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aequitas 15.07.2016 16:59

Zitat:

Zitat von tuben (Beitrag 1238338)
Irgendwie muss dieses Hirn ja krank geworden sein.:confused:

Terrorismus auf eine psychische Störung zu reduzieren wird leider allzu oft betrieben. Das verharmlost oft das dahintersteckende Weltbild. Auch bei Breivik wurde dann lange Zeit nur über die Person und seine Krankheit gesprochen und Motive nicht detaillierter betrachtet. Eine gewisste psychische Störung mag dabei durchaus eine Rolle spielen, ist jedoch nicht der einzige Grund, vor allen Dingen nicht der, der eine Debatte bestimmen sollte.

Megalodon 15.07.2016 17:16

Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1238337)
Weiß man das schon? Ich habe in den heutigen Berichten nichts darüber finden können, ob der Täter verrückt war.

Ich weiß was Du meinst.

Für mich spricht aber die Tat für sich. Jemand der über 2km lang Schlangenlinien fährt, um möglichst viele Menschen zu überfahren, ist gemäß meiner Definition geisteskrank. Ich bin Laie, ich bin kein Psychiater. Ich sehs halt einfach so.

Megalodon 15.07.2016 17:31

Zitat:

Zitat von aequitas (Beitrag 1238348)
Terrorismus auf eine psychische Störung zu reduzieren wird leider allzu oft betrieben. Das verharmlost oft das dahintersteckende Weltbild. Auch bei Breivik wurde dann lange Zeit nur über die Person und seine Krankheit gesprochen und Motive nicht detaillierter betrachtet. Eine gewisste psychische Störung mag dabei durchaus eine Rolle spielen, ist jedoch nicht der einzige Grund, vor allen Dingen nicht der, der eine Debatte bestimmen sollte.

Ich nenn Dir jetz mal ein persönliches Beispiel. Mein Vater war ein überzeugter Linker (übrigens einer der Gründe, warum ich auf einer Waldorfschule war). Der hatte Anfang der 70er Jahre Kontakt zu vielen linken Gruppierungen, auch zu gewaltbereiten, auch zu Leuten, die der RAF nahestanden oder dabei waren.

Sehr viele dieser Leute teilten die linken Ideen und hätten den Wandel in eine sozialistische Republik begrüßt. Die haben das, was die RAF dann getan hat, vor allem die 2. Generation, aber völlig abgelehnt. Mein Vater hat mal gesagt, die sind krank. Was ich sagen will, ideologische Verblendung, auch religöser Wahn, führt noch lange nicht zum Massenmord. Da fehlt noch was anderes. Eben der Sprung in der Schüssel.

Nobodyknows 15.07.2016 17:32

Zitat:

Zitat von drullse (Beitrag 1238344)
Ja.

IMHO

Auge um Auge - und die ganze Welt wird blind sein.

Gruß
N.

aequitas 15.07.2016 17:54

Zitat:

Zitat von Megalodon (Beitrag 1238356)
Mein Vater hat mal gesagt, die sind krank. Was ich sagen will, ideologische Verblendung, auch religöser Wahn, führt noch lange nicht zum Massenmord. Da fehlt noch was anderes. Eben der Sprung in der Schüssel.

Da widerspreche ich dir auch überhaupt nicht. Nur oft werden ideologische Motive "ignoriert" bzw. nicht näher analysiert. Natürlich hat relgiöser Terrorismus etwas mit Religion zu tun. Diese Beziehung wird leider auch oft verleugnet oder nicht näher betrachtet.

Traurig, mit was Frankreich in den letzten Monaten zu kämpfen hatte.

tandem65 15.07.2016 17:59

Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1238337)
Welche Mittel bleiben uns dann übrig? Weitere Gewalt?

Biblische Methoden.:( :Huhu:

waden 15.07.2016 19:35

Zitat:

Zitat von tandem65 (Beitrag 1238364)
Biblische Methoden.:( :Huhu:

Welche? "Auge um Auge"... oder "die andere Wange"?

MatthiasM 15.07.2016 19:43

Zitat:

Zitat von Megalodon (Beitrag 1238356)
... Anfang der 70er Jahre Kontakt zu vielen linken Gruppierungen, auch zu gewaltbereiten, auch zu Leuten, die der RAF nahestanden oder dabei waren.

Sehr viele dieser Leute teilten die linken Ideen und hätten den Wandel in eine sozialistische Republik begrüßt. Die haben das, was die RAF dann getan hat, vor allem die 2. Generation, aber völlig abgelehnt. Mein Vater hat mal gesagt, die sind krank. Was ich sagen will, ideologische Verblendung, auch religöser Wahn, führt noch lange nicht zum Massenmord. Da fehlt noch was anderes. Eben der Sprung in der Schüssel.

Vielen Dank für diesen kleinen Exkurs in unsere eigene Geschichte, das gibt mir das Stichwort: Ja, die linken Ideen, die der RAF als ideologischer Unterbau gedient haben, sind nach wie vor aktuell und reflektierenswert), die Rechtfertigung zu Gewalt geben sie nicht unbedingt her.

Also ohne irgendwen rechtfertigen zu wollen: die "alte" RAF oder eine ganze andere Reihe heutiger eher linksextreme Terrorgruppen (u.a. auch militante PKK-nahe Splittergruppen) mit religiösen Fundis, konkret den IS-Terroristen, oder mit psychopathischen Einzeltätern (die typischen Amokläufer mit den Massenschießereien in den USA) zu vergleichen hinkt in einem Punkt.

Erstgenannte (RAF etc.) versuchen meist, "das System" (was auch immer das sein mag) zu treffen, also Anschläge gegen Repräsentanten und Einrichtungen "des Systems" (Wirtschaftsbosse, Konzernzentralen, Politiker, Ordnungsbehörden, Polizei, Militär, Kasernen), und ja, oft unter Inkaufnahme von "Kollateralschäden" ("unvermeidlich" der Chauffeur vom Industrieboss, oder völlig unbeteiligte Zivilpersonen).

Die meisten aktuellen, oft religiös motivierten Anschläge, die ganzen Selbstmordbomber aus dem IS-Umfeld wollen dagegen eine Maximalanzahl an Opfern jeder Art, auch und gerade "normale" Zivilbevölkerung treffen; der Amokläufer will einmal im Leben "Ganz groß rauskommen" und sich an "seinem" Umfeld rächen.

Das ist schon irgendwie ein Unterschied. Rechtfertigt normalerweise nichts.

lG Matthias

PS.: Historisch-rückschauend gesehen ist die Abgrenzung zwischen Terrorist - (legitimer) Widerstandskämpfer wieder erschreckend subjektiv.... Der LKW-Fahrer aus München, der Bombenleger vom Oktoberfest oder die Attentäter von Paris werden es historisch gesehen aber wohl kaum zum "Widerstandskämpfer"-status schaffen.

PPS.: Lesenswert zu dem ganzen Mist:
Götz Eisenberg, "Zwischen Amok und Alzheimer. Zur Sozialpsychologie des entfesselten Kapitalismus". Brandes & Apsel, Frankfurt am Main 2015, ISBN 978-3-95558-108-4


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