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Hafu 20.02.2022 07:59

Zitat:

Zitat von LidlRacer (Beitrag 1646846)
...
Fehlende Langzeitstrategie
Riskante Corona-Wette zulasten der Kinder
Infektionsschutz, Bildung und psychosoziale Risiken werden derzeit gegeneinander ausgespielt. Das ist falsch und zudem zu kurzfristig gedacht. Ein Gastbeitrag von Isabella Eckerle
https://www.tagesspiegel.de/politik/.../28082874.html
...

In den meisten Kritikpunkten würde ich Frau Eckerle recht geben.
Große Zweifel kamen mir aber bei dieser Aussage, die die Besonderheiten der in Dänemark (und in Kürze wohl auch in Deutschland) dominanten BA.22-Variante komplett unberücksichtigt lässt.

Zitat:

Zitat von Eckerle
...Der Benefit der Covid-19-Impfung war noch nie so deutlich sichtbar wie durch die aktuelle Entkopplung von Infektionszahlen und Belastung des Gesundheitssystems.[

Diese Entkopplung sieht man aktuell nur noch in den Ländern Europas, in denen BA.2 (noch) keine Rolle spielt und die klassische harmlose BA1-Variante von Omicron oder auch die klassische Deltavariante dominieren wie z.B. GB.

In Dänemark, dem Land mit wohl der höchsten Impfquote Europas werden aktuell die höchsten Covid-19-Mortalitäszahlen während der gesamten Pandemie gemeldet.

Und die Zahlen von Dänemark muss man mit 15 multiplizieren, um sie auf deutsche Verhältnisse zu übertragen. Das heißt, dass 45 Covid-19-Tote pro Tag in Dänemark 800 Toten in Deutschland entpsrechen würden.

Ich selbst befinde mich heute an Tag 13 seit den ersten Symptomen, meine Frau an Tag 17, wir sind beide dreifach geimpft (die eine mit AZ und 2x Biontech, ich mit 2x Moderna, einmal Biontech) und ich habe angesichts des zähen Verlaufs absolut nicht das Gefühl, dass wir (oder dunsere ebenfalls rumhustenden Kinder) in irgendeiner Weise von der für den Wildtypus entwickelten Impfung profitieren würden.

(Natürlich ist mir bewusst, dass die paar Einzelfälle aus der Familie keine wissenschaftliche Evidenz haben, zumal man ja keine infos hat, wie der Verlauf ohne Impfung wäre, aber ich habe auch im Netz bezogen auf BA.2 keine vergleichende Studien gefunden, in denen der Nutzen der Impfung bestätigt hätte werden können.)

Sowohl BA1 als auch BA.2 sind klassische Immunescape-Varianten, die nunmal die Kerneigenschaft haben, dass sie den durch die impfung aufgebauten Immunschutz umgehen. Schließlich hat sich die BA.2-Mutation in Dänemark in einer weitgehend durchimmunisierten Bevölkerung entwickelt und durchgesetzt.
BA.1 entstand dagegen in Südafrika in einer Bevölkerung mit eher geringen Impfquote, so dass bei BA.1 der Immunescape-Faktor noch nicht so dominant war.

merz 20.02.2022 08:13

Die Inzidenz in Dänemark liegt im Moment bei über 6.000 - wenn das auf BA.2 und Lockerungen beruht, besteht dass Risiko, dass das anderen Ländern, etwas Deutschland, auch drohen kann?

m.

Stefan 20.02.2022 08:22

Zitat:

Zitat von merz (Beitrag 1646868)
Die Inzidenz in Dänemark liegt im Moment bei über 6.000 - wenn das auf BA.2 und Lockerungen beruht, besteht dass Risiko, dass das anderen Ländern, etwas Deutschland, auch drohen kann?

Die Schweiz hat gerade das ganze Land als Versuchslabor dafür erkoren. Die Luzerner Fastnacht (riesen Event) z.B. wird zeigen, wo das hinführt.

Ich bin gestern durch die Hauptgeschäftsstrasse im Ort gegangen und hab in die Schaufenster geschaut. Einzig in der Apotheke haben die Mitarbeiter Masken getragen. Beim Einkauf bei Aldi hatten circa 20% der Kunden eine Maske an. Abstände an der Kassenschlange gab es dort auch keine.

