usw.

Dafür - und hier stimme ich dir zu. Habe ich auch kein Verständnis ehrlich gesagt.


:Blumen:

tandem65 07.04.2021 13:30

Zitat:

Zitat von Adept (Beitrag 1594685)
Nein. Wenn ich was freiwillig mache, erachte ich das nicht als persönliche Einschränkung.

Hast Du die AHA Regeln auch schon vor dem Virus eingehalten?
Also ich nicht. Das schränkt definitiv meine Handlungsmöglichkeiten ein, auch wenn ich es freiwillig mache.
Wenn ich es so wie Du betrachte, dann bedeutet auch ein richtiger Lockdown keine wirkliche Einschränkung für mich. ;)

Tobi F. 07.04.2021 13:32

Helmut, vielen Dank für diesen Text. Sehr toll beschrieben.

deirflu 07.04.2021 13:36

Zitat:

Zitat von Helmut S (Beitrag 1594696)
Jetzt kommt plötzlich eine Krise, der Staat greift im Rahmen seiner "modernen" Fürsorgerolle ein und fordert quasi die Pflicht zur Solidarität - deutlich und klar. Gewohnt ist das irgendwie kaum einer . Sehr viele spüren aber, dass es richtig ist und machen mit. Die wissenschaftlichen Erklärungen für Maßnahmen überzeugen zusätzlich.

Es gibt aber die Gruppe derjenigen, die sich "nichts vorschreiben lassen" wollen (wie z.B. der völlig untragbare Horst Seehofer) und schon gar nicht vom Staat, dem sie eh misstrauen.

Das, also diese Jammerer sind m.E. diejenigen, die sich aus dieser Pflicht stehlen wollen, dass sind diejenigen, die über das objektiv Zumutbare klagen. Sie versuchen mit irgendwelchen - zum Teil abenteuerlichen Interpretationen zur Staatsverfasstheit, zu Grundrechten uvm. Argumente zu finden, warum das so nicht geht und ihre Freiheit sei eingeschränkt. Ja sogar die Abschaffung der FDG oder wenigstens der Demokratie drohe - usw.

Dafür - und hier stimme ich dir zu. Habe ich auch kein Verständnis ehrlich gesagt.


:Blumen:


Sehr ausführlich aber gut geschrieben und ja die meine ich :Blumen:

Schwarzfahrer 07.04.2021 13:39

Zitat:

Zitat von Adept (Beitrag 1594677)
Mich schränkt nicht das Virus ein, sondern die (seit Monaten) massiven Massnahmen, die auch noch keinem Konzept folgen und nicht wissenschaftlich eindeutig belegt sind.

Das sehe ich ähnlich: die Einschränkungen durch das Virus (gebotene Vorsicht) sind vernachlässigbar im Vergleich zu den Einschränkungen durch viele uvnerhältnismäßigen, inkonsequenten Maßnahmen mit häufig fraglicher Wirksamkeit (siehe Gerichtsurteil). Was mich aber noch viel mehr bedrückt ist das Ausmaß der Folgeschäden der Maßnahmen, die aktuell noch oft verdeckt werden, aber langfristige Folgen haben werden.

Nur ein Beispiel, was mich aktuell auf die Palme bringt: Die Lebenshilfe in unserer Region hat eine großartige Struktur aufgebaut, um Behinderte im Alltag zu begleiten, ihen Arbeit und Wohnen zu bieten, ihre Integration zu fördern und ihnen Lebensinhalte (auch Freizeit) zu bieten. Seit über einem Jahr geht wegen der Vorschriften gar nichts, (außer letzten Sommer, wo sie zeigen konnten, daß sie sehr wohl gute Konzepte umsetzen können, um bei minimaler Infektionsgefahr ihre Angebote weiterzuführen. Inzwischen haben sie aber ihre finanziellen Reserven aufgebraucht, und Mitarbeiter verlassen in Scharen das sinkende Schiff. Sie schaffen gerade noch ihre Werkstätten und Wohnheime zu erhalten. Deshalb können sie für den Sommer nicht mal für den Fall einer Normalisierung etwas an Freizeitprogrammen anbieten (Brief kam soeben); unsere behinderten Kinder und jungen Erwachsenen müssen wohl noch ein weiteres Jahr oder länger in sozialer Isolation leben (für die ist das nicht so cool, wie für die "Helden" aus dem berüchtigten Video). Mal sehen, wann die ersten aus den Lebenshilfe-Wohnheimen zu den Eltern heimgeschickt werden, weil die Betreuung nciht mehr gewährleistet ist (in Altersheimen gibt es schon solche Ansätze...) Das, was hier an Strukturen sinnlos vernichtet wurde und noch wird, braucht u.U. viele Jahre, um wieder neu zu entstehen. Und das geschieht an vielen Stellen.
Zitat:

Zitat von Adept (Beitrag 1594677)
Das Virus schränkt mich nicht ein, weil ich die (einfachen) Vorsichtsmassnahmen eigenverantwortlich und freiwillig einhalte.

