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Antracis 25.05.2023 15:18

Zitat:

Zitat von Genussläufer (Beitrag 1709597)
Ich bin hier hin- und hergerissen. Du hast vollkommen Recht in Bezug auf die Wirkung. Der große Vorteil von Homöopathie ist allerdings, daß man sich Zeit lässt.

Ist das wirklich noch so? Ich höre mich da oft interessiert um, und mein Eindruck ist, das -passend zum zunehmend kommerzialisierteren Markt - die Unterschiede zunehmend verschwimmen. Sprich, der Patient bekommt dann auch immer öfter nach 2 Minuten Anamnese sein D50- Präparat nach Schema.

Ob man es nun Alternativ- oder Komplementärmedizin nennt: Der wirklich greifbare Unterschied ist mir bis heute nicht eingängig. Vor allem, wenn die Grenze nicht selten zwischen leichten und schweren Erkrankungen verläuft oder auch, wenn abseits jeder Logik der Wirksamkeitsnachweis für die einen Mittel gefordert wird und für die anderen nicht.

Nicht zu bestreiten ist allerdings, dass Komplementärmedizin im Allgemeinen und Homöopathie im Besonderen schon immer eine gesellschaftliche Bedeutsamkeit hatte. Insofern ist eine gewisse Berücksichtigung in den Sozialsystemen natürlich nicht ganz abwegig. Letztlich so wie GEZ-Gebühren, die man halt auch teilweise für ziemlichen Müll abdrückt, der aber gesellschaftliche Bedeutung hat.

Genussläufer 25.05.2023 15:32

Zitat:

Zitat von Antracis (Beitrag 1709616)
Ist das wirklich noch so? Ich höre mich da oft interessiert um, und mein Eindruck ist, das -passend zum zunehmend kommerzialisierteren Markt - die Unterschiede zunehmend verschwimmen. Sprich, der Patient bekommt dann auch immer öfter nach 2 Minuten Anamnese sein D50- Präparat nach Schema.

Ich verstehe Deinen Einwand. Ich meinte aber nicht die Zeit des Arztes, sondern die des Patienten. Es gibt einen schönen Spruch. Eine Erkältung dauert 14 Tage, mit guter medikamentöser Unterstützung aber nur 2 Wochen. Du weißt, was ich sagen will...

Da kann sich der Patient natürlich irgendeinen Schrott einwerfen, der sehr sicher mehr Nebenwirkungen hat als die Homöopathie. Daß es Dir mit einer Paracetamol besser geht, Du mit dem Nasenspray besser schlafen kannst, etc., ist klar. Dazu nach drei Vater unser in C30 und Du bist auf einem guten Weg.

Zitat:

Nicht zu bestreiten ist allerdings, dass Komplementärmedizin im Allgemeinen und Homöopathie im Besonderen schon immer eine gesellschaftliche Bedeutsamkeit hatte.
Ich hätte gern alternativ drei Helle. Aber bitte als Urtinktur und nicht verdünnt. Im Münchner Biergarten ist deren gesellschaftliche Relevanz höher als die Homöopathie. Auf die Haxe würde ich - aus Rücksicht auf die Veganer im Faden - verzichten.

Thanus 25.05.2023 15:39

Die Homöopathie ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit unwirksam. Unwirksam heißt in der Medizin, dass sie nicht über den Placeboeffekt hinaus hilft.

Die Homöopathie wird von den Gegnern immer als gefährlich hingestellt, tatsächlich sterben aber durch die Einnahme von Homöopathie bzw. der Unterlassung von medizinischen Behandlungen verschwindend wenige Menschen. Man muss von Einzelfällen sprechen. Zweifellos könnte man sagen, dass jeder einzelne um einen zu viel ist.

Hingegen sterben durch Medikamente tausende Menschen alleine in Deutschland jedes Jahr. Die Schätzungen gehen von 8.000 bis 60.000 aus. Man sieht schon an der Zahl, dass der Nachweis eines direkten kausalen Zusammenhanges von Medikamenteneinnahme und Tod schwer ist.

Jedenfalls sind Antibiotikaresistenzen ein weltweites Problem, das nicht zuletzt daraus erfolgt, dass wegen jeder Kleinigkeit Antibiotika verschrieben werden, weil aufgrund des Zeitmangels Ärzte die wahren Ursachen für bestimmte Leiden nicht ergründen können und kein Risiko bei der Behandlung eingehen wollen. Würde ein wenig mehr Zeit für Patienten aufgewendet werden, könnte man die Entstehung von Antibiotikaresistenzen zumindest verlangsamen.

