 Ohne Worte. Meinen ersten Kommentar zu den Vorgängen habe ich wieder verworfen, und den zweiten nach mehrfachem Lesen gelöscht. Dies ist mein dritter Versuch einer Bewertung der aktuellen Vorgänge. So viel vorab: Auch er ist mir zuwider, vom Lesen wird abgeraten. Vor Arne Dyck
Je länger ich darüber nachdenke und die Fakten ordne, desto widerlicher erscheint mir die ganze Angelegenheit. Fest steht, dass entweder DTU-Ehrenpräsident Dr. Martin Engelhardt oder die von ihm beschuldigten Herren Müller-Ott, Marka und Vuckovic lügen. Sowohl die eine als auch die andere Möglichkeit wäre schlimm. In beiden Fällen stehen wir verwundert und angewidert am Rande einer stinkenden Kloake, deren Uferlinien quer durch die Spitzenriege der DTU-Funktionäre zu gehen scheinen. Ich frage mich ernsthaft (und Ihr solltest das auch tun), ob die Angelegenheit es wirklich wert ist, sich näher mit ihr zu beschäftigen. Wir sind Zeugen eines sportpolitischen Schmierenstücks, das vor allem eines offenbart: Den völligen Mangel von Anstand und Wahrhaftigkeit bei den Hauptdarstellern. Je mehr man hinter die Kulissen blickt, desto weniger Lust hat man, sich mit diesen Leuten zu beschäftigen. Also machen wir es kurz. Falls Engelhardt die Wahrheit sagtFalls Engelhardt die Wahrheit sagt, sehen wir auf der obersten Funktionärsebene der DTU mindestens drei Personen, die einen gedopten Triathleten decken. Dass dieses Geheimnis sieben Jahre lang bestehen konnte, macht stutzig. Denn der deutsche Triathlonsport ist hinter den Kulissen fast mehr von Klatsch und Tratsch bestimmt als von Sachthemen. In Windeseile verbreiten sich Informationen über ein Netz von Beziehungen, Zuträgern und Seilschaften. In diesem Netz geht es nur zum Teil um die übermittelten Informationen an sich, sondern zum überwiegenden Teil darum, von wem sie stammen, zu welchen Lager diese Person gehört und welche geheimen Interessen wohl damit verknüpft sein mögen. Der Triathlonsport der Insider ist die Wissenschaft, wer mit wem im Bett liegt und wer wem etwas schuldig ist; welches Wissen man preisgibt oder sich aufspart. Dieses Netz von Gefälligkeiten und Schuldscheinen ist in Bewegung. Es ist kaum vorstellbar, dass eine sportpolitisch derart brisante Information wie das angebliche Dopinggeständnis von Stephan Vuckovic sieben Jahre lang, über mehrere Machtwechsel hinweg, unter Verschluss bleibt. Es sei denn, es gibt ein Vorhängeschloss aus stabilen Abhängigkeiten, nach dem Motto: "Wenn Du mich in die Pfanne haust, mache ich das Gleiche mit Dir". Diese weiteren Leichen im Keller sind der Mörtel in der Mauer der Verschwiegenheit unter Mitwissern. Merkt Euch diesen letzten Satz, denn Ihr werdet noch davon hören. Falls Engelhardt die Unwahrheit sagtFalls Engelhardt die Unwahrheit sagt, wäre er so unfassbar dämlich, dass man es sich einfach nicht vorstellen kann. Denn die Personen, die er einer jahrelangen Vertuschung eines schwerwiegenden Dopingfalls bezichtigt, während sie in der Öffentlichkeit den Dopingjäger mimten – diese Personen sind gleichzeitig seine einzigen Zeugen für eben diese Vertuschung. Dr. Martin Engelhardt ist ein kluger, erfahrener, strategisch denkender Funktionär, der mit allen sportpolitischen Wassern gewaschen ist. Ist es denkbar, dass er hier ein juristisch derart dünnes Brett bohrt? Ich kann mir das nicht vorstellen. Man kann nur hoffen, dass die beschuldigten Personen gegen die Aussagen Engelhardts klagen. Denn sie alle miteinander sind ein Fall für die Polizei. Nur die Staatsgewalt kann Festplatten mit E-Mails beschlagnahmen und mögliche Mitwisser verhören. Anders als auf diese Weise wird die Wahrheit nicht ans Licht kommen. (Den Begriff "Wahrheit" lesen wir längst mit Bitterkeit. Wer glaubt denn noch ernsthaft daran, etwas über die Wahrheit dieser Vorgänge zu erfahren? Oder an eine Gerechtigkeit, die es hier zu erkämpfen gälte? Man muss heutzutage zufrieden sein, wenn man von den frechsten Lügen verschont bleibt.) Arne Dyck Süddeutsche Zeitung: Bericht 1 | Gedächtnisprotokoll Diskussion im Forum
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