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Koschier_Marco 06.04.2022 13:52

Zitat:

Zitat von Plasma (Beitrag 1654304)

Diese Reporterin hat mal ein bisschen darüber berichtet, wie es eigentlich zu der Verrohung und Entmenschlichung der russischen Soldaten kommt. Grundsätzlich war mir das schon bekannt, aber welches Ausmaß das dort annimmt, hat mich dann doch erschreckt. Dass Rekruten schikaniert werden, ist wohl in jeder Armee so. Aber in Russland geht das weit darüber hinaus. Die werden dort regelrecht zu Tode gequält.

Die Sendung dürfte heute in der ZDF Mediathek online sein.

https://de.wikipedia.org/wiki/Dedowschtschina, da ist das seht gut erklärt.

Das System gab schon in der Armee des Zaren

Koschier_Marco 06.04.2022 13:54

Zitat:

Zitat von El Stupido (Beitrag 1654310)
Die Nachricht ist mir bekannt. Aber gibt es nicht auch Interpretationen, die das vielmehr auf eine Konzentration auf den Osten und den Süden deuten?

Für mich persönlich - wie gesagt, es mag naiv sein - nicht zwingend ein deutliches Indiz für einen bevorstehenden Nuklearschlag.

Nein natürlich nicht, die Truppen die da abgezogen wurden, sind entweder so ausgebrannt das sie nicht mehr verwendet werden können, als militärische Einheit oder sie werden in den Osten verlegt, wo in den nächsten Tagen der Krieg entschieden wird.

El Stupido 06.04.2022 13:58

Zitat:

Zitat von Koschier_Marco (Beitrag 1654312)
Nein natürlich nicht, die Truppen die da abgezogen wurden, sind entweder so ausgebrannt das sie nicht mehr verwendet werden können, als militärische Einheit oder sie werden in den Osten verlegt, wo in den nächsten Tagen der Krieg entschieden wird.

:Blumen: Danke für die gewohnt fundierte Einschätzung.

Wichtig, um die Eigendynamik á la "Atomwaffeneinsatz steht bevor" im Forum ein wenig zu beruhigen.

Koschier_Marco 06.04.2022 14:01

Zitat:

Zitat von El Stupido (Beitrag 1654314)
:Blumen: Danke für die gewohnt fundierte Einschätzung.

Wichtig, um die Eigendynamik á la "Atomwaffeneinsatz steht bevor" im Forum ein wenig zu beruhigen.

Was passiert, wenn diese Offensive auch nicht erfolgreich ist, damit beschäftige ich mich erst wenn ich muss .........

qbz 06.04.2022 15:26

Zitat:

Zitat von qbz (Beitrag 1654274)
Marco hat den Link irgendwann mal gepostet. Dieser Youtube-Kanal beschreibt IMHO die militärische Situation und die Frontlinien immer sehr nüchtern und täglich, fern aller Propaganda. Eine Verschiebung von zusätzlichen ukrainischen Truppen an die Donbass-Front hat bisher nicht stattgefunden.

Ukraine: military situation update with maps, April 5, 2022

Das österreichische Heer hat heute das aktuelles Lagebild der militärischen Situation erklärt, das Marco´s Informationen 1:1 bestätigt, mit möglichen Ausgängen:
https://www.youtube.com/watch?v=baW0m83O99c
Das Video weist auf die wichtige Aufklärungshilfe der ukrainischen Armee durch NATO-Kräfte von Polen aus hin.

Plasma 06.04.2022 16:40

Zitat:

Zitat von El Stupido (Beitrag 1654310)
Für mich persönlich - wie gesagt, es mag naiv sein - nicht zwingend ein deutliches Indiz für einen bevorstehenden Nuklearschlag.

Ja, das ist naiv. Du hast wie viele andere noch immer nicht begriffen, was die Stunde geschlagen hat. Die Wahrscheinlichkeit für den Einsatz von Atomwaffen ist von "völlig undenkbar" hin zu "möglich" eskaliert. Auch das hat Scholz mit seiner Zeitenwende gemeint.

Die EU Kommission ist da nicht so naiv:

EU-Kommission will Reserven an Jodtabletten aufstocken

Die EU erhöht ihre Vorkehrungen gegen mögliche chemische, biologische, radiologische und nukleare Bedrohungen. Das teilte EU-Katastrophenschutzkommissar Janez Lenarčič mit. Demnach sollen strategische Reserven etwa von Schutzausrüstung, Dekontaminationsmitteln, Medikamenten und Impfstoffen im Umfang von mehr als 540 Millionen Euro aufgebaut werden.
Dazu sollen auch Jodtabletten gehören, die bei radioaktiver Verstrahlung die Schilddrüse schützen sollen.

Zudem seien fast drei Millionen Jodtabletten in die Ukraine geliefert worden. In ihrer Mitteilung ging die Brüsseler Behörde nicht explizit auf den Zusammenhang zwischen dem Aufstocken der Vorräte und dem russischen Einmarsch in die Ukraine ein.

Ihre Notfallvorräte will die EU-Kommission gemeinsam mit der europäischen Gesundheitsbehörde (Hera) einrichten beziehungsweise ausbauen. Die Behörde wurde zu Beginn der Corona-Pandemie gegründet, um einen besseren Überblick über vorhandene Vorräte an Medikamenten und Schutzausrüstung in den 27 Mitgliedsländern zu schaffen.


https://www.zeit.de/politik/ausland/...ine-krieg-news

LidlRacer 06.04.2022 16:46

Kann jemand etwas Optimismus gebrauchen?
Etwas Ausdauer für den laaangen Twitter-Thread ist nötig, aber die sollten wir ja hier haben ...

