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Alt 28.08.2012, 15:18   #1
Duafüxin
Szenekenner
 
Registriert seit: 01.06.2007
Beiträge: 6.328
Von der Vorhölle zur Hölle in Kasterlee

Eigentlich hat sie der Vatikan abgeschafft, aber in einem kleinen Städtchen in OÖ gibt es sie einmal jährlich in Form des Powerman Austria. Qualen kann man erleiden (ja, auch auf Kurzstrecken), die hohe Ausstiegsquote belegt dies. Hier erstmal ein kleiner Bericht aus der Vorhölle:
Es stand mal wieder ein Powerman auf meinem Programm. Einer den ich vor zwei Jahren abbrechen mußte, unter anderem auf Grund der Temperaturen. Damals waren es 32°C.
Dieses Jahr waren wir schlau und sind eine Woche vorher angereist, um uns an die Temperaturen zu gewöhnen. Den einen Tag über 30°C in D-Land habe ich fürs Training nutzen können, der Koppellauf war eine Katastrophe. In Ösi-Land waren es nun angenehme 26 - 28 °C, zumindest bis Freitag.
Beim letzten Training auf der Strecke stellte ich fest, dass die steilen Anstiege immer noch steil waren und komplett in der Sonne lagen, wie auch der Rest der Strecke. Die Radstrecke hat pro Runde (41 km) 620 hm. Die Laufstrecke hat nur 50 hm/Runde, welche 7,8 km lang ist.
Beim Startunterlagenabholen wurde mir dann gesagt, dass es wohl 37°C (im Schatten) werden würde am WK-Tag, also sollte ich es langsam angehen lassen. Toll, langsam kann ich gut.
Zum Glück hatte ich mir kurz vorher für einen Wüstenlauf ein kühlendes Langarm-Shirt gekauft, welches nun einen Testeinsatz bekommen sollte. Es sieht zwar dämlich aus, aber wenns hilft ...
Der Start fand für uns Frauen um 10:00 Uhr statt. Die kleine Stadt Weyer bebte unter den heißen Rhythmen, Publikum war zahlreich vorhanden. Die Cheerleader, die vor unserem Start rumtänzeln sollten, verspäteten sich, also übernahmen die 21 Starterinnen das Entertaiment.
Nach dem Startschuß sortierte sich das Feld schnell. Vorne weg die Elite, ein paar Landesmeisterinnen hinterher und zum Schluß die Hobbysportlerinnen, die an diesem Tag nicht sehr zahlreich waren.
Der erste km ging in 4:21 min/km weg, was deutlich zu schnell war. Aus Weyer raus geht es leicht bergan auf der Strasse ohne Schatten. Noch waren die Temperaturen human. Der zweite km war nur unwesentlich langsamer mit 4:30 min/km. Das war immer noch viel zu schnell für die Temperatur und für das Profil, also liess ich abreissen und war nun mehr alleine.
Aber nicht lange, bald kam das nächste Dorf. Die Anwohner tobten in den Gärten und auf den Balkonen zwischen der Blumenpracht. Irgendwo in dem Tal war ein Wendepunkt und man lief ein Stück zurück, bevor man abbog und über Bauernhöfe und durch Blumenmeere in den Vorgärten lief. In den Vorgärten breitete sich Kaffeeduft aus. Die Anwohner saßen zum Frühstück in ihren Gärten und wir liefen direkt daran vorbei. Es wurde Krach gemacht, zahlreiche Duschen waren aufgebaut, die Fachkundigen unter ihnen hatten Startlisten auf dem Tisch liegen. "Nummer 188 ist ne Deutsche, die müßts auf Hochdeutsch anfeuern" hieß es.
Mein Spezi von vor zwei Jahren, der mich damals bei meiner Wanderung aufmunterte, ein alter Mann im Rollstuhl ohne Beine und ohne Zähne applaudierte wie verrückt und stieß für mich unverständliche Anfeuerungsrufe aus. Inzwischen liefen wir auch in dem einzigen schattigen Abschnitt, den die Strecke zu bieten hatte. Die erste Runde lief viel besser und schneller als geplant.
Allerdings stieg der Puls auf der zweiten Runde, wo es dann auch schon deutlich wärmer wurde, in ungeahnte Höhen. Ich nahm Tempo raus, obwohl sich meine Beine fantastisch anfühlten. Ein Zeitziel hatte ich ... bevor ich die Temperaturen am WK-Tag erfahren habe. Nun war das Ziel lebend ankommen, möglichst vor dem Cut Off. Also versuchte ich den Puls durch Entschleunigung runterzubekommen. Der Magen fing an zu rebellieren. Vielleicht hatte ich schon zu viel getrunken? Nun kam der Wechsel aufs Rad. Die ersten km gings leicht bergan. Der Puls hämmerte weiter, die Entschleunigung wurde fortgesetzt. Die erste Runde wollte ich eh langsam angehen lassen. Ich wurde viel überholt, allerdings konnte ich da noch nicht ahnen, wieviel ich wieder einsammeln würde.
