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Frank Schulz:
Welt
Die Welt ist unermeßlich. Mal schön, mal schrecklich häßlich. Zum Glück lebt man vergeßlich. |
Joachim Ringelnatz:
Balladette
Das war die sonst noch ziemlich fesche Marie, die ihrem Prinzipal In der Fabrik für Sterbewäsche Drei schwarze Unterhosen stahl. Und sandte, als es ruchbar wurde, Dann das Gestohlene zurück. Und diese mindestens absurde Idee gereichte ihr zum Glück. Der Prinzipal für Sterbewäsche, Der nicht Karrieren gern verdarb, Gab ihr so viel verdiente Dresche, Dass sie ein Kind gebar und starb. |
Puh, grauenhaftes Gedicht...
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Christian Morgenstern:
Das Löwenreh
Das Löwenreh durcheilt den Wald und sucht den Förster Theobald. Der Förster Theobald desgleichen sucht es durch Pirschen zu erreichen, und zwar mit Kugeln, deren Gift zu Rauch verwandelt, wen es trifft. Als sie sich endlich haben, schießt er es, worauf es ihn genießt. Allein die Kugel wirkt alsbald: Zu Rauch wird Reh nebst Theobald ... Seitdem sind beide ohne Frage ein dankbares Objekt der Sage. |
Bertolt Brecht:
Bei der Geburt eines Sohnes
Familien, wenn ihnen ein Kind geboren ist Wünschen es sich intelligent. Ich, der durch Intelligenz Mein ganzes Leben ruiniert habe Kann nur hoffen, mein Sohn Möge sich erweisen als Unwissend und denkfaul. Dann wird er ein ruhiges Leben haben Als Minister im Kabinett. |
Ludwig Thoma:
Neujahr bei Pastors
Mama schöpft aus dem Punschgefäße, Der Vater lüftet das Gesäße Und spricht: "Jetzt sind es vier Minuten Nur mehr bis zwölfe, meine Guten. Ich weiß, dass ihr mit mir empfindet, Wie dieses alte Jahr entschwindet, Und dass ihr Gott in seinen Werken – Mama, den Punsch noch was verstärken! – Und dass ihr Gott von Herzen danket, Auch in der Liebe nimmer wanket, Weil alles, was uns widerfahren – Mama, nicht mit dem Arrak sparen! – Weil, was geschah, und was geschehen, Ob wir es freilich nicht verstehen, Doch weise war, durch seine Gnade – Mama, er schmeckt noch immer fade! – In diesem Sinne meine Guten, Es sind jetzt bloß mehr zwei Minuten, In diesem gläubig frommen Sinne – Gieß noch mal Rum in die Terrine! – Wir bitten Gott, dass er uns helfe Auch ferner – Wie? Es schlägt schon zwölfe? Dann prosit! Prost an allen Tischen! – Ich will den Punsch mal selber mischen." |
Joachim Ringelnatz:
Glückwunsch
Ein Glückwunsch ging ins neue Jahr, Ins Heute aus dem Gestern. Man hörte ihn sylvestern. Er war sich aber selbst nicht klar, Wie eigentlich sein Hergang war Und ob ihn die Vergangenheit Bewegte oder neue Zeit. Doch brachte er sich dar, und zwar Undeutlich und verlegen. Weil man ihn nicht so ganz verstand, So drückte man sich froh die Hand Und nahm ihn gern entgegen. |
Heinrich Heine:
Die Heimkehr (Auszug)
In mein gar zu dunkles Leben Strahlte einst ein süßes Bild; Nun das süße Bild erblichen, Bin ich gänzlich nachtumhüllt. Wenn die Kinder sind im Dunkeln, Wird beklommen ihr Gemüt, Und um ihre Angst zu bannen, Singen sie ein lautes Lied. Ich, ein tolles Kind, ich singe Jetzo in der Dunkelheit; Klingt das Lied auch nicht ergötzlich, Hats mich doch von Angst befreit. |
Thomas Gsella:
Hochzeitsnacht
