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Heinrich Heine:
Niedergeschrieben in einem Exemplar von Goethes „Faust“
Dieses Buch sei dir empfohlen, Lese nur, wenn du auch irrst: Doch wenn du’s verstehen wirst, Wird dich auch der Teufel holen. |
Wilhelm Busch:
Die Lehre von der Wiederkehr
Ist zweifelhaften Sinns. Es fragt sich sehr, ob man nachher Noch sagen kann: Ich bin’s. Allein was tut’s, wenn mit der Zeit Sich ändert die Gestalt? Die Fähigkeit zu Lust und Leid Vergeht wohl nicht so bald. |
Charles Bukowski:
Ruhestörung
Es war Sonntagmorgen kurz vor halb elf als sie mich raus- klingelten. Ich zog den Bademantel meines toten Vaters über, an dem der eine Ärmel fehlte, und machte auf. Eine Frau mit Sonnenbrille und ein Mann. „Wie geht es Ihnen heute?“ fragte er. „Nicht besonders.“ Er hielt mir ein paar fromme Broschüren hin. „Nein danke. Will ich nicht.“ „Uns hat alle derselbe Schöpfer gemacht“, sagte er. „Ich bin hier der Schöpfer“, sagte ich und machte die Tür zu. Sie gingen nach hinten zu dem anderen Trinker und drückten bei ihm auf die Klingel. Er schrie sie an, sie sollten ihn gefälligst in Ruhe lassen, Herrgott sack. Der liebe Gott kuriert dir keinen Kater. |
Heinrich Heine:
Kaum hab ich die Welt zu schaffen begonnen.
In einer Woche war’s abgetan. Doch hatt ich vorher tief ausgesonnen Jahrtausendelang den Schöpfungsplan. Das Schaffen selbst ist eitel Bewegung, Das stümpert sich leicht in kurzer Frist; Jedoch der Plan, die Überlegung, Das zeigt erst, wer ein Künstler ist. Ich hab allein dreihundert Jahre Tagtäglich drüber nachgedacht, Wie man am besten Doctores Juris Und gar die kleinen Flöhe macht. |
Goethe:
Gingo Biloba
Dieses Baums Blatt, der von Osten Meinem Garten anvertraut, Gibt geheimen Sinn zu kosten, Wie's den Wissenden erbaut, Ist es Ein lebendig Wesen, Das sich in sich selbst getrennt? Sind es zwei? die sich erlesen, Daß man sie als Eines kennt? Solche Frage zu erwidern, Fand ich wohl den rechten Sinn: Fühlst du nicht an meinen Liedern, Daß ich Eins und doppelt bin? |
Kerstin Hensel:
Schatten Riß
Jetzt haben wir uns Eine Sonne geschaffen und haben sie über Uns angemacht und sind dann Druntergestanden bis wir Bilder warfen Die Welten glichen und da lobten wir uns Unkenntlich lang Wuchsen wir und liefen Breit, taub und lichtlos, und da ist was Dazwischen Gekommen Und das geht mitten durch Uns. |
Wolf Wondratschek:
Ewige Liebe
Er hat gesagt, diese Nacht dauert ein Leben. Da hat sie sich hingegeben. So haben sie eine Nacht Verbracht. |
Lessing:
Das Paradies
Sein Glück für einen Apfel geben. O Adam, welche Lüsternheit! Statt deiner hätt' ich sollen leben, so wär' das Paradies noch heut. – Wie aber, wenn alsdann die Traube Die Probefrucht gewesen wär'? Wie da, mein Freund? – Ei nun, ich glaube – Das Paradies wär' auch nicht mehr. |
Ringelnatz:
Ich bin das Riesenkrokodil.