Natürlich schränken die mich auch ein - wenn ich aber mit entsprechenden und angemessenen Maßnahmen das Leben weiter leben kann, nehme ich sie gerne in Kauf. Schade, daß ich keine Zweitwohnung in Tübingen habe, oder in Texas.
Zitat:

Zitat von deirflu (Beitrag 1594680)
Was ist dein Gegenvorschlag? Keine Maßnahmen und alles einfach laufen lassen wäre wohl auch nicht besser, oder?

Zum x-ten Male: Gegenvorschlag ist, Leben in möglichst vielen Facetten durch Einsatz von Schutzmaßnahmen ermöglichen (s. Tübingen, Impfung, Test, Maske, Abstand - wir haben reichlich Werkzeuge), statt das unmögliche Ziel der "Kontrolle über das Virus" um einen sehr hohen Preis anzustreben.

Schwarzfahrer 07.04.2021 13:53

Zitat:

Zitat von Helmut S (Beitrag 1594696)
Früher, Ende 17., Anfang 18. aber jedenfalls noch vor Ende des 18. JH, waren die Staaten reine "Rechtestaaten" - der Staat garantierte dir deine Bürgerrechte z.B. - aber auch nicht mehr. Mittlerweile kümmert er sich der Staat um die Bürger im Sinne eines Wertesystems. Es gibt Fürsorge und Vorsorge wie Kinderbetreuung, Sozialversicherungen und Gesundheitssystem. Der Staat kümmert sich um Impfungen und um die allgemeine Hygiene zum Wohle seiner Bürger.

In dem Maße, in dem der Staat sich in positivem Sinne um die Menschen gekümmert hat, in dem Maße in dem moralische Verpflichtung gegenüber anderen durch Gesetze und den Staat geregelt wurden, in dem Maße hat bei den Menschen m.E. auch das Bewusstsein für die gegenseitige Pflicht abgenommen. Man nimmt diese Verpflichtung ("das Recht der anderen auf" uns hat Nietzsche gesagt) selbst kaum noch wahr. Es gibt ja nicht mal mehr Erstazdienst oder ähnlich verpflichtende "Sozialerfahrungen". Der Begriff der Ellbogengesellschaft oder der Ich-Gesellschaft kommt nicht von irgendwo her. Jeder ist sich selbst der Nächste heißt es.

Die Beobachtung stimmt. Ich folgere daraus, daß überbordende staatliche Fürsorge zu einer Verkümmerung der Eigenverantwortung führt, zu unmündigen Bürgern, die wie kleine Kinder behandelt werden - was dem Staat entgegenkommt, den Menschen aber schadet, und ihre Bereitschaft, staatliche Anordnungen mitzutragen zunehmend reduziert. Nur weniger staatliche Für- und Vorsorge führt aus diesem Dilemma raus, nach meiner Ansicht, es kann aber eine Generationenaufgabe sein, wieder mehr Eigenverantwortung fürs Leben zu übernehmen, bzw. den Menschen zuzutrauen.
Zitat:

Zitat von Helmut S (Beitrag 1594696)
Jetzt kommt plötzlich eine Krise, der Staat greift im Rahmen seiner "modernen" Fürsorgerolle ein und fordert quasi die Pflicht zur Solidarität - deutlich und klar.

Das ist für mich schon ein Widerspruch: Solidarität ist für mich von Natur aus freiwillig, aus Einsicht und Mitgefühl mit denen, zu denen ich solidarisch sein soll. Wenn es zur Pflicht wird, wird Einsicht irrelevant - was ja zur Sichtweise, daß der Bürger ein unmündiges Kind ist, passt. Dann muß man eben gehorchen - aber ist das noch Solidarität?
Zitat:

Zitat von Helmut S (Beitrag 1594696)
Gewohnt ist das irgendwie kaum einer . Sehr viele spüren aber, dass es richtig ist und machen mit. Die wissenschaftlichen Erklärungen für Maßnahmen überzeugen zusätzlich.

Und viele fragen sich, warum sie gezwungen werden, obwohl sie keine unmündigen Kinder sind, warum ihnen nicht getraut wird, und die wissenschaftlichen Erklärungen überzeugen lange nicht alle (s. diskutiertes Gerichtsurteil...).

MattF 07.04.2021 13:54

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1594702)

Zum x-ten Male: Gegenvorschlag ist, Leben in möglichst vielen Facetten durch Einsatz von Schutzmaßnahmen ermöglichen (s. Tübingen, Impfung, Test, Maske, Abstand - wir haben reichlich Werkzeuge), statt das unmögliche Ziel der "Kontrolle über das Virus" um einen sehr hohen Preis anzustreben.

