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Gozzy 14.03.2017 09:53

Meiner Meinung nach kann das System nicht funktionieren. Ich kann mir zwar vorstellen, dass es Einsparpotential gibt. Wenn zum Beispiel neben Hartz IV auch Leistungen wie Kindergeld, Erwerbsminderungsrente, Witwenrente, Waisenrente etc. alles unter den Hut der Grundversorgung steckt (gerade im administrativen Bereich).

Wie bereits angesprochen werden einige arbeiten und einige nicht. Da der Bedarf an Gütern aller Art weiter besteht wird es auch weiter den Handel mit Gütern geben. Die Annahme ist mal eine Grundversorgung von 100 €/ Monat.
Die produzierenden Unternehmen stehen aber vor zwei Fragen. Einerseits wer möchte für zusätzliche 1000 € (das ist schon hochgegriffen) morgens um 3 Uhr aufstehen und Brötchen backen? Hat das Auswirkungen auf den zu zahlenden Lohn? Selbst wenn ich jemanden finde der damit zufrieden wäre stellt sich für den Bäcker die zweite Frage. Warum sollte ich meine Brötchen für x verkaufen wenn ich die Brötchen mit dem selben Aufwand auf für 1,5x verkaufen kann? Die Kaufkraft steigt kurzfristig an und somit auch die generelle Zahlungsbereitschaft für diverse Güter.
Für mich steigen somit so oder so langfristig die Preise womit eine Grundversorgung sich selbst aufzehrt. Die Folge wäre ein Anheben der Grundversorgung (wenn man den Gedanken fortführen will), welche man irgendwie finanzieren muss.

Stefan 14.03.2017 10:01

Zitat:

Zitat von DocTom (Beitrag 1295819)
.
Den "Armen" wird ja dauernd erzählt, sie könnten es auch nach oben schaffen, schaffen es aber natürlich nie! Diese Hoffnung führt zur Unterstützung des Systems bzw. bei Realisation, dass man es halt doch trotz viel Bemühungen nicht schafft dann zu Hoffnungslosigkeit.

Sorry, aber z.B. in Deutschland stehen einem doch alle Türen offen. Wer nicht auf den Kopf gefallen ist und in der Schule halbwegs was lernt, kann danach in 3-4 Jahren einen Bachelor machen. Die Studiengebühren/Semesterbeiträge sind in Deutschland ein Witz. Wer arme Eltern und kein Einkommen hat, bekommt Bafög. Wer nicht unbedingt in Hamburg oder Berlin studieren will, findet eine FH mit bezahlbarer Studenten-WG. So schlimm sind die Lebensbedingungen in Deutschland nicht, wenn man eine gute Berufsausbildung, einen Handwerkermeister oder ein Studium absolviert hat.

OnTopic: Ich bin kein Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommens. Ich bin eher ein Befürworter davon, möglichst viel Geld in die Aus-, Fort- und Weiterbildung der Bevölkerung zu investieren und die Menschen dazu zu motivieren, das Angebot zu nutzen.

Ein Bedingungsloses Grundeinkommen finde ich riskant, solange die Volkswirtschaften der Staaten untereinander konkurrieren.

schoppenhauer 14.03.2017 10:17

Zitat:

Zitat von Stefan (Beitrag 1295824)
Sorry, aber z.B. in Deutschland stehen einem doch alle Türen offen. Wer nicht auf den Kopf gefallen ist und in der Schule halbwegs was lernt, ....

Und selbst von denen die nichtaufdenkopfgefallen auf die Welt kommen, schaffen es heute nur noch wenige, der sozialen Situation des Elternhauses zu entkommen.

Das ging in den 70'ern, 80'ern und 90'ern super, jetzt ist das aber wieder vorbei.

Gozzy 14.03.2017 10:25

Zitat:

Zitat von DocTom (Beitrag 1295819)
...
Ich sehe sowas wie in "Tribute von Panem" auf uns zukommen.
...

