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thunderbee 03.08.2012 12:29

Zitat:

Zitat von 3-rad (Beitrag 786971)
Meine Tochter schwimmt (12 Jahre)
In Münster gibts keine 50m Bahn (das mal als Randbemerkung)
Wir haben jedes Jahr einen abartigen Kampf mit der Stadt auszutragen um genügend Wasserfläche zur Verfügung zu haben (um alle Kader zu versorgen)
Bei uns im Ort haben wir den Schwimmverein nach 37 Jahren beerdigt weil die Stadt horrende Summen für ein paar Bahnen wollte die wir nicht mehr stemmen konnten.
Wir (meine Frau und ich sowie ein paar andere) vollbringen täglich logistische Meisterleistungen um die Kinder irgendwie nach Münster zu karren und wieder abzuholen.

Wenn dann die Kinder von Meisterschaften (NRW oder deutsche, egal) kommen und hochdekoriert sind, dann gibt es Fototermine mit den Stadtoberhäuptern von Münster.
Denn diese haben das ja erst möglich gemacht.:Kotz:
Sportförderung der Stadt ist Fehlanzeige, Sponsoren haben wir nach langem Ringen jetzt einen, der ein paar Meldegelder zahlt und eine Grundausstattung zur Verfügung stellt (einmalig pro Schwimmer).

Das alles spielt sich im kleinen ab.
Wenn die Kids dann größer werden müssten sie eigentlich nach Essen oder so um bessere Bedingungen zu haben.
Das würde mehr oder weniger ein Internat bedeuten, was die wenigsten wollen (inklusive Eltern).

So versanden viele von hoffnungsvollen Talenten im Nichts.

Später gibts natürlich dann andere Probleme, die ich nicht kenne.
Aber: Um diese kennenzulernen bedarf es erst mal einer guten Grundausbildung. Und die ist wie eben geschildert: sehr schwierig zu meistern.

Problemlos auf fast jede Stadt in Deutschland übertragbar!

Blick in die USA: Highschool / College mit Schwimmbecken und Schwimmtrainern.
Kenn leider keine Schule in D (ausser Schwimminternat), die ein Schwimmbecken sein Eigen nennt.

Problemlos übertragbar auf jede Sportart in D, ausser Fussball!

Statler 03.08.2012 12:31

Zitat:

Zitat von chris.fall (Beitrag 787047)
Moin,

im Bereich der Nachwuchsförderung funktioniert der DSV zumindest hier in Browntown ziemlich gut. Mein Verein ist "Landestützpunkt Schwimmen" der mit der Schule in direkter Nachbarschaft zusammen arbeitet. Die Kinder und Jugendlichen trainieren zweimal am Tag, pro Einheit auch schon mal 7km. Es wird knallhart gesiebt: Um im Kader zu bleiben muss bei den Landesjahrgangsmeisterschaften mindestens ein dritter Platz gemacht werden, der Cheftrainer hat Vetorecht... Ähnliche Bedingungen kennen ich aus einem früheren Leben in Rostock.


Viele Grüße,

Christian

Das kann auch nur in Zusammenarbeit mit den Schulen funktionieren, deshalb gibt nur wenige , die diese Trainingsbedigungen vorfinden.
Talente haben wir sicher genug.

chris.fall 03.08.2012 12:35

Moin,

was ich bei meinem Hohelied auf die Nachwuchsförderung hier in Browntown allerdings vergessen habe, sind die "Schwimmkindwitwen", für die es einen extra Balkon in die Halle rein zum Zusehen gibt. Denn viele von den Kids wohnen nicht in Browntown, sondern bis zu 40km entfernt...


Viele Grüße,

Christian

chris.fall 03.08.2012 12:45

Moin,

was mir dazu

Zitat:

Zitat von Roland Matthes
Doch seit 1992 in Barcelona werden die Leistungen kontinuierlich schwächer.

gerade noch einfällt: Durch die Wiedervereinigung hat es in allen Sportarten eine hohe Leistungssteigerung gegeben. Die Liste ehemaliger oder sogar nach aktiver Spitzensportler, die vom DDR-System entdeckt und gefördert wurden, ist fast endlos. Von der Dopingproblematik mal abgesehen ist da vorgemacht worden, wie es geht.

