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qbz 14.02.2026 15:46

Zitat:

Zitat von Adept (Beitrag 1799032)
Ich muss ihm halt in dem Punkt recht geben, ob wir uns nicht über-therapieren und das ganze Leben über-problematisieren. Die Anzahl der Diagnosen sind ja massiv in die Höhe geschossen. Das ist bestimmt multifaktorell, aber auch weil jeder sich mit sich selbst beschäftigt.

Und manchmal ist in der Tat richtig feiern gehen auch ein probater Weg, aus seinem Tief zu kommen. :-)(-: :Prost: :Prost:

Wegen 1 Tiefs gelangt doch niemand in einen stationären Klinikaufenthalt, dafür gibt es viel zu wenig Plätze. Ich empfehle Dir, mal mit Betroffenen zu sprechen, die unter schweren Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen leiden.

Wie oft habe ich während meiner Berufszeit ambulante Kinder- / Jugendlichentherapieplätze für Kinder u. Jugendliche gesucht, die dann viel zu lange Wartezeiten hatten. Die Psychotherapie-Kassen-Niederlassungen sind doch von der Kasse limitiert und ausgebildete Psychotherapeuten müssen bestehende Praxen übernehmen bzw. kaufen, wenn sie eine Kassenzulassung wollen. Für ambulante Psychotherapie geben die Kassen nur ca. 1,5 % ihres Budget aus. Typische Sündenbock Diskussion....

Ich kann aufgrund meiner beruflichen Erfahrungen (Psychologischer Psychotherapeut) Anthracis Darstellung nur unterstützen und was Berlin betriftt, wurde in den letzten 30 Jahren im Bereich der gesetzlichen Hilfen zur Erziehung nach dem Jugendhilfegesetz (schliesst therapeutische Hilfen für Kinder / Jugendliche ein ) ca. 50 % gekürzt.

Antracis 14.02.2026 17:52

Zitat:

Zitat von Adept (Beitrag 1799032)
Ich muss ihm halt in dem Punkt recht geben, ob wir uns nicht über-therapieren und das ganze Leben über-problematisieren.

Die Überlegung ist legitim, aber geht an der Versorgungsrealität ( für die Herr Hecken in oberster Funktion mit zuständig ist) vorbei.

Für Psychotherapien auf Kosten der gesetzlichen Krankenkassen müssen Anträge gestellt werden. Vor allem für längere Therapien sind diese sehr umfangreich und aufwändig ( qbz kann da ggf. ein Lied von singen…)auf jeden Fall muss eine genaue Diagnose gestellt werden und dann mit hohen formalen Anforderungen ein genauer Bericht für einen medizinischen Gutachter verfasst werden, der Störungsmodell und Therapieansätze sowie Prognose ect. beeinhaltet. Der Gutachter entscheidet dann, ob und wieviel. Bei Kurzzeittherapien ( bis 12h) ist der Aufwand geringer, aber auch da muss stringend die psychische Erkrankung, die Art der Störung und der Lösungsansatz dargestellt werden.

Hecken hat seine „missverständliche“ Bemerkung folgendermaßen relativiert

Zitat:

…dass ich als Privatperson nicht jede Befindlichkeitsstörung wie zum Beispiel gelegentliche Einschlafprobleme als krankhaften und sofort behandlungsbedürftigen Zustand ansehe, sondern dann manchmal als altes und überliefertes Hausmittel eine Flasche erwärmten Bieres hilft
Wenn er in seiner Position sowas in einer Sitzung des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen sagt, ist das als „Privatmeinung“ ungefähr genauso private Meinung wie wenn ich als Außenminister im Bundestag sage, dass wir die Nato verlassen sollten.:Cheese:

Niemand bekommt in Deutschland eine Psychotherapie, nur weil er gelegentliche Schlafstörungen hat. Das ist einfach populistischer Bullshit.

Die realen Versorgungsprobleme sind

- zu lange Wartezeiten auf Psychotherapien
- zu wenig Therapieplätze für Schwerstkranke
- immer noch durch zu wenig Wissen und zu viel Stigma keine oder zu späte Behandlung

Heckens Bemerkung lenkt entweder von diesen Problemen ab oder fördert sie dadurch sogar. Aber das tut er seit 2012, seit er im Amt ist und daran werde ich nix ändern.

Insofern gönne ich mir jetzt auch ein ( kühles :Cheese:) Bier. :Prost:

Adept 14.02.2026 18:27

Na dann prost! :Prost:

Die ganzen hohen Einstiegshürden und ewigen Wartezeiten sind doch meiner Meinung nach die Auswirkung, dass zu viele Bagatell-Fälle in Therapie sind. Oder wollen 50% der Gesellschaft Therapeuten haben, die die anderen 50% als Patienten hat?