Nun lauerte der erste lange und giftige Anstieg nach kurzer Eingewöhnung. Immer wieder gehts auf 18%, flacht wieder etwas ab, so dass man mal schnell einen Schluck aus der Flasche nehmen kann bevor man wieder im Wiegetritt die steileren Prozente tritt. Und heiß wars. Kein Lüftchen, auch nicht oben auf der Kreuzgruber Höhe, dem höchsten Punkt. An der Verpflegung stellte ich zu meinem Entsetzen fest, dass es keine Trinkflaschen mit Wasser gab, nur Becher oder normale Flaschen mit Schraubverschluß. Ich griff nur eine Banane und war etwas verwirrt. Nach einer kurzen Abfahrt kamen die nächsten Hubbel auf handtuchbreiten Strassen mit Hofdurchfahrten. Es folgte eine lange kurvenreiche Abfahrt, auch hier wollte der Puls nicht runter. Da fing ich aber auch schon an die ersten Kerlchen wieder einzusammeln, die teilweise kurz vorm Zusammenbruch Slalom über die Strasse fuhren, die mittlerweile zum Glück wieder breiter war. Plötzlich tauchte die Wand vom Gegenhang des Ennstals auf, wo wir dann links ab nach Großraming abbiegen mußten. Kam mir im Training die Steigung lächerlich vor, hatte ich da das Gefühl vor einer nicht enden wollenden Rampe zu stehen. Das Volk tobte in praller Sonne, ein Teufelchen rannte neben mir her und stieß Grunz- und Zischlaute der heimischen Mundart aus. Die nächste Verpflegung kam. Nun griff ich einen Becher Wasser und war wieder verwirrt als ganz am Ende der Labe eine Frau mit Wasserflasche stand. Ich fuhr natürlich viel zu schnell vorbei. Ein sportlicher junger Mann erkannte zum Glück die Situation und rannte hinter mir her, mit Flasche. Und dem Versprechen für die nächste Runde für mich wieder eine Wasserflasche bereitzuhalten. Nun gings im Ennstal ein paar Wellen rauf und runter. Ich war froh mein Hemdchen zu haben, zumindest verglühte ich nicht und die Arme und der Rücken waren gut gekühlt. Nur das Problem mit dem Puls ließ sich nicht lösen. Unten im Tal konnte man das frische Grün der Enns sehen und mehr als einmal hatte ich das Bedürfnis, das Rad an den Rand zustellen und einfach mal reinzuspringen. Da war aber auch schon der Anfang der zweiten Runde in Sicht. Meine Beine fühlten sich großartig. Sobald der erste Hauch einer Steigung auftrat, hing ich auch schon bei einem Kerlchen hinten drin. Als es um die Kurve in die steileren Stücke ging hatte ich eine wahre Kette vor mir. Nimmt man die Hitze dazu, die weiter erbarmungslos vom Himmel brannte, hätte man auch meinen können wir wären ein Fleischspieß. Ich hatte jedenfalls meinen Spass und war guter Dinge. In Großraming bekam ich meine versprochene Wasserflasche. Auf einmal, in einer Kurve, bekam ich einen Krampf im Zeh und im hinteren Oberschenkel. Zum Glück kamen nur noch die Wellen und die Krämpfe waren nicht mehr richtig da.
Der letzte Wechsel nahte und die letzten 7,8 km. Eigentlich wäre ich lieber noch eine Runde Rad gefahren. Beim Abstieg hatte ich einen Krampf, beim Wechsel in die Schuhe hatte ich in beiden Waden Krämpfe. Ich griff noch schnell die Wasserflasche und eierte hinter einem Leidensgenossen hinterher, den es noch schlimmer erwischt hatte. Wie im Training wollte ich nun die erste Hälfte locker laufen und den Rest so schnell wie möglich. Nun war ich von der muskulären Anstrengung wie ich sie trainiert hatte recht weit entfernt und bildete mir ein, dass ich jetzt noch voll los rennen könnte. Der erste km ging auch gut, wenn auch die Hitze fast unerträglich war. Immer noch standen die Zuschauer an der Strecke in praller Sonne und feuerten genauso stark an wie am Anfang. Die müssen echt bescheuert sein, dachte ich. Ich hängte mich wieder an meine Spießkollegen. Wir wechselten wie schon auf dem Rad das ein oder andere Wort und machten uns gegenseitig Feuer unterm Hintern. Nach dem etwas steileren Anstieg auf der Laufstrecke hatte sich für mich das Thema "schnell" erledigt. Ich hatte das Gefühl ich kippe um. Von hinten nahte die AK-Konkurrenz, ich versuchte noch dranzubleiben, hoffte auf die zweite Luft. Nix, das Herz-Kreislaufsystem spielt nicht mehr mit. Wandern war angesagt. Im Schatten bergab konnte ich wieder laufen, aber das waren nur wenige Hundert Meter. Ausserdem meldete sich der Krampf im Zeh auf dem unebenen Geläuf. Gut gefüllt mit Redbull erreichte ich dann das Ziel. Den AK-Treppchen-Platz hab ich 5 km vor dem Ziel verschenkt, aber ich war im Ziel und ich bin nicht zuammengebrochen.