Meine Großmutter war ein Drachen. Ich verschlucke, wenn ich will, Einen Esel und noch größere Sachen. Ich liege oft tausende Jahre still Und klappere dann mit den Zähnen. Ich bin das Riesenkrokodil. Ich kann entsetzlich gähnen. Klapp klapp Schnapp schnapp Uohahhh … |
Christian Morgenstern:
Unter Zeiten
Das Perfekt und das Imperfekt tranken Sekt. Sie stießen aufs Futurum an (was man wohl gelten lassen kann). Plusquamper und Exaktfutur blinzten nur. |
Wilhelm Busch:
Daneben
Stoffel hackte mit dem Beile. Dabei tat er sich sehr wehe, Denn er traf in aller Eile Ganz genau die große Zehe. Ohne jedes Schmerzgewimmer, Nur mit Ruh, mit einer festen, Sprach er: Ja, ich sag es immer, Nebenzu trifft man am besten. |
Wilhelm Busch:
Zauberschwestern
Zwiefach sind die Phantasien, Sind ein Zauberschwesternpaar, Sie erscheinen, singen, fliehen Wesenlos und wunderbar. Eine ist die himmelblaue, Die uns froh entgegenlacht, Doch die andre ist die graue, Welche angst und bange macht. Jene singt von lauter Rosen, Singt von Liebe und Genuß; Diese stürzt den Hoffnungslosen Von der Brücke in den Fluß. |
Joseph von Eichendorffs:
Mondnacht
Es war, als hätt der Himmel die Erde still geküßt, daß sie im Blütenschimmer von ihm nun träumen müßt. Die Luft ging durch die Felder, die Ähren wogten sacht, es rauschen leis die Wälder, so sternklar war die Nacht. Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus, flog durch die stillen Lande, als flöge sie nach Haus. |
Heinrich Heine:
Mythologie
Ja, Europa ist erlegen – Wer kann Ochsen widerstehen? Wir verzeihen auch Danäen – Sie erlag dem goldnen Regen! Semele ließ sich verführen – Denn sie dachte: eine Wolke, Ideale Himmelswolke, Kann uns nicht kompromittieren. Aber tief muss uns empören Was wir von der Leda lesen – Welche Gans bist du gewesen, Dass ein Schwan dich konnt betören! |
Ludwig Thoma:
Der Alte
Mein alter Hut aus jungen Tagen, So keck die Krampe aufgeschlagen, Stülpt‘ ich vorzeiten dicht aufs Ohr; Da wußten sie in jeder Gasse, Wie grimmig ich die Fürsten hasse, Und hatten ihre Angst davor. So du wie ich, wir beide waren Ein Schrecken den Philisterscharen, Sie sahen recht. Der Heckerhut Weckt die verwegensten Gedanken Und Wünsche ohne Ziel und Schranken Und heißen Drang und Übermut. Doch hinterdrein kam der Zylinder Und dürre Zeit und Weib und Kinder, Die schöne Jugend war vorbei. Du lagst in einer Waschkommode, Ich suchte nach dem lieben Brote, Die Schaben fraßen an uns zwei. |
Heinrich Heine:
Mir träumt‘: ich bin der liebe Gott,
Und sitz im Himmel droben, Und Englein sitzen um mich her, Die meine Verse loben. Und Kuchen ess ich und Konfekt Für manchen lieben Gulden, Und Kardinal trink ich dabei, Und habe keinen Schulden. Doch Langeweile plagt mich sehr, Ich wollt, ich wär auf Erden, Und wär ich nicht der liebe Gott, Ich könnt des Teufels werden. |
Sehr schön! Drum handelte schon Eva auf die einzige vernünftige Weise, indem sie in den Apfel biss.
