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Zitat von aeronautic
(Beitrag 1798198)
Würdest Du nach dem Rennen einen Rennbericht schreiben? Abgesehen von der Oasis würde es mich interessieren, wie es gelaufen ist und wie es Dir insgesamt gefallen hat.
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Kann ich machen. Als kleiner Disclaimer vorweg: Natürlich ist dies eine staatlich unterstützte Veranstaltung der lokalen Regierung und des staatlichen Ölkonzerns, die primär dazu dient das Land und die Regierung in ein gutes Licht zu rücken. Hierfür wird keine Kost und Mühe gescheut. Ziel ist es, das positiv von dort berichtet wird. Ob die Teilnahme an so einer Veranstaltung moralisch verwerflich ist möchte ich jetzt hier nicht urteilen. Erfrischend war, dass man sich nicht wie bei den üblichen Ironman-Veranstaltungen wie eine ausgenommene Weihnachtsgans gefühlt hat, da der Veranstalter offensichtlich keinerlei Gewinnerzielungsabsicht mit der Veranstaltung verfolgt. Ich war zuvor noch nie im mittleren Osten und würde dort auch keinen Urlaub machen. Teilnehmer wurde ich als Begleitung einer Profi-Athletin, die dort in die Saison starten wollte. Alle Profis wurden vom Veranstalter eingeladen, das hieß die Kabine auf dem Schiff sowie das Startgeld wurden vom Veranstalter übernommen. Flüge mussten selbst bezahlt werden. Aber nun zum Rennen und der Reise.
Anreise: Wir sind Mittwochs aus Frankfurt per Direktflug nach Abu Dhabi geflogen. Das dauert ca. 6h. Da der Sitz neben uns frei war, war es eine sehr entspannte Anreise. Zeitverschiebung sind aktuell 3h zur Winterzeit. Am Donnerstag haben wir die Räder zusammengebaut und sind dann direkt von unserem Hotel zur Al Hudayriat Island gefahren. Das ging sehr gut, da neben den großen Straßen ein breiter Radweg war. Auf der Insel gibt es einen großen Radladen "Wolfis". Dort wurde noch kurzer der verstellte Umwerfer gerichtet. Auf der Insel gibt es mehrere Radrunde auf denem man ungestört vom Verkehr sein Training absolvieren kann. Bekannt ist die Strecke vom Prolog der UAE Tour. Nachmittags war die Strecke gesperrt für einen "Womens only cycling" Event. Wir sind dann noch kurz gelaufen und haben uns dabei die Skyline Abu Dhabis angeschaut und waren auch noch im Hotelpool kurz schwimmen. Da wir nur Halbpension hatten sind wir dann noch Essen gegangen und ich habe die beste napoletanische Pizza meines Lebens gegessen.
Schiff: Freitag ging es dann aufs Kreuzfahrtschiff. Das Einchecken hatte sich etwas verzögert, weshalb das Boot ca. 2h später als geplant abgefahren ist. Die Radkoffer wurden auf die Zimmer gebracht. Wir sind noch 5km auf dem Laufband warmgelaufen. Die Startunterlagen gab es für die meisten Athleten direkt auf dem Schiff und auch das Race Briefing hat hier stattgefunden. Ich war noch nie in meinem Leben auf so einem Schiff und hatte auch viele Vorurteile diesbezüglich Vorweg ("Renterurlaub", etc..) war aber sehr positiv überrascht. Die Kabinen waren zwar klein aber das Essen war gut und durch die räumliche Nähe kam man schnell mit den Pros und anderen Athleten ins Gespräch.
Die Insel: Freitag Abend kamen wir ca. gegen 21 Uhr in Bani Yas an. Zur Begrüßung gab es erstmal ein rießen Feuerwerk und das auf einer Insel mit Naturschutzgebiet und vielen scheuen Tieren. Glaube das wäre in Deutschland nicht erlaubt... Das Schiff hat direkt in der Wechselzone angelegt, was den Wettkampf Tag dann sehr angenehm gemacht hat, da für die Profis erst 10:30 Uhr Ortszeit und für die Agerouper 11 Uhr Ortszeit Start war. Die vereinzelten LDler waren dagegen schon um 07 Uhr unterwegs. Bei der Wechselzone und im Wettkampfarea wurden keine Kost und Mühen gescheut. 10 min vor dem Start der Profi-Männer tauchten dann noch 7 Kampfjets auf, die uns veranschauten wer hier das Sagen hat. Die Flugshow war aber sehr beeindruckend mit vielen Manövern. Die Wechselzone war übersichtlich und alle Wege klar markiert.
