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Hafu 18.08.2021 09:43

Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1617798)
Es handelt sich offenbar um ein Terror-Regime. Der Terror ist der Grund, warum keiner aufmuckt. Es gelten keine zivilisierten Regeln mehr. Wer aufmuckt, riskiert sein Leben.

Das ist noch nicht so ganz klar. Was du widergibst ist die Lesart der westlichen Geheimdienste sowie vieler Exil-Afghanen, die Afghanistan vor 20 Jahren den Rücken gekehrt und damals ihre (angesichts der damaligen Ereignisse nachvollziehbare) Meinung gebildet haben. Die westlichen Geheimdienste sind einer katastrophalen Fehleinschätzung unterlegen, hinsichtlich der Frage, wie sich die üver 20 Jahre aufgebauten Regierungsstrukturen in Afghanistan gegen einen Versuch der Machtübernahme durch die Taliban wehren würden und wie lange insbesondere Kabul einer Eroberung durch die Taliban standhalten würde.
Angesichts dieser beispiellosen Fehlleistung würde ich in den Raum stellen, dass man der augenblicklichen Einschätzung der Taliban als Terror-Organisation durch genau dieselben Experten ein deutliches Mistrauen entgegenbringen sollte.

UN-Organisationen wie z.B. die Unicef arbeiten seit längerem gut mit den Taliban zusammen. Die UN plant derzeit im Gegensatz zu den USA oder Deutschland auch keine Evakuierung ihres Personals vor Ort.


Zitat:

Zitat von UN
..."We have ongoing discussions, we are quite optimistic based on those discussions," UNICEF's chief of field operations in Afghanistan, Mustapha Ben Messaoud, told a U.N. briefing, adding that 11 out of 13 field offices were currently operational.

"We have not a single issue with the Taliban in those field offices."...Rupert Colville, spokesman for Michelle Bachelet, the U.N. High Commissioner for Human Rights, said the worries of many Afghans about the Taliban were "thoroughly understandable".

"We call on the Taliban to demonstrate through their actions, not just their words, that the fears for the safety of so many people from so many different walks of life are addressed," he said.

Unlike many countries which are scrambling to evacuate their diplomats from the country, the United Nations does not plan staff evacuations and is appealing for additional aid for its operations amid warnings of growing humanitarian needs.


Klugschnacker 18.08.2021 09:56

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1617803)
Angesichts dieser beispiellosen Fehlleistung würde ich in den Raum stellen, dass man der augenblicklichen Einschätzung der Taliban als Terror-Organisation durch genau dieselben Experten ein deutliches Mistrauen entgegenbringen sollte.

Wenn das kein Terror-Regime ist, wozu dann die Maschinengewehre?

Die Taliban repräsentieren nicht das afghanische Volk, sondern eine Gruppierung unter vielen anderen einheimischen Gruppen. Allerdings eine bewaffnete und besonders gewaltbereite Gruppierung.

aequitas 18.08.2021 09:57

Geil, mal schön die Taliban verharmlosen und damit die unmenschliche Gewalt und Verfolgung von Menschen, die nicht in das extremistische Weltbild passen. Genau mein Humor.

Klugschnacker 18.08.2021 10:26

Zitat:

Zitat von aequitas (Beitrag 1617807)
Geil, mal schön die Taliban verharmlosen und damit die unmenschliche Gewalt und Verfolgung von Menschen, die nicht in das extremistische Weltbild passen. Genau mein Humor.

Das verstehe ich anders. Die Gewalt wird aus meiner Sicht von niemandem hier verharmlost. Es geht eher darum, die Taliban realistisch als das einzuschätzen, was sie sind. Dazu gibt es verschiedene Standpunkte.

keko# 18.08.2021 10:42

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1617803)
...
Angesichts dieser beispiellosen Fehlleistung würde ich in den Raum stellen, dass man der augenblicklichen Einschätzung der Taliban als Terror-Organisation durch genau dieselben Experten ein deutliches Mistrauen entgegenbringen sollte.
...

Suhail Shaheen, der Sprecher der Taliban in Afghanistan, schreibt auf Twitter ja z.T. nette Sachen und vielversprechende Statements. So schrieb er mal, dass es einfach falsch sei, dass man Mädchen zwangsverheiraten wolle und jeder willkommen sei, der an der Nation mitarbeiten will. Das möchte man ja fast mit einem Herzchen liken und in der Community teilen.
Wenn ich mir diese durchweg männlichen Gestalten mit ihren strengen Blicken und großen Gewehren anschaue, bin ich da aber zumindest mal abwartend.