Langer Rede kurzer Sinn, solange man nur mit dem Trick der Homöopathie Zeit für den Patienten erkaufen kann, hat die Homöopathie ihre Berechtigung. Wenn dann wie in Österreich die Behandlung mit Homöopathie ausschließlich Medizinern vorbehalten ist, sehe ich kein großes Problem. In Deutschland ist das zugegeben anders, da kann fast jeder quacksalben.

Genussläufer 25.05.2023 15:44

Zitat:

Zitat von Thanus (Beitrag 1709620)
Langer Rede kurzer Sinn, solange man nur mit dem Trick der Homöopathie Zeit für den Patienten erkaufen kann, hat die Homöopathie ihre Berechtigung. Wenn dann wie in Österreich die Behandlung mit Homöopathie ausschließlich Medizinern vorbehalten ist, sehe ich kein großes Problem. In Deutschland ist das zugegeben anders, da kann fast jeder quacksalben.

Wie anfangs geschrieben, sehe ich das ebenso. Die Vergütung von Medikamenten ist aber an hart definierte Kriterien geknüpft. Diese kann die Homöopathie nicht erfüllen. Daher sollte sie nicht mit öffentlichen Geldern vergütet werden. Mit anderen Worten: "Wer den Schei... will, soll ihn gern nehmen, aber bitte selbst bezahlen."

trithos 25.05.2023 17:00

Zitat:

Zitat von Thanus (Beitrag 1709620)
Die Homöopathie wird von den Gegnern immer als gefährlich hingestellt, tatsächlich sterben aber durch die Einnahme von Homöopathie bzw. der Unterlassung von medizinischen Behandlungen verschwindend wenige Menschen. Man muss von Einzelfällen sprechen. Zweifellos könnte man sagen, dass jeder einzelne um einen zu viel ist.

Hingegen sterben durch Medikamente tausende Menschen alleine in Deutschland jedes Jahr. Die Schätzungen gehen von 8.000 bis 60.000 aus. Man sieht schon an der Zahl, dass der Nachweis eines direkten kausalen Zusammenhanges von Medikamenteneinnahme und Tod schwer ist.

Jedenfalls sind Antibiotikaresistenzen ein weltweites Problem, das nicht zuletzt daraus erfolgt, dass wegen jeder Kleinigkeit Antibiotika verschrieben werden, weil aufgrund des Zeitmangels Ärzte die wahren Ursachen für bestimmte Leiden nicht ergründen können und kein Risiko bei der Behandlung eingehen wollen. Würde ein wenig mehr Zeit für Patienten aufgewendet werden, könnte man die Entstehung von Antibiotikaresistenzen zumindest verlangsamen.

Langer Rede kurzer Sinn, solange man nur mit dem Trick der Homöopathie Zeit für den Patienten erkaufen kann, hat die Homöopathie ihre Berechtigung. Wenn dann wie in Österreich die Behandlung mit Homöopathie ausschließlich Medizinern vorbehalten ist, sehe ich kein großes Problem. In Deutschland ist das zugegeben anders, da kann fast jeder quacksalben.

Ich finde Deine Argumente nicht angemessen. Was soll man denn mit Werturteilen anfangen wie "verschwindend wenige Menschen" sterben. Das ist doch keine wissenschaftliche Diskussion. Und den Menschen, die durch Medikamente sterben (jedes wirksame Medikament hat natürlich Nebenwirkungen und Risiken) müsste man wohl auch die durch Medikamente geretteten Menschen gegenüberstellen.

Aber: Ja, das Problem der Antibiotika-Resistenzen ist zweifellos groß. Das dann aber mit Homöopathie bekämpfen zu wollen, ist ein fragwürdiger Ansatz.

Ich darf zitieren: "Multi-resistente Keime gehören zu den gefährlichsten und somit aktuell auch zu den wichtigsten Herausforderungen der modernen Medizin. Neue Ansätze sind wichtig, um diese Gefahr zu minimieren und letztendlich Patientenleben zu retten. In diesem Artikel haben wir einige Beispiele für Alternativen genannt. Als am meisten erfolgversprechend ist wahrscheinlich die Bakteriophagentherapie. Allerdings kommuniziert der Bayerische Landtag mit seiner Entscheidung, Homöopathie als Alternative zu erforschen, einen falschen, ethisch problematischen Weg. ... dadurch entstehen einige Probleme. So greifen Patienten auch bei schweren Erkrankungen zuerst zu Globuli und erst später zu wirkenden Mitteln. Allerdings ist es dann meistens bereits zu spät."

