Jürgen Sessner ist Trainer und Berater namhafter Triathlonprofis. Für triathlon-szene.de konzipiert und begleitet er das Training während des dreitägigen Trainingscamps zur Challenge Roth. Wir haben ihm einige Fragen gestellt.
Welche speziellen Anforderungen stellen die Wettkampfstrecken der Challenge Roth an den Athleten? In der Hauptsache sollte man als Teilnehmer wissen, auf welchen Streckenabschnitten die Investition von Energie lohnt und wo nicht. Dies ist immer dann der Fall, wenn pro eingesetztem Watt der Geschwindigkeitszuwachs am größten ist. Bei starkem Gegenwind ist die Effektivität sicherlich am geringsten, bei leichtem Gefälle und Rückenwind dagegen am größten. Die Radstrecke in Roth wird im Allgemeinen als sehr schnell dargestellt, obwohl sie mit 1300 HM nicht gerade als flache Strecke durchgeht. Die Gefahr liegt in den vielen kleinen Anstiegen, die vor allem in der ersten Runde zu einer aggressiven Fahrweise herausfordern. Dadurch kommt es zu einer stärkeren Entleerung der Kohlenhydratspeicher, was man dann im letzten Drittel der Strecke oder spätestens beim Laufen büßen muss. Ein weiterer Aspekt ist der windanfällige Streckenabschnitt direkt nach dem Kalvarienberg in Greding bis zur Abfahrt nach Obermässing. Dieser stellt vor allem in der zweiten Runde erhöhte Anforderungen an die aerobe Kraftausdauer, da mit dem Kalvarienberg zusammengerechnet insgesamt 20 Minuten zu absolvieren sind, auf denen es keine Erholungspause gibt. Andererseits gibt es auch Abschnitte auf denen leicht Geschwindigkeiten von 50km/h und darüber erreicht werden, so z.B. das lange Rückenwindstück zwischen Thalmässing und Greding oder die Strecke zwischen Mörlach und Hilpoltstein. Dies trifft vor allem bei der bei uns vorherrschenden Nord-Ost Wetterlage zu. Bei Südwind dreht sich das Ganze natürlich um. RadtrainingWie kann man sich im Radtraining speziell darauf vorbereiten? Wo sollte man Schwerpunkte setzen? Generell ist im Training das „Erlernen“ der richtigen Fahrweise der wichtigste Aspekt. Neben den normalen Elementen wie Grundlagenausdauer, Kraftausdauer und Gewöhnung an das Wettkampftempo spielt das eigene Belastungsgefühl und die damit verbundene Leistungssteuerung eine entscheidende Rolle. Mit einem Watt-Leistungsmesser ist man klar im Vorteil, denn durch das verzögerte Ansprechen der Herzfrequenz bei Belastungserhöhung ist man meist schon über den Berg, bevor der Puls seinen der Belastung entsprechenden Höchstwert erreicht. Aber auch ohne Hightech lässt sich die Fahrweise optimieren. Das vorsichtige Anfahren von Steigungen kann man am besten an Bergen mit Anstiegen von mind. 10 Minuten und gleichmäßiger Steigung üben. Ist man nach einer Zeit von 3 Minuten gezwungen, die Geschwindigkeit zu reduzieren, um im aeroben Pulsbereich zu bleiben, ist man zu schnell hineingefahren. Viele wären überrascht, wie langsam das optimale Tempo am Beginn eines Berges ist. Lauftraining Welches sind die wichtigsten Läufe im Training der letzten 8 Wochen? Wie sollte man sie durchführen? Jürgen Sessner betreut zahlreiche Amateur- und Spitzen- sportler im Ausdauersport, insbesondere im Bereich Triathlon. Im Trainingscamp zur Challenge Roth konzipiert er die Trainingseinheiten, gibt Tipps und steht für Fragen zur Verfügung. www.corpus-sport.de In den letzten 8 Wochen vor Roth empfehle ich, die Dauer der langen Läufe schrittweise zu reduzieren und dafür das angepeilte Wettkampftempo in länger werdenden Abschnitten einzubauen. Dies kann entweder durch Tempospiele mit 10-minütigen schnellen Abschnitten sein oder mittels Endbeschleunigung durchgeführt werden. Auf jeden Fall sollte man darauf achten, das man sein Zieltempo realistisch einschätzt. Ein Anhaltspunkt für Roth ist eine Zeit von ca. 30 Minuten über der aktuellen Marathonbestzeit. Wer in Roth seinen ersten Marathon läuft, sollte das Tempo wählen, mit dem er den größten Teil der Vorbereitung bestritten hat. Dies liegt auf jeden Fall im aeroben Bereich bei einer Laktatkonzentration unter 2mmol. Je näher der Wettkampf kommt, desto weniger sollte man an die Grenzen seiner Belastbarkeit gehen, um eine vollständige Erholung zu gewährleisten. Das bedeutet auch, das während dieser längeren Einheiten auf eine gute Getränke- und Nahrungszufuhr zu achten ist. Diese Einheiten sind vorzugsweise in ausgeruhtem Zustand zu machen. Als zweite Kerneinheit ist das Koppeltraining zu nennen, das die Muskulatur auf die Umstellung vom Radfahren auf das Laufen vorbereiten soll. In den letzten 6 Wochen ist eine längere Radeinheit mit kürzerem Lauf die richtige Variante, da ein langer Lauf nach dem Radfahren die Muskulatur stark ermüdet und eine Erholung bis zum Wettkampf eventuell nicht mehr gegeben ist. Cola im Finale? Während des Trainingscamps wird es einen Vortrag zur richtigen Ernährung während des Wettkampfs geben. Eine Frage vorweg: Sollte man Cola auf der Langdistanz einsetzen und ab wann? Die Aufnahme von Cola ist mit 2 Problemen verbunden: Cola in Reinform ist hyperton, also zu stark konzentriert, was Magenprobleme zur Folge haben kann. Zum zweiten forciert der Zuckergehalt im Cola den Insulinausstoß der Bauchspeicheldrüse. Dies führt zu Einschränkung der Fettverbrennung und zum Leistungseinbruch. Je besser das Ausdauerniveau, desto leichter kann man Cola zu sich nehmen, denn der Insulinausstoß von sehr gut ausdauertrainierten Menschen (während der Belastung) ist niedriger als bei weniger gut trainierten. Aber: Die maximale Aufnahmerate von Zucker im Cola liegt bei ca. 350 kcal pro Stunde und damit weit unter dem Bedarf, der bei etwa bei 600 – 800 kcal liegt. Je nach Ausgangsniveau der Speicher im Körper kommt es bei einer durch den Insulinausstoß eingeschränkten Fettverbrennung zwangsläufig zu einem Leistungseinbruch, bis das Defizit in den Gehpausen wieder ausgeglichen wird. Mein Rat ist eine Colaaufnahme in den letzten 60 Minuten der Belastung und nur bei lückenloser Versorgung. Davor kann man in kleinen Mengen Cola zusätzlich und nur verdünnt mit Wasser einsetzen. Das 3-Tage Trainingscamp zur Challenge Roth Diskussion im Forum
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