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triathlon-szene.de | Europas aktivstes Triathlon Forum - Einzelnen Beitrag anzeigen - Ultraman Hawaii 2017 und 2018
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Alt 26.10.2018, 00:26   #223
DEJO
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Beiträge: 1.572
Hier noch der Text zum Video.

From the Ocean to the top of the world

Ich habe es zum zweiten Mal getan. Ein verrücktes Ding, aber sowas liebe ich. Körperliche Höchstleistung verbunden mit Abenteuer. Beim ersten Mal, vor zwei Jahren, fegte beim Laufen ein gräßlicher Wind. Mir prasselten Eisgraupel und Schneeregen ins Gesicht. Die Sicht war schlecht, ich hatte mich verlaufen. Auf dem Humu’ula Trail auf Hawaii. Ja, du hast richtig gelesen. Schnee und Graupel auf Hawaii. Denn meine Odyssee führte mich auf den eigentlich höchsten Berg der Welt, den Mauna Kea. Sein Gipfel misst 4205 Meter, dort lag mein Ziel. Naja, denkst du jetzt, das ist ja wohl nicht der höchste Berg? Lächerlich? Nö. Denn der Mauna Kea beginnt etwa 6000 Meter unter dem Meer. Er ist ein gigantischer Vulkan. Er schläft, aktiv war er das letzte Mal vor ein paar Jahrtausenden.

Im Dezember 2017 wiederholte ich meine Mauna Kea Odyssee. Ich wollte bei hoffentlich besseren Bedingungen meine 2015er-Zeit von 8,5 Stunden verbessern.
Mein Buddy aus Kona, Peaman, begleitet mich. Start ist am legendären Kona Pier, dort, wo auch der Ironman Hawaii beginnt, jeder Triathlet kennt diesen Ort. 6:50 Uhr geht es los. Ein lockerer Aufgalopp, ökonomisch geschwommen, ich wusste, wie hart es noch werden würde. 4,3 Kilometer Schwimmen, ein bisschen länger als die Ironmanstrecke in 1h15. Umziehen, einen Riegel, aufs Rad. 89,2 Kilometer liegen vor mir. Pfff, ist doch nix, meinst du? Stimmt, aber ich muss auf dieser Strecke insgesamt mehr als 3000 Höhenmeter bewältigen.

Los geht’s vom Pier über die Palani Road zur Upper Road, Richtung Waimea auf den ersten 10km gleich 700 HM. Nach gut 40 Kilometer biege ich ab auf die Saddle Road, Richtung Hilo. Nun geht’s bergauf, ununterbrochen, fast 50 Kilometer. Die Landschaft ist traumhaft. Nicht so, wie man sich Hawaii gemeinhin vorstellt. Nur Lava, Büsche, Gras, hunderte von kleinen Vulkanhügeln. Im Gegensatz zu meiner ersten Mauna Kea Odyssee ist es heute heiß. Über 30 Grad. Das ist hier eher ungewöhnlich. Dafür habe ich sogar teilweise leichten Rückenwind. Aber keine Salztabletten. An die hatte ich wirklich nicht gedacht. Ich schwitze. Der Schweiß rinnt mir übers Gesicht. Verdammt. Ich bin schon auf über 2000 Metern. Ich fahre an riesigem Militärgebiet vorbei. Kein Haus steht hier. Einsame, wilde, karge Landschaft. Nach etwa 79 Kilometern geht es links ab, Richtung Mauna Kea. Mein Ziel ist das Visitor Center, dort starte ich den Lauf zum Gipfel. Die Straße windet sich nach oben. Zum großen Teil richtig steil, 18 Prozent und mehr. Ich ärgere mich. Die Salztabletten. Erste Krampfansätze, das darf doch nicht wahr sein, mental bin ich angeknockt.

Dumme Idee ohne Stöcke

Aber endlich. Die letzte Kurve. Dann begrüßen mich meine Frau Judith und Lexi Decarli am Visitor Center. Jede Menge Touristen starren mich an, wahrscheinlich sehe ich wirklich komisch aus, hier auf 2800 Metern mit meinem Rennrad. „What are you doing, dude?“ Och …. Nur noch hoch, ein kurzer Trailrun, 10 Kilometer, 1400 Höhenmeter. Schotter, Lavagestein, Sand und immer weniger Sauerstoff. Die Höhe merke ich schon recht schnell. Und genau das ist eine der ganz großen Herausforderungen dieser Odyssee. Dein Körper muss ohne Akklimatisierung mit der Höhe und Sauerstoffmangel klarkommen. Und das merkst du. Mir ist ein bisschen schwindelig. Ich muss mich konzentrieren. Wo setze ich meinen Fuß, wie groß mache ich den nächsten Schritt. Denn der Untergrund ist erst steinig, dann sandig, ich habe kaum Abdruck, rutsche immer wieder zurück. Muss aufpassen nicht zu stolpern. Die ersten vier Kilometer sind steil. Mist, denke ich mir, Stöcke wären jetzt gut, waren aber in Kailua partout nicht aufzutreiben. Das nächste Mal werde ich sie dabei haben. Jetzt muss es ohne gehen. Die Orientierung ist besser als beim ersten Mal, das Wetter phantastisch.

Den Sternen ganz nah

Die Straße, auf der Wissenschaftler und Touristen auf den Gipfel fahren, verläuft parallel und ist manchmal zu sehen. Wie viel einfacher wäre es, dort zu laufen. Ich höre meinen Herzschlag. Das Einzige, was ich höre. Und mein Atmen. Und meine knirschenden Schritte. Alles um mich herum gleicht einer Mondlandschaft. Ich habe Rückenschmerzen, Krämpfe im Hüftbeuger, Magenprobleme. Aber dann. Ein unwirklicher, erhabener Moment: Plötzlich erscheinen wie eine Fatamorgana die Teleskope. Observatorien, mit denen Wissenschaftler aus 11 Nationen die Sterne beobachten. Peaman ist mir entgegengelaufen, ich freu mich, ihn mit seinem witzigen „Sylvester“-T-Shirt zu sehen. „You are amazing“, ruft er mir zu, „The hawk soares to the top!“ . Leider noch nicht ganz. Ich quäle mich, begleitet von Peaman, über die letzten Schottermeter auf die Straße. Dann laufen wir gemeinsam auf Asphalt die letzten zwei, noch sehr steilen Kilometer zum Gipfel. Aber es ist so viel einfacher als auf dem losen Geröll und Vulkansand, denke ich mir und staune gleichzeitig über den Schnee, der hier noch herumliegt. Es ist tatsächlich kalt geworden, Judith und Lexi jubeln mir in Dauenenjacke und Mütze zu. „It’s enough!“ Umarmung, hawaiianische Blumenkränze - Leis -, Selfies. Wir schauen auf ein Wolkenmeer. „From the Ocean to the top of the world“, lacht Peaman. Ich bin fertig aber glücklich.

FIGURES:
Swim 4,3 km 1h15
Bike 89,2 km 4h27 3.020 HM 141 HR 220 Watt
Run 10 km 2h15 1.410 HM 138 HR
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Total 8h00 4.430 HMIch
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