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Schwarzfahrer 29.12.2019 16:41

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1502309)
Sehr schöner und v.a. gut mit Quellen belegter Text.:Blumen:

Auch hier in diesem Thread haben wir ja schon viel über die Ökobilanz und den CO2-Rucksack von E-Autos diskutiert.

Ein Aspekt fehlt mir noch in allen solchen Betrachtungen: die Strommix-Annahme für die Elektroautos stimmt aktuell für die geringe Zahl der Autos, die bereits rumfahren. Wenn aber in kurzer Zeit z.B. 30 - 50 % der Autos elektrisch fahren soll, wird das zusätzliche Stromerzeugung brauchen, der aktuelle Anteil von 40 % Ökostrom wird ja bereits komplett verbraucht. Da der Ausbau von Windenergie offenbar abnimmt und auch nicht beliebig zu steigern ist, und auch die Solarkapazität in Deutschland begrenzt ist, Atomkraft ja nicht gewollt ist und Wasserkraft auch nicht ausreichend zur Verfügung steht, bleiben nur die aktuell nicht voll ausgeschöpften Kapazitäten der fossilen Kraftwerke, um kurzfristig (in den nächsten 10 Jahren) nennenswert mehr Strom zu produzieren. D.h., zukünftige Elektroautos laufen Gefahr, mit einem zunehmend ungünstigeren Strommix zu fahren, bzw. als Grenzwertbetrachtung würden zu viel zusätzliche Elektroautos mir reinem Kohlestrom fahren müssen (Unser Ökostrom wird ja bereits von den vielen Ökostrom-Kunden, privat oder z.B. die deutsche Bahn) verbraucht.
Ist ein bisschen wie mit dem Einkommen: eine Gehaltserhöhung wird nicht zum durchschnittlichen Steuersatz sondern zum Spitzensteuersatz versteuert.


Fazit: die relativ gute CO2-Bilanz der Elektroautos gilt nur solange ihr Strombedarf keine kurzfristige Steigerung der Stromproduktion erfordert. Ob langfristig ausreichend Ökostrom-Kapazität zugebaut werden kann und wird, steht auf einem anderen Blatt - ich habe Zweifel, daß dieser Ausbau so weit zu steigern ist, wie es die grünen Träumer sich wünschen.

Körbel 29.12.2019 16:53

Da sollte die Bundesregierung die Deckelung (50 GW) der Photovoltaik wieder abschaffen und es würde funktionieren.
Denn die ist bald erreicht.

LidlRacer 29.12.2019 18:02

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1502315)
Ein Aspekt fehlt mir noch in allen solchen Betrachtungen: die Strommix-Annahme für die Elektroautos stimmt aktuell für die geringe Zahl der Autos, die bereits rumfahren. Wenn aber in kurzer Zeit z.B. 30 - 50 % der Autos elektrisch fahren soll, wird das zusätzliche Stromerzeugung brauchen, der aktuelle Anteil von 40 % Ökostrom wird ja bereits komplett verbraucht. Da der Ausbau von Windenergie offenbar abnimmt und auch nicht beliebig zu steigern ist, und auch die Solarkapazität in Deutschland begrenzt ist, Atomkraft ja nicht gewollt ist und Wasserkraft auch nicht ausreichend zur Verfügung steht, bleiben nur die aktuell nicht voll ausgeschöpften Kapazitäten der fossilen Kraftwerke, um kurzfristig (in den nächsten 10 Jahren) nennenswert mehr Strom zu produzieren. D.h., zukünftige Elektroautos laufen Gefahr, mit einem zunehmend ungünstigeren Strommix zu fahren, bzw. als Grenzwertbetrachtung würden zu viel zusätzliche Elektroautos mir reinem Kohlestrom fahren müssen (Unser Ökostrom wird ja bereits von den vielen Ökostrom-Kunden, privat oder z.B. die deutsche Bahn) verbraucht.
Ist ein bisschen wie mit dem Einkommen: eine Gehaltserhöhung wird nicht zum durchschnittlichen Steuersatz sondern zum Spitzensteuersatz versteuert.