Kamil Galeev @kamilkazani
Why Russia is losing this war?

First I'll discuss why Russia *is* losing. Then I'll give my version of how it could happen. The key to understanding lies in the Soviet/Russian military doctrine. It gives context for current events and helps to predict further Russian actions🧵

Hafu 06.04.2022 18:07

Zitat:

Zitat von LidlRacer (Beitrag 1654328)
Kann jemand etwas Optimismus gebrauchen?
Etwas Ausdauer für den laaangen Twitter-Thread ist nötig, aber die sollten wir ja hier haben ...

Kamil Galeev @kamilkazani
Why Russia is losing this war?
...��

Toller Thread mit vielen gut nachvollziehbaren Argumenten.:Blumen:

Und die Bilder der Schützenpanzer mit improvisierter Zusatzpanzerung aus alten Autoreifen und Sandsäcken sind besonders beeindruckend .

Möge Herr Kazani recht behalten.

Dieses Argument hat mir besonders gut gefallen:

Zitat:

This might explain why analysts overrated the Russian army so much. Russian army lived in a constant positive feedback loop with career officers congratulating other career officers with their amazing performance. Its weaknesses were unnoticed until the Ukrainian war started

Klugschnacker 06.04.2022 18:50

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1654337)
Dieses Argument hat mir besonders gut gefallen:

"This might explain why analysts overrated the Russian army so much. Russian army lived in a constant positive feedback loop with career officers congratulating other career officers with their amazing performance. Its weaknesses were unnoticed until the Ukrainian war started."

Das verstehe ich nicht. Wenn die russische Armee so schlapp ist, wozu dann die 100 Milliarden für unsere Bundeswehr? Wir können das Geld an vielen anderen Stellen gut gebrauchen, zum Beispiel in den Schulen oder im Gesundheitssystem.

Mein Kenntnisstand ist, dass die russische Armee die Fähigkeit hat, die Ukraine in die Steinzeit zu bomben. Wie viele große Städte hat die Ukraine? Zehn? Zwanzig? Russland verfügt über 1.588 atomare Sprengköpfe. Ein einziger davon reicht wahrscheinlich, um den Krieg zu beenden.

Die entscheidende Frage ist aus meiner Sicht nicht, was Putin kann, sondern was er zu tun bereit ist. Unterschätzen sollte man ihn lieber nicht.

LidlRacer 06.04.2022 19:24

Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1654340)
Das verstehe ich nicht. Wenn die russische Armee so schlapp ist, wozu dann die 100 Milliarden für unsere Bundeswehr? Wir können das Geld an vielen anderen Stellen gut gebrauchen, zum Beispiel in den Schulen oder im Gesundheitssystem.

Mein Kenntnisstand ist, dass die russische Armee die Fähigkeit hat, die Ukraine in die Steinzeit zu bomben. Wie viele große Städte hat die Ukraine? Zehn? Zwanzig? Russland verfügt über 1.588 atomare Sprengköpfe. Ein einziger davon reicht wahrscheinlich, um den Krieg zu beenden.

Die entscheidende Frage ist aus meiner Sicht nicht, was Putin kann, sondern was er zu tun bereit ist. Unterschätzen sollte man ihn lieber nicht.

Was genau hätte er davon, "die Ukraine in die Steinzeit zu bomben"?
Er hätte damit exakt nichts gewonnen, da die Ukraine nie eine Bedrohung war und auch keine geworden wäre.
Aber er und Russland wären zumindest für seine restliche Lebens-/Regierungszeit geächtet. Gut, ist auch jetzt schon so, aber dann noch krasser.

Deswegen hätte er sich und der ganzen Welt natürlich am besten den ganzen Scheiß erspart. Der Angriff wirkt wirklich nur halbwegs plausibel, wenn man den Ausführungen von Kamil Galeev folgt, dass es ein einfacher Einmarsch mit unwesentlichem Widerstand werden sollte.

lyra82 06.04.2022 19:39

Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1654340)
Die entscheidende Frage ist aus meiner Sicht nicht, was Putin kann, sondern was er zu tun bereit ist. Unterschätzen sollte man ihn lieber nicht.

Das ist die Frage.
Chodorkowsky hat das in einem Interview kürzlich gesagt: Entweder Putin eskaliert (Atomschlag), oder er beschränkt sich auf einen kleinen Teil im Osten und geht den Verhandlungsweg. Das wird sich in den nächsten 1-2 Wochen zeigen.
Er sagte auch, Putin verstehe nur die harte Hand, entschlossenes Kontra (des Westens).

Eine Veränderung in Russland sieht er nur sehr langfristig.
Eine Entmachtung Putins sieht er nur (möglicherweise) durch das Militär.

Klugschnacker 06.04.2022 19:42

Zitat:

Zitat von LidlRacer (Beitrag 1654344)
Was genau hätte er davon, "die Ukraine in die Steinzeit zu bomben"? Er hätte damit exakt nichts gewonnen, da die Ukraine nie eine Bedrohung war und auch keine geworden wäre.

Aber er und Russland wären zumindest für seine restliche Lebens-/Regierungszeit geächtet. Gut, ist auch jetzt schon so, aber dann noch krasser.

Er hätte den Krieg gewonnen. Ist das "exakt nichts"? Er bräuchte dazu vermutlich nur eine oder zwei Atombomben. Die erste könnte er vor der Küste Mariupols über dem Meer zünden, damit gut zu sehen ist, was so eine Bombe macht. Das würde vielleicht reichen. Zur Erinnerung: Bei einem mittleren atomaren Sprengkopf würde die Innenstadt der getroffenen Stadt auf einen Schlag verdampfen.