Viele Leerdenker wollen das Tübinger Modell aber genau nicht.

Wenn man sag: "Testen" rasten sie aus und wollen sich nix vorschreiben lassen.

Dann kommt: "Bevor ich mich testen lasse um ins Lokal zu gehen, bleib ich daheim und behalte mein Geld."

iaux 07.04.2021 14:03

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1594635)
Gähn...
Schon so oft durchgekaut. Als ob die Pandemie erst gestern begonnen hätte.

Das denke ich mir auch jedes Mal, wenn ich Aussagen von Politkern höre:liebe053:

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1594635)

-Bei niedrigen Inzidenzen lassen sich Infektherde nachverfolgen und machen Testkonzepte erst einen Sinn.

Das mit dem Nachverfolgen hat zu keiner Zeit funktioniert, man spricht andauernd von einem diffusem Infektionsgeschehen...

Zu den Testkonzepten gibt es auch gegenteilige Ansichten[/quote]


Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1594635)
-Jede Woche Zeitgewinn hilft wegen der jetzt endlich in der Masse angelaufenen Impfkampagne bei der Rückkehr in das normale Leben
-Durchimpfung bei hohen inzidenzen fördert sog. Escape-Mutationen, d.h. bei dem sich sowieso häufig veränderndem Sars-Cov2 selektiert man gezielt die Mutationen, gegen die die Impfung nur eine eingeschränkte Wirkung hat.

Das is jetzt mal deine Meinung, wenn man 'jede Woche' wortwörtlich nimmt. 2-3 Wochen harten Lockdown (wie hart, ist eigentlich hart?) und dann? Die Inzidenz ist dann bei 50, geimpft sind dann 15-20 Mio Deutsche. Da B117 deutlich ansteckender ist, eine Expositionszeit von nur einer einzigen Sekunde genügt schon, um sich anzustecken, dann sehe ich beim besten Willen nicht, wie uns 2-3 Wochen weiterhelfen sollen.

Und auch die Escape-Mutation ist schon da. Um den Impfstoff zu ändern braucht es 6-8 Wochen, dann steht aber auch noch kein Impfstoff millionenfach zur Verfügung. Und bis man den Impfstoff ohne klinische Studien anpassen darf, wird noch auf das Ergebnis einer Studie gewartet, welche 4-5 Monate in Anspruch nimmt.

Irgendwann hat man den Vorschlaghammer rausgeholt und schwingt den immer wieder und vergisst dabei zu tanzen...:Blumen:

Roini 07.04.2021 14:04

Zitat:

Zitat von MattF (Beitrag 1594705)
Viele Leerdenker wollen das Tübinger Modell aber genau nicht.

Wenn man sag: "Testen" rasten sie aus und wollen sich nix vorschreiben lassen.

Dann kommt: "Bevor ich mich testen lasse um ins Lokal zu gehen, bleib ich daheim und behalte mein Geld."

War das Absicht oder Autokorrektur :Lachanfall: :Lachanfall:

keko# 07.04.2021 14:16

Zitat:

Zitat von MattF (Beitrag 1594705)
Viele Leerdenker wollen das Tübinger Modell aber genau nicht.

Wenn man sag: "Testen" rasten sie aus und wollen sich nix vorschreiben lassen.

Dann kommt: "Bevor ich mich testen lasse um ins Lokal zu gehen, bleib ich daheim und behalte mein Geld."

Ja und?

Bei mir geht es nicht ums Vorschreiben lassen, sondern Bequemlichkeit:

"Bevor ich in einem Laden einen Termin ausmache [evtl. noch einen weitern für den Umtausch] bestell ich einfach bei Amazon" :Huhu:

"Der Markt wird´s schon richten" (hört man doch immer überall) :Cheese:

MattF 07.04.2021 14:25

Zitat:

Zitat von keko# (Beitrag 1594712)
Ja und?

Bei mir geht es nicht ums Vorschreiben lassen, sondern Bequemlichkeit:

Egal aus welchem Grund, auch mit dem Tübinger Modell kommen wir nicht zur Normalität zurück

Entweder bleiben die Leute daheim aus Bequemlichkeit oder aus Angst oder aus Wut aufs System. :Huhu:

Immer leiden die kleinen Geschäfte und es gibt Einchränkungen.

Schwarzfahrer 07.04.2021 14:39

Zitat:

Zitat von MattF (Beitrag 1594714)
Egal aus welchem Grund, auch mit dem Tübinger Modell kommen wir nicht zur Normalität zurück

Entweder bleiben die Leute daheim aus Bequemlichkeit oder aus Angst oder aus Wut aufs System. :Huhu:

Immer leiden die kleinen Geschäfte und es gibt Einchränkungen.