Fazit: die relativ gute CO2-Bilanz der Elektroautos gilt nur solange ihr Strombedarf keine kurzfristige Steigerung der Stromproduktion erfordert. Ob langfristig ausreichend Ökostrom-Kapazität zugebaut werden kann und wird, steht auf einem anderen Blatt - ich habe Zweifel, daß dieser Ausbau so weit zu steigern ist, wie es die grünen Träumer sich wünschen.

Wenn der politische Wille da wäre, wäre es kein Problem, die regenerative Stromerzeugung schneller auszubauen, als der Strombedarf für E-Autos zunimmt.
Wenn man die CO2-Reduktionsziele ernst nimmt, ist das ein absolutes Muss!

Wahrscheinlich müsste man aber rechtlich etwas ändern, um die Klageflut gegen Windräder und Stromleitungen einzudämmen.
Klimaschutz ins Grundgesetz?
Das wollen nicht nur die Grünen
sondern auch Söder!

Meik 29.12.2019 20:15

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1502315)
Wenn aber in kurzer Zeit z.B. 30 - 50 % der Autos elektrisch fahren soll, wird das zusätzliche Stromerzeugung brauchen, der aktuelle Anteil von 40 % Ökostrom wird ja bereits komplett verbraucht.

Nicht ganz:

https://www.next-kraftwerke.de/wisse...eisemanagement

Und das ist ja "nur" die gesteuerte Abregelung. Hausdachanlagen dürfen maximal 70% ihrer Maximalleistung einspeisen, mit Speicher noch weniger.

Gerade E-Autos mit ihren Stromspeichern könnte man ideal als Netzpuffer nutzen.

Aus der Hüfte als Größenordnung: PKW im Schnitt ca. 35km am Tag. Lt. Spritmonitor irgendwo im Mix runde 20kWh/100km macht pi mal Daumen 7kWh pro Tag und E-Auto zusätzlich, pro Jahr runde 2500. Rund 5500 GWh sind pro Jahr abgeregelt worden. Das ist der Stromverbrauch wie vieler Autos pro Jahr?

Spannender wird in Zukunft die Frage wie sich das alles sinnvoll managen lässt. Es braucht zentrale Steuersignale wann wie viel Strom "über" ist und Ladegeräte die diese Info nutzen können und angepasste Strompreise damit Nutzer auch ein Interesse haben das zu nutzen.

Meik 29.12.2019 20:18

Zitat:

Zitat von LidlRacer (Beitrag 1502321)
Wahrscheinlich müsste man aber rechtlich etwas ändern, um die Klageflut gegen Windräder und Stromleitungen einzudämmen.
Klimaschutz ins Grundgesetz?

Schwierig.

Die Klageflut hast du ja mittlerweile gegen alles, egal ob Kohlekraftwerk, Windkraft, Wasserkraft oder was auch immer. Man hört immer genug Leute die immer noch an Atom hängen, aber versuch mal ein AKW bei denen vor der Haustür zu bauen, mal gucken was dann lost ist.

Schwarzfahrer 29.12.2019 20:46

Zitat:

Zitat von LidlRacer (Beitrag 1502321)
Wenn der politische Wille da wäre, wäre es kein Problem, die regenerative Stromerzeugung schneller auszubauen, als der Strombedarf für E-Autos zunimmt.

Neben politischem Willen spielen aber auch noch andere Faktoren rein, wie z.B. die Physik (insgesamt aus Deutschlands Fläche extrahierbare Energie an Wind, Sonne und Wasser), Gesellschaft (z.B. Akzeptanz von Windrad in Hörweite), Wirtschaftlichkeit (Subventionen können nicht alle unwirtschaftlichen Lösungen auf Dauer umsetzen), und auch die Gesetze, die in einer Demokratie nicht immer per Dekret erlassen werden.
Zitat:

Zitat von LidlRacer (Beitrag 1502321)
Wenn man die CO2-Reduktionsziele ernst nimmt, ist das ein absolutes Muss!