Zur weltweiten Ächtung: Wurde Harry S. Truman, Präsident der Vereinigten Staaten, von der Welt geächtet, als er unnötigerweise eine Atombombe auf die Bürgerinnen und Bürger zweier japanischer Städte werfen ließ? Keineswegs. Wurde George W. Bush geächtet oder der chinesische Machthaber, der die Kultur der Tibeter zerstört hat? Oder die Verantwortlichen des Vietnamkrieges?

Ich könnte mir vorstellen, dass Vladimir Putin nicht viel darauf gibt, was der Westen von ihm hält. Wenn dies die letzte Hürde vor einer atomaren Eskalation sein soll, dann gute Nacht!
:Blumen:

Siebenschwein 06.04.2022 19:47

Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1654340)
Das verstehe ich nicht. Wenn die russische Armee so schlapp ist, wozu dann die 100 Milliarden für unsere Bundeswehr?

Die entscheidende Frage ist aus meiner Sicht nicht, was Putin kann, sondern was er zu tun bereit ist. Unterschätzen sollte man ihn lieber nicht.

Wieso verstehst Du das nicht? Da steht explizit „overrated“. Die 100 000 Millionen waren noch zu Zeiten als man eben nicht wusste, wie stark die wirklich sind. Zeigt halt mal wieder, man sollte erst eine Analyse der Bedrohung machen und erst danach das Budget aufstellen.

Mit dem zweiten zitierten Teil hast Du vermutlich ungewollt die perfekte Begründung für eine massive Aufrüstung gegeben. Ganz konsistent ist Deine Argumentation hier nicht.:Blumen:

Trimichi 06.04.2022 19:51

Zitat:

Zitat von LidlRacer (Beitrag 1654344)
Deswegen hätte er sich und der ganzen Welt natürlich am besten den ganzen ... erspart. Der Angriff wirkt wirklich nur halbwegs plausibel, wenn man den Ausführungen von Kamil Galeev folgt, dass es ein einfacher Einmarsch mit unwesentlichem Widerstand werden sollte.

Ich finde, du machst es dir mit "halbwegs" monokausalen Erklärungen zu einfach. Wir wissen, dass Herr Scholz 100 Mrd. Euro "locker gemacht" hat. Lockhead Martin hat sicherlich nichts dagegen, dass diese Kampfflugzeuge verkauft wurden? Ich befürchte einen Stellungskrieg, und dass die Sache länger dauert. Die USAF sichert ab (sechs US Jets wurden nach DE verlegt; Pressemitteilung), und die Waffenhändler freuen sich? Nachdem ja in Syrien alles zerbombt ist und keine Infrastruktur mehr besteht auf die man noch weitere Bomben werfen und Raketen feuern könnte von wem auch immer. Jetzt muss anderswo Geld verdient werden? qbz hatte erwähnt, dass die USA nur dann funktionieren, wenn der Waffenhandel gut geht.

Meine Bitte an dich wäre echt ernsthaft multikausale Erklaerungen/ Modellierungen zumindest halbwegs in Erwägung zu ziehen. Ich glaube auch nicht, dass Putin sich an einem Datum festmacht wie dem 9. Mai. Dann wäre er ja echt geisteskrank, sowie der "Typ", der eine Stadt nur deswegen erobern wollte, weil sie den Namen seines "Rivalen" trug (Stalingrad).

Koschier_Marco 06.04.2022 20:05

Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1654340)
Das verstehe ich nicht. Wenn die russische Armee so schlapp ist, wozu dann die 100 Milliarden für unsere Bundeswehr? Wir können das Geld an vielen anderen Stellen gut gebrauchen, zum Beispiel in den Schulen oder im Gesundheitssystem.

Mein Kenntnisstand ist, dass die russische Armee die Fähigkeit hat, die Ukraine in die Steinzeit zu bomben. Wie viele große Städte hat die Ukraine? Zehn? Zwanzig? Russland verfügt über 1.588 atomare Sprengköpfe. Ein einziger davon reicht wahrscheinlich, um den Krieg zu beenden.

Die entscheidende Frage ist aus meiner Sicht nicht, was Putin kann, sondern was er zu tun bereit ist. Unterschätzen sollte man ihn lieber nicht.

Russland war nie eine Bedrohung für die NATO, da braucht man nur die Budgets der Länder addieren, das war jedem klar der genau hinschaut. Die Bedrohung für die NATO, nicht die Ukraine, wurde künstlich herbeigeredet um die NATO überhaupt einen Existenzgrund zu geben nach dem Wegfall der Bedrohung des WP, ab da hat sich die NATO ja international aufgestellt und mit dem out of area Einsätzen begonnen.

Es reicht aber immer noch die Nachbarn die nicht bei der NATO sind zu drangsalieren.

Koschier_Marco 06.04.2022 20:11

Zitat:

Zitat von Trimichi (Beitrag 1654349)
(sechs US Jets wurden nach DE verlegt; Pressemitteilung),.

Das sind https://en.wikipedia.org/wiki/Boeing_EA-18G_Growler, die machen Electronic Warfare, das sind nicht bloß irgendwelche Jets, die sind diejenigen die jammen und daher extrem wichtig, ich glaube auber nicht das die von der Grenze aus die russichen Systeme jammen können, dafür ist die Distanz zu groß (so sie das wollen).

happytrain 06.04.2022 20:20

Zitat:

Zitat von El Stupido (Beitrag 1654295)
Das sowohl Russland als auch NATO Nuklearwaffen haben ist mir bekannt.