Ausgezeichnet, ausgewechselt Hat das Paar den Tag gedrechselt Traute sich und tanzte dann In die Nacht: als Frau und Mann Unentschieden, unentschlossen Weder lustlos noch verschossen Trunken: fern von Freud und Kummer Schob das Paar die Hochzeitsnummer Auf den nächsten Tag und schlief Als die Tochter „Mama“ rief Wachte auf und hauchte: Morgen Werden wir’s und schwer besorgen Dankeskarten, Postwertzeichen Da! Erstand in ihren weichen Händen eine Erektion – „Mama, komm!“ „Ich komm ja schon.“ |
Arezu Weitholz:
Der Tod des Kabeljaus
Ein neunmalschlauer Kabeljau sprach auf dem Sterbebett zu seiner Frau: Ich bin, das weiß ich ganz genau sehr bald ein toter Kabeljau. So versprich, wenn ich dann scheide lass keinen Doktor zu mir rein. Auch das Beten bitte meide und die Organe bleiben mein! Mein Herz, mein Hirn und meine Leber lass keinesfalls rausoperieren. Ich war noch nie ein großer Geber und will nicht hohl reinkarnieren. Vergrab mich nicht in dunkler Erde und bitte äscher mich nicht ein. Denn heißt es nicht auch: stirb und werde – oder wie war das gemeint? Da fuhr ein Fischer längs am See und käscht die zwei aus dem Palaver. Jetzt sindse beide Fischfilet bestattet in Pannade – schade. |
Christian Morgenstern:
Die Zeit
Es gibt ein sehr probates Mittel, die Zeit zu halten am Schlawittel: Man nimmt die Taschenuhr zur Hand und folgt dem Zeiger unverwandt, Sie geht so langsam dann, so brav als wie ein wohlgezogen Schaf, setzt Fuß vor Fuß so voll Manier als wie ein Fräulein von Saint-Cyr. Jedoch verträumst du dich ein Weilchen, so rückt das züchtigliche Veilchen mit Beinen wie der Vogel Strauß und heimlich wie ein Puma aus. Und wieder siehst du auf sie nieder; ha, Elende! - Doch was ist das? Unschuldig lächelnd macht sie wieder die zierlichsten Sekunden-Pas. |
Wolf Wondratschek:
Wen die Götter lieben
Die Jugend liebt junge Leichen, die nie das kritische Alter erreichen. Verstehe, dachte auch so: wen die Götter lieben? Ein kurzen Leben und kippen. Mit Mick Jagger’s Lippen ins Gras beißen. Kulturen und Kontinente verlassen, jung sein und Hoffnung hassen? Waffenhandel statt Poesie, der letzte Rebell – das ist vorbei, die Nacht kommt schnell. Ein Vaterland gibt es nicht mehr. Der Friede herrscht härter als Krieg. Glück macht keinen mehr glücklich. Träume enden mit dem Rücken zur Wand, allein im Todesbett, das Bein verfault, den Ärzten unbekannt. Ich trinke aus. Die Wirtin kassiert. Was soll sich vollenden, wenn nichts mehr passiert. |
Christian Morgenstern:
Das Fest des Wüstlings
Was stört so schrill die stille Nacht? Was sprüht der Lichter Lüstrepracht? Das ist das Fest des Wüstlings! Was huscht und hascht und weint und lacht? Was cymbelt gell? Was flüstert sacht? Das ist das Fest des Wüstlings! Die Pracht der Nacht ist jach entfacht! Die Tugend stirbt, das Laster lacht! Das ist das Fest des Wüstlings! (Zu flüstern) |
Charles Bukowski:
DU MACHST ES, WIE DU EINE FLIEGE KILLST: MIT LINKS
Bach hatte zwanzig Kinder. Tagsüber hat er auf Pferde gewettet, nachts hat er gefickt und am Vormittag gesoffen. Komponiert hat er zwischendurch … sagte ich, als sie von mir wissen wollte wann ich eigentlich meine Gedichte schreibe. |
Charles Lewinsky:
Methusalem als alter Mann,
ging es beim Sex so langsam an, dass seine Frau sich wundert. Schon für das Vorspiel braucht er manchmal fast ein Jahrhundert. |
Joachim Ringelnatz:
Meine erste Liebe?
