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6.07.08
Ironman Germany: Der Rennverlauf
Chrissie Wellington verpasst nur um Sekunden die Weltbestzeit
8:51 Stunden: Chrissie Wellington verpasst nur um Sekunden die Weltbestzeit
Bei perfekten äußeren Bedingungen (trocken, bewölkt, fast kühl) stürzten sich rund 2400 Athleten in Neos in den Langener Waldsee. Die Wassertemperaturen waren hauchdünn unter der Grenze von 24°C geblieben, so dass die schnellen Pellen zugelassen waren.

Beim kurzen Landgang nach 2,3 Kilometern der Schwimmstrecke lagen erwartungsgemäß die schnellen Schwimmer vorne: Der Freiburger Andi Böcherer, gefolgt von Eneko und Hektor Llanos, Faris Al-Sultan und Jan Raphael. In dieser Formation ging es 1,5 Kilometer später auch in die Wechselzone. Andi Böcherer markierte mit 43:55 Minuten die schnellste Zeit des Tages. Topfavorit McCormack hatte einen Rückstand von 44 Sekunden – es lief rund für den Australier.

Allerdings lassen die Schwimmzeiten auf eine deutlich zu kurze Schwimmstrecke schließen: Etwa 3-4 Minuten sind sie Schwimmsplits zu kurz, gemessen an den Schwimmern, die unter eine Stunde schwimmen.

Bei den Damen führte Chrissie Wellington das Schwimmen von Anfang bis Ende. Bei Schwimmausstieg betrug ihr Vorsprung auf ihre beiden Verfolgerinnen Ina Reinders und Nicole Leder rund anderthalb Minuten.

Auf dem Rad schaffte Chris McCormack sehr schnell den Anschluss, obwohl die Spitzengruppe der Top-Schwimmer ohne Ausnahme aus starken Radfahrern bestand, die sich auch für ihre Gesamtplatzierung einiges vorgenommen hatten und daher keineswegs auf den Australier gewartet haben dürften – ganz im Gegenteil. Die offensichtliche Leichtigkeit, mit der Macca dies bewerkstelligte, dürfte ein erster Fingerzeig für seine aktuelle Form gewesen sein.

Al-Sultan platzt der Kragen

In der Spitzengruppe, nun bestehend aus Böcherer, Eneko Llanos und Faris Al-Sultan angekommen, verfolgte der amtierende Weltmeister konsequent sein typisches taktisches Konzept: Als schnellster Läufer unter den Favoriten kann er die Initiative auf dem Rad den anderen überlassen. Führungsarbeit muss er also nicht leisten, es genügt, wenn er dabei bleibt. Die Fernsehbilder zeigten in der Spitzengruppe ein faires Rennen bezüglich des Windschattenfahrens, dennoch platzte Faris Al-Sultan am Hühnerberg der Kragen: Er meckerte McCormack an und bedeutete ihm, er möge seinerseits einmal etwas für das Tempo tun – sprachs und verabschiedete sich mit wütend wirkendem Fahrstil nach vorne. Auf den folgenden 60 Kilometern distanzierte er seine Verfolger um 2,5 Minuten, dann schrumpfte sein Vorsprung kontinuierlich. Chris McCormack himself sorgte für das Tempo, erreichte Al-Sultan, zog vorbei und fuhr noch lange vorne im Wind – kein Versteckspiel des Weltmeisters also, der stark fahren kann, wenn er will oder muss. Hinter ihm Eneko Llanos, Andi Böcherer und Faris Al-Sultan mit etwas Abstand. Al-Sultan in Schwierigkeiten?

Vorne sorgte weiter der Australier für das Tempo, nur einmal abgelöst von Llanos und Böcherer. Davon abgesehen, war er eindeutig der Mann, der die zweite Radrunde von vorne fuhr, Llanos am wenigsten. Al-Sultan wurde abgehängt und hatte schnell über 2 Minuten Rückstand auf Böcherer, McCormack und den Spanier. Das Spitzentrio fuhr eine Radzeit von 4:26 Stunden, das entspricht der Zeit von Frank Vytrisal aus dem Vorjahr. Den Streckenrekord hält Normann Stadler mit 4:22 Stunden aus dem Jahr 2006.

