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Alt 17.09.2018, 15:26   #13169
Jörn
Freier Beobachter zur Erfassung der allgemeinen Lage
 
Registriert seit: 22.09.2006
Beiträge: 2.488
Hallo qbz, nehmen wir an, ich würde die Studie an bestimmten Punkten kritisieren. Das ist statthaft. Wie könnte man nun herausfinden, ob die Kritik zutreffend ist oder nicht? Daten liegen ja keine vor.

Die Studie gibt Auskunft darüber, wie Fragebögen ausgefüllt wurden. Die Studie gibt jedoch keine Auskunft über die zugrunde liegenden "Originaldaten" (was also wirklich in den Akten stand), und auch nicht, was wirklich geschah (denn in den Akten kann ja alles mögliche Zeugs stehen, oder auch gar nichts).

Rechtsanwaltskanzleien, die von den Diözesen beauftragt wurden, sind nicht objektiv und nicht unabhängig. Sondern sie wachen im Gegenteil scharf darüber, dass ihr Mandant keinen Schaden zu befürchten hat. Wäre das anders, hätten sie einfach die Akten kopiert, die Namen ggfs. geschwärzt, und die Akten dann den Wissenschaftlern zur Verfügung gestellt. Genau das geschah nicht. Warum nicht?

Außerdem: Welche Anwaltskanzleien? Wo sind Namen, Adressen, Personen, Ansprechpartner? Was waren ihre Kriterien bei der Auswahl der Akten? Wie kann man überprüfen, ob die Kriterien auch eingehalten wurden? Hier wird "unabhängige Objektivität" oder "Ehrlichkeit" lediglich vorgetäuscht. Wenn es zutrifft, dass die Formulare teilweise von den Anwälten (!) der Tätergruppe (!) ausgefüllt wurden, dann ist das EIN WITZ!

Ja, vielleicht waren alle Anwaltskanzleien ehrlich. Aber dies zu beurteilen ist nicht Sache der Kirchen und nicht Sache der Kanzleien. Sondern es ist die Sache von Experten, die dazu die Originaldaten benötigen.

Du sagst, man muss bei soziologischen Studien auch Schätzungen und Unsicherheitsgrade akzeptieren. Aber diese Unsicherheitsgrade können quantifiziert werden, beispielsweise +/- 10%. Aber wie will man diese Ziffer abschätzen, wenn man die Originaldaten nie gesehen hat?

Die Kirchen geben sich hier den Anstrich der Wissenschaftlichkeit und der Objektivität. Sorry, aber dann müssen sie auch nach den Regeln der Wissenschaft spielen. Das ist nicht verhandelbar.
Jörn ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.09.2018, 22:34   #13170
qbz
Szenekenner
 
Benutzerbild von qbz
 
Registriert seit: 24.03.2008
Beiträge: 3.544
Du stellst u.a. Fragen, die Dir entweder nur die in der Kirche mit dem Vorgang befassten Personen und / oder die Studienverfasser beantworten können. Auch sollte man erst die vollständige Publikation abwarten, bekannt ist bisher ein Vorabbericht. In der Regel beantworten universitäre Studienleiter Mail-Fragen zu ihren Veröffentlichungen. Ich habe damit positive Erfahrungen gemacht. Aber soweit ich es sehe, handelt es sich sowieso eher um rethorische Fragen.

Dein Maßstab an die Studie, in allen Fallen bis 1946, wo sex. Kindesmissbrauch bestätigt ist oder vermutet wird, aufzukären, "was wirklich geschah", erscheint mir aus diversen Gründen illusorisch (Täter oder Opfer sind verstorben oder unbekannt verzogen, widersprechende Aussagen, Erinnerungslücken bei Zeitangaben, Befragungsverweigerung usf.). Deswegen finde ich eine seriöse, umfassende, standardisierte Auswertung der Personal- und Handakten seit 1946 eine gute, legitime Forschungsmethode, um einen Überblick in der Breite zu erhalten. Es handelt sich auch um keine Studie, die auf einer Stichprobe beruht.