Angeblich sind Deine "Leerdenker" ja eine sehr kleine Minderheit - daran würde es dann kaum scheitern - als Ausrede, es nicht zu tun, ist es mir auf jeden Fall zu dünn. In Tübingen reichen wohl die testwilligen Besucher für eine Normalität, die näher am alten ist, als alles sonst. Wer bei diesen Möglichkeiten zu Hause bleibt, tut es dann nur noch freiwillig, und nicht unter Zwang - ist dann seine private Entscheidung. Es wird auch noch viele geben, denen das Restrisiko nach dem Test noch zu hoch ist (kürzlich meinte jemand zu mir: ich will gar nichts von Wahrscheinlichkeiten hören; auch wenn die Wahrscheinlichkeit 1: 10 Millionen ist, infiziert zu werden, will ich es nicht bekommen, also machte es keinen Unterschied, ob das Risiko 1:10 oder 1:10 Millionen ist, ich verhalte mich immer gleich). Der Rest kann wieder leben, und der Staat spart auch noch jede Menge Geld (in Tübingen kosten die Tests ca. 5x weniger, als Lockdown, habe ich irgendwo gelesen.)

Helmut S 07.04.2021 14:42

@Schwarzfahrer: Das ich insgesamt zu völlig anderen Schlüssen komme wie du, habe ich dir ja vor geraumer Zeit, genauer vor einigen Monaten schon erläutert. Auch das ich ein völlig anders Weltbild habe als du.

Ich bin nach wie vor der Meinung, dass dein unter Eigenverantwortung beschriebener Ansatz nichts weiter ist als ein egozentrisches Weltbild. Was du in letzter Konsequent forderst ist - je nach Stimmungslage leicht differenziert - das der Staat den Schutz der Schwachen aufgeben und so eben gerade nicht Freiheit für alle gewährleistet, sondern nur für die Starken.

Die Sichtweise, dass Solidarität keine vitale gesellschaftliche Pflicht des Einzelnen, neben den in Rechtsnormen gegossenen Werten unserer Gesellschaft sei, sondern Freiwilligkeit - damit kann ich nichts anfangen. Deine Begründung passt außerdem ja so gar nicht zu deinem "Freiwilligkeitstheorem". Während bei mir die objektive Tatsache, Mitglied in einer Gesellschaft zu sein, zur Solidarität verpflichtet (und ich deshalb auch dem Staat die Regelungsmacht i.S.s. Fürsorgepflicht zubillige), ist es bei dir die subjektive Emotion Mitgefühl und eine auf was auch immer basierte subjektive Einsicht, auf Basis derer du dich freiwillig entscheidest solidarisch zu sein - oder halt auch nicht.

Wahrscheinlich, wenn das Mitgefühl gerade nicht groß genug ist oder du es einfach ignorierst oder du gerade nicht zur Einsicht kommst; ich weiß es nicht. Wenn jedenfalls die Fähigkeit des Menschen zum Mitgefühl und sofern es dann vorhanden ist, keine moralische Pflicht zur Solidarität begründet, sondern Basis für Freiwilligkeit sein soll, dann weiß ich auch nicht.

Ich denke auch ehrlich, dass ich rein intellektuell nicht mehr in der Lage bin, mein Weltbild in einer Debatte mit dir großartig insofern zu verändern, dass ich im Rahmen dieses Threads eine andere Sicht auf "Corona" bekommen würde. Ich finde leider keinen Ankerpunkt für eine gemeinsame Debatte.

Der HaFu hat letztes irgendwo den Gadamer zitiert. Gadamer hat ja für ein echtes Verständnis gefordert, dass man sich seiner Voreingenommenheit bewusst sein soll. Deine Gedanken sind mir aber halt schlicht und einfach völlig fremd. Irgendwie fühlt sich das für mich an als würde ich Sanskrit lesen :Lachen2: Nichts gegen dich persönlich, aber let's face it: Das matched inhaltlich nicht ;)

Warum hab ich dann überhaupt was geschrieben? Nun, ich hatte das Gefühl, dass gehört sich so. Also auch nicht ganz freiwillig ;)

:Blumen:

keko# 07.04.2021 14:43

Zitat:

Zitat von MattF (Beitrag 1594714)
Egal aus welchem Grund, auch mit dem Tübinger Modell kommen wir nicht zur Normalität zurück

Entweder bleiben die Leute daheim aus Bequemlichkeit oder aus Angst oder aus Wut aufs System. :Huhu:

Immer leiden die kleinen Geschäfte und es gibt Einchränkungen.

Normalität?