Das Interesse der Zuschauer an der Strecke konzentrierte sich auf einige Hot Spots, vor allem am Heartbreak Hill in Bad Vilbel. Dort stand ein geschlossenes Spalier, doch wurde von vielen Teilnehmern ein insgesamt nachlassendes Zuschaueraufkommen registriert. Bei bewölktem Himmel zog wohl so mancher die hervorragend gemachte  TV-Übertragung vor.

Stand nach dem Radfahren (Herren):

1. Andreas Böcherer, GER (14) 5:13.15
2. Chris McCormack, AUS (11) +0.01
3. Eneko Llanos, ESP (12) +0.04
4. Faris Al-Sultan, GER (5) +2.33
5. Timo Bracht, GER (1) +7.22
6. Uwe Widmann, GER (6) +7.24

Bei den Damen war Ina Reinders bis auf eine halbe Minute an die Hawaii-Siegerin herangefahren, als sich der Abstand wieder vergrößerte. 1:52 Minuten lag die Lebensgefährtin von Faris eingangs der zweiten Radrunde zurück, danach folgten Wenke Kujala (4:24 min), Meike Krebs (5:56 min) und Nicole Leder (7:05 min zurück). Anders als im vergangenen Jahr, als das Rennen der Profidamen maßgeblich von den Radpulks der Agegrouper bestimmt wurde, konnten sich in diesem Jahr die starken Radfahrerinnen wie gewohnt in Szene setzen. Die beste Radzeit fuhr Chrissie Wellington mit 4:57 Std.

Stand nach dem Radfahren (Damen):

1. Chrissie Wellington  5:48:36 Std.
2. Wenke Kujala +10.01
3. Meike Krebs +11.09
4. Ina Reinders +11.34
5. Nicole Leder +16.08
6. Nicole Töpfer +17:30
7. Imke Schiersch +27:30

Den schnellsten Wechsel des Spitzentrios bei den Männern legte McCormack hin und ging als erster auf die Laufstrecke. Bei Kilometer 8 zieht Eneko Llanos an ihm vorbei. Eine Lücke von 9 Sekunden reißt auf, dann ist der Australier wieder dran. Schulter an Schulter geht es in hohem Tempo weiter. Böcherer läuft sein eigenes Rennen, ungefähr 3:00 Stunden kann der Freiburger in seinem zweiten Start über die Langdistanz laufen – das Hawaiiticket ist in Reichweite. Faris zieht in der zweiten Runde vorbei und liegt damit auf dem 3. Platz. Schnellster Läufer dieser Phase ist jedoch eindeutig Timo Bracht, der die Laufpace der beiden Führenden noch übertrifft. Stück für Stück kämpft er sich an den schnell laufenden Al-Sultan heran. Bei Marathonkilometer 20 geht Bracht vorbei. Al-Sultan versucht kurz, am Europameister dran zu bleiben, doch schließlich siegt die Vernunft – Al-Sultan macht sein eigenes Rennen.

Chris McCormack gibt Gas

Vorne geht die Post ab. 3:42 Minuten pro Kilometer ist die Pace über die erste Runde (10.5 Kilometer). Die zweite Schleife wird mit 3:53 Minuten pro Kilometer absolviert. Macca attackiert, Llanos knautscht sich wieder ran. Plötzlich greift sich der Australier an die Seite – Seitenstechen? Llanos ist jetzt vorne, aber nur wenige Armlängen weit. Einige Kilometer beträgt sein Vorsprung 15 Sekunden. Fünf Minuten dahinter läuft ein entfesselter Timo Bracht mit lockerem, kraftvollem Schritt weiterhin die schnellste Pace. Faris steigt aus. Kathrin Paetzold steigt aus. Andi Böcherer auf Platz 4 mit Cameron Brown im Nacken. Großartig, wie er im Konzert der ganz großen Namen mitspielt.

Bei den Damen schlägt – allerdings weit hinter Wellington – die Stunde von Nicole Leder. Sie ist und bleibt eine Granate auf der Laufstrecke eines Langdistanzrennens. Schon bald scheint klar, dass sie sich den zweiten Platz sichern wird. Noch liegt Wenke Kujala vorne, doch zu leicht sieht Leders Laufschritt aus, als dass hier Spannung aufkommen könnte.

Aber bei den Männern: Eingangs der letzten 10 Kilometer ist Macca wieder an Llanos herangekommen. Schwer kämpfend wirkt er gegenüber dem locker und souverän laufenden Spanier. Doch McCormack ist der weltschnellste Läufer auf den langen Triathlonstrecken. 7 Kilometer vor dem Ziel, auf einem kurzen Bergabstück kommt überraschend der Angriff des Hawaii-Siegers. Llanos lässt abreißen, 20 Meter jetzt sein Rückstand. Kommt Timo Bracht da noch ran?