Ich sehe es aber wohl richtig, dass die aktuelle Diskussion hier nicht aufgrund irgendwelcher geleakter Geheimdienstinformationen oder ähnlichem sind sondern quasi virtuelle / digitale "Stammtischdiskussion".
Vielleicht ist es ja bloß naiver Zweckoptimismus und Hoffnung meinerseits aber für den Einsatz nuklearer Waffen fehlt mir doch der Glaube.

Reine Spekulation, oder evtl. doch geheime Informationen, die Du nicht kennst? Mir hat bis vor kurzem auch der Glaube gefehlt, dass der Russe ganz dreist, Zivilisten massakriert vor der Weltbevölkerung. Und ohne Scham dies dann auch noch abstreitet.

Klugschnacker 06.04.2022 20:24

Zitat:

Zitat von Siebenschwein (Beitrag 1654348)
Mit dem zweiten zitierten Teil hast Du vermutlich ungewollt die perfekte Begründung für eine massive Aufrüstung gegeben. Ganz konsistent ist Deine Argumentation hier nicht.:Blumen:

Du meinst, weil Putin vielleicht so weit gehen würde, eine Atombombe einzusetzen, sollten wir die Bundeswehr besser ausstatten?

Russland ist der NATO auf dem Gebiet der konventionellen Waffen um ein Vielfaches unterlegen. Käme es zu einem Krieg zwischen beiden Mächten, ist Putin vermutlich nicht daran interessiert, ihn mit rein konventionellen Waffen auszutragen. Denn nur bei der atomaren Bewaffnung ist seine Armee eine echte Gefahr für jedes Land der NATO.

Ich habe von Kriegsführung keine Ahnung und habe mir selbst die derzeit gängige Ausbildung zum General via Twitter erlassen. Aus meiner Froschperspektive scheint es mir aber unwahrscheinlich, dass ein Konflikt zwischen Russland und der NATO mit konventionellen Waffen ausgetragen würde. Das ergeben die oben genannten Kräfteverhältnisse. Daher verstehe ich die konventionelle Aufrüstung der Bundeswehr nicht so recht. Je großer das Ungleichgewicht bei den konventionellen Waffen, desto größer die Wahrscheinlichkeit einer atomaren Auseinandersetzung.

Ich hatte in diesem Thread bereits gefragt, ob ein Einmarsch russischer Truppen in Deutschland kurz-, mittel- oder langfristig zu befürchten sei. Ich habe keine Antwort bekommen. Vielleicht kann das einer der anwesenden Experten erhellen.

Koschier_Marco 06.04.2022 20:42

Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1654355)

Ich hatte in diesem Thread bereits gefragt, ob ein Einmarsch russischer Truppen in Deutschland kurz-, mittel- oder langfristig zu befürchten sei. Ich habe keine Antwort bekommen. Vielleicht kann das einer der anwesenden Experten erhellen.

Gerne nein, es gab Sie bis zum Zusammenbruch der SU, danach nie mehr, das gilt jetzt und solange die NATO 20 x so groß ist wie Russland militärisch gesehen

Trimichi 06.04.2022 20:44

Zitat:

Zitat von Koschier_Marco (Beitrag 1654351)
Das sind https://en.wikipedia.org/wiki/Boeing_EA-18G_Growler, die machen Electronic Warfare, das sind nicht bloß irgendwelche Jets, die sind diejenigen die jammen und daher extrem wichtig, ich glaube auber nicht das die von der Grenze aus die russichen Systeme jammen können, dafür ist die Distanz zu groß (so sie das wollen).

Let them "play"? Unbestritten haben russische Migs den schwedischen Luftraum verletzt. Das liegt vllt daran, dass dort in den Cockpits kein WhatsApp installiert ist. Wollten die das also? Was denn? Ramstein ist ja als die Airbase in DE bekannt. Hier vor Ort (Bayern/Grafenwöhr) wurde - Gerüchten zufolge des zuständigen COL/sub_commanders - eine neue Landebahn gebaut. Das waeren immerhin circa 200-250 Kilometer Reichweite mehr nach meiner groben Schätzung. Daher wird wohl irgendwann ein Riss durch die Ukraine gehen. Imho. Dauert also. Bis sich die Gemüter beruhigt haben?

Der Vortrag von der Militärakademie von qbz verlinkt deutet auch darauf hin. Ich für mich denke mir (von wegen, dass die Chinesen Gebiete in der UA als neue russische Enklave(n) markieren in ihren Karten) es wird sich ein neuer "Eiserner Vorhang" auftun. Irgendwo in der Ukraine. Drueben: RU und Ostukraine. Supported by China. Und hier: Westukraine zu Europa gehoerend. Supported by USA.

Aber keine Ahnung was die Generäle ausmachen. Hier wurde in einer ehemaligen Grundschule in Ansbach der neue USA- Kommandostab eingerichtet (stand in der Zeitung).

Gute Nacht auch! :Blumen:

happytrain 06.04.2022 20:46

Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1654355)

Ich hatte in diesem Thread bereits gefragt, ob ein Einmarsch russischer Truppen in Deutschland kurz-, mittel- oder langfristig zu befürchten sei. Ich habe keine Antwort bekommen. Vielleicht kann das einer der anwesenden Experten erhellen.