Ich bin ein alter Mann, wohne 800m entfernt von einem großen Media-Markt. Ich erinnere mich, als er aufgemacht wurde und sich viele Fach- und Elektrohändler ärgerten und meinten, das sei ihr Ende. So kam es dann mit den Jahren auch.
Nun kam Corona. Der Media-Markt wurde zeitweise geschlossen. Wie ich kürzlich in der Zeitung vernehmen konnte, kommt eine Stellenabbau beim Media-Markt. Früher oder später trifft es auch meinen Media-Markt.
Am Ende bleiben die ganz großen Fische übrig, die Digitalgiganten mit ihren Plattformen. Das wird die Normalität sein.
Corona hat manche Superreiche noch superreicher gemacht. Die Börse freut sich. Die Aktionäre stecken fette Gewinne ein.
Was interessiert da ein paar kleine Händler und Geschäfte?

:Blumen:

Hafu 07.04.2021 14:49

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1594716)
... In Tübingen reichen wohl die testwilligen Besucher für eine Normalität, die näher am alten ist, als alles sonst. ...

Seit gestern nachmittag haben die vorübergehend geöffeten Außengastronomie/ Biergärten in Tübingen übrigens bereits wieder geschlossen.

Soviel "Normalität" bleibt da also im Vergleich zu anderen Regionen in Deutschland nicht mehr übrig.

LidlRacer 07.04.2021 14:53

Zitat:

Zitat von iaux (Beitrag 1594706)
Das mit dem Nachverfolgen hat zu keiner Zeit funktioniert, man spricht andauernd von einem diffusem Infektionsgeschehen...

Es hat im letzten Sommer funktioniert. Da müssen wir wieder hin.
Und da können wir auch wieder hin, wenn wir wollen.

keko# 07.04.2021 15:24

Zitat:

Zitat von LidlRacer (Beitrag 1594720)
Es hat im letzten Sommer funktioniert. Da müssen wir wieder hin.
Und da können wir auch wieder hin, wenn wir wollen.

Kürzlich konnte ich in der Financial Times lesen, dass dies wohl nur glücklichen Umständen geschuldet war.

Tobi F. 07.04.2021 15:32

Letzten Samstag hatte ich meinen ersten Test machen lassen, bei dem man in die Nase geht. Ich fand es jetzt nicht schlimm, aber angenehm ist etwas Anderes.
Bevor ich mich jetzt für jeden Einkauf testen lasse, frage ich mich dann dreimal mehr, ob das sein muss, oder ob ich es bei Online-Händlern bestelle.

Daher kam mir gerade ein Gedanke.
Wäre es ein gangbarer Weg, die Läden in Grüppchen zu betreten.
Also z.B. 10 Leute für 20min, die vorher gemeinsam einen Spucktest machen.
Das scheint doch in der Schule schon durchaus eine hohe Testabdeckung bei einfacher Handhabung. (Auch wenn ich mir nicht sicher bin, wie gut der Test trifft)

Die Akzeptanz wäre bestimmt viel höher.
Und der (zugegeben vielleicht einfachere) Test würde trotzdem eine höhere Umsicht der Menschen in dieser Situation erzielen, als sie z.B. auf privaten Grillfeiern wäre.

Vermutlich hab ich das auch (wieder) nicht ausreichend durchdacht, und die Leute die sich dauerhaft mit solchen Fragestellungeen beschäftigen sind auf die Idee auch schon gekommen.

Schwarzfahrer 07.04.2021 15:36

Zitat:

Zitat von Helmut S (Beitrag 1594717)
@Schwarzfahrer: Das ich insgesamt zu völlig anderen Schlüssen komme wie du, habe ich dir ja vor geraumer Zeit, genauer vor einigen Monaten schon erläutert. Auch das ich ein völlig anders Weltbild habe als du.

Ich bin nach wie vor der Meinung, dass dein unter Eigenverantwortung beschriebener Ansatz nichts weiter ist als ein egozentrisches Weltbild. Was du in letzter Konsequent forderst ist - je nach Stimmungslage leicht differenziert - das der Staat den Schutz der Schwachen aufgeben und so eben gerade nicht Freiheit für alle gewährleistet, sondern nur für die Starken.