Ich meine also, dass die Homöopathie auch da KEINE Berechtigung hat.

Das Zitat stammt von da: https://www.researchgate.net/publication/343090840_Der_Bayerische_Landtag_und_die_Homoopath ie_-_ein_kritischer_Kommentar_zum_Antrag_Todesfalle_du rch_multiresistente_Keime_vermeiden_IV_Drucksache_ 183320

Thanus 25.05.2023 17:27

Ethische Probleme gibt es durch die Gabe von Homöopathie oder ähnliche wirkungslose Mittel durchaus, allein schon durch die Tatsache, dass der vernünftige Mediziner für einen optimalen Placeboeffekt lügen muss. Viele Patienten lassen sich nun mal nicht damit abspeisen, dass die "Krankheit" auch ohne Medikation verschwindet und wenn, dann werden sie sich jemanden suchen, der ihnen welche Mittel auch immer für jedes Wehwehchen verschreibt.

Der Mythos der Homöopathie in der Bevölkerung ist so stark, dass auch ein Verbot nichts ändern würde.

Was geändert gehört, ist das falsch laufende Gesundheitssystem. Dass es die Homöopathie überhaupt gibt, ist ein Symptom davon.

Schwarzfahrer 25.05.2023 21:39

Zitat:

Zitat von Genussläufer (Beitrag 1709597)
Muss man es deswegen verbieten? Da würde ich widersprechen. Falschberatung gehört hier wohl eher in den Fokus. Und daß die Kassen das Zeug bezahlt, ist völlig irre.

Ich tue mir ja schon schwer Dinge zu verbieten, die schaden. Alkohol, schnelles Fahren, Leistungsport... Aber Homöopathie schadet nicht. Andere Dinge nicht zu tun, schadet. Dann müssten wir die Kirche verbieten, weil jemand auf Gott vertraut. Tun wir aber nicht. Zurecht.

Ganz Deiner Ansicht. Die Menschen tun viel irrationales, weil sie glauben, es sei gut für sie, das kann und muß man nicht alles verbieten. Aber die Erstattung durch Krankenkassen erweckt den falschen Eindruck, daß es generell eine mit evidenzbasierten Methoden gleichwertige Behandlungsalternative ist - und das führt zu den tragischen Fällen, wo Leute statt einer wirksamen Behandlung einer ernsten Krankheit nur Kügelchen schlucken, und lange leiden. Dazu kommt, daß so insgesamt knappe Mittel der Kassen dann für Unsinn verschwendet werden, und diese Mittel für wirksame Behandlung dann fehlen.

mein Fazit: nicht verbieten, aber konsequent aus dem Bereich der Medizin verbannen (keine Erstattung, kein Angebot durch Ärzte, ...), und dahin verweisen, wohin es gehört: zu Lifestyle-Produkten. Ein guter Arzt kann den Plazebo-Effekt auch ohne Homöopathie nutzbringend einsetzen.

LidlRacer 10.01.2024 22:23

Hm, Lauterbach will endlich Homöopathie als Kassenleistung streichen, und die einzige Quelle dafür ist bisher ein Spiegel-Bezahlartikel ...
https://www.spiegel.de/politik/deuts...3-457d5202f914

Hoffe, er schafft das gegen die zu erwartenden Widerstände!
Und ich hoffe, die Homöopathen haben keine Traktoren ...

Schwarzfahrer 10.01.2024 22:35

Zitat:

Zitat von LidlRacer (Beitrag 1734623)
Hm, Lauterbach will endlich Homöopathie als Kassenleistung streichen,

Ich wünsche ihm dabei Erfolg, dann hätte er auch mal was richtig sinnvolles bewirkt.

Siebenschwein 10.01.2024 23:02

Zitat:

Zitat von LidlRacer (Beitrag 1734623)
Hm, Lauterbach will endlich Homöopathie als Kassenleistung streichen, und die einzige Quelle dafür ist bisher ein Spiegel-Bezahlartikel ...
https://www.spiegel.de/politik/deuts...3-457d5202f914

Hoffe, er schafft das gegen die zu erwartenden Widerstände!
Und ich hoffe, die Homöopathen haben keine Traktoren ...

Ich finde, man sollte Homöopathie weiterhin bezahlen- aber mit Spielgeld.