Das haben wir doch schon. Wir schmeißen Tonnenweise das Essen weg und 4000 km südlich verhungern die Kinder. (Auch wenn es fast polemisch klingt - eine finale Lösung habe auch nicht parat)

Shrimps werden in Norwegen gefangen und per Schiff nach Nordafrika zum schälen gebracht um diese dann in Europa zu verbrauchen. Wie abartig ist das denn bitte?

Und wenn man sich so etwas wie DSDS anschaut dann haben wir bereits jetzt respektlose und menschenverachtende Unterhaltung auf Kosten unserer Mitmenschen. Wir bemitleiden und betrauern das Leid der Welt über den like Button (bitte nicht falsch verstehen) und senden dann trotzdem nur Katzenbabyvideos um die Welt. Auf der anderen Seite verspotten und missbrauchen wir unsere Jugend in solchen Sendungen. Diese Scheinheiligkeit und Respektlosigkeit sind große Probleme der heutigen Gesellschaft.

Schwarzfahrer 14.03.2017 11:03

Zitat:

Zitat von captainbeefheart (Beitrag 1295814)
Zu dem Thema "zinslose Wirtschaft" nur soviel: Es ist eine relativ alte Idee von Gesell zum Beginn des 20. Jahrhunderts, die letztlich mit der Aufgabe von privaten Eigentum verbunden ist. ....in der Praxis ist es entlang der radikalen Voraussetzungen ein realistisch nicht umsetzbares Wolkenkuckucksheim.

Sehe ich auch so. Die Idee mag prinzipiell nett sein, setzt aber eine homogene Menschheit voraus, wo niemand zu mehr strebt, als was er ist und hat, weil man schon alles hat. Die menschliche Natur ist aber anders: man möchte mehr besitzen, mehr werden, mehr gelten - mehr als selber zuvor, zumindest so viel wie der Nachbar.

Und die Ungleichheit auf der Welt ist gewaltig - das wird bei 12 Milliarden nicht weniger, als es bei 4 Milliarden Menschen war. Diese Ungleichheit werden Menschen immer versuchen auszugleichen - entweder durch Gewalt (Hunnen, Mongolen, Somalische Piraten...) oder durch eben wachstumsorientierte Wirtschaft (aktuell bestes Beispiel China).

Wem es kaum noch besser gehen kann (davon gibt es viele in den Industrieländern m.M.n.), wird zwar gerne auch etwas davon abgeben - aber so viel, daß es allen gleich gut geht, dann doch wieder nicht. So selbstlos wird nie eine Mehrheit sein, höchstens eine Minderheit von Idealisten - wünschenswert, aber zu wenig, um die Welt zu verändern.

MattF 14.03.2017 11:32

Zum Zins, bzw. der zinslosen Wirtschaft:

Der Gag ist ja, dass sich der Zins selbst abgeschafft hat.

Also wenn die Verfechter der zinslosen Wirtschaft mit ihrem Beispiel der 5% und Verdopplung in 15 Jahre hausieren gehen, dann haben sie auf der einen Seite Recht, das geht nicht ewig so weiter.

Genaus das ist ja aber passiert, es geht nicht ewig so weiter. Das System hat sich selbst stabilisiert und es gibt halt keine 5% Zinsen mehr, sonder teilweise sogar Negativzinsen, für hohe Vermögen.

Ansonsten haben die 2 Themen in meinen Augen wenig miteinander zu tun.

Das bedingungslose Grundeinkommen halte ich auch für ein überlegenswertes Modell.
Man muss aber ganz deutlich sagen, dass es ein kapitailistische Modell ist, das dafür steht den Kapitalimus zu retten :Huhu:

DocTom 14.03.2017 12:00

Zitat:

Zitat von Stefan (Beitrag 1295824)
Sorry, aber z.B. in Deutschland stehen einem doch alle Türen offen. Wer nicht auf den Kopf gefallen ist und in der Schule halbwegs was lernt, kann danach in 3-4 Jahren einen Bachelor machen...

Wem sagst Du das, Stefan? Ich habe zwei Studiengänge (Bio/Informatik) belegt, in einem mich Promoviert. Bin aber aus einer Arbeiterfamilie und wenn Du dann probierst, für gute Ideen zum Geldverdienen Startkapital einzusammeln, macht sich das auch bemerkbar. Die Banken zum Beispiel sind da auch aktuell sehr reserviert.