Kommt wohl darauf an, ob ein Herr Putin oder Nachfolger in Zukunft ohne weiteres in Länder einmarschieren kann, aufgrund derer Kapitulation. Und es ihm oder seinem Nachfolger leicht gemacht wird.
Zum atomaren Schlag reichen taktisch eingesetze A-Waffen. Da würde sicher keine Big-Mama abgeworfen. Macht bei einem Einnahme eines Landes ja auch keinen Sinn. das war , um deinen Vergleich mit H. Und N. anzusprechen, damals auch eine ganz andere Ausgangslage. Die USA hatten nicht vor in Japan land zu erobern. Sie wollten den Krieg mit diesem Schlag beenden, was ja auch letztendlich gelang.
In 20km Höhe gezündet, richtet eine solche taktische Waffe sicher nicht so einen extremen Schaden an , wie in 1000m . Dennoch zeigt diese Wirkung.
Und ja die Jod-Depots werden derzeit wieder auf Vordermann gebracht.
Aber wir werden sehen wie weit ein Putin geht. Es gibt ja noch weitere Möglichkeiten ausser Zivilisten abschlachten. Z.b Bio, Chemie,….

Siebenschwein 06.04.2022 20:48

Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1654355)
Du meinst, weil Putin vielleicht so weit gehen würde, eine Atombombe einzusetzen, sollten wir die Bundeswehr besser ausstatten? .

Nein, das meine ich sicher nicht. Ich meinte, dass Du ungewollt genau die Argumentation der Rüstungsfanatiker zum Besten gegeben hast. Mehr nicht.

Koschier_Marco 06.04.2022 21:27

[quote=Trimichi;1654360]Let them "play"? Unbestritten haben russische Migs den schwedischen Luftraum verletzt.

ich mach jetzt auf Besserwisser es waren 2 SU 27 und 2 SU 24..........sorry musste sein

Klugschnacker 06.04.2022 21:36

Zitat:

Zitat von Siebenschwein (Beitrag 1654363)
Nein, das meine ich sicher nicht. Ich meinte, dass Du ungewollt genau die Argumentation der Rüstungsfanatiker zum Besten gegeben hast. Mehr nicht.

Tut mir leid, dann verstehe ich nicht, was Du meinst. Wenn es nichts wichtiges für diese Debatte ist, können wir es darauf beruhen lassen, um nicht ins offtopic abzugleiten, okay?
:Blumen:

Siebenschwein 06.04.2022 21:55

Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1654368)
Tut mir leid, dann verstehe ich nicht, was Du meinst. Wenn es nichts wichtiges für diese Debatte ist, können wir es darauf beruhen lassen, um nicht ins offtopic abzugleiten, okay?
:Blumen:

Passt schon :)

tridinski 06.04.2022 21:59

Ein paar Seiten vorher wurde diskutiert ob es nicht ggf. besser sei für die Ukrainische Seite sich zu ergeben damit das Morden aufhört.

Wir haben eine junge Ukrainerin bei uns aufgenommen. Sie sass zwei Wochen lang bei Minustemperaturen in einem Keller in Mariupol während draussen die Bomben fielen. Dann konnte sie zusammen mit ihrem Mann in einem Konvoi die Stadt verlassen. Er darf nicht ausreisen, ist aber in einem Gebiet in der Zentralukraine wo nicht gekämpft wird in Sicherheit. Ihre Eltern weigern sich Mariupol zu verlassen, heute bekam sie Nachricht dass sie am Leben sind. Sie selber kam letzte Woche nach Deutschland.

Sie sagt zu der Frage "Kapitulation oder Weiterkämpfen": auf keinen Fall Kapitulation, dann machen die Russen im ganzen Land das, was sie in Butscha gemacht haben. Sie würden sich auf keinen Fall auf die aktuell gehaltenen Gebiete beschränken.

Ansonsten ist sie erleichtert in Sicherheit zu sein, bekommt aber zB jedes Mal Angst wenn irgendwelche Flugzeuge oder (Rettungs-)hubschrauber hier rumfliegen (das passiert im Frankfurter Raum ziemlich oft). Ihre Muttersprache ist russisch aber sie schwört dass sie nur noch Ukrainisch sprechen werde, russisch sei für sie für immer 'verbrannt'.

Koschier_Marco 06.04.2022 22:17

ganz was anderes ich verwende Strava nicht, komme gerade drauf Stava ist gesperrt in Russland und Belarus.

Klugschnacker 06.04.2022 22:55

Zitat:

Zitat von tridinski (Beitrag 1654370)
Er darf nicht ausreisen, ist aber in einem Gebiet in der Zentralukraine wo nicht gekämpft wird in Sicherheit. Ihre Eltern weigern sich Mariupol zu verlassen, heute bekam sie Nachricht dass sie am Leben sind. Sie selber kam letzte Woche nach Deutschland.

Sie sagt zu der Frage "Kapitulation oder Weiterkämpfen": auf keinen Fall Kapitulation, dann machen die Russen im ganzen Land das, was sie in Butscha gemacht haben. Sie würden sich auf keinen Fall auf die aktuell gehaltenen Gebiete beschränken.

Wollen wir hoffen, dass ihre Eltern und ihr Mann am Leben bleiben. Der Krieg könnte unter Umständen noch Jahre gehen und ein Vielfaches der bisherigen Opfer fordern.

Für die ukrainischen Truppen sieht es im Südosten leider aktuell nicht gut aus, die Verluste nach 40 Kriegstagen machen sich jetzt zunehmend bemerkbar (Quelle). Zudem sind manche Experten wohl der Meinung, dass die russischen Truppen nach einem militärischen Erfolg im Südosten zurück nach Kiew kommen werden (ZDF).

Hoffen wir das Beste! :Blumen:

HerrMan 06.04.2022 23:03

Hatte heute einen anstrengenden Tag und die aktuellen Schlagzeilen nur quer gelesen. Alles im grünen Bereich, normales Elend in der Ukraine und klare Abschwungsszenarien für die westliche Wirtschaft.

Und hier? Von Sabine als TS-Globalplayer gefühlsmässig getriggerte und von Arne und anderen Gewaltverneinern intellektuell untermauerte Atom-Diskussion.

So funktioniert Blase!