Erste Liebe? Ach, ein Wüstling, dessen Herz so wahllos ist wie meins, so weit, Hat die erste Liebe längst vergessen, Und ihn intressiert nur seine Zeit. Meine letzte Liebe zu beschreiben, Wäre just so leicht wie indiskret. Außerdem? Wird sie die letzte bleiben, Bis ihr Name in der „Woche“ steht? Meine Abenteuer in der Minne Müssen sehr gedrängt gewesen sein. Wenn ich auf das erste mich besinne, Fällt mir immer noch ein früh‘res ein. |
Ricarda Huch:
Du, dem ich angehöre, laß, wenn ich gestorben,
Was von mir übrig, meine Asche, bei dir sein. Und deine Hand, um die mein Leben einst geworben, Tauch in den Staub, der einst dein Fleisch war, ein. Läßt du den trüben Strom durch deine Hände fluten, Die einst, wie Frühlings Hauch aufzückt im jungen Stamme, Berührend diesen Leib entzündeten zur Flamme, Fühlst du ihn plötzlich wohl erglühn in alten Gluten. |
Adolf Glassbrenner:
N schönes Leben hab ich doch,
ich kann mir nicht beklagen. Pfeift auch der Wind durch`s Ärmelloch –: Das will ich schon ertragen. Des Morgens, wenn mir hungern tut, freß ich ne Butterstulle. Dazu schmeckt mir der Kümmel gut aus meine volle Pulle. Und sagt der Tod eins: „Nante, du, komm mit die kurze Strecke“, spring ich bloß auf und ruf ihm zu: „Ick bin schon um die Ecke.“ Und hört er nicht auf diesen Witz, dann seufz ich: „Line… Kümmel…“ Dann kauf ich mir den letzten Spitz Und nimm dir mit in Himmel. |
Johann Wolfgang von Goethe:
Vorschlag zur Güte
Er Du gefällst mir so wohl, mein liebes Kind, Und wie wir hier beieinander sind, So möcht' ich nimmer scheiden; Da wär' es wohl uns beiden. Sie Gefall' ich dir, so gefällst du mir; Du sagst es frei, ich sag' es dir. Eh nun! heiraten wir eben! Das übrige wird sich geben. Er Heiraten, Engel, ist wunderlich Wort; Ich meint', da müßt' ich gleich wieder fort. Sie Was ist's denn so großes Leiden? Geht's nicht, so lassen wir uns scheiden. |
Joachim Ringelnatz:
Meine erste Liebe?
Erste Liebe? Ach, ein Wüstling, dessen Herz so wahllos ist wie meins, so weit, Hat die erste Liebe längst vergessen, Und ihn intressiert nur seine Zeit. Meine letzte Liebe zu beschreiben, Wäre just so leicht wie indiskret. Außerdem? Wird sie die letzte bleiben, Bis ihr Name in der „Woche“ steht? |
Heinrich Heine:
In Gemäldegalerien
Siehst du oft das Bild des Manns, Der zum Kampfe wollte ziehen, Wohlbewehrt mit Schild und Lanz. Doch ihn necken Amoretten, Rauben Lanze ihm und Schwert, Binden ihn mit Blumenketten, Wie er auch sich mürrisch wehrt. So, in holden Hindernissen, Wind ich mich in Lust und Leid, Während Andre kämpfen müssen In dem großen Kampf der Zeit. |
Goethe:
Hätt' ich gezaudert zu werden,
Bis man mir’s Leben gegönnt, Ich wäre noch nicht auf Erden, Wie ihr begreifen könnt, Wenn ihr seht, wie sie sich geberden, Die, um etwas zu scheinen, Mich gerne möchten verneinen. |
Wolf Wondratschek:
Aus Cezannes Äpfeln hätte sie Apfelmus gemacht –
das alles beeindruckt sie nicht, solange folgende Fragen ungeklärt sind: wer kocht und wäscht und sorgt für mein Kind? Das hat Vorrang vor aller Kunst. "Wenn ich sterbe" schreibt sie, "was dann?" Vom beigelegten Geld für ein gutes Essen kaufe ich Zigaretten und Papier, rauche und schreibe und liebe sie. Sie ist meine Bäuerin, sie kennt die Absturzstellen meiner Höhenflüge. So müßte das Leben sein: das Mißlungene vollenden mit einem selbstgebackenen Kuchen. |
Ludwig Thoma:
Das Tanzen gilt als ein Vergnügen,