Wobei ich auch Psychologen kennengelernt habe, die stark behandlungsbedürftig waren. Einige scheinen es studiert zu haben, um sich selbst zu therapieren.

welfe 14.02.2026 18:35

Zitat:

Zitat von Antracis (Beitrag 1799040)

Niemand bekommt in Deutschland eine Psychotherapie, nur weil er gelegentliche Schlafstörungen hat. Das ist einfach populistischer Bullshit.

Dem kann ich nur zustimmen, als Lehrerin betroffener Kinder, selbst Betroffene, als Mutter einer betroffenen Tochter und einer Tochter, die in der Jugendhilfe arbeitet. Es ist ein Trauerspiel. Ein unentdeckter Diabetes wird sofort therapiert und eingestellt und nicht in Frage gestellt. Psychisch Kranke haben einen langen Leidensweg hinter sich und für Depressive endet der häufig tödlich, weil es Teil der Krankheit ist, den schwierigen Weg durch die Instanzen nicht gehen zu können.

Übrigens für Privatpatienten nicht besser. Einen Großteil der Therapie meiner Tochter habe ich tatsächlich privat bezahlt, weil die Kosten nicht übernommen wurden, und da sie jetzt 21 wird, fliegt sie aus der Jugendtherapie und wir finden keinen Arzt, der übernimmt.

qbz 14.02.2026 18:54

Zitat:

Zitat von Adept (Beitrag 1799042)
Na dann prost! :Prost:

Die ganzen hohen Einstiegshürden und ewigen Wartezeiten sind doch meiner Meinung nach die Auswirkung, dass zu viele Bagatell-Fälle in Therapie sind. Oder wollen 50% der Gesellschaft Therapeuten haben, die die anderen 50% als Patienten hat?

Wobei ich auch Psychologen kennengelernt habe, die stark behandlungsbedürftig waren. Einige scheinen es studiert zu haben, um sich selbst zu therapieren.

Beruht Deine subjektive Meinung im Hinblick auf Bagetellfälle auf Studien / Untersuchungen. Weshalb ignorierst Du diese so hartnäckig, die nämlich alle etwas anderes belegen? Ernst gemeinte Frage.

Man sollte unterscheiden zwischen Dipl. Psychologen u. Psychotherapeuten. Für letztere ist im Rahmen der Ausbildung immer auch, je nach Richtung, Selbsterfahrung bis Eigentherapie vorgesehen, um die eigene Person besser und tiefer kennen zu lernen.

Ich finde es absurd und komplett ineffektiv, bei 1,5 % der Kassenausgaben einsparen zu wollen.

Adept 14.02.2026 19:01

Fehlzeiten durch Psychische Erkrankungen erzeugen jedenfalls enorme wirtschaftliche Kosten und nicht ohne Grund lehnen private Krankenversicherungen die Aufnahme ab, wenn du wegen Psyche in Behandlung warst. Die Kosten des einzelnen sind also enorm.

StefanW. 14.02.2026 19:10

Zitat:

Zitat von Adept (Beitrag 1799045)
Fehlzeiten durch Psychische Erkrankungen erzeugen jedenfalls enorme wirtschaftliche Kosten....

Und ohne Therapieplätze sind die Menschen noch viel länger krank, was negativ für die Einzelpersonen und teuer für die Gesellschaft ist.
Du darfst den Experten wie QBZ und Antracis übrigens zutrauen, dass sie beurteilen können, ob jemand durch ein Saufgelage geheilt werden könnte.

Siebenschwein 14.02.2026 19:22

Zitat:

Zitat von Adept (Beitrag 1799045)
Fehlzeiten durch Psychische Erkrankungen erzeugen jedenfalls enorme wirtschaftliche Kosten und nicht ohne Grund lehnen private Krankenversicherungen die Aufnahme ab, wenn du wegen Psyche in Behandlung warst. Die Kosten des einzelnen sind also enorm.

Genau, lasst uns das aus der Kassenpflicht rausnehmen, früher oder später begehen die sowieso Selbstmord und der eine oder andere Amoklauf hat evolutionsbiologisch sicher auch nur Vorteile. :Kotz:

Adept 14.02.2026 21:42

An alle Drama Queens hier: Depressionen führen weder häufig zu Suizid noch zu Amokläufen. Da gibt es ein ganz grosses Spektrum und solche Extremfälle sind absolute Ausnahmen.

qbz 14.02.2026 21:52

Zitat:

Zitat von Adept (Beitrag 1799057)
An alle Drama Queens hier: Depressionen führen weder häufig zu Suizid noch zu Amokläufen. Da gibt es ein ganz grosses Spektrum und solche Extremfälle sind absolute Ausnahmen.