Im ÖV besteht die Maskenpflicht noch und wird auch überwiegend eingehalten. Ich war bis Mittwoch davon ausgegangen, dass die Masken hauptsächlich aus Überzeugung getragen werden und bin überrascht, dass sie offensichtlich nur getragen wurden, weil sie getragen werden mussten.

Hafu 20.02.2022 08:23

Liste der Anhänge anzeigen (Anzahl: 1)
Anhang 47277

In dieser Grafik wird gut herausgearbeitet, wie es in GB die von Eckerle beschrieben Entkoppplung der Inzidenz von der Covid-Sterblichkeit (und Covid-Hospitalisierung) noch gibt (da BA.2 dort nur eine geringe Rolle spielt), und wie in Dänemark mit wachsendem Anteil von BA2 die Mortalität immer mehr ansteigt.

Lauterbach hat diesen möglichen Zusammenhang übrigens auch schon erkannt und in seiner letzten Pressekonferenz am Freitag darauf hingewiesen, als er ein Preprint einer internationalen Studie zur Pathogenität von BA.2 thematisierte.

Das Problem von BA.2 neben der Unwirksamkeit der bisherigen Impfung liegt insbesondere auch darin, dass es die Lungenzellen im Gegensatz zu BA.1 befallen kann.

Stefan 20.02.2022 08:32

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1646871)
......... [url="https://www.t-online.de/gesundheit/krankheiten-symptome/id_91676322/neue-studie-zu-omikron-subtyp-beunruhigt-forscher.html"]

T-Online verlinkt bei den Quellen auf die Festplatte/SSD von Herrn Kueper:
http://file///C:/Users/Martin.Kueper/Desktop/2022.02.14.480335.full.pdf

Hier kann man die Datei herunterladen, ohne Herrn Kuepers PC zu hacken:
https://www.biorxiv.org/content/10.1...335v1.full.pdf

------------------
In Japan steigt die Zahl der Todesfälle auf ein Rekordniveau:

swissinfo: Japan plans targeted COVID curbs as new cases fall but deaths hit record

Hafu 20.02.2022 08:45

Zitat:

Zitat von merz (Beitrag 1646868)
Die Inzidenz in Dänemark liegt im Moment bei über 6.000 - wenn das auf BA.2 und Lockerungen beruht, besteht dass Risiko, dass das anderen Ländern, etwas Deutschland, auch drohen kann?

m.

Der Anteil von BA.2 liegt deutschlandweit nach Angaben des RKI bei 15% (Stand 6.2.!) und verdoppelt sich alle zwei Wochen, d.h. Stand jetzt liegen wir bereits mutmaßlich bei 30% BA.2 und in zwei Wochen (wenn Deutschland alles aufmachen will und der Karneval tobt, ist BA.2 absehbar die dominante Variante mit 60% und dann eben auch deutlich stärkerer Morbidität.

Leider wird in Deutschland im Vergleich zu Dänemark und GB viel zu wenig sequenziert, so dass unsere Daten immer nur mit rund zweiwöchiger Verzögerung vom RKI erhoben werden und nur Stichproben sequenziert werden, während in anderen Ländern sämtliche positive PCR-Tests seqenziert werden. Deshalb muss man die deutschen Zahlen mit gewisser Zurückhaltung interpretieren.

Lockerungen gerade zum jetzigen Zeitpunkt sind auf alle Fälle eine denkbar schlechte Idee. Eigentlich müsste man gerade jetzt eher die Maßnahmen zeitlich befristet verschärfen und alles dafür tun einen auf BA.2 angepassten Impfstoff zur Zulassungsfähigkeit zu bringen.

Die anhaltend extrem hohe Inzidenz in Dänemark und Deutschland und anderen europäischen Ländern ist auch ein riskanter Nährboden für die Entwicklung weiterer Immunescape-Varianten ausgehend von BA.2.

HerrMan 20.02.2022 08:53

War die Tage in Italien und bin überrascht, wie diszipliniert da immer noch alles abläuft. Habe sogar Polizisten beobachtet, die Green Pass - Kontrollen in Restaurants vornahmen!!! Das gibts bei uns gar nicht.