Wenn man die CO2 Reduktionsziele ernst nimmt, ist es verantwortungslos, die am weitesten entwickelte, bereits vorhandene Energieerzeugungstechnologie für die Grundversorgung einfach über Bord zu werfen (also die Kernkraft), statt auszubauen - damit wäre mehr zu holen, als mit allen PV-Anlagen zusammen..

Zitat:

Zitat von Meik (Beitrag 1502357)
Nicht ganz:

https://www.next-kraftwerke.de/wisse...eisemanagement

Und das ist ja "nur" die gesteuerte Abregelung. Hausdachanlagen dürfen maximal 70% ihrer Maximalleistung einspeisen, mit Speicher noch weniger.

Gerade E-Autos mit ihren Stromspeichern könnte man ideal als Netzpuffer nutzen.

Aus der Hüfte als Größenordnung: PKW im Schnitt ca. 35km am Tag. Lt. Spritmonitor irgendwo im Mix runde 20kWh/100km macht pi mal Daumen 7kWh pro Tag und E-Auto zusätzlich, pro Jahr runde 2500. Rund 5500 GWh sind pro Jahr abgeregelt worden. Das ist der Stromverbrauch wie vieler Autos pro Jahr?

Spannender wird in Zukunft die Frage wie sich das alles sinnvoll managen lässt. Es braucht zentrale Steuersignale wann wie viel Strom "über" ist und Ladegeräte die diese Info nutzen können und angepasste Strompreise damit Nutzer auch ein Interesse haben das zu nutzen.

Damit legst Du Dein Finger in eine der größten Wunden. Wind und Sonne fallen nicht dann an, wenn man den Strom braucht. Ideen zum Management gibt es viele, aber die meisten laufen für mich darauf hinaus, daß man den Verbrauch rationieren bzw. lenken muß, da man den Strom nicht in ausreichender Menge wirtschaftlich speichern kann (außer vielleicht in Zukunft mit Wasserstoff?). Und da ich aus einer Welt komme, wo die "Verbrauchssteuerung" zur normalen Mangelwirtschaft im Sozialismus gehört hat, bin ich höchst empfindlich auf solche Ideen, wenn mir der Versorger vorschreiben will, wann ich mein Auto laden oder wann ich meine Wäsche waschen darf/soll. Das hoffe ich für immer hinter mich gelassen zu haben.

LidlRacer 29.12.2019 22:32

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1502369)
Neben politischem Willen spielen aber auch noch andere Faktoren rein, wie z.B. die Physik (insgesamt aus Deutschlands Fläche extrahierbare Energie an Wind, Sonne und Wasser)...

Neue Studie: Deutschland hat genug Fläche für 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien
"In Deutschland fehlt es an Platz, um die Stromversorgung komplett auf erneuerbare Energien umzustellen – so lautet ein beliebter Einwand gegen den weiteren Ausbau von Photovoltaik und Windenergie. Der Umweltverband WWF hat am Dienstag eine Studie veröffentlicht, die dieses Argument entkräftet: In der Bundesrepublik steht genug Fläche zur Verfügung, um das Stromsystem von fossil auf erneuerbar umzustellen und zugleich die Interessen des Naturschutzes zu wahren, lautet das Fazit. Die Studie wurde von Öko-Institut, Prognos und den Landschaftsplanern Bosch & Partner erstellt."

Falls doch noch Flächen fehlen:
Weniger tierische Nahrungsmittel konsumieren, und der landwirtschaftliche Flächenbedarf sinkt rapide!

Jörn 30.12.2019 02:40

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1502315)
die grünen Träumer

"Träumer" bezeichnet Personen, die sich der Realität verweigern und sich stattdessen ihrem Wunschdenken hingeben.

Nun sind es aber gerade die Grünen, die praktisch sämtliche Probleme, über die wir hier debattieren, seit Jahrzehnten vorhergesagt haben.

Realitätsverweigerer waren die anderen. Und wegen dieser Realitätsverweigerer müssen wir in größter Eile wahre Wunder vollbringen, die wir mit mehr Zeit viel einfacher, besser und billiger lösen könnten.

Ich kann mir da selbstkritisch an die eigene Nase fassen, denn ich habe das die längste Zeit falsch eingeschätzt, aber man lernt schließlich dazu.


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