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Ringelnatz
Der Globus
„Wo sitzt“, frug der Globus leise Und naseweis die weise, weiße, Unübersehbar weite Wand, „Wo sitzt bei uns wohl der Verstand?“ Die Wand besann sich eine Weile, Sprach dann: „Bei dir – im Hinterteile!“ Nun dreht seitdem der Globus leise Sich um und um herum im Kreise – Als wie am Bratenspieß ein Huhn, Und wie auch wir das schließlich tun – Dreht stetig sich und sucht derweil Sein Hinterteil, sein Hinterteil. |
Erich Kästner
Stimme von der Galerie
Die Welt ist ein Theaterstück. Spielt eure Rollen gut! Ihr spielt ums Leben. Seid Freund! Seid Feind! Habt Macht! Habt Glück! Ich spiel nicht mit. In jedem Stück muß es auch Menschen, die bloß zuschaun, geben. Und wenn das Stück mißfällt, so laßt mich schließen, ist das noch längst kein Grund, aufs Publikum zu schießen. |
Wie ist das bei dir:
Fällt dir bei deinem aufmerksamen Gang durchs Leben in bestimmten Situationen tatsächlich ein bestimmtes Gedicht ein, das du dir mal gemerkt hast und das zu passen scheint, und du stellst es dann hier rein? Oder liest du regelmäßig Gedichte, zum Beispiel Kästner, und eines davon hat einfach Glück und landet hier? Würde mich interessieren. Vielleicht hätten wir uns in Sölden nicht nur kurz die Hand geben sollen. Aber es war halt auch wenig Zeit. |
Zitat:
Vielleicht kreuzen sich unsere Wege 2011/2012 bald wieder. Nein - aufm Oktoberfest bestimmt nicht. |
Johann Wolfgang von Goethe
Nachgefühl
Wenn die Reben wieder blühen, Rühret sich der Wein im Fasse; Wenn die Rosen wieder glühen, Weiß ich nicht, wie mir geschieht. Thränen rinnen von den Wangen, Was ich thue, was ich lasse; Nur ein unbestimmt Verlangen Fühl‘ ich, das die Brust durchglüht. Und zuletzt muß ich mir sagen, Wenn ich mich bedenk‘ und fasse, Daß in solchen schönen Tagen Doris einst für mich geglüht. |
Ringelnatz
Flie und Ele
Fliegend entfernten sich die Fliegen. Doch ließen sie auf Ei und Kaviar Zwei, drei, vier Fliegenexkremente liegen. Die aß der Mensch und ward es nicht gewahr. Ein Elefant bemerkte diesen Fall Und rollte einen schweren, goldnen Ball Nicht ohne leises Lächeln durch den Stall. |
Heinrich Heine
Unterwelt/I
Blieb ich doch ein Junggeselle! – Seufzet Pluto tausendmal – Jetzt, in meiner Ehstandsqual, Merk ich, früher ohne Weib War die Hölle keine Hölle. Blieb ich doch ein Junggeselle! Seit ich Proserpine hab, Wünsch ich täglich mich ins Grab! Wenn sie keift, so hör ich kaum Meines Cerberus Gebelle. Stets vergeblich, stets nach Frieden Ring ich. Hier im Schattenreich Kein Verdammter ist mir gleich! Ich beneide Sisyphus Und die edlen Danaiden. |
Ringelnatz
Der Briefmark
Ein männlicher Briefmark erlebte Was Schönes, bevor er klebte. Er war von einer Prinzessin beleckt. Da war die Liebe in ihm erweckt. Er wollte sie wiederküssen, Da hat er verreisen müssen. So liebte er sie vergebens. Das ist die Tragik des Lebens … |
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