Bei dem sich zwei zusammenfügen, Und sich – statt gradeaus zu gehen – Nach links und rechts im Kreise drehen. Wenn wir sein Wesen recht erkennen, Wird man das Tanzen Arbeit nennen, Man hat den triftigsten Beweis In dem dabei vergossnen Schweiß. Hier untersucht nun der Gelehrte: Zum ersten schafft sie keine Werte, Zum zweiten aber hat davon Der Arbeitnehmer keinen Lohn. Er dreht von acht bis morgens fünfe Und immer gratis eine Nymphe. Dies bildet doch ein Unikum! Und deshalb frage ich: warum? Erfolgt es wirklich unentgeltlich? Geschieht es nicht doch vorbehältlich? Entledigt man sich seines Speckes Ganz ohne Hinblick eines Zweckes? Hier ist der Angelpunkt der Frage, Und ihre Lösung tritt zutage: Der Tänzer leistet nur so viel In Hoffnung auf ein Nebenziel. (Auszug) |
Wilhelm Busch:
Kritik des Herzens
Er stellt sich vor sein Spiegelglas Und arrangiert noch dies und das. Er dreht hinaus des Bartes Spitzen, Sieht zu, wie seine Ringe blitzen, Probiert auch mal, wie sich das macht, Wenn er so herzgewinnend lacht, Übt seines Auges Zauberkraft, Legt die Krawatte musterhaft, Wirft einen süßen Scheideblick Auf sein geliebtes Bild zurück, Geht dann hinaus zur Promenade, Umschwebt vom Dufte der Pomade, Und ärgert sich als wie ein Stint, Daß andre Leute eitel sind. |
Arezu Weitholz:
Die Grippewelle
Erst da keuchten die Sardellen und bald hustete der Hecht. Böse röcheln die Forellen und den Heringen ist schlecht. Kopfweh, Fieber bei den Fischen keiner mehr verlässt das Haus. Denn den Wal darfs nicht erwischen wenn der niest, ist alles aus |
Bukowski:
Such
Der Hund springt aufs Bett und robbt über mich. "Weißt du das Wort?" frage ich ihn. Er gibt keine Antwort. "Weißt du das Wort? Ich such das richtige Wort." Er sieht mich mit seinen ernsten Braunen Augen an. "Ich warte auf das richtige Wort" erkläre ich ihm. "Ich komme mir vor als würde ich durch eine große heiße Bratpfanne schnalzen." Er wedelt und versucht, mein Gesicht zu lecken. "Hör mal", ruft sie aus dem Bade- zimmer, "kommst du jetzt endlich aus den Federn und hörst auf, mit dem Hund zu reden?!" Meine Eltern haben mich auch nie verstanden. |
Heinrich Heine:
Mag draußen Schnee sich türmen,
Mag es hageln, mag es stürmen, Klirrend mir ans Fenster schlagen, Nimmer will ich mich beklagen, Denn ich trage in der Brust Liebchens Bild und Frühlingslust. |
Wolf Wondratschek:
Gizeh
Der Typ tut nichts Sitzt in der Wüste rum Die Sonne scheint Nur er sieht Schnee Ein Typ wie du Genau der gleiche Zeitvertreib Sitzt in der Wüste rum Und hält den Sand am Horizont für ihren Unterleib Der Typ sagt sich Mal sehen was jetzt passiert Dann hört man lange nichts von ihm Dann – Jahre später – taucht er wieder auf Von Kopf bis Fuß mit Sonnenzeichen tätowiert Ein Typ wie du Der glaubt er hat’s kapiert Und sich aus Liebe zu Kleopatra Vollständig einbalsamiert Der Typ tut nichts Sitzt in der Wüste rum Die Sonne scheint Nur er sieht Schnee |
Goethe zum Pessimismus:
Der Gotteserde lichten Saal
Verdüstern sie zum Jammertal. Daran entdecken wir geschwind, Wie jämmerlich sie selber sind. |
Frank Wedekind:
Der Gefangene
Oftmals hab ich nachts im Bette Schon gegrübelt hin und her, Was es denn geschadet hätte, Wenn mein Ich ein andrer wär. Höhnisch raunten meine Zweifel Mir die tolle Antwort zu: Nichts geschadet, dummer Teufel, Denn der andre wärest du! Hilflos wälzt ich mich im Bette Und entrang mir dies Gedicht, Rasselnd mit der Sklavenkette, Die kein Denker je zerbricht. |