Mo77 10.01.2024 23:04

Im Jahr 2022 wurden von den Krankenkassen 6,6 Millionen für Homöopathika ausgegeben.
Bei 85 Millionen Bürgern macht das 0,078 € pro Person.
Ich runde großzügig auf und überweise gerne 8 Cent.
Natürlich kann auch jeder zu einer Krankenkasse wechseln die Homöopathie nicht im Leistungskatalog hat. Achsoooo das gehört eh nicht in den Katalog - Manche Krankenkassen bezahlen das Freiwillig (Satzungsleistung) Sauerei, verbieten sonst Traktor...

Spaß beiseite, ich bin auch kein Freund von Zuckerkugeln. Finde aber lange Anamnesegespeäche schon toll...

Hier ohne Bezalschranke:
https://www.n-tv.de/politik/Lauterba...e24653481.html

svmechow 10.01.2024 23:21

Heute in meiner Praxis eine Patientin im Zustand nach Mammakarzinom, Op vor zwei Jahren, seither unter endokriner Therapie mit Tamoxifen, einem Medikament, welches anti-östrogene Wirkung hat. Dieses Medikament vermindert ihr Rezidivrisiko um ein Vielfaches, birgt aber ein immenses Risiko für Osteoporose. Um diese zu diagnostizieren, bräuchte sie eine Messung der Knochendichte ca. zweijährlich. Kostenpunkt: 90 Euro. Das bezahlt aber die gesetzliche Krankenversicherung nicht und die Rente meiner Patientin beträgt 780 Euro. Da sind 90 Euro eimfach nicht drin. Ersparnisse hat sie natürlich auch nicht.
Eine prophylaktische Behandlung mit Vitamin D bezahlt die GKV ebenfalls nicht.
Solange lebensnotwendige Medikamente nicht rezeptierfähig sind, ist die Übernahme der Kosten für eine evidenzbasiert nutzlose Therapie wie Homöopathie einfach indiskutabel. Traktor klingt gut.

Adept 10.01.2024 23:25

Zitat:

Zitat von Mo77 (Beitrag 1734630)


Spaß beiseite, ich bin auch kein Freund von Zuckerkugeln. Finde aber lange Anamnesegespeäche schon toll...


Das ist genau der Punkt. Das verständnisvolle Gespräch soll ja belegbar positiv wirken. Manchmal mehr als ein Medikament.

Dass die Zuckerkugeln keinen medizinischen Effekt haben, ist mittlerweile ja auch belegt, ausser Placebo, und dies soll ja nicht wenig sein. Denn bei Wirkungsstudien von Medikamenten werden ja auch der Kontrollgruppe Scheinmedikamente gegeben, um diesen Effekt wieder raus zu rechnen.

Antracis 11.01.2024 11:22

Zitat:

Zitat von Adept (Beitrag 1734637)
Das ist genau der Punkt. Das verständnisvolle Gespräch soll ja belegbar positiv wirken. Manchmal mehr als ein Medikament.

Ja, die Krankenkassen argumentieren auch offen damit, dass sie die Gespräche wertschätzen, die im Rahmen der homöopathishen "Behandlung" durchgeführt werden.

Ich frage mich dann nur, warum in anderen Kontexten das ärztliche Gespräch immer noch finanziell so wenig seitens der Kassen gewertschätzt wird. Es gab hier zwar kleine Verbesserungen, aber das spiegelt die Bedeutung nicht im Ansatz wider.

Letztlich ist auch Homöopathie ein Geschäft. Die Kassen versprechen sich aufgrund der Beliebtheit davon einen Wettbewerbsvorteil und innerhalb des Pharmamarktes ist das kein unerheblicher Posten. Dies nur als Anmerkung, da ja immer gerne pauschal auf die böse Pharmaindustrie geschimpft wird, die nur Geld verdienen will.

Das Homöopathische Zubereitungen, genauso wie Phytopharmaka, ihre Wirksamkeit nicht in aufwendigen Studien unter Beweis stellen müssen und trotzdem zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnungsfähig sind, ist ja letztlich ein Erbe der ersten grünen Gesundheitsministerin und aus meiner Sicht ein überflüssiges Relikt. Das sollte genauso abgeschafft werden, wie das gesamte Heilpraktikergesetz.

Meik 11.01.2024 12:20

Solange Homöopathie auch nur in homöopathischen Dosen bezahlt wird soll es mir egal sein. :Lachen2:

Nogi87 11.01.2024 12:23

Toll, wenn Homöopathie jetzt gestrichen wird bekomme ich auch keine 300 Euro Prämie mehr weil ich drauf verzichte :Holzhammer:


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