Worauf beruht Deine Behauptung?

"Die häufigste psychische Erkrankung, die zu Suizidverhalten beiträgt, ist Depression. Depression, einschließlich der Depressionen im Rahmen einer bipolaren Störung ist für mehr als 50 Prozent der Suizidversuche verantwortlich und in noch höherem Maße für vollendete Suizide." Erklärt aufgrund von Studien Google.

Adept 14.02.2026 22:29

ChatGPT mit Referenz auf Psychology Today:

Zitat:

Die große Mehrheit der Menschen mit einer Depression begeht keinen Suizid — selbst wenn viele Suizidgedanken oder -versuche erleben.
Ist aber auch common sense. Es gibt eine Menge Leute mit einer Depression. Man sagt sogar, dass jeder im Laufe seines Lebens eine depressive Episode erlebt. Somit hätten wir kaum noch Menschen auf der Welt.

PS: qbz, deine und meine Aussage widersprechen sich nicht, wenigstens teilweise: Kann natürlich sein, dass Depressionen zu den häufigsten Suiziden führt. Das sind aber zwei paar Radschuh.

Antracis 14.02.2026 22:39

2024 haben sich in Deutschland mindestens 10372 Menschen suizidiert.(+ Dunkelziffer) Die Zahlen steigen (wieder), aber es waren in den letzten 10 Jahren immer mindestens um die 9000 Menschen.

Das sind knapp 30 Suizide am Tag bzw. stündlich stirbt so ein Mensch in Deutschland. Die meisten haben nach gängiger Forschungsmeinung eine psychische Erkrankung und die Depression ist, wie qbz schon schrieb, die bedeutsamste davon bezüglich der Mortalität.

Zur Relation. 2024 gab es in Deutschland 2770 Verkehrstote, dass ist weniger als ein Drittel dieser Menge.

Da darf man als Gesellschaft in Sachen Prävention schon was investieren.

Adept 14.02.2026 22:48

Ohne Frage. Aber die behandeln, die es wirklich brauchen.

TriVet 14.02.2026 22:54

Zitat:

Zitat von Adept (Beitrag 1799070)
Ohne Frage. Aber die behandeln, die es wirklich brauchen.

Du bist sicher viel mehr im Thema und besser qualifiziert als antracis oder qbz, daher meine Frage, nehme ich besser ein Pils oder ein Helles?

Flow 14.02.2026 23:15

Zitat:

Zitat von TriVet (Beitrag 1799071)
Du bist sicher viel mehr im Thema und besser qualifiziert als antracis oder qbz, daher meine Frage, nehme ich besser ein Pils oder ein Helles?

Ich hatte Rioja, beim Spanier, hat auch erstmal geholfen ...

Rechnung hat der Arbeitskollege beglichen, feiner Zug ... :) ... sonst hätte ich sie bei der Krankenkasse eingereicht ... ;)

Meik 15.02.2026 00:00

Zitat:

Zitat von Adept (Beitrag 1799070)
Ohne Frage. Aber die behandeln, die es wirklich brauchen.

An der Logik ist vordergründig was dran, nur wie willst du das feststellen ohne Diagnose und damit ohne Besuch beim Psychologen?

Und was hast das mit dem Stromausfall in Berlin zu tun? War der Attentäter auch depressiv und deshalb die Stromleitung beschädigt?

Adept 15.02.2026 00:25

Frag qbz, das ist sein Thema.

StefanW. 15.02.2026 10:07

Zitat:

Zitat von Adept (Beitrag 1799057)
An alle Drama Queens hier: Depressionen führen ...

Die passendste Reaktion auf Deine Beiträge in diesem Thread stammt von Dieter Nuhr.

Adept 15.02.2026 11:47

Zitat:

Zitat von StefanW. (Beitrag 1799078)
Die passendste Reaktion auf Deine Beiträge in diesem Thread stammt von Dieter Nuhr.

Apropos, für dich würde eine Therapie Sinn machen. Wäre gut investiertes Geld, wenn du auch so IRL bist. Gehst du da auch allen so auf den Sack?

StefanW. 15.02.2026 11:50

Zitat:

Zitat von Adept (Beitrag 1799080)
Apropos, für dich würde eine Therapie Sinn machen. Wäre gut investiertes Geld, wenn du auch so IRL bist.

Den Beitrag zitiere ich mal, damit er für die Nachwelt erhalten bleibt.

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Nachtrag, 13:26, da Adept seinen Beitrag um den nachfolgenden Satz ergänzt hat:
Zitat:

Zitat von Adept (Beitrag 1799080)
Gehst du da auch allen so auf den Sack?

Nur denen, die sich über Kranke, Minderheiten... lustig machen.


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