Wolf Wondratschek:
Das ist die Stunde kurz nach Mitternacht,
die Katze, die dich anschaut und nicht lacht. Es ist nichts mehr zu tun. Du öffnest die Finger, siehst die Morgenröte und den Engel, der geht um sich auszuruhn. |
Goethe:
Wenn ich mir in stiller Seele
Singe leise Lieder vor: Wie ich fühle, daß sie fehle, Die ich einzig mir erkor – Möcht ich hoffen, daß sie sänge, Was ich ihr so gern vertraut; Ach, aus dieser Brust und Enge Drängen frühe Lieder laut. |
Heinrich Heine:
Den Gärtner nährt sein Spaten,
Den Bettler sein lahmes Bein, Den Wechsler seine Dukaten, Mich meine Liebespein. Drum bin ich dir sehr verbunden, Mein Kind, für dein treuloses Herz; Viel Gold hab' ich gefunden Und Ruhm im Liebesschmerz. Nun sing‘ ich bei nächt’ger Lampe Den Jammer, der mich traf; Er kommt bei Hoffmann und Campe Heraus in Klein-Oktav. |
Wilhelm Busch:
Sie stritten sich beim Wein herum,
was das nun wieder wäre; Das mit dem Darwin wär gar zu dumm Und wider die menschliche Ehre. Sie tranken manchen Humpen aus, Sie stolperten aus den Türen, Sie grunzten vernehmlich und kamen zu Haus Gekrochen auf allen vieren. |
Ludwig Thoma:
Jesuitendebatte
Der Fuchs stand vor dem Hühnerstalle Und merkte in der Winternacht, Die Einschlupflöcher waren alle Just seinetwegen zugemacht. Da fing er jämmerlich zu klagen Und bitterlich zu weinen an: Warum wollt ihr nur mich verjagen, Der euch doch nie ein Leids getan? Ihr guten Hühner, hört die Bitte! Ihr seid so viele, ich allein, – Der kleinste Platz in eurer Mitte Genügt, und ich will glücklich sein! Das Federvieh hat lang beraten Und manches wohlerfahrne Huhn Vermeinte, was sie früher taten, Das würden Füchse immer tun. Doch gab es viele ganz Gerechte, Die waren aus Prinzip dafür, Daß keinem aus dem Tiergeschlechte Verschlossen bleibe ihre Tür. Kaum war die weise Tat geschehen, War von dem ganzen Hühnerhof Nichts mehr als das Prinzip zu sehen Und Krallen und ein Federschwof. |
Mascha Kaléko:
Klavia-tiere, Spezies: Pianisten
Pianisten sind oft große Tiere, Zum Lärm dressiert auf dem Klaviere. Mit Löwenmähne, Tigerpfoten Mißhandelt mancher es nach Noten. Ein Pi-a-nist, wenn malträtiert, Ist selten nur wohltemperiert. Wenn sich die Damen auch verlieben, – Weit wichtiger ist ihm das Üben! (Zur Zeit, als Hans zur Liese ging, Da übte brav der Gieseking …) |
Edgar Allen Poe:
Die Kelche, oft im Traum erschaut,
Wo Singvögel sich wiegen, Sind deine Lippen – und der Laut Melodisch draus entstiegen – Dein Augenstrahl, mir sanft erglüht, Fällt mitten in dem Dunkel Auf mein undüstertes Gemüt Wie eines Sterns Gefunkel. Dein Herz – dein Herz, seufz‘ ich gepreßt Und träume bis zum Tage Vom Glück, das sich nicht greifen läßt, Doch will, daß man es wage. |
Ringelnatz:
Schaudervoll: Es zog die reine,
Weiße, ehrbar keusche Clara Aus dem Sittlichkeitsvereine Eines Abends nach Ferrara. Schaudervoll: Dort, irgendwo, Floß der Po. Schaudervoll, doch es geschah In Ferrara, daß die Clara Aus dem Sittlichkeitsvereine Nachts den Po doppelt sah. |
Frank Schulz:
Der Regenwurm
„Sich regen bringt Segen!“ sagte sich der Regenwurm. Drum kroch er verwegen auf den höchsten Glockenturm. Dem Küster hingegen – entnervt vom bösen Wirbelsturm – kam er ungelegen. Er trat ihn platt, den Regenwurm. Sich regen brächte Segen? Von wegen. |
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