Klugschnacker 06.04.2022 23:11

Zitat:

Zitat von HerrMan (Beitrag 1654375)
Hatte heute einen anstrengenden Tag

Schlaf' gut! :bussi:

sabine-g 06.04.2022 23:13

Zitat:

Zitat von HerrMan (Beitrag 1654375)
Und hier? Von Sabine als TS-Globalplayer gefühlsmässig getriggerte

Danke. Wenn es nicht so ernst wäre würde ich einen - leider hier nicht vorhandenen - Smiley benutzen.

Hafu 06.04.2022 23:50

Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1654340)
... Russland verfügt über 1.588 atomare Sprengköpfe. Ein einziger davon reicht wahrscheinlich, um den Krieg zu beenden.
...

Nach der russischen Militärdoktrin sind die Nuklearwaffen nur als Ultima ratio zur Verteidigung Russlands selbst vorgesehen.

Es gilt weltweit der allgemein anerkannte Konsens, dass derjenige, der Atomwaffen als erster einsetzt, als zweiter stirbt.

Welches rationale Argument hätte die USA bzw. die NATO noch nach einem Nuklareinsatz Russlands nicht unmittelbar in diesen Konflikt einzugreifen? Wovor sollten sie sich dann noch fürchten?

Auch China, Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea haben Atomwaffen. Sollte die Welt in Ehrfurcht vor all diesen Ländern erstarren, nur weil sie mit ihren Atombomben drohen können?
Natürlich könnte irgendwann mal in einem dieser Länder ein geisteskranker Selbstmörder an die Macht kommen. Von daher wäre es natürlich schöner, wenn es diese Waffen nicht gäbe oder wenn es gelänge, die Anzahl der Atommächte zu
reduzieren. Gegen ein weiteres Ansteigen von Atommächten kämpft die Welt-Gemeinschaft seit Jahrzehnten konsequent. Aber man wird das Rad der Zeit nicht zurückdrehen können und muss sicherheitspolitisch mit dem Status Quo umgehen.

Russland ist in keiner wirklich anderen Situation wie Nordkorea, zu denen sie auch wirtschaftlich in der Zukunft aufschließen werden.. Sie können natürlich rein theoretisch Atombomben einsetzen, aber sofern sie es nicht zur eigenen Landesverteidigung tun, können sie mit Nuklearen Waffen so wenig gewinnen wie mit Giftgasangriffen.
Man sieht ja auch seit Tagen, wie Russland seit Tagen verzweifelt sich darum bemüht die Massager von Butscha abzustreiten und umzudeuten. Welche Geschichte sollte die russische Propaganda erzählen, wenn sie Nuklearwaffen in der Ukraine einsetzen, in einer "Spezial-Operation", die nicht einmal ein Krieg nach russicher Lesart ist?

Hafu 07.04.2022 00:07

Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1654373)
...
Für die ukrainischen Truppen sieht es im Südosten leider aktuell nicht gut aus, die Verluste nach 40 Kriegstagen machen sich jetzt zunehmend bemerkbar (Quelle).

Es ist sicher richtig, dass sich Russland jetzt in den nächsten zwei bis drei Wochen bei seinen militärischen Anstrengungen stark auf den Osten der Ukraine konzentrieren wird.

Aber es ist nicht plausibel anzunehmen, dass das was Russland in den ersten Kriegswochen dort nicht gelungen ist, als die Ukraine noch nicht so massiv vom Westen (insbesondere der USA) unterstützt worden ist, mit den großteils aufgeriebenen Truppen die vor Kiew in die Flucht geschlagen worden sind, jetzt plötzlich gelingen sollte.
So einfach ist es nicht, aus ein paar tausend Soldaten, die wochenlang vor Kiew gekämpft haben und von denen jeder Freunde und Kameraden verloren hat, mal eben neue funktionierende Militäreinheiten mit auch nur irgendwie funktionierender Sozialstruktur und Vertrauensverhältnissen den neuen Befehlshabern gegenüber zu bilden.

Klugschnacker 07.04.2022 00:15

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1654383)
Nach der russischen Militärdoktrin sind die Nuklearwaffen nur als Ultima ratio zur Verteidigung Russlands selbst vorgesehen.

Na und? Da können sie reinschreiben, was sie wollen.

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1654383)
Es gilt weltweit der allgemein anerkannte Konsens, dass derjenige, der Atomwaffen als erster einsetzt, als zweiter stirbt.

Ich halte diese Vorhersage für falsch. Wenn Putin eine Atombombe auf eine ukrainische Stadt werfen lässt: Wer sollte im Gegenzug eine Atombombe auf Moskau werfen? Die USA? Frankreich? Das glaubt doch niemand im Ernst.

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1654383)
Welches rationale Argument hätte die USA bzw. die NATO noch nach einem Nuklareinsatz Russlands nicht unmittelbar in diesen Konflikt einzugreifen? Wovor sollten sie sich dann noch fürchten?

Ich meine, sie fürchten sich vor russischen Atomwaffen. Warum sollten sie einen Atomkrieg mit Russland riskieren, ohne selbst angegriffen worden zu sein?

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1654383)
Auch China, Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea haben Atomwaffen. Sollte die Welt in Ehrfurcht vor all diesen Ländern erstarren, nur weil sie mit ihren Atombomben drohen können?

Wenn es hart auf hart kommt, legen wir uns mit einer Atommacht nicht an, sofern sie über Waffen verfügt, die uns erreichen können. Mit den Chinesen schon gar nicht. So ist das nunmal. Deswegen ist es wichtig, dass wir auf diesem Planeten Konflikte friedlich zu lösen lernen.