Hafu 18.08.2021 10:42

Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1617806)
Wenn das kein Terror-Regime ist, wozu dann die Maschinengewehre?

Die Taliban repräsentieren nicht das afghanische Volk, sondern eine Gruppierung unter vielen anderen einheimischen Gruppen. Allerdings eine bewaffnete und besonders gewaltbereite Gruppierung.

Die Taliban sind nicht gewählt worden, sondern haben die Macht ergriffen. Da gibt es keine zwei Meinungen.

Es gibt aber ein weites Spektrum, wie man mit totalitären Regimes, die nicht nach unserem westlichen Wertesystem demokratisch legitimiert sind, umzugehen hat. Da kann man aktuell an Weißrussland denken, an China, den Iran, den Irak, Syrien, Russland.

Die NATO hat viele Jahre lang versucht, Polizei und Militär in Afghanistan personell und von der Ausrüstung her in die Lage zu versetzen, sich gegen einen erneute gewaltsame Machtergreifung durch die Taliban effektiv zur Wehr zu setzen und ist damit aber gescheitert, was ganz sicher nicht daran lag, dass die Taliban miltärisch den regulären afghanischen Truppen überlegen gewesen wären. Talibanfremde afghanische Gruppierungen konnten sich nie untereinander einigen und erachteten das Ziel, eine Gesellschaft mit liberalen und demokratischen Tendenzen gegen eine erneute Machtergreifung durch die Taliban zu verteidigen als offensichtlich nicht lohnenswert.

Mit Mullah Baradar, dem politischen Kopf der Taliban, der jahrelang im Exil in Qatar sich aufgehalten hat, wo die Taliban seit zig Jahren ein offizielles Büro mit zahlreichen Angestellten betrieben haben und der gestern nach Afghanistan zurückgekehrt ist, haben die US-Amerikaner die Details des Truppenabzuges über Monate hinweg ausgehandelt. Meines Wissens nach haben die US-Amerikaner mit keinen weiteren gesellschaftlichen Gruppierungen außerhalb der abgesetzten islamischen Regierung über die geplante und letztlich vollzogene Beendigung ihres Afghanistan-Einsatzes verhandelt.

Über die erste Pressekonferenz der Taliban nach der Machtergreifung hat die SZ berichtet und ich konnte dort keine Maschinengewehre erkennen.


Hier ist noch ein Videobeitrag von SPON über dieselbe Pressekonferenz mit kurzem Statement auch der US-Regierungssprecherin, die sich zu Recht skeptisch ob der Ankündigungen der Taliban zeigt, gleichzeitig aber auch ankündigt, die Taliban beim Wort zu nehmen und auf den schon lange bestehenden Austausch mit der Taliban-Führungsspitze verweist, der auch weiterhin fortgeführt werden soll.

Bleierpel 18.08.2021 12:03

Das Verstehen anderer Kulturen ist seit jeher ein ganz ganz großes Thema. Mitunter scheitern Nidersachsen daran, Thüringer oder Bajuwaren zu verstehen. Amerikaner glänzen seit Jahrzehnten durch Fehleinschätzungen bezüglich dem nahen Osten. Europäer / Deutsche verstehen seit Jahrzehnten Chinesen und wundern sich nun darüber, das die Exportweltmeister im Maschinenbau sind...



Warum in aller Welt sollten wir nun die Taliban verstehen? Warum sie uns?

20 Jahre westlicher Input und 'Verständnis füreinander' schaffen sind in Stunden verraucht...



Auch wenn das bitter ist: last Afghanistan den Afghanen und jedem anderen Volk sein Land. Einmischen bringt nichts!

MattF 18.08.2021 12:28

Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1617806)
Wenn das kein Terror-Regime ist, wozu dann die Maschinengewehre?

Die Taliban repräsentieren nicht das afghanische Volk, sondern eine Gruppierung unter vielen anderen einheimischen Gruppen. Allerdings eine bewaffnete und besonders gewaltbereite Gruppierung.

Bewaffnung ist kein Zeichen von Terror und Gewaltbereitschaft auch nicht.

S. USA


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