Danke für die klaren und ehrlichen Worte. :Blumen: Ja, wir haben sehr unterschiedliche Vorstellungen - ich werde Dich auch nicht auf meine Seite ziehen wollen, so wie ich nicht Deine Sicht teilen kann, aber wir werden beide einsehen müssen, daß es unterschiedliche Sichtweisen gibt, die schwer vereinbar sind.
Eine kleine Korrektur zum Zitat oben: ich fordere nicht, daß der Staat den Schutz der Schwachen aufgibt - er soll sich schon am Schutz der Schwachen beteiligen, aber ansonsten soll er sich aus dem Leben der Mehrheit so weit wie möglich heraushalten, und auch sich nicht bemüßigt fühlen, Gleichheit herzustellen; Chancengleichheit reicht vollkommen. Ich erwarte eben keine allgemeine staatliche Für- und Vorsorge für alle.
Zitat:

Zitat von Helmut S (Beitrag 1594717)
Während bei mir die objektive Tatsache, Mitglied in einer Gesellschaft zu sein, zur Solidarität verpflichtet (und ich deshalb auch dem Staat die Regelungsmacht i.S.s. Fürsorgepflicht zubillige), ist es bei dir die subjektive Emotion Mitgefühl und eine auf was auch immer basierte subjektive Einsicht, auf Basis derer du dich freiwillig entscheidest solidarisch zu sein - oder halt auch nicht.

Zum "oder auch nicht": ja Solidarität setzt für mich auch eine gewisse Gemeinsamkeit der Werte voraus, und ist nicht allein in der zufälligen Zusammengehörigkeit in einem Staat oder einer sozialen Klasse begründet. Ich kann auch mit den gleichen Leuten mal solidarisch sein in einer Sache, oder mich stark distanzieren in einer anderen. Eine Soliditätspflicht fühlt sich für mich entkernt, sinnleer an, da ich, um diese zu befolgen, ggf. gegen meine eigene Meinung und Überzeugung zu etwas stehen müsste.
Zitat:

Zitat von Helmut S (Beitrag 1594717)
Gadamer hat ja für ein echtes Verständnis gefordert, dass man sich seiner Voreingenommenheit bewusst sein soll.

Natürlich bin ich voreingenommen, geprägt durch meine Erfahrungen (unter anderem aus einem Leben, als "moralische Pflicht", "Solidarität" als leere Worthülsen überstrapaziert wurden, aber auch aus einer Erziehung, die gerade angesichts eines solchen Systems zu maximalen Eigenverantwortung und Verantwortungsbewußtsein gedrängt hat, statt sich auf einen wie auch immer "wohlwollenden" Staat zu verlassen). Ich bin mir aber auch bewußt, das dies für viele Menschen schwer nachzuvollziehen ist, die vielleicht weniger Mißbrauch dieser schönen Ideale erlebt haben.

Hafu 07.04.2021 15:39

Zitat:

Zitat von keko# (Beitrag 1594726)
Kürzlich konnte ich in der Financial Times lesen, dass dies wohl nur glücklichen Umständen geschuldet war.

Der glückliche Umstand war, dass die Menschen in Deutschland im ersten Lockdown unter dem Eindruck der Bilder von Leichentransport-Konvois in Bergamo weit mehr ihre Kontakte einschränkten als es damals von der Politik "vorgeschrieben" war und deshalb die Inzidenz erstens nie auch nur ansatzweise auf das aktuelle 2021er-Niveau angestiegen ist und zweitens der Lockdown durchgehalten wurde, bis die Inzidenz auf ein NoCovid-Niveau (das damals aber noch nicht so hieß) abgesunken war.
Schau dir mal die Worldometer-Kurve für Deutschland vom März/April 2020 an.. Der Lockdown begann bei 4000 Covid-19-Fällen pro Tag und wenige Tage nachdem der 1. deutsche Covid-19-Todesfall gemeldet worden war. Ein einziger Toter und dann gleich ein landesweiter Lockdown. Das muss man sich mal aus heutiger Sicht vorstellen und man merkt auch wie egal uns innerhalb eines Jahres mit immer mehr Covid-19-Toten und Erkrankungsfällen die Einzelschicksale geworden sind.

Damals hat niemand gefordert, dass man erstmal warten solle, bis wenigstens 5000 oder 6000 Covid-Patienten auf der Intensivstation liegen, bevor man handelt.

Schwarzfahrer 07.04.2021 15:43

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1594719)
Seit gestern nachmittag haben die vorübergehend geöffeten Außengastronomie/ Biergärten in Tübingen übrigens bereits wieder geschlossen.
Soviel "Normalität" bleibt da also im Vergleich zu anderen Regionen in Deutschland nicht mehr übrig.

So wie ich den Vorgang verstehe, ist in Tübingen selbst alles stabil, 1 von ca. 1000 Tests positiv, Inzidenz auf 82 gefallen (kein Anstieg!), keine besonderen Vorkommnisse. Das Schließen ist ein Kompromiss, um den steigenden Zahlen im (nicht "geöffneten") Umland und deren Unmut darüber, daß Tübingen "bevorzugt wird" Rechnung zu tragen. Klingt eher nach "wenn wir nicht dürfen, sollen dies es auch nicht". Man könnte die Gemüter auch beruhigen, wenn man die Methode aufs Umland ausweitet (und reduziert den Test-Tourismus), aber das ist dann keine politische Lösung...
Zitat:

Zitat von LidlRacer (Beitrag 1594720)
Es hat im letzten Sommer funktioniert. Da müssen wir wieder hin.
Und da können wir auch wieder hin, wenn wir wollen.