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1654383)
Welche Geschichte sollte die russische Propaganda erzählen, wenn sie Nuklearwaffen in der Ukraine einsetzen, in einer "Spezial-Operation", die nicht einmal ein Krieg nach russicher Lesart ist?

Die Propaganda von der Entnazifizierung.

Ein atomarer Schlag kann ja in begrenztem Rahmen erfolgen, der sich – russische Verhältnisse vorausgesetzt – gesellschaftlich schon verkaufen lassen wird. Jedenfalls besser als eine Niederlage.

Ich verstehe nichts von Kriegsführung und kann nicht beurteilen, wie wahrscheinlich eine solche Option ist. Doch die Argumente jener, die einen Einsatz von Atomwaffen kategorisch ausschließen, finde ich nicht richtig überzeugend. Ich sehe es als mögliche, wenn auch unwahrscheinliche Eskalation dieses Krieges.

Klugschnacker 07.04.2022 00:32

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1654384)
Es ist sicher richtig, dass sich Russland jetzt in den nächsten zwei bis drei Wochen bei seinen militärischen Anstrengungen stark auf den Osten der Ukraine konzentrieren wird.

Aber es ist nicht plausibel anzunehmen, dass das was Russland in den ersten Kriegswochen dort nicht gelungen ist, als die Ukraine noch nicht so massiv vom Westen (insbesondere der USA) unterstützt worden ist, mit den großteils aufgeriebenen Truppen die vor Kiew in die Flucht geschlagen worden sind, jetzt plötzlich gelingen sollte.
So einfach ist es nicht, aus ein paar tausend Soldaten, die wochenlang vor Kiew gekämpft haben und von denen jeder Freunde und Kameraden verloren hat, mal eben neue funktionierende Militäreinheiten mit auch nur irgendwie funktionierender Sozialstruktur und Vertrauensverhältnissen den neuen Befehlshabern gegenüber zu bilden.

Eine schnelle Eroberung Kiews hat nicht geklappt. Aber warum sollte eine langsame Eroberung nicht klappen? Die russische Armee ist viel größer als die ukrainische. Wenn es gelingt, die ukrainischen Streitkräfte nach und nach vom Nachschub abzuschneiden, geht es leider irgendwann zu Ende. Vielleicht in einem Jahr. Oder in zwei oder drei.

Der Zugang zu den Meeren im Süden ist vermutlich bald in russischer Hand. Die Stromversorgung. Möglicherweise auch der Öl-Hafen Odessa. Der Nachschub an Waffen, die aus dem Westen kommen, müssen über Straßen und Schienen transportiert werden, die sich kontrollieren lassen. Außerdem muss Kiew gar nicht erobert werden (Häuserkampf), sondern es reicht, wenn man es so weit bringt, dass die Bewohner aufgeben.

Ich kann nicht beurteilen, ob die Ukrainer oder die Russen militärisch die besseren Karten haben. Aber warum sollten die Chancen der Russen bei Null liegen? Das ist mir aus Sicht der Ukraine, der ich von Herzen alle Daumen drücke, zu optimistisch. Leider.

Hafu 07.04.2022 00:57

Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1654386)
...Die russische Armee ist viel größer als die ukrainische. ...

Alleine das stimmt so schon nicht. Lies mal den Thread, den Lidlracer heute nachmittag verlinkt hat nach. Oder diese Analyse von einem britischen Professor für strategische Studien.

Wenn die russische Armee (was Bodenkampftruppen anbelangt) viel größer wäre, als die ukrainische und noch große Reserven hätte, dann müsste Putin jetzt nicht die abgekämpften und demoralisierten Truppen die wochenlang vor Kiew gekämpft hatten, unmittelbar in die Ostukraine schicken, ohne ihnen die Möglichkeit zu geben sich zu erholen, zu reorganisieren und die Ausrüstung wieder zu vervollständigen.

Er würde dann einfach frische Truppen schicken.

Natürlich hat Russland eine viel größere Marine und eine weitaus größere Luftwaffe als die Ukraine und sie haben Atomstreitkräfte. Aber all das nützt wenig, wenn man ein Land erobern will.

Und bei bodengebundenen Streitkräften ist Russland (vor Ort) nicht stärker als die Ukraine und hat v.a. nicht die notwendige Überlegenheit, die ein Angreifer gegenüber einem Verteidiger benötigt. Das Ukrainische Militär ist genau dafür ausgebildet und ausgerüstet, was es derzeit macht, nämlich sein Land zu verteidigen. Putin kann auch nicht alles Militär, das er hat in die Ukraine schicken, und den Rest des Landes ungeschützt lassen.

Dass die Ukraine dank westlicher Hilfe auch noch die viel bessere Aufklärung und in vielen Teilen modernere Waffensysteme hat, kommt mittlerweile durch den Verlauf des Krieges noch hinzu.
Der alberne Zeitdruck, den sich Putin macht, um seine Kampfhandlungen möglichst vor dem 9.Mai zu einem Ende zu bringen, das er irgendwie innenpolitisch als Sieg verkaufen zu können, kommt noch hinzu und muss jedem seriösem Militärplaner, falls es sowas in der Russischen Armee überhaupt noch gibt, die Haare zu Berge stehen lassen.

Koschier_Marco 07.04.2022 01:13

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1654384)
Es ist sicher richtig, dass sich Russland jetzt in den nächsten zwei bis drei Wochen bei seinen militärischen Anstrengungen stark auf den Osten der Ukraine konzentrieren wird.