:Lachen2: |
Hermann Hesse:
Ich liebe Frauen –
Ich liebe Frauen, die vor tausend Jahren Geliebt von Dichtern und besungen waren. Ich liebe Städte, deren leere Mauern Königsgeschlechter alter Zeiten betrauern. Ich liebe Städte, die erstehen werden, Wenn niemand mehr von heute lebt auf Erden. Ich liebe Frauen – schlanke, wunderbare, Die ungehorsam ruhn im Schoß der Jahre. Sie werden einst mit ihrer sternenbleichen Schönheit der Schönheit meiner Träume gleichen. |
Joachim Ringelnatz:
Wend die Schokolade keimt,
Wenn nach langem Druck bei Dichterlingen „Glockenklingen“ sich auf „Lenzesschwingen“ Endlich reimt, Und der Osterhase hinten auch schon presst, Dann kommt bald das Osterfest. Und wenn wirklich dann mit Glockenklingen Ostern naht auf Lenzesschwingen, – – – Dann mit jenen Dichterlingen Und mit deren jugendlichen Bräuten Draussen schwelgen mit berauschten Händen – – – Ach, das denk ich mir entsetzlich, Ausserdem - unter Umständen – Ungesetzlich. Aber morgens auf dem Frühstückstische Fünf, sechs, sieben flaumweich gelbe, frische Eier. Und dann ganz hineingekniet! Ha! Da spürt man, wie die Frühlingswärme Durch geheime Gänge und Gedärme In die Zukunft zieht Und wie dankbar wir für solchen Segen Sein müssen. Ach, ich könnte alle Hennen küssen, Die so langgezogene Kugeln legen. |
Christian Morgenstern:
Der Aesthet
Wenn ich sitze, will ich nicht sitzen, wie mein Sitz-Fleisch möchte, sondern wie mein Sitz-Geist sich, säße er, den Stuhl sich flöchte. Der jedoch bedarf nicht viel, schätzt am Stuhl allein den Stil, überläßt den Zweck des Möbels ohne Grimm der Gier des Pöbels. |
Gotthold Ephraim Lessing:
Die Haushaltung
Zankst du schon wieder? sprach Hans Lau Zu seiner lieben Ehefrau. „Versoffner, unverschämter Mann“ -- -- -- Geduld, mein Kind, ich zieh’ mich an – -- „Wo nun schon wieder hin?“ Zu Weine. Zank’ du alleine. „Du gehst? -- -- Verdammtes Kaffeehaus! Ja! blieb’ er nur die Nacht nicht aus. Gott! ich soll so verlassen sein? – Wer pocht? -- -- Herr Nachbar? -- -- nur herein! Mein böser Teufel ist zu Weine: Wir sind alleine.“ |
Eduard Mörike
Ich mag es noch, mag es immer wieder:
∼ Er ist's ∼ Frühling läßt sein blaues Band Wieder flattern durch die Lüfte; Süße, wohlbekannte Düfte Streifen ahnungsvoll das Land. Veilchen träumen schon, Wollen balde kommen. – Horch, von fern ein leiser Harfenton! Frühling, ja du bist's! Dich hab ich vernommen! |
Er ist's wurde von den jungen Dichtern und Denkern auch vertont. Ich finde aber kein Video davon. Deshalb hier ein Link zu einem anderen vertonten Gedicht von den Kids: Klick!
Mir gefällt's sehr, was die so machen. Euch auch? Gruß, J. |
Ich mag eh vertonte Gedichte. Hier noch mal der Erlkönig, diesmal von den großartigen Jungs von Maybebop dargeboten.
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Kater Murr:
Wohl, ich weiß es, widerstehen
Mag man nicht dem süßen Kosen, Wenn aus Büschen duft‘ger Rosen Süße Liebeslaute wehen. Will das trunkne Aug‘ dann sehen, Wie die Holde kommt gesprungen, Die da lauscht an Blumenwegen, Kaum ist Sehnsuchts-Ruf erklungen, Hat sich schnell hinaufgeschwungen. Liebe kommt uns rasch entgegen. Dieses Sehnen, dieses Schmachten Kann wohl oft den Sinn berücken, Doch wie lange kann’s beglücken, Dieses Springen, Rennen, Trachten! Holder Freundschaft Trieb‘ erwachten, Strahlten auf bei Hespers Scheine. Und den Edlen brav und rein, Ihn zu finden, den ich meine, Klettr‘ ich über Mau’r und Zäune, Aufgesucht will Freundschaft sein.“ |
Edgar Allen Poe:
Du willst, daß man dich liebt, so weiche
Nie davon, was dein Wesen ist. Bleibe nur immerdar die Gleiche, Sei nichts, was du nicht wirklich bist. Dann wird auch deine sanfte Weise, Die mehr als Schönheit noch besticht, Verleiten alle Welt zum Preise Und Liebe werden – eine Pflicht. |
Ludwig Thoma:
Die feine Familie.