Wenn das im Sommer wirklich so perfekt funktioniert hätte, hätte man doch den Anstieg im Herbst verhindern können müssen - oder waren im September die Gesundheitsämter für ein paar Wochen geschlossen?

Matthias75 07.04.2021 15:44

Zitat:

Zitat von LidlRacer (Beitrag 1594720)
Es hat im letzten Sommer funktioniert. Da müssen wir wieder hin.
Und da können wir auch wieder hin, wenn wir wollen.

Ich habe letzten Sommer schon Zweifel gehabt, dass das alle wollen und habe es jetzt noch mehr.

Schon letzten Sommer/Herbst gab es Einzelfälle, die sich trotz positivem Testergebnis und/oder Rückreise aus Hochrisikogebieten nicht bzw. nicht ganz freiwillig beim Gesundheitsamt gemeldet haben. Ich sehe keinen Grund, warum dies dieses jähr besser werden sollte.

Auch das Thema Testen wird nicht durchgehend funktionieren.

In den Schulen müssen sich die Eltern schriftlich damit einverstanden erklären, dass ihre Kinder getestet werden dürfen. Es gibt hier Eltern, die das Testen als Eingriff in die Persönlichkeitsrechte o.ä. sehen, bei einem positiven Test eine Stigmatisierung des Kindes befürchten etc. und dementsprechend das Einverständnis verweigern wollen. Was passiert in diesem Fall? hat die Schule das Recht, diesen Kindern die Teilnahme am Unterricht zu verwehren?

Mein Arbeitgeber stellt Tests zur Verfügung. Diese sollen aber zu Hause durchgeführt werden bevor man sich auf die Weg zur Arbeit macht. Macht ja auch durchaus Sinn. Problem ist, dass keiner die Test kontrolliert. Wenn der Mitarbeiter also trotz positivem Test zur Arbeit geht, weil er sich gesund fühlt, bekommt das keiner mit.

Aus meiner Sicht alles Maßnahmen, die von denen, die die Pandemie bisher ernst genommen haben, befolgt werden, die aber von denjenigen, die die Pandemie nicht ernst nehmen und/oder leugnen auch einfach umgangen werden können.

M.

Hafu 07.04.2021 15:48

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1594731)
...
Wenn das im Sommer wirklich so perfekt funktioniert hätte, hätte man doch den Anstieg im Herbst verhindern können müssen - oder waren im September die Gesundheitsämter für ein paar Wochen geschlossen?

Du weißt die Antwort doch selber, oder etwa nicht?

Die Rückreisewelle nach zehntausendfachem Sommerurlaub ohne konsequente Test- und Quarantänestrategie brachte die Inzidenz wieder in einen unkontrollierbaren Bereich.
Den Thread hier im Forum gab es damals übrigens auch schon.

LidlRacer 07.04.2021 15:49

Zitat:

Zitat von keko# (Beitrag 1594726)
Kürzlich konnte ich in der Financial Times lesen, dass dies wohl nur glücklichen Umständen geschuldet war.

Welche Umstände? Gibt's den Artikel online?

LidlRacer 07.04.2021 15:57

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1594731)
So wie ich den Vorgang verstehe, ist in Tübingen selbst alles stabil, 1 von ca. 1000 Tests positiv, Inzidenz auf 82 gefallen (kein Anstieg!), keine besonderen Vorkommnisse.

Gestiegen, nicht gefallen.

"Die Sieben-Tage-Inzidenz in Tübingen war zuletzt stark gestiegen und betrug am Dienstag nach Angaben des Gesundheitsministeriums 73,2 und im Landkreis 99,3. Am Vortag hatten die Werte noch bei 82,0 in Tübingen und bei 108,9 im Kreis gelegen. Allerdings sind die Zahlen nur bedingt aussagekräftig, weil an den Osterfeiertagen weniger Tests durchgeführt und gemeldet wurden.

Wenn sich der Anstieg der Fallzahlen in Tübingen trotz der nun vorgesehenen Maßnahmen wieder fortsetze und das Infektionsgeschehen zu- statt abnehmen sollte, müsse weiter gegengesteuert oder im Zweifel doch eine Unterbrechung des Projekts erfolgen, sagte Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) im Anschluss an das Gespräch."
https://www.swr.de/swraktuell/baden-...uehrt-100.html

Schwarzfahrer 07.04.2021 15:58

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1594733)
Du weißt die Antwort doch selber, oder etwa nicht?