Aber es ist nicht plausibel anzunehmen, dass das was Russland in den ersten Kriegswochen dort nicht gelungen ist, als die Ukraine noch nicht so massiv vom Westen (insbesondere der USA) unterstützt worden ist, mit den großteils aufgeriebenen Truppen die vor Kiew in die Flucht geschlagen worden sind, jetzt plötzlich gelingen sollte.
So einfach ist es nicht, aus ein paar tausend Soldaten, die wochenlang vor Kiew gekämpft haben und von denen jeder Freunde und Kameraden verloren hat, mal eben neue funktionierende Militäreinheiten mit auch nur irgendwie funktionierender Sozialstruktur und Vertrauensverhältnissen den neuen Befehlshabern gegenüber zu bilden.

Diese Beurteilung ist leider falsch, diejenigen Einheiten die jetzt in Isum angreifen waren entweder schon immer da als Teil der 20 Armee oder werden neu zugeführt.

Im Moment kämpfen da 2 ukr Brigaden die 95. und die 81. und die sind schon beide ziemlich am Ende, gegen die 47 Pz Div der Russen. Diese 47. Pz Div hat den Brückenkopf gebildet und wird dabei komplett aufgerieben werden, dahinter folgen 2 weitere Div die 4. PzDiv und die 3 mot Sch Div, die dann weiter angreifen werden. Dahinter kommen dann noch alle andere Verbände die sie zusammensammeln können, die aus Kiev kannst Du vergessen für die nächsten 2 Wochen. Ich kann aber nicht beurteilen ob das ausreicht um den geplanten Kessel zu bilden, da müssten Sie mir schon die Lagekarten zeigen.

Jedenfalls ist das eine Krise für die Ukrainer, die viel gefährlicher ist alles bisher, um die zu bereinigen müssen Sie einen Gegenangriff durchführen von W nach O, dazu müssen Sie Truppen erstmal dort hinbringen und dann angreifen, das alles gegen russische Luftüberlegenheit und eine Überlegenheit bei der Artillerie von 3:1 zugunsten der Russen. Das Gelände ist topf eben, sie müssen frontal angreifen, die Verluste auf beiden Seiten werden da ein Horror sein.

Den Ukrainer geht das Material und nicht die Leute aus, bei den Russen genau umgekehrt solange sie keine Wehrpflichtigen einsetzen

repoman 07.04.2022 02:36

Zitat:

Zitat von Koschier_Marco (Beitrag 1654350)
Russland war nie eine Bedrohung für die NATO, da braucht man nur die Budgets der Länder addieren, das war jedem klar der genau hinschaut. Die Bedrohung für die NATO, nicht die Ukraine, wurde künstlich herbeigeredet um die NATO überhaupt einen Existenzgrund zu geben nach dem Wegfall der Bedrohung des WP, ab da hat sich die NATO ja international aufgestellt und mit dem out of area Einsätzen begonnen.

Es reicht aber immer noch die Nachbarn die nicht bei der NATO sind zu drangsalieren.

Ich halte das für eine reichlich exklusive Meinung von dir und frage mich ernsthaft wie du darauf kommst. Wenn man nur die Budgets vergleicht macht man es sich meiner Meinung nach ein wenig einfach. Nordkorea hat wahrscheinlich einen noch deutlich geringeren Militärhaushalt, die würde ich aber auch durchaus als Bedrohung sehen. Dort wie in Russland haben sie Atomwaffen, Russland sogar das größte Atomwaffenpotential weltweit und es sind unberechenbare und ziemlich durchgeknallte Despoten an der Macht.

Russland hat daneben sicher auch noch genug "konventionelle" Waffen, die Angst und Schrecken verbreiten (Hyperschallraketen, Streu- und Vakuumbomben) und hat diese möglicherweise in der Ukraine auch schon eingesetzt.

Koschier_Marco 07.04.2022 07:24

Zitat:

Zitat von repoman (Beitrag 1654391)
Ich halte das für eine reichlich exklusive Meinung von dir und frage mich ernsthaft wie du darauf kommst. Wenn man nur die Budgets vergleicht macht man es sich meiner Meinung nach ein wenig einfach. Nordkorea hat wahrscheinlich einen noch deutlich geringeren Militärhaushalt, die würde ich aber auch durchaus als Bedrohung sehen. Dort wie in Russland haben sie Atomwaffen, Russland sogar das größte Atomwaffenpotential weltweit und es sind unberechenbare und ziemlich durchgeknallte Despoten an der Macht.

Russland hat daneben sicher auch noch genug "konventionelle" Waffen, die Angst und Schrecken verbreiten (Hyperschallraketen, Streu- und Vakuumbomben) und hat diese möglicherweise in der Ukraine auch schon eingesetzt.

Damit war die Bedrohung durch einen konventionelle Angriff gemeint, die atomare Bedrohung besteht immer, da brauche aber keine Panzer um der zu begegnen.

selbst wenn Putin gewollt hätte die NATO konventionell anzugreifen, hätte er das nie realisieren können.

Schrecken verbreiten ist das eine, es gäbe ja dann eine Reaktion der NATO ...

Hafu 07.04.2022 07:54

Interessanter Text in der Financial Times über die massiven demographischen Probleme Russlands, die jetzt durch Sanktionen und den massiven BrainDrain seit Februar stark beschleunigt werden.

70 000 bis 100 000 junge Russen (nahezu ausschließlich gut ausgebildet) sind schon seit Februar aus dem Land geflohen, weitere 100 000 werden voraussichtlich im April das Land verlassen.

Zitat:

“Clearly there’s emigration happening on a scale and pace that we’ve never seen before,” said independent demographer Alexey Raksha.
Bin gespannt, wann Russland einen "antifaschistischen Schutzwall" bauen muss, um den Auswanderungsprozess zu bremsen. Mein Mitleid hält sich in Grenzen.


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