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20.01.11
Der Flachsteiger
Gibt’s das bei Euch auch? Jetzt, zur Winterszeit, wenn abends die Jogger auf beleuchteten Radwegen und an Flussufern im dunklen ihre Runden drehen, wenn es an die Null Grad Celsius geht und vielleicht das ein oder andere Flöckchen Schnee zaghaft herunter schwebt: Die so genannten Flachsteiger. Heute traf ich wieder einen.

Ich: Enge Wintertight, kurzärmeliger plus langärmeliger Unterzieher, Weste, dünne Mütze, dünne Handschuhe.

Er: Festes, wasserdichtes Trailrunning-Schuhwerk, Gore-Tex Bergsteigerhose, Bergsteigerjacke mit eingezipptem Fleecepullover, Kapuze mit großem Schild, darunter eine dicke schwarze Balaklava, die Mund und Nase vollständig verdeckt. Die gut eingepackte Rübe festgezurrt durch eine Stirnlampe kapitalen Ausmaßes, die über einen Kilometer Entfernung die Tiere des Waldes aus dem Winterschlaf holt. Aus dem Kragen ragt ein Plastikschlauch, freilich ummantelt von einem stark isolierenden Textil aus der Raumfahrt – Hinweis auf einen Trinkrucksack irgendwo im Innenleben dieses raschelnden Ungetüms. Die Handschuhe hingegen kamen mir vertraut vor, weil ich bereits als Kind gerne Fotos von der Mondlandung studiert habe.

Eindeutig: Ein Flachsteiger, eine sich stark vermehrende Spezies, die an den gemeinen Hochalpinisten und Expeditionsbersteiger erinnert. Sein natürlicher Lebensraum sind jedoch die Joggingpfade der Großstädte fernab jeder vertikalen Erhebung. Er tritt meisten als Einzelgänger auf. Über das Sozialleben ist wenig bekannt, eine geschlechtliche Fortpflanzung wird aus nahe liegenden Gründen jedoch bezweifelt.

Eine Freiburger Forschergruppe hat einen in freier Wildbahn angetroffenen Flachsteiger betäubt und geschält, um das Innenleben zu studieren. Sie entfernten etliche Schichten hochtechnischen Textils, worauf sich aber stets neue, tieferliegende Schichten aus Polyester, Nylon, Gore-Tex und Merinowolle zeigten. Irgendwann wurde es ihnen zu dumm, und sie warfen den Flachsteiger auf eine Wiese, wo er heute als Hüpfburg für Kinder dient.

Flachsteiger trifft man nicht nur im Winter, sondern auch in den warmen Jahreszeiten, typischerweise bei Volksläufen, die vormittags starten. Zeigt das Thermometer beim Aufstehen 10°C und wolkenlosen Himmel, was auf einen warmen, sonnigen Tag mit 25°C hinweist, rüstet sich der Flachsteiger für Minusgrade. Kopfschüttelnd und mit ehrlicher Verzweiflung murmelt er "Mist, die hatten doch gestern noch Sommerwetter vorausgesagt" und schiebt das bereitgelegte Läuferhemdchen beiseite. Im Keller ist doch noch der einteilige Skilanglauf-Anzug vom letzten Norwegenurlaub. Da ein winddichter Faserpelz drüber oder eine Gore-Tex Jacke, das müsste gehen (zwei Startnummernbänder aneinander klipsen, dann passt das über die Jacke). Nee, sieht blöd aus. Jacke weg, dafür der Fleecepullover unter den Skilanglaufanzug. Sitzt stramm, geht aber. Petzibär auf Ecstasy.

Ich würde in so einer Montur nicht nur nach spätestens 5 Kilometern wegen eines Hitzschlags zusammenbrechen. Wenn mir die Sanitäter die Kleider vom Leib rissen, fänden sie darunter nur noch ein ausgedörrtes Gerippe mit etwas Fettbrühe in den Stiefeln (der Flachsteiger läuft nicht gerne in flachen Schuhen sondern eher in so Basketballtretern, weil man darin nicht so leicht umknickt). Doch ein Flachsteiger sorgt vor und hat selten weniger als drei Liter Elektrolytgetränk im Camelbag oder Hüftholster. Dazu Filmdöschen mit Salz und Magnesium.

Zurück zu meinem Trainingslauf heute Abend. Es war bereits dunkel. Als ich kurz anhalte um an meinem MP3-Player herumzupokeln, überholt mich so ein Bergsportfachgeschäft auf zwei Beinen. Ich bin nach ein paar Schritten wieder vorbei, doch der Kerl, nennen wir ihn Reinhold M., bleibt dran. Kann mir egal sein, würde er nicht knallhart eine Armlänge hinter mir laufen und meinen Hinterkopf mit seinem Flakscheinwerfer anleuchten. Vor mir sehe ich den scharfen, tanzenden Schatten meiner Mütze und meiner Schultern. Ich schaue mich kurz um, blicke aber nur auf eine Kapuze und eine schwarze Gesichtsmaske. Darüber die gleißende Stirnlampe. "Hallo" sage ich. Keine Reaktion.

Wir sind zu zweit, die Lichter der Stadt sind bereits etwas entfernt. Was will der Psychopath? Der Kerl läuft so dicht auf, dass ich ihn mit einem nach hinten schwingenden Arm sofort berühren könnte. Oder er mich. Ich schalte sofort meinen Musikplayer ab und lausche nach hinten. Seine Bergsteigerkleidung macht zwischen den Beinen und unter den Armen einen Heidenlärm, aber ich höre auch seinen Atem. Als geübter Wettkämpfer brauche ich nur eine Sekunde, bis sein Atem mir folgendes mitteilt: Er hat seinen Komfortbereich verlassen, er läuft dieses Tempo meinetwegen. Sein Atem ist tief und stark. Er hat Reserven nach oben und ist hellwach. Klarer Fall: Mit ein paar schnellen Schritten hänge ich den nicht ab.

Scharf links, dann scharf rechts renne ich in stockdunkler Nacht über eine kleine Brücke an der Dreisam, er bleibt direkt hinter mir. Ein paar Schritte geht es steil bergan, ich nehme sie schnell. Der Abstand ist unverändert, er klebt an mir. Aha. Jetzt liegen die Karten auf dem Tisch: Der Typ sucht Streit. Zwei mal bereits hat er meine Fersen berührt. Was mache ich, wenn der mir auf die Fersen tritt und ich aus dem Schuh rutsche? Mich in stockdunkler Nacht auf den Boden knien um den Galoschen wieder anzuziehen, während Psycho-Reinhold mir von oben einen Eispickel in den Hinterkopf rammt? Ausgeschlossen. Mir wird es entschieden ungemütlich. Was tun?

Möglichkeit 1: Das Tempo langsam und unauffällig anziehen, bis den Yeti der Hitzschlag trifft. Könnte klappen, allerdings möchte ich nur ungern weiter vor ihm laufen.

Möglichkeit 2: Sofortige Flucht vor dem Pelztier. Dickster Gang rein und ab nach Kassel. Gefahr lauert auf den ersten 1-2 Minuten. Denn sprinten kann der auch in seiner Everest-Montur. Möglicherweise besser als ich, denn 15 Jahre Ausdauertraining haben Spuren hinterlassen.

Ich höre aufmerksam seinen Atem. Atmet er etwas schwerer als ich? Ich kann nicht mehr klar genug denken. Ein gewaltiger Adrenalinstoß durchströmt mich, als er mich am Unterarm berührt – oder war das nur ein Zweig vom Wegesrand? Egal. Meine Beine haben entschieden. Flucht nach vorn! Alle Systeme auf hundertachtzig. Tausend Volt aus meinem Stammhirn geben den Beinen die Peitsche. Vollgas! Ich brenne lichterloh. Mit fliegendem Schritt flüchte ich in die Dunkelheit. Ich gewinne etwas Abstand, aber mir wird es eng ums Herz als ich merke, dass der Kerl wieder aufholt. Tatsächlich, er kommt näher! Und es gibt anscheinend nichts, was ich dagegen tun kann.

Ungefähr eine Minute ist verstrichen, und mein Körper macht sich bereit auf eine ernste Auseinandersetzung. Obwohl ich hart am Limit meiner Möglichkeiten laufe, empfinde ich keinerlei Schmerzen, alles ist wie in Watte gepackt. Noch ist Reinhold nicht da. Mein Vorsprung beträgt noch etwa 10 Meter. Ich muss lockerer laufen, leichter, schneller, schießt es mir durch den Kopf. 8 Meter. Ich drossle das Tempo eine Winzigkeit, um innerlich Anlauf zu nehmen für eine zweite Attacke. 5 Meter. Dann gebe ich wieder Gas, schwebe, fliege, lege mich in eine Kurve, haste über das Bahngleis, dann die ersten Häuser. Die Angst ist weg, ich habe das Gefühl etwas zu tun, das ich gut kann. Arne, lauf!  Ich gebe alles.

Endlich wieder Straßenlaternen. Rechts ab, dann volles Rohr die alte Straße runter, Vollgas am Bach entlang. Ich habe die Vorstadt erreicht, die Füße hämmern über den Asphalt. Reinhold ist verschwunden. Ich renne noch eine oder zwei Minuten weiter und schaue mich permanent um. Dann bleibe ich stehen. Mir ist danach zumute, einen gewaltigen Siegesschrei auszustoßen. Ich zittere am ganzen Körper und meine Knie sind plötzlich so weich, dass sie mich kaum noch tragen. Ich trabe etwas an, denn nach Hause sind es noch einige Kilometer. Es geht nicht. Langsam und wackelig gehe ich weiter, mich immer wieder umsehend.

Mir wird kalt, und zwar richtig. Die Beine sind steinhart, die Lunge schmerzt, ständig muss ich husten. Ich zittere vor Kälte. Ich bin fix und fertig. Ein paar Schneeflocken fallen auf mein Gesicht. Die Kälte schüttelt mich.

Morgen gehe ich ins Sportgeschäft und kaufe alles auf, was warm hält. Gore-Tex von Kopf bis Fuß, ein Klafter Faserpelze, lange Unterhosen mit Daunenfüllung, ein paar Pfund Sturmhauben, Kapuzen mit Pelzrand und Handschuhe von der NASA. Damit gehe ich künftig laufen. Das war mir heute eine Lehre.

Und wie sich die Flachsteiger vermehren wäre damit auch geklärt.
Arne Dyck

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