Überraschend fand ich auch die sehr intensiven Körpertemperatur-Messungen. In D oder A gibts die ja nicht mal mehr auf dem Flughafen, in I kommt man ohne Check nicht in die Züge. Museen und Petersdom messen auch.

Der Schaffner kontrolliert auch wie selbstverständlich den Green-Pass. Das läuft bei der DB ganz anders...

welfe 20.02.2022 09:08

Zitat:

Zitat von LidlRacer (Beitrag 1646846)
Endlich kommt mir mal jemand mir Dirk Paessler zuvor, danke! :)
Macht klar, dass die Freedomday-Stimmung wohl immer noch deutlich verfrüht ist - zumindest gibt es noch sehr große Unsicherheiten, denen man nicht mit fest vorgeplanten Öffnungsschritten und -Daten begegnen kann.

Hier noch ein m.E. sehr relevantes Interview, dessen Inhalt aber wohl leider weiterhin weitgehend ignoriert werden wird:

Fehlende Langzeitstrategie
Riskante Corona-Wette zulasten der Kinder
Infektionsschutz, Bildung und psychosoziale Risiken werden derzeit gegeneinander ausgespielt. Das ist falsch und zudem zu kurzfristig gedacht. Ein Gastbeitrag von Isabella Eckerle
https://www.tagesspiegel.de/politik/.../28082874.html

Schluss:
"Relativ große Einigkeit herrscht über alle Lager hinweg, dass Betreuungseinrichtungen eine zentrale Rolle im Leben von Kindern spielen. Zwei Sommerferien sind nun seit Anbeginn der Pandemie vergangen, ein weiterer Sommer mit wahrscheinlich niedrigen Infektionszahlen und viel Freiheiten steht bevor, dem aber wieder ein Winterhalbjahr folgen wird.

Die Verantwortung und Wertschätzung Kindern und Familien gegenüber erfordert es nun, besser vorbereitet in den nächsten Winter zu gehen. Es wäre unverzeihlich, wenn sich die aktuelle Situation wiederholen würde."

Außer Masken, Tests, Impfungen und den Ausbau des digitalen Unterrichts hat die Dame aber auch keine Vorschläge! Dann setze ich dem die ebenso alten Antworten entgegen:
1) Masken sind nur dann „nur lästig“, wenn man sie nicht bis zu 8 oder 9 Stunden ohne Pause tragen und dagegen sprechen muss. Sie behindern die unerlässliche Kommunikation im Unterricht.
2) Tests sind im Moment das reinste Lotteriespiel und es glaubt sowieso kaum noch einer dran. Wenn ein Tests positiv ausfällt, machen wir bis zu drei weitere Tests. Danach wird entschieden, ob das Kind nach Hause (und hoffentlich zu einem PCR Test) geht oder nicht. Was wiederum von den Eltern abhängt.
3) Impfungen scheinen gegen Omikron wenig zu helfen. Ich sehe vom Verlauf her im Moment keinen Unterschied zwischen Ungeimpften und Geimpften. Es erwischt beide in gleicher Stärke. Das mag für die höheren Altersklassen anders sein, aber meine Tochter arbeitet in der Geriatrie und berichtet Ähnliches.
4) Eine gescheite Digitalisierung kommt nicht von der gebetsmühlenartigen Wiederholung der Forderung nach ihr! Es braucht eine gute Infrastruktur (gutes Netz an den Schulen und in den Privathaushalten!), Geräte und ein Basiswissen bei allen Beteiligten (auch den Eltern!). Dazu Zeit für alle, das auch vorzubereiten (Arbeitsmaterial digitalisiert sich nicht von alleine) und rechtliche Grundlagen, z.B. Pflicht zur Teilnahme an der Onlinebeschulung mit Leistungsbewertung, Datenschutz bei Onlinekonferenzen usw. Das ist ein langer Weg mit vielen Kosten. Und bringt keine Wählerstimmen. Einfach ein Sammelsurium gebrauchter Tablets in zwei Jahrgänge zu schicken (so bei uns) ist noch keine Digitalisierung.


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