Chris McCormack gewinnt das Rennen in 7:59:55 Stunden. Eneko Llanos eine Minute dahinter. Dritter wird der überragend laufende Eberbacher Timo Bracht im 8:04:16 Stunden, der damit noch seine Zeit vom Vorjahr unterbietet. Cameron Brown wird Vierter, Hektor Llanos Fünfter, Jan Raphael Sechster, dann kommt Andi Böcherer. Erster aus dem Wasser, Erster nach dem Radfahren, am Schluss Siebter: Besser kann man es im erst zweiten Ironman seiner noch jungen Karriere nicht machen. Hawaiiticket im Sack, Endzeit 8:13:33. Chapeau!

Chrissie Wellington

Bei den Damen geht es um die Weltbestzeit. 8:50:55 Stunden lautet die Marke von Paula Newby-Frazer in Roth. Doch dazu fehlt der jungen Britin letztlich die Konsequenz. Kusshand hier, Händeabklatschen dort, so verbringt sie die letzten Kilometer. Noch 100 Meter vor dem Ziel fällt sie einem Moderator kurz um den Hals, der verdutzt das Mikrofon sinken lässt. Am Ende fehlt ihr eine halbe Minute für die Weltbestzeit.

Auch wenn die Schwimmstrecke wahrscheinlich etwas zu kurz war, ist dies eine großartige Leistung der Britin, die vom Autralier Brett Sutton trainiert wird, dessen Athletinnen derzeit fast alles abräumen, was abzuräumen ist. Weniger gut gefällt einem da der Hauptsitz der Trainingsgruppe in Thailand, ein Land das Dopingkontrolleuren angeblich jeden Zugang verwehrt, sowie eine Rennvorbereitung irgendwo im Himalaya. Wäre sie eine verkniffen dreinblickende Chinesin, die wie Wellington aus dem Nichts käme und alles über den Haufen schwimmt, radelt und rennt, wären wir alle vorsichtiger. Man kann nur hoffen, dass die Kontrollen der "Eisernen Transparenz" hier für Glaubwürdigkeit sorgen.

Nicole Leder holt sich den zweiten Platz nach 9:17:26 Stunden. Für sie war es ein hartes Rennen. Der innere Schweinehund war öfter als sonst hinter ihr her, wie sie später bekannte. Ihre Marathonzeit von 3:11 Stunden entspricht nicht ganz ihrer Klasse auf diesem Rennabschnitt, doch immerhin ist es die zweitbeste Laufzeit bei den Damen.
Arne Dyck

Ergebnisse Männer

1. Chris McCormack 7:59:55.3 (0:44:38 | 4:26:15 | 2:45:46)
2. Eneko Llanos 8:01:49 (0:44:00 | 04:26:46 | 02:46:34)
3. Timo Bracht 8:04:15 (0:46:41 | 4:31:29 | 2:42:33)
4. Cameron Brown 8:08:29 (0:46:32 | 4:31:33 | 2:46:42)
5. Hektor Llanos 8:11:36 (0:44:04 | 04:34:07 | 2:49:53)
6. Jan Raphael 8:12:57 (0:44:03 | 4:34:16 | 2:50:59)
7. Andreas Böcherer 8:13:33 (0:43:55 | 4:26:37 | 2:59:15)
8. Markus Fachbach 8:19:29 (0:46:40 | 4:31:57 | 2:57:24)
9. Uwe Widmann 8:20:23 (0:46:42 | 4:31:30 | 2:58:41)
10. Michael Göhner 8:22:51 (0:50:02 | 4:36:45 | 2:51:52)

Ergebnisse Damen

1. Chrissie Wellington 8:51:24 (0:48:34 | 4:57:17 | 3:01:44)
2. Nicole Leder 9:17:26 (0:50:04 | 5:11:45 | 3:11:20)
3. Wenke Kujala 9:24:54 (0:52:05 | 5:03:27 | 3:24:59)
4. Meike Krebs 9:30:47 (0:51:18 | 5:05:25 | 3:29:48)
5. Imke Schiersch 9:36:15 (0:51:18 | 5:18:15 | 3:19:50)

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