Die Rückreisewelle nach zehntausendfachem Sommerurlaub ohne konsequente Test- und Quarantänestrategie brachte die Inzidenz wieder in einen unkontrollierbaren Bereich.
Den Thread hier im Forum gab es damals übrigens auch schon.

Kann man damit erklären. Nur, wenn das der Grund war, ist dann das Versprechen, ab niedrigen Inzidenzen mit Nachverfolgung alles im Griff haben zu können und Normalität zu ermöglichen, Unsinn, da offensichtlich ein ganz alltäglicher Lebensumstand (Urlaub, Reisen) alles über den Haufen werfen kann. Die Nachverfolgung klappt also nur, wenn die beobachtete Menschenkohorte abgegrenzt wird gegenüber allen anderen und eine Durchmischung verhindert oder zumindest stark überwacht und begrenzt wird. Ist das eine Langzeitperspektive?

Schwarzfahrer 07.04.2021 16:00

Zitat:

Zitat von Matthias75 (Beitrag 1594732)
Mein Arbeitgeber stellt Tests zur Verfügung. Diese sollen aber zu Hause durchgeführt werden bevor man sich auf die Weg zur Arbeit macht. Macht ja auch durchaus Sinn. Problem ist, dass keiner die Test kontrolliert. Wenn der Mitarbeiter also trotz positivem Test zur Arbeit geht, weil er sich gesund fühlt, bekommt das keiner mit.

Bei uns muß jeder eine Dokumentation (Foto mit Datum) seines Tests vorweisen können (bis zu vier Wochen lang nach dem Test). Um das zu fälschen, gehört schon viel kriminelle Energie dazu - hältst Du das für ein häufiges Problem bei Arbeitnehmern in diesem Land?

LidlRacer 07.04.2021 16:02

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1594731)
Wenn das im Sommer wirklich so perfekt funktioniert hätte, hätte man doch den Anstieg im Herbst verhindern können müssen - oder waren im September die Gesundheitsämter für ein paar Wochen geschlossen?

Natürlich hätte man das verhindern können und müssen.
Da habe ich auch rechtzeitig drauf hingewiesen, aber auf mich hört ja keiner.
Hätte uns u.a. zigtausend Tote erspart.
:Weinen:

Jimmi 07.04.2021 16:04

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1594740)
Bei uns muß jeder eine Dokumentation (Foto mit Datum) seines Tests vorweisen können (bis zu vier Wochen lang nach dem Test). Um das zu fälschen, gehört schon viel kriminelle Energie dazu - hältst Du das für ein häufiges Problem bei Arbeitnehmern in diesem Land?

Bei uns muss das keiner dokumentieren. Alles freiwillig.

Und so lange das so ist, bin ich mir sicher, dass es Kollegen gibt, die nicht testen, aber behaupten es zu tun.

Stefan 07.04.2021 16:05

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1594739)
....da offensichtlich ein ganz alltäglicher Lebensumstand (Urlaub, Reisen) alles über den Haufen werfen kann......

Egal wie häufig Du uns erzählst, dass Urlaube normal, alltäglich und ein Grundrecht sind. In einer Pandemie sind sie nicht "alltäglich".

Ich fände es wichtiger, dass durch (z.B. Reiseverzicht) die Zahlen in einem Bereich gehalten werden können, in welchem Dein Sohn wieder regelmässig seine Einrichtung besuchen kann.

Matthias75 07.04.2021 16:05

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1594739)
Kann man damit erklären. Nur, wenn das der Grund war, ist dann das Versprechen, ab niedrigen Inzidenzen mit Nachverfolgung alles im Griff haben zu können und Normalität zu ermöglichen, Unsinn, da offensichtlich ein ganz alltäglicher Lebensumstand (Urlaub, Reisen) alles über den Haufen werfen kann. Die Nachverfolgung klappt also nur, wenn die beobachtete Menschenkohorte abgegrenzt wird gegenüber allen anderen und eine Durchmischung verhindert oder zumindest stark überwacht und begrenzt wird. Ist das eine Langzeitperspektive?

Die Alternative wäre die so häufig zitierte Eigenverantwortung. Das heißt, Reiserückkehrer machen freiwillig einen Test, bleiben bis zum Testergebnis zu Hause und vermeiden Kontakte, melden positive Ergebnisse etc..

Hat letztes Jahr eben nicht funktioniert. Ich kann hier im erweiterten Bekanntenkreis eine Handvoll Beispiele auszählen, die sich an mindestens einen der Punkte nicht gehaltne haben.

Nebenbei: Für die meisten wird der Urlaub/die große Reise nicht der "alltägliche Lebensumstand" sein, sondern ein- oder zweimal im Jahr vorkommen (kleinere inländische Reisen mal ausgenommen). Da sollte es nicht zuviel verlangt sein, vorher und nachher einige Vorsichtsmassnahmen zu beachten.

M.


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