Papa ist geheimer Kommerzienrat, Mit vielen Orden für das, was er hat. Mama trägt ein Diamantenkollür, Um den Fetthals zwei Meter Perlenschnür. Die Tochter hat jetzt schon ein Doppelkinn, Ist nebenbei Wagnerianerin. Der Sohn war bei den Dentzer Kürassür, Und kommt sich drum als der Vornehmste für. Zum Glück hat die Bande ziemlich viel Geld, Sonst wär’s für sie eine traurige Welt. Hätt’ ‘s Vermögen nicht für alle gekleckt, Dann wären sie in drei Tagen verreckt, Weil keines zur Arbeit die Hände hätt’; Sie rühren sie nur am Wasserklosett. |
Ringelnatz:
Ohrwurm und Taube
Der Ohrwurm mochte die Taube nicht leiden. Sie haßte den Ohrwurm ebenso. Da trafen sich eines Tages die beiden in einer Straßenbahn irgendwo. Sie schüttelten sich erfreut die Hände und lächelten liebenswürdig dabei und sagten einander ganze Bände von übertriebener Schmeichelei. Doch beide wünschten sie sich im stillen, der andre möge zum Teufel gehn, und da es geschah nach ihrem Willen, so gab es beim Teufel ein Wiedersehn. |
Heinrich Heine:
Wir fuhren allein im dunkeln
Postwagen die ganze Nacht; Wir ruhten einander am Herzen, Wir haben gescherzt und gelacht. Doch als es morgens tagte, mein Kind, wie staunten wir! Denn zwischen uns saß Amor, Der blinde Passagier. |
Rainer Maria Rilke:
Fortschritt
Und wieder rauscht mein tiefes Leben lauter, als ob es jetzt in breitern Ufern ginge. Immer verwandter werden mir die Dinge und alle Bilder immer angeschauter. Dem Namenlosen fühl ich mich vertrauter: Mit meinen Sinnen, wie mit Vögeln, reiche ich in die windigen Himmel aus der Eiche, und in den abgebrochnen Tag der Teiche sinkt, wie auf Fischen stehend, mein Gefühl. |
Christian Morgenstern:
Schicksal
Der Wolke Zickzackzunge spricht: ich bringe dir, mein Hammel, Licht. Der Hammel, der im Stalle stand, ward links und hinten schwarz gebrannt. Sein Leben grübelt er seitdem: warum ihm dies geschah von wem. |
Matthias Beltz:
Der Amboß sprach zum Hammer:
„Es ist ein großer Jammer, Dass du so sehr versagst, Zu hämmern nicht vermagst. Du, du bringst es nicht.“ Da sprach der Hammer zum Amboß: „Früher, da war der Mann der Boss! Doch heute im Geschlechterkrieg Ist dein Sieg ein schlechter Sieg. Aus dem Mangel meiner körperlichen Regung Geh ich in die erotische Friedensbewegung.“ |
Wilhelm Busch:
Verzeihlich
Er ist ein Dichter, also eitel. Und, bitte, nehmt es ihm nicht krumm, Zieht er aus seinem Lügenbeutel So allerlei Brimborium. Juwelen, Gold und stolze Namen, Ein hohes Schloß im Mondenschein Und schöne höchstverliebte Damen, Dies alles nennt der Dichter sein. Indessen ist ein enges Stübchen Sein ungeheizter Aufenthalt. Er hat kein Geld, er hat kein Liebchen, Und seine Füße werden kalt. |
Ludwig Thoma:
Auf Posten
Es prangen in den Straßen Die Reichen auf und ab, Das muß mich denken lassen, Daß ich kein Geld nicht hab'. Die Mädchen promenieren Sich stolz an mir vorbei, Da muß ich es verspüren, Wie ich alleine sei. Ich möchte, Mond und Sterne Wär lauter bares Geld, Das hätt' ich wohl so gerne Und wär ein feiner Held. Das Glück muß andern winken, Kommt aber nicht zu mir, Kein Geld nicht zum Vertrinken, Kein Mädchen zum Pläsier. |