Und so

Zitat:

Zitat von thunderbee (Beitrag 787070)
Problemlos auf fast jede Stadt in Deutschland übertragbar!
(...)
Problemlos übertragbar auf jede Sportart in D, ausser Fussball!

geht es eben nicht.


Viele Grüße,

Christian

Statler 03.08.2012 12:49

Zitat:

Zitat von chris.fall (Beitrag 787073)
Moin,

was ich bei meinem Hohelied auf die Nachwuchsförderung hier in Browntown allerdings vergessen habe, sind die "Schwimmkindwitwen", für die es einen extra Balkon in die Halle rein zum Zusehen gibt. Denn viele von den Kids wohnen nicht in Browntown, sondern bis zu 40km entfernt...


Viele Grüße,

Christian

Wohnen diese Kinder in der Schule ?
Wenn mein Kind morgens vor der Schule schwimmen soll und wir leben 40 km entfernt, wie soll das funktionieren ?
Sorry, dann müßte ich meinen Kindern sagen, ich kann das zusätzlich zu meinem Job nicht leisten.
Das ist ja Wahnsinn.

Meine Tochter wollte mit 9 Jahren gerne in Darmstadt Triathlon machen. Das hätte ich nicht geregelt bekommen fast jeden Tag nach Darmstadt zu fahren.

chris.fall 03.08.2012 13:03

Moin,

Zitat:

Zitat von Statler (Beitrag 787080)
Wohnen diese Kinder in der Schule ?

Nein. Die Kooperation besteht darin, dass das Vormittagstraining während des Unterrichts stattfindet, und der ausgefallene Unterricht nachmittags nachgeholt wird.

Zitat:

Zitat von Statler (Beitrag 787080)
Das ist ja Wahnsinn.

Ja. Daniela - ehemalige Spitzenschwimmeren hier aus der Szene, die mit mir zusammen trainiert - fährt pro Woche 600km, damit ihre 11jährige Tochter in dem Kader trainieren kann...


Viele Grüße,

Christian

Skunkworks 03.08.2012 13:15

Zitat:

Zitat von chris.fall (Beitrag 787087)
Moin,



Nein. Die Kooperation besteht darin, dass das Vormittagstraining während des Unterrichts stattfindet, und der ausgefallene Unterricht nachmittags nachgeholt wird.



Ja. Daniela - ehemalige Spitzenschwimmeren hier aus der Szene, die mit mir zusammen trainiert - fährt pro Woche 600km, damit ihre 11jährige Tochter in dem Kader trainieren kann...


Viele Grüße,

Christian

Was in dem Zusammenhang auffällt: Dass das Laufen genauso elend ist in DE. Da brauchts kein Becken, und jeden Tag Laufbahn ist auch nicht nötig...ok, anderes Thema...

la_gune 03.08.2012 13:30

Ich plauder mal ein wenig aus dem Nähkästchen:

In meinem Dorf-Verein war ich nach über 20 Jahren der erste Schwimmer, der wieder zu den Landesmeisterschaften durfte. Anreise, Unterkunft (im Zelt im April!!!) etc, alles selbst organisiert und bezahlt. Ohne meinen Vater wäre ich als 13jähriger ziemlich aufgeschmissen gewesen...

Einige Zeit später haben wir erfahren, dass ich die Kader-Norm für das D-Kader geschafft habe. Der nächste Stützpunkt war 85(!)km entfernt. Also ist mein Vater 2x die Woche nach der Arbeit mit mir ins Kadertraining gefahren, ist selbst 2h geschwommen um dann nachts um halb elf todmüde ins Bett zu fallen. Dazu bis zu 48Wettkämpfe pro Jahr. Oft (wie oben beschrieben) alles selbst organisiert und bezahlt.

Mein 7 Jahre jüngerer Bruder fing auch recht bald mit Schwimmen an und wurde noch besser. Inzwischen war mein Vater ehrenamtlicher Kampfrichter und meine Mutter (ehrenamtliche) Trainerin mit C-Lizenz. So wurden die Wettkämpfe immerhin zu netten "Familienausflügen"...

