 Wie gemalt: Wetter und Landschaft auf der Königsetappe. Tolles Wetter, nette Leute, traumhafte Straßen: Beim Trainingscamp zur Challenge Roth zeigte sich unser Sport von seiner besten Seite. Von Arne Dyck
Die Kombination aus frühsommerlichem Kaiserwetter und drei Tagen Zeit für nichts außer Triathlon ist unwiderstehlich. Wer sonst sein Hobby stets in die knappen zeitlichen Freiräume quetschen muss und auch schlechtem Wetter nicht ausweichen kann, atmet zu Anfang eines Trainingswochenendes erstmal tief durch. Es ist ein genussvolles Atmen vor einer Auszeit, die man sich wirklich verdient hat. Trainingscamp zum IRONMAN GERMANY
Wochenend-Camp über zwei oder drei Tage. Training auf dem Wettkampfstrecken, Neotestschwimmen, Sitzpositionsanalyse, Vorträge.
» Weitere Infos Erster Programmpunkt war eine Trainingstour mit den Rädern über die Wettkampfstrecke der Challenge Roth. Da am ersten Tag erfahrungsgemäß immer etwas schneller als normal gefahren wird, hatte Trainingsexperte Jürgen Sessner (Corpus-Sport) diese Trainingseinheit an den Beginn des Camps gesetzt. Wir fuhren in zwei Gruppen: Triathlonprofi Heidi Jesberger (Website) leitete die schnelle Fraktion, ich übernahm die etwas langsamere Gruppe. Mir ist bis heute nicht klar, warum die Radstrecke in Roth immer als besonders schnell und flach bezeichnet wird. In Wahrheit sind die flachen Abschnitte die Ausnahme. Darüber hinaus ist das einzige längere flache Stück (12 km) häufig dem Gegenwind ausgesetzt. Dazu kommen unzählige kleine Hügel, die vor allem jenseits der 120-Kilometer Marke ganz ordentlich Körner kosten. Wir haben die verschiedenen Abschnitte der Radstrecke im Detail besprochen und ich denke, dass die Teilnehmer des Camps einen Vorteil daraus ziehen können. Jürgen Sessner legte in seinem Vortrag einen Schwerpunkt auf eine taktisch kluge Herangehensweise an die Rother Radstrecke. Dreh- und Angelpunkt ist ein möglichst geringer Verbrauch an kostbaren Kohlenhydraten. Anhand mehrerer Beispielrechnungen zeigte er, wie sich der Kalorienverbrauch je nach Tempo und äußeren Bedingungen ändert. Aus diesen Eckdaten leitete er auch konkrete Empfehlungen für die athletische Vorbereitung auf das Rennen ab. Es ist äußerst interessant, wie sich die taktischen Konzepte bei Rennen wie der Challenge Roth und Hawaii daher unterscheiden müssen.
In einen persönlichen Konflikt stürzte mich das Neopren-Testschwimmen im Freibad von Roth. Die Firmen Orca, blueseventy und 2XU hatten viele Dutzend der schwarzen Häute für uns vor Ort. Zur Beratung standen dabei die früheren Spitzenathleten Ralf Eggert und Rüdiger Jochum zur Verfügung. Die Neoprenanzüge der neuesten Generation sind tatsächlich erheblich flexibler im Schulterbereich als es mein geliebter Predator II aus dem Jahr 2003 ist. Wer statt maximaler Flexibilität, die vor allem guten Schwimmern wichtig ist, lieber maximalen Auftrieb wünscht, hat ebenfalls heute besseres Material zur Verfügung als vor ein paar Jahren. Dummerweise ist es für mich sehr schwer, sich zwischen diesen beiden Konzepten zu entscheiden. Die Mehrheit der Teilnehmer tendierte jedoch zu den Modellen mit viel Auftrieb unter Inkaufnahme einer etwas geringeren Beweglichkeit.  Ex-Triathlon-Profi Jürgen Hauber, Fa. Sponser, gibt Tipps zur richtigen Ernährung während eines Triathlons über die Langdistanz. Sportzentrum Corpus in Hilpoltstein. Viel getan hat sich auch bei den Produkten der führenden Hersteller von Energieriegeln, -gels und -getränken. Dadurch ist eine gegenüber früheren Zeiten deutlich höhere Energieaufnahme im Wettkampf möglich. Ex-Triathlonprofi Jürgen Hauber, Fa. Sponser, erläuterte, wie man diese Produkte am besten für sich nutzt und welche Möglichkeiten und Grenzen heute bestehen. Ich habe Glück und sitze beim Abendessen neben Jürgen. Ein netter Typ, der keinen Hokuspokus verspricht und aus der Praxis weiß, wovon er redet (Bestzeit Langdistanz 8:19 Std.). Am anderen Ende des Tisches haben mittlerweile Ralf und Nina Eggert (Website) Platz genommen. Beide lachen die ganze Zeit, und ich freue mich, als wir später am Abend noch etwas näher beisammen sitzen.  Sorgte für gute Laune und sehr kurze Pausen: Triathlonprofi Heidi Jesberger Am nächsten Tag habe ich wieder Glück und führe zusammen mit Heidi Jesberger die schnellere Radgruppe. Heidi strahlt mit der Sonne um die Wette und lässt uns die manchmal brennenden Oberschenkel vergessen: Kraftausdauertraining steht auf dem Programm von Jürgen Sessner, daher sehen wir an diesem Tag zahlreiche Straßenschilder mit der Aufschrift "10%". Zuvor hatte Radexperte Fritz Buchstaller (Website) die Sitzpositionen aller Teilnehmer überprüft und – falls möglich – verbessert. Es ist faszinierend zu sehen, wie sich eine Haltung und die damit verbundene Motorik Schritt für Schritt immer harmonischer und effizienter zeigt. Ich kann jedem nur empfehlen, sich mit der Optimierung der eigenen Sitzposition zu beschäftigen. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen: Nimm Dir die Zeit, geh zum Buchstaller! Es gibt meines Wissens nach in Deutschland keinen vergleichbar kompetenten Fachmann auf diesem Gebiet.  Fritz Buchstaller (rechts) kontrolliert die Sitzposition jedes Teilnehmers und erläutert die entscheidenden Kriterien Mein herzlicher Dank geht an Jürgen Sessner und Heidi Jesberger, ohne deren Mithilfe das Camp nicht möglich gewesen wäre. Dankbar bin ich auch den Firmen, die das Camp mit Material und netten Menschen unterstützt haben. Ganz besonders gefreut habe ich mich über Euch Teilnehmer. Ihr wart eine sehr nette Truppe, selbst wenn die Beine müde waren und der Magen grimmig knurrte. Ich hoffe, wir sehen uns wieder in Roth – hinter dem Zielstrich! Arne Dyck Diskussion im Forum  Wir danken für die freundliche Unterstützung.
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