Nun hatte ich den WK geschafft, aber ausgepowert war/bin ich nicht. Die Woche danach waren wir ein in den Kalkalpen MTBn. Ich habe einige Laufrouten für nächstes Jahr erkunden können. Traditionell wurde der Urlaub mit einem Langen Lauf auf einen der Hauskogel abgeschlossen inclusive Trailtraining fürs Venn.
Jetzt hänge ich in der Luft und weiss nicht was ich machen soll. Geplant ist der 38 km lange Trail des Haute Fagne Ende September, den ich eigentlich nur zur Bespaßung laufen wollte. Momentan denke ich, ich könnte den auch ambitionierter angehen. Am nächsten WE könnte ich in der Ahreifel mal wieder einen Lauf machen, habe mich aber noch nicht entschieden ob ich die 16 oder 33 km laufen mag.
Parallel zu meinen Laufaktivitäten wird das MTB fertig gemacht und ich werde versuchen ein paar lange Einheiten mit dem MTB zu fahren, um schon mal die MTB-km für Kasterlee zu sammeln.

Falls jemand tolle Ideen für Kasterlee hat, immer her damit. Das Einzig beruhigende ist, dass es da wohl nicht so heiß sein wird.

Hölle ich komme ....
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Spar am Trainingslager und kauf dir ne Regenjacke (Bechtel)
Duafüxin ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.08.2012, 15:34   #2
fitschigogeler
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Benutzerbild von fitschigogeler
 
Registriert seit: 01.07.2009
Ort: Reutlingen
Beiträge: 1.756
Sehr schöner Bericht

Gratulation zum Finish des Barbequeman 2012!