Mit 15 Jahren wurde mein Bruder zu einem Lehrgang von Dirk Lange (damals Kader-Trainer) nach Hamburg eingeladen. Im Anschluß an den Lehrgang bot man ihm so wie einigen weiteren Teilnehmern eine Art Internat an. Wohnungen direkt über dem Olympiastützpunkt in einer Art betreuten WG, normale Schule um die Ecke. Mein Bruder ist dann mit 16 in diese WG eingezogen. 2-3x täglich Training plus Landtraining plus Schule. Er war im B-Kader, ist Weltcup geschwommen und war mehrmals auf dem Podium bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften. Die Schwimmer wurden von der SG Hamburg unterstützt und gefördert. Das waren dann schon deutlich bessere Bedingungen als zu Hause im Dorf-Verein. Aber z.B. Preisgelder wie bei den Tennisspielern gab es für die Schwimmer auch auf dem Niveau eigentlich nie.

Dann ging es irgendwann um das A-Kader, was Herr Lange persönlich trainiert hat. Klare Ansage: "Wer von mir trainiert werden will hat pro Monat xxx,-€ zu bezahlen." :confused: Er forderte also von den Athleten (die meisten noch KINDER ohne eigenes Einkommen!!!) neben seinem Honorar von der SG Hamburg und dem DSV (und wo er sonst noch Kohle her bekommen hat) auch noch mal Geld. Da meine Eltern nicht in der Lage waren, diesen 5-stelligen Betrag pro Jahr zu zahlen (und mein Bruder das auch nicht wollte), blieb ihm nichts anderes übrig, als weiterhin im B-Kader zu trainieren. Einige wenige Eltern haben es bezahlt. Einen von diesen Athleten hat man in Peking gesehen...
Her Lange war dann aber gar nicht mehr lange in HH, war dann zwischenzeitlich ja mal DSV Cheftrainier (ohne großen Erfolg) und ist dann nach RSA abgehauen wo er wohl keinen allzu großen Gegenwind hat mit seiner Art.

Mein Bruder hat sich dann lieber auf sein Abi konzentriert und anschließend Jura studiert.

Denn was man nicht vergessen darf: Man kann als Schwimmer in Deutschland NICHT von diesem Sport leben. Einzige Ausnahme mag vielleicht Franzi sein. Aber als Mann ? Keine Chance...
Sowas wie die Herren Phelps, Thorpe, Spitz, etc das sind Nationalhelden wie bei uns vielleicht der Schumacher oder FC Bayern. Die Bedingungen sind einfach andere.

Fakt ist, es gibt in D keine gescheite Talentförderung. Die Anforderungen für die Kader sind inzwischen ziemlich heftig und es wird gesiebt. Aber sobald es etwas weiter nach oben geht, wird es ziemlich dünn. Zudem haben Schwimmen in D keine Perspektiven. Das sind alles durch die Bank weg AMATEURE !!! Klar werden die von den Arbeitgebern frei gestellt, aber sicher stellt sich der Arbeitgeber schon die Frage, wozu er jemanden, der im Halbfinale rausfliegt so fördern soll. Das bringt ihm ja eher nicht so viel, besonders wenn die Leistung nicht stimmte. Ein Sponsor will schließlich Erfolge sehen !

Wenn dann noch ein riesen Pulk plan- und ahnungsloser Funktionäre an der Spitze des Verbandes sein Unwesen treibt (der Chef vom DSV ist ein TURMSPRINGER!!!), braucht man sich eigentlich nicht zu wundern, dass die Motivation der Deutschen Athleten eine etwas andere ist, als z.B. die der Amis.

Große Sprüche wie von Herrn Matthes werde nach solch "verpatzten" Meisterschaften immer geklopft. Aber ändern tut sich dann meist doch nix. In den Funtkionärsklüngel kommt man nicht so ohne weiteres rein, besonders wenn man ein Querkopf ist und mal was ändern will. (sh. Dirk Lange)

Allerdings habe ich zumindest ein bisschen Hoffnung, dass sich der DSV nach diesem wiederholten Debakel mal so langsam Gedanken macht, was da falsch läuft.


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