Psyche
Psyche
In der Hand die kleine Lampe, In der Brust die große Glut, Schleichet Psyche zu dem Lager, Wo der holde Schläfer ruht. Sie errötet, sie erzittert, Wie sie seine Schönheit sieht – Der enthüllte Gott der Liebe, Er erwacht und er entflieht. Achtzehnhundertjährge Buße! Und die Ärmste stirbt beinah! Psyche fastet und kasteit sich, Weil sie Amorn nackend sah. |
Fred Endrikat:
Liebe und Heuschnupfen
Es blühn die Akazien und Linden, die Nachtigall singt: Tirilie. Die Maid schwärmt von „Herzen sich finden“. Der Jüngling niest dauernd „Hatschi!“ Was nützt alles Blühen und Sprießen und die herrlichste Lenzpoesie? Sie legt ihm ihr Herzchen zu Füßen, er gibt ihr als Antwort „Hatschi!“ Es waren zwei Königskinder, die setzten sich nieder ins Moos. Sie konnten zusammen nicht kommen, sein Heuschnupfen war viel zu groß. |
Christian Morgenstern:
Mägde am Sonnabend
Sie hängen sie an die Leiste, die Teppiche klein und groß, sie hauen, sie hauen im Geiste auf ihre Herrschaft los. Mit einem wilden Behagen, mit wahrer Berserkerwut, für eine Woche voll Plagen kühlen sie sich den Mut. Sie hauen mit splitternden Rohren im infernalischen Takt. Die vorderhäuslichen Ohren nehmen davon nicht Akt. Doch hinten jammern, zerrissen im Tiefsten, von Hieb und Stoß, die Läufer, die Perserkissen und die dicken deutschen Plumeaux. |
Ringelnatz
Der sächsische Dialekt
Wenn man den sächsischen Dialekt Ein bisschen dehnt und ein bisschen streckt Und spricht ihn noch ein bisschen tran’ger; Dann hält ein jeder für einen Spanier! |
Charles Bukowski:
K.O.
Er war ein leichter Gegner, fett wie eine Hummel, ich brachte ihn außer Atem, die Linke ein paarmal vor, die Rechte unter seiner Deckung durch, ich ließ mir Zeit; alle tranken Bier und warteten auf den Hauptkampf und ich dachte dran, wie wir uns das Haus einrichten würden, ich würde eine Werkbank brauchen, diverses Handwerkszeug, und da kam er mit einer Rechten bei mir durch – ich hatte zu den Deckenlampen hoch- gesehen, und im nächsten Augenblick war die Meute am Schreien und ich lag auf den Knien, wie zum Gebet, und als ich hochkam, war er stark und ich schwach; naja, sagte ich mir, geh ich halt wieder zurück auf die Farm, ich war schon immer ein schlechter Sieger. |
Ludwig Thoma:
Lehrhaftes Gedicht
Adolf war der Sprosse guter Leute, Ehelichen Ursprungs, legitim; Anders Jakob, denn sein Vater scheute Sich und sagt', er wäre nicht von ihm. »Süßes Wunder« hieß der Eltern Liebe Unsern Adolf, der »von Gott gesandt«; »Die unsel'ge Frucht verbotner Triebe« Wurde Jakob meistenteils genannt. Adolf konnte man den Freunden zeigen; Man entdeckt' an ihm des Vaters Art. Über Jakob herrschte tiefes Schweigen, Von ihm sprechen galt als wenig zart. Dieser Unterschied verblieb im Leben; Adolfs Laufbahn war solid und leicht. Zwar Talent war ihm nicht viel gegeben, Für den Staatsdienst hat es doch gereicht. Jakob war, so wie er einst geboren, Stets der Tante Minna ihr Malör. Feine Kreise gaben ihn verloren, Und er wurde später Redakteur. |
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