Geändert von qbz (18.09.2018 um 10:25 Uhr).
qbz ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.09.2018, 20:04   #13171
Jörn
Freier Beobachter zur Erfassung der allgemeinen Lage
 
Registriert seit: 22.09.2006
Beiträge: 2.488
Zitat:
Zitat von qbz Beitrag anzeigen
...eine seriöse, umfassende, standardisierte Auswertung der Personal- und Handakten seit 1946 eine gute, legitime Forschungsmethode
Einverstanden. Seriosität, Standardisierung, und Vollständigkeit sind sicherlich lobenswerte Tugenden der Wissenschaft.

Was wäre, wenn Zweifel an der Seriosität, Standardisierung, und Vollständigkeit der Studie geäußert würden? Wer Seriosität für sich in Anspruch nimmt, muss Zweifel an dieser Seriosität ausräumen können. Das ist aber nicht möglich, weil die Daten geheim gehalten werden. Insofern sehe ich nicht, was an dieser Studie seriös sein soll? Sie verstößt gegen einfachste Prinzipien.
Zur "Vollständigkeit": Die 500 Jungs der Regensburger Domspatzen finden sich in der Studie nicht, obwohl es ein besonders umfangreicher und perfider Fall von Missbrauch war. Sie werden mit keinem Wort erwähnt. Ist hier nicht ein Zweifel bezüglich der Vollständigkeit angebracht?

Zur "Standardisierung": Niemand, auch nicht die Wissenschaftler, können Auskunft darüber geben, ob die von ihnen gewünschten Standards eingehalten wurden. Dazu bräuchten sie als Vergleich die Originaldaten, und die haben sie nicht.

Zur "Seriosität": Bis jetzt ist kein einsichtiger Grund bekannt, warum eine zutreffende Statistik über die Missbrauchsfälle ausgerechnet in den Kirchen-Archiven zu finden wäre. Ist das nicht von vornherein albern? Ist das nicht sogar der schlechteste Ort, um danach zu suchen? Müsste man nicht vielmehr auf der Seite der Opfer recherchieren? Müsste man nicht mindestens diese beiden Quellen miteinander vergleichen?

qbz, wir können diese Debatte auf sich beruhen lassen. Die Argumente sind ausgetauscht. Mein Standpunkt ist, dass eine Geheim-Studie mit geheimen Daten, die keiner sehen darf, prinzipiell nicht wissenschaftlich ist und daher zurückgewiesen werden muss, egal was drinsteht. Das gleiche würde ich sagen, wenn es um Atheismus oder um das Leben auf dem Mars ginge. Wer eine Studie veröffentlicht, muss die Daten prüfbar machen, oder er kann die Studie für sich behalten.
Jörn ist offline   Mit Zitat antworten
Alt Gestern, 07:51   #13172
qbz
Szenekenner
 
Benutzerbild von qbz
 
Registriert seit: 24.03.2008
Beiträge: 3.544
Zitat:
Zitat von Jörn Beitrag anzeigen
...........

qbz, wir können diese Debatte auf sich beruhen lassen. Die Argumente sind ausgetauscht.
Ich denke auch, dass wir unsere Sichtweisen ausgetauscht haben und es damit bewenden lassen sollten.

Einen kurzen Kommentar zu Deinen Einwänden möchte ich aber anfügen:

Domspatzen: Darüber gab es bekanntlich 2017 einen detailierten Bericht. Soweit kannte ich auch die Vorabberichte der Studie nicht, um zu sehen, ob diese Fälle miteinbezogen wurden oder nicht.
https://www.sueddeutsche.de/bayern/k...ager-1.3592913

Standardisierung: Ich meinte damit den psychologischen Fachbegriff: "standardisierter" Fragebogen und Verfahren. Prinzipiell wäre der Vorgang der Aktenauswertung wiederholbar und er findet bei korrekter Standardisierung so weit wie möglich unabhängig von der Person desjenigen statt, der den Fragebogen ausfüllt.

Befragung der Opfer: Wie erhalten die Studienleiter die Schilderungen der Opfer (über Aufrufe?) und wie können sie abschätzen, wieviele der Betroffenen sich bei ihnen melden? Auch dieses Vorgehen hat seine Nachteile.

Geändert von qbz (Gestern um 10:30 Uhr).
qbz ist offline   Mit Zitat antworten
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