Der Wettkampf:
Das Schwimmen: Da ich vor meinem eigenen Start mehr auf das Rennen meiner Begleitung fokussiert war, hatte ich mir die Schwimmstrecke nicht genau angeschaut. Das wurde mir leider zum Verhängnis. Bei 20 Grad Wassertemperatur war Neopren erlaubt. Das Meer war sehr salzig und durch den Wind auch etwas wellig. Bei den Age Groupern war ein Rolling Start. Ich bin direkt hinter Frank Wechsel gestartet in der zweiten Reihe und nach 100m war ich mit einem Franzosen vorne. Da dieser nach ca. 200m schon langsamer wurde bin ich dann nach vorne gegangen und er hat sich in meinen Wasserschatten gehangen. Durch die Wellen und die leichte Strömung war das Sichten und Orientieren nicht ganz einfach. Da ich mir den Schwimmausstieg nicht angeschaut hatte bin ich am Ende direkt auf den Ausstieg zugeschwommen und als ich dann die Winke der Kayak-Fahrer bemerkt hatte musste ich ca. 100m extra schwimmen um wieder raus um die Boje zu kommen. Nichtdestotrotz konnte ich das Wasser zusammen mit dem Franzosen auf Platz 1 und 2 verlassen. Nach dem Rennen haben wir im Bereich der Schwimmstrecke noch Delfine gesehen. Man muss dafür also nicht nach Hawaii fliegen.
Rad: Auf dem Rad hatte ich den Franzosen, der etwas schneller gewechselt hatte, direkt wieder eingeholt. Man ist zuerst eine ca. 30km flache Runde gefahren um die Insel. Am Rand immer wieder Antilopen und andere Tiere. Es war relativ windig aber durch die Bäume neben der Straße war man nicht so exponiert. Kein Verkehr, bester Asphalt, keine technischen Abschnitte, schöne Landschaft. Nach der ersten Runde ist man dann für einen 14km Abschnitt ins Landesinnere mit einem "Berg" und dann ging es auf die zweite Runde. Den Franzosen bin ich hier kurz losgeworden aber in der Abfahrt hat er mich wieder eingeholt. Am Ende sich wir zusammen vom Rad gestiegen. Durch die 20m Windschatten Regel und die geringe Teilnehmerzahl war dies das fairste Rennen, dass ich in den letzten 10 Jahre gemacht habe. Ich kann die Ironman Rennen mit den gigantischen Radgruppen (selbst auf schweren Strecken wie z.b. letztes Jahr in Thun) kaum mehr ertragen.
Die Oase: Die Oase war eine extra Verplegungsstelle kurz vor Ende der ersten Runde. Ich habe sie nicht genutzt. Dort gab es vier saubere Toiletten und was zu Essen und Trinken. Primär wurde sie von den vereinzelten Langdistanzlern benutzt. Die konnten auf ihrem einsamen Kampf dort kurz Pause machen aufs Klo und dann das Rennen fortsetzten.
Der Lauf: Da ich nicht wusste wie der Franzose läuft war ich gespannt. Nach dem Radfahren habe ich mich noch sehr gut gefühlt. Da er aber direkt ein sehr hohes Tempo angeschlagen hat war ich direkt abgehängt. Die Laufstrecke waren 8 Runden mit jeweils 3 180 Grad Wenden. Auf einer Geraden gab es relativ starken Gegenwind. Durch die kurze Runde gabe es sehr viele Verpflegungsstellen mit Eis und Schwämmen. Im Lauf des Tages wurde es dann doch warm. Schon beim Loslaufen waren meine Schuhe klatschnass, da ich in der Box in der Wechselzone meinen Neo über die Schuhe gepackt hat. Nach ca. 10km hab ich durch die nassen Schuhe mit dem Eis ziemliche Blasen bekommen welche die letzten 5km sehr unangenehm gemacht haben. Auf der ersten Runde wurde ich direkt vom Führenden Jonas Schomburg überholt. Da zu diesem Zeitpunkt alle Profis auf der Strecke waren kam ich mir sehr langsam vor. Persönlich konnte ich mich nicht wirklich auf meinen eigenen Lauf konzentrieren, da meine Begleitung um eine der vorderen Positionen gekämpft hat und ich durch die vielen Wenden direkt mitbekommen habe wie sich sich langsam vorgearbeitet hat. Dadurch habe ich meinen Lauf gefühlt im Halbgas abgespuhlt. Highlight war Pieter Heemeryck, der keine fünf Minuten nach seinem eigenen Finish, an der Verpflegungsstelle stand und den Frauen und uns Age-Groupern Eis und Wasser gereicht hat.
Abends gab es dann noch einen Feuerwerk sowie die Siegerehrung. Der Franzose ist eine Runde zuwenig gelaufen, weshalb er nicht mehr in der Ergebnisliste auftacuht. Am nächsten Tag wurden alle Profis + Begleitung auf eine Safari auf der Insel eingeladen. Auf der Insel gibt es Giraffen, Zebras, Geparden, Antilopen etc die man aus nächster Nähe erleben konnte. Zur gleichen Zeit fanden noch diverse Community Races statt (5km, 10km, 30/60/90km Rad solo, etc). Hier sind wirklich fast ausschließlich die Locals gestartet. Das waren neben den Emiratis auf primär die Gastarbeitern (Inder, Pakistani, Thailänder) und deren Familien. Am Nachmittag ist man dann mit dem Schiff zurück nach Abu Dhabi und an nächsten Morgen sind wir vom Schiff und direkt heimgeflogen. Alles in allem war ich sehr positiv überrascht. Man kann dort meiner Meinung nach besser Triathlon machen als auf Hawaii und bekommt auch ein deutlich faireres Rennen. Zur politischen Situation und zum Ziel der Veranstaltung muss sich jeder selbst ein Bild machen.