Würde mich und meine Familie daher aktuell trotz guter Bildung eher im mittleren Wohlstandsmittelfeld in D sehen. Es geht mir und meiner Familie recht gut, ich leiste mir "bessere" Bildung für meine Kinder. Selbständige Tätigkeit ist allerdings, wie der Name sagt, alles selbst und ständig zu machen. Meine Kunden hätten am liebsten 7/24 Service, und dank europäischer Jobausschreibungen konkurriere ich mit osteuropäischen billig Serviceanbietern.
Das rechnet sich realistisch kaufmännisch betrachtet (hab auch eine Ausbildung zum Kaufmann erfolgreich abgeschlossen) irgendwann nicht mehr, wenn Dir die Kunden Angebote unterhalb des Mindestlohnes vorlegen. Bildung und Ausbildung ist also sicher nicht mein Problem.

Aber, 80% meiner Ehemaligen Biologie Studienkollegen machen heute beruflich etwas ganz anderes. Viele fahren tatsächlich Taxi. Bei den Informatikern sind viele "nur" in Bereichen gelandet, die mMn auch ausgebildete Fachinformatiker machen können. Ist das Deiner Meinung nach Zielführend? Und ab 40 mag Dich dann auch niemand zurück in das Angestelltenverhältniss übernehmen. Häufig gehört: für unsere Ausschreibung überqualifiziert...

Lesestoff dazu, falls Du noch Aspekte zu Deinem Standpunkt hinzufügen möchtest...

Kapital mehrt trotzdem Kapital, die Netzwerke und nicht was Du kannst, sondern wen Du kennst zählen wieder mehr in D und auf der Welt.
Mein lieblings Beispiel dazu ist Lars Windhorst
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaf...t-1926508.html
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unt...-a-850855.html
Sozusagen von 0 auf 100 auf 0 und wieder auf 100...
Und wer zahlt da am Ende die Zeche? Der Michel...

@Matt:
Zitat:

Zitat von MattF (Beitrag 1295844)
..., sonder teilweise sogar Negativzinsen, für hohe Vermögen.

Ansonsten haben die 2 Themen in meinen Augen wenig miteinander zu tun.

Das bedingungslose Grundeinkommen halte ich auch für ein überlegenswertes Modell.
...

http://www.wiwo.de/finanzen/geldanla.../11388748.html

15,5% Rendite auf Ihre Milliardenanlagen ist wohl nicht negativ...
;)
Alle gesellschafts-, wirtschafts- und sozialpolitischen Themen dieser Welt sind miteinander verknüpft, Einzelbetrachtungen führen halt immer zu starker Polarisierung.
Frau Merkel hat z.B. recht, wenn Sie die lange Zeit von Frieden in Zentraleuropa aufgrund der wirtschaftlichen Verknüpfungen vieler Länder heraushebt. Warum aber strebt "die Welt" wieder mehr Richtung Krieg? Ungleichverteilung von Kapital, Wohlstand und Eigentum.
Wenn "man" erstmal nichts mehr zu fressen hat, sucht man nach Änderungen, und die schnell. Geschichte wiederholt sich evtl. doch...
omtc
Thomas

captainbeefheart 14.03.2017 12:43

Zitat:

Zitat von schoppenhauer (Beitrag 1295827)
Und selbst von denen die nichtaufdenkopfgefallen auf die Welt kommen, schaffen es heute nur noch wenige, der sozialen Situation des Elternhauses zu entkommen.

Das ging in den 70'ern, 80'ern und 90'ern super, jetzt ist das aber wieder vorbei.

Hast Du für diese Behauptung irgendwelche Hinweise, Belege, Zahlen?

Nach meiner Kenntnis haben wir heute die höchste Abiturquote ever: Von 1992 West 33% und Ost 23% auf 2010 49%.

Und der Anteil Uni-und FH-Absolventen hat sich von 1990 14% auf 2010 29% verdoppelt.


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 16:27 Uhr.

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