Kasterlee wird für Dich ein Spaziergang. Wie stehst Du eigentlich zum Thema "Fango"?
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Andipositas
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Heavy Rotation: Suicide is painless
fitschigogeler ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.08.2012, 15:37   #3
Duafüxin
Szenekenner
 
Registriert seit: 01.06.2007
Beiträge: 6.328
Zitat:
Zitat von fitschigogeler Beitrag anzeigen
Sehr schöner Bericht

Gratulation zum Finish des Barbequeman 2012!


Kasterlee wird für Dich ein Spaziergang. Wie stehst Du eigentlich zum Thema "Fango"?
Ich liebe Wildschweinsuhlen
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Duafüxin ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.08.2012, 16:31   #4
Trimone
Szenekenner
 
Registriert seit: 29.07.2009
Ort: NRW
Beiträge: 1.219
Tolle wettkampfstory

Und meinen Respekt
Trimone ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.08.2012, 19:20   #5
jannjazz
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Benutzerbild von jannjazz
 
Registriert seit: 10.08.2011
Ort: Metropolregion Hamburg, auf dem Dorf
Beiträge: 4.310
Starker Auftritt. 23.12., oder?
__________________
Funkateers lend me your ears! Parliament "Aquaboogie"
jannjazz ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.08.2012, 22:38   #6
Diver
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Benutzerbild von Diver
 
Registriert seit: 28.05.2008
Ort: Düsseldorf
Beiträge: 3.582
Super Bericht, herzlichen Glückwunsch!

Tipp für Kasterlee: dafür sorgen, dass die für Dezember bestellte "Dürreperiode" nicht schon im November da ist!
Diver ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.08.2012, 22:46   #7
drullse
triathlon-szene.de Autor
 
Benutzerbild von drullse
 
Registriert seit: 04.10.2006
Beiträge: 17.057
Zitat:
Zitat von Duafüxin Beitrag anzeigen
21 Starterinnen
Das ist ja frustrierend. So wenige.

Ansonsten: gut gemacht, bei dem Wetter wirklich selektiv.
__________________
„friendlyness in sport has changed into pure business“

Kenneth Gasque

Zum Thema "Preisgestaltung Ironman":

"Schließlich sei Triathlon eine exklusive Passion, bemerkte der deutsche Ironman-Chef Björn Steinmetz vergangenes Jahr in einem Interview. Im Zweifel, so sagte er, müsse man sich eben ein neues Hobby suchen."
drullse ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.08.2012, 09:10   #8
Duafüxin
Szenekenner
 
Registriert seit: 01.06.2007
Beiträge: 6.328
Danke für die Glückwünsche

Zitat:
Zitat von jannjazz Beitrag anzeigen
Starker Auftritt. 23.12., oder?
Jep, ist ein tolles Datum finde ich ...

Zitat:
Zitat von Diver Beitrag anzeigen
Super Bericht, herzlichen Glückwunsch!

Tipp für Kasterlee: dafür sorgen, dass die für Dezember bestellte "Dürreperiode" nicht schon im November da ist!
Es wird warm und trocken, ich hab immer viel Glück mit dem Wetter

Zitat:
Zitat von drullse Beitrag anzeigen
Das ist ja frustrierend. So wenige.

Ansonsten: gut gemacht, bei dem Wetter wirklich selektiv.
Man gewöhnt sich dran, an die wenigen Starterinnen. Bei so getrennten Starts ist es natürlich etwas komisch. In Falkenstein fällt es nicht so auf, aber in Weyer wo jede einzelne Startnummer vorgestellt wird, damit auch genau weiss mit wem man es zu tun hat, darf man halt nicht drüber nachdenken, wenn man hinten ankommt. Ist halt wie wenn man Marathon in 3:20 rennt und nach 3:30 kommen noch die, die